Inhalt Nr.2/2015

Erwin Lauppert
TTIP und CETA 3
Abschaffung der Demokratie? 3

Reinhard Farkas
Ungeteilter Frieden 4
Zum 50. Todestag von Johannes Ude

Philipp Michael Schwinghammer
Porphyrios 7
Über die Enthaltsamkeit vom Beseelten

Im veganen Fast-Food-Restaurant 9

Monika Halsegger-Hofer
Ernährung und Schulerfolg 10

Vegetarische Informationen 12

Tipps und Infos 13
Gesellschaft für humane Nutztierhaltung
Neues im Eierregal der Supermärkte 14

Michaela Schaller
Brett vor dem Kopf 15

orrespondenz mit unseren Lesern

16 Bücher 18

Notizen 19
EU-Kommission: vier Jahre Verzug 21
Keine Definition für „vegetarisch/vegan“

Helmut F.Kaplan
Licht ins Dunkel 22

Steffen Jahsnovski
Cartoon

ichaela Schaller
Terroralarm im Putenstall? 23

Impressum 8

Seite 2:

Liebe Leserinnen und Leser

Die Sommerzeit ist eine schöne Zeit für gesundheitsbewusste Vegetarier. Obst und Gemüse in Hülle und Fülle, von nah und nicht von fern. Wenigstens die Hälfte des täglichen Essens , so bedeutende Ernäh-rungsfachleute, soll aus Obst und Gemüse bestehen. Möglichst Bio, manch Konventi-onelles, etwa Äpfel, wird schrecklich viel gespritzt.

Der Hauptartikel unserer Sommernummer ist Johannes Ude zu seinem 50. Todestag gewidmet. Heutigen wird der Name kaum etwas sagen, doch namentlich zur Zeit der ersten Republik war der aufmüpfige ka-tholische Universitätsprofessor und dreifa-che Doktor (zur Theologie noch Medizin und Nationalökonomie, in Österreich und darüber hinaus der bekantest Verfechter vegetarischer Lebensweise.

Er war übrigens einer der ganz wenigen, die sich trauten, öffentlich gegen das Juden-pogrom im November 1938, die so genannte Reichskristallnacht zu protestieren. Ude hatte, der Ende des 19. Jahrhunderts entstandenen Lebensreformbewegung ver-bunden, ursprünglich etwas Sympathie für den Nationalsozialismus, der manch refor-merische Idee aufgegriffen hatte, wurde aber bald eines Besseren belehrt. Als in Graz die Synagoge brannte, stand er davor und rief laut „Das ist eine Kulturschande, ich schäme mich Deutscher zu sein, und schrieb das auch dem steirischen Gauleiter. Jeder andere wäre wohl gleich ins KZ gekommen, bei Ude wagte es das Regime nicht, so bekam er bloß Gauverbot. Er blieb immer unbeugsam. Als nach 1945 eine Zeitschriftredaktion ihn bat, in einem Arti-kel strafrechtlicher Folgen wegen scharfe Passagen zu mildern, weigerte er sich: Ich habe mich vor dem Nazi-Staatsanwalt nicht gefürchtet (kurz vor Kriegsende war über ihn die Todesstrafe verhängt worden), ich fürchte auch den österreichischen nicht. Soweit die Vergangenheit.

Aus der Gegenwart gibt es Positives und Negatives zu berichten, es ist in dieser Nummer verzeichnet.
Liebe Leserinnen und Leser , wir wünschen Ihnen eine schöne Sommerzeit!

Ihre anima-Redaktion

Seite 3:

TTIP und CETA
Abschaffung der Demokratie?


Dunkle Unheil kündende Wolken oder Sonnenstrahlen, Nebeldun durchbrechend? TTIP, das Transatlantische Freihandelsab-kommen , offiziell Handels- und Investiti-onspartnerschaft (englisch Transatlantic Trade and Investment Partnership), und CETA, das Pendant mit Kanada, stehen im Meinungsstreit. Die Verhandlungen, unter größter Geheimhaltung der Details zwischen EU und USA geführt, sollen Ende dieses Jahres abgeschlossen sein, CETA ist bereits ausverhandelt, bedarf jedoch noch der par-lamentarischen Genehmigungen.
Viele Wirtschaftskreise sind ebenso wie die Mehrheit der Regierungen der EU-Staaten für das Abkommen, sie sehen darin Chan-cen für das Wirtschaftswachstum, Steige-rung des Bruttoinlandsprodukt und mehr Arbeitsplätze, Steigerungen, die sich aller-dings aauch nach optimistischen Gutachten eher im Promille-Bereich halten.

Die andere Seite bezweifelt den Wachs-tumsimpuls, der Warenverkehr mit Amerika sei auch ohne Zusatzvertrag rege (500 Mrd. Export in die USA 2013). Es sind vor allem Arbeitnehmer-, Konsumenten-, Umwelt-Organisationen, die in TTIP den drohenden Verlust mühsam erkämpfter Schutznormen sehen, die teilweise Unterwerfung der Bür-ger und der Gesetzgebung unter das Diktat internationaler Konzerne fürchten, also die faktische Abschaffung der demokratischen Ordnung.

Schon die extreme Geheimhaltungspolitik der EU lässt nichts Gutes erwarten. Sach-lich sind es vor allem zwei Punkte, die auch dem Tierschutz Anlass zu großer Besorgnis geben.

Produktion und Waren müssen meist im Interesse des allgemeinen Wohls bestimmte Standards erfüllen. Die können in den USA und der EU unterschiedlich sein, zweifellos kein Handelsfördernis.
Dem will TTIPP begegnen, entweder mittels „Harmonisierung“ d.h. faktisch Milderung der strengeren Norm, oder durch Anerken-nung beider Standards, d.h. Waren dürfen importiert werden, wenn sie den Normen des Herkunftslandes entsprechen, mögen die im Empfängerland auch strenger sein. Auf den Tierschutz angewandt: Schweinehalter müssen in der EU ihren Tieren eine bestimmte Mindestfläche gewähren, in den USA idR nicht. Das so billiger „produzierte“ US- Schweinefleisch könnte so den europäischen Markt überschwemmen und die strengere heimischen Tierschutznorm praktisch hinfällig machen. Tatsächlich isst es erklärtes Ziel von CETA, den Schweinefleischexport aus Kanada zu erleichtern.

Der zweite fast noch gefährlichere Punkt, der Investorenschutz: Mindert ein neues Ge-setz den Ertrag aus bereits getätigten Inves-titionen, kann der Investor die Differenz ein-klagen. Ein Beispiel von vielen: In Ägypten wurde vor kurzem gesetzlich ein Mindest-lohn eingeführt. Prompt wurde der Staat von einem französischen Konzern, der in Ale-xandria in Wasserversorgung investiert hatte, auf 87 Millionen $ geklagt, gestützt auf ein vier Jahrzehnte altes Abkommen..

Einleuchtend, dass so fast jeder soziale Fort-schrift und – sobald sich zB ein amerikani-scher Fonds an einem heimischen „Tierpro-duktionsbetrieb“ beteiligt – auch jede Verbesserung des Nutztierschutzes praktisch verhindert werden kann.

Darum NEIN zu TTIP und CETA!

azu siehe auch Seite 19.

Erwin Lauppert
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