Ernährung und Krebs
Die Mehrzahl der Vegetarier übt diese Lebensform vorwiegend nicht aus gesundheitlichen sondern aus ethischen Gründen und nimmt die gesundheitlichen Vorteile vegetarischer Ernährung nur als angenehme Draufgabe. Daß auch die Schulmedizin trotz aller Einflußnahme mächtiger Wirtschaftsinteressen einer vegetarischen oder fast vegetarischen Ernährung immer mehr abgewinnen kann, ist erfreulich. Der hier beschriebene Bericht bringt zwar kaum neue Erkenntnisse, ist aber doch aufgrund seines weltumspannenden Umfangs von besonderer Bedeutung.
Eine Zusammenfassung des Berichts des World Cancer Research Fund von Paul Appleby (aus EVU News, 4/1997):
Der erste weltweite Bericht über Ernährung und Krebs, der im September 1997 vom World Cancer Research Fund (Welt-Krebsforschungsfonds) zusammen mit dem American Institute for Cancer Research (Amerikanisches Krebsforschungsinstitut) veröffentlicht wurde, ist ein beeindruckendes Dokument. Food, Nutrition and the Prevention of Cancer: a global perspective (Nahrung, Ernährung und Krebsverhinderung: Ein globaler Überblick) ist ein 650 Seiten langer Bericht, verfaßt von 15 Wissenschaftlern aus 9 Ländern, die von mehr als 100 Mitarbeiter unterstützt wurden, und die über 4.000 Studien über Ernährung und Krebs ausgewertet haben.
Laut Bericht könnte das Auftreten von Krebs weltweit um schätzungsweise 30 bis 40 Prozent verringert werden. Dies entspräche 3 bis 4 Millionen Fällen pro Jahr. Berücksichtigt man außerdem die Wirkung des Rauchens, wären 60 bis 70 Prozent aller Krebsfälle verhinderbar..
Der größte Teil des Berichts besteht aus einer Wertung der Verbindung zwischen vielen Nahrungsmitteln und Getränken, Nährstoffen, Verarbeitungs- und Lagermethoden, Körpergröße und körperlicher Aktivität und 18 weit verbreiteten Krebsarten. Bei krebserregenden bzw. krebsverhindernden Faktoren wird die Verbindung als "überzeugend", "wahrscheinlich" bzw. "möglich" gewertet. Allgemein verringern pflanzliche Nahrungsmittel das Krebsrisiko. Beispielsweise verringert Gemüse das Krebsrisiko in den Bereichen Mund, Rachen, Speiseröhre, Lunge, Magen, Dickdarm und Mastdarm (überzeugend), Kehlkopf, Bauchspeicheldrüse, Brust und Blase (wahrscheinlich), Leber, Eierstöcken, Gebärmutterschleimhaut und -hals, Prostata, Schilddrüse und Niere (möglich). Obst hat eine ähnliche Wirkung. Es verringert das Krebsrisiko in Mund- und Rachenraum, Speiseröhre, Lunge und Magen (überzeugend), Kehlkopf, Bauchspeicheldrüse, Brust und Blase (wahrscheinlich) sowie Eierstöcke, Gebärmutterschleimhaut und -hals und Schilddrüse (möglich). Alkohol, Fleisch, Fett und Fettleibigkeit dagegen erhöhen das Risiko, an bestimmten Krebsarten zu erkranken. Vermutlich erhöht der Fleischverzehr beispielsweise das Risiko, an Dick- oder Mastdarmkrebs zu erkranken und erhöht möglicherweise das Risiko für Bauchspeicheldrüsen-, Brust-, Prostata- und Nierenkrebs. An Vegetariern durchgeführte Studien haben gezeigt, daß sie allgemein geringer an Krebs erkranken und ein geringeres Risiko für bestimmte Krebsarten haben. Dabei sind bereits die Auswirkungen anderer Faktoren wie z.B. Rauchen und körperliche Aktivität berücksichtigt. Dieses verringerte Krebsrisiko liegt nicht nur daran, daß Vegetarier kein Fleisch verzehren, sondern auch daran, daß sie mehr und eine größere Vielfalt an pflanzlichen Lebensmitteln verzehren, die viele krebshemmende Stoffe enthalten.
Die Wissenschaftler geben dem Einzelnen wie auch Politikern insgesamt
14 Ernährungsempfehlungen:
So wird u.a. folgendes geraten:
Ernähren Sie sich vorrangig von pflanzlichen Nahrungsmitteln. Verzehren Sie dabei eine große Vielfalt an Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten und möglichst gering verarbeitete stärkehaltige Grundnahrungsmitteln
Achten Sie auf ein vernünftiges Körpergewicht (der sogenannte BMI, bei dem das relative Gewicht ermittelt wird, indem man sein Gewicht in kg durch die Körpergröße in Metern im Quadrat dividiert, sollte zwischen 18,5 und 25 kg/m² liegen)
Bewegen Sie sich täglich eine Stunde lang (schneller Spaziergang o.ä.) und treiben Sie mindestens eine Stunde pro Woche intensiv Sport wenn Ihre Tätigkeit nur wenig körperliche Arbeit erfordert
Verzehren Sie das ganze Jahr über täglich 400-800 Gramm bzw. mindestens fünf Portionen verschiedener Gemüse und Obstsorten.
Verzehren Sie täglich 600-800 Gramm bzw. über sieben Portionen verschiedener Getreidesorten, Hülsenfrüchte, Wurzeln, Knollengewächse und Bananen. Bevorzugen Sie dabei möglichst unverarbeitete Lebensmittel. Schränken Sie Ihren Verzehr an raffiniertem Zucker ein
Beschränken Sie ihren Alkoholkonsum auf weniger als zwei alkoholische Getränke pro Tag (Männer) bzw. ein alkoholisches Getränk pro Tag (Frauen) oder trinken Sie keinen Alkohol
Beschränken Sie Ihren Konsum an rotem Fleisch auf weniger als 80 Gramm pro Tag oder essen Sie kein rotes Fleisch.
Schränken Sie Ihren Konsum an fetthaltigen Speisen, insbesondere an tierischen Fetten ein.
Schränken Sie Ihren Konsum an salzigen Nahrungsmitteln und die Verwendung von Koch- und Tafelsalz ein
Weitere Empfehlungen beziehen sich auf das
Lagern und Konservieren von Nahrungsmitteln (Empfehlungen Nr. 10 & 11), das Überwachen der Sicherheit von Nahrungsmittelzusätzen, Pestizidrückständen und anderen chemischen Schadstoffen in der Nahrung (Empfehlung Nr. 12), das Vermeiden verbrannter Lebensmittel (Empfehlung Nr. 13) und die Verwendung von Nahrungsergänzungspräparaten, die als "vermutlich unnötig und möglicherweise nicht hilfreich bei der Verringerung des Krebsrisikos" (Empfehlung Nr. 14) eingestuft werden. Außerdem wird empfohlen, weder zu rauchen noch Tabak zu kauen.
Der Bericht ist sicher kein vegetarisches Manifest, sagt jedoch eindeutig aus, daß eine pflanzliche Ernährung am besten vor Krebs schützt. Die Verbindung vegetarischer oder veganer fettarmer Ernährung in Verbindung mit körperlicher Betätigung, dem Erhalt eines normalen Körpergewichts und der Vermeidung von Tabak stimmt vollkommen mit den Empfehlungen dieser wichtigen Veröffentlichung überein.
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