Inhalt Nr.3/2014

Themen in dieser anima:


Von Liedern und Zahlen
Orpheus, Pythagoras und die Anfänge
des Vegetarismus in Europa

Mehr auf Seite 4

Wer erhört Hühnergeschrei?
Armes Küken, armes Huhn
Kein Ei ist gut

Mehr auf Seite 8

Das Dilemma
Lässt Michverzicht Schweine sterben?
80.000 – 800.000 – 8,000.000

Mehr auf Seite 9

Wie vegetarische Restaurants gründen?
Seite 6

Fleisch essen die falsche Richtung
Weiderind gegen Spinat?
Seite 14

Kriegsopfer Tier
Seite 18

Aufschrei gegen Massentierhaltung
Steirische Initiative gegen Riesenställe
Tagung am 17.Oktober

Mehr auf Seite 22

Tierrechtskongress
Wien 9.bis 12.Oktober

Mehr auf Seite 23
U.a.: Do 9.10. 18.30: Hilal Sezgin, Artgerecht ist nur die Freiheit“
Do 9.10. 20.15: Prof. Farkas „Tierschutzbewegung in Österreich vor 11914“
Fr 10.10. 11 Uhr: Diskussion Veggieboom: Kaplan. Hnat. Lauppert, Zösch
Sa 11.10. 14 Uhr:Melanie Joy, Speaking troth to power (Vortrag in Englisch)

Und außerdem: Gesundheitstipps, Restauantbesprechung, Buchrezensionen und mehr
Hier noch einige Ergänzungen::
Warum nur in Graz? 6
Restaurant Ginko
Weltvegetariertag, Gründe für „Kein Fleisch“ 7
Hilft vegan den Tieren 8, 9
Irmela Erckenbrecht
Vitamin B12- Aufgepasst! 10
Glyphosat, Angora, Lederschuh
Impressum 12
Vegetarische Informationen 13
Monika Halsegger-Hofer, 16
Milchverzichtt aus gesundheitlicher Sicht
Krieg 18, Bücher 18,19
R.Pöppinger, Tiere im Ersten Weltkrieg;
F.Schmitz, Tierehik;
Fleischatlas 2014;
DVD Der letzte Fang und Live and let live;
Vegan in Wien;
M.Masanobu, Der große Weg hat kein Tor;
I.Erckenbrecht, Probier’s vegan;
A.M.Paternina, Mais - das goldene Korn;
C.Goldner, lebenslänglich hinter Gittern

 

SEITE 2:

Liebe Leserinnen und Leser,

der Herbst ist gekommen, Zeit nach geruh-sameren Sommertagen gestärkt an die Arbeit zu gehen. Gleich jetzt im Oktober ein wichtiger Schwerpunkt, nach drei Jahren wieder ein Tierrechtskongress, eine Heer-schau von Ideen, Vorhaben, Reflexionen, Ausblick, Rückblick.
Auch in der anima finden Sie einen kleinen Rückblick, ganz weit zurück in die Uran-fänge des Vegetarismus (Seite 4) und zuvor, Welttierschutztag, das Gedenken an die Lichtgestalt des hl. Franziskus. Wer könnte es eindrucksvoller als ein begnadeter Dich-ter. Dann wieder nach vorn geblickt zur Praxis. Wie lässt sich die vegetarische Infra-struktur verbessern? In manchen Städten steht es gut um die fleischlosen Speisestät-ten, in anderen schlecht. Kann auch ein Nicht-Gastronom helfen (Seite 6)?
Um Missverständnisse zu vermeiden, wir verstehen nach alter Übung unter vegetarisch sowohl den gemäßigten als auch den strengen jetzt meist vegan genannte Zweig. Und weil wir schon beim Wortdeuten sind: Wir vermeiden das das Lesen erschwerende Binnen-I und die Zeilen fressende Ersatz-übung, im Text männliche und weibliche Form nebeneinander zu stellen, nicht aus ideologischen Gründen, einfach weil es praktikabler ist. Das im hergebrachten Sprachgebrauch meist übliche grammati-kalisch männliche Geschlecht schließt also Frauen mit ein und umgekehrt wenn üblich das weibliche auch das männliche. Wenn wir also von Gänsen sprechen, meinen wir die Gänseriche ebenfalls.
Vom Formgeplänkel zu wichtigeren Prob-lemen. Wir hatten in den letzten Nummern der Zeitschrift unsere nüchterne Wahrneh-mung mitgeteilt: Milchverzicht bedeutet wenigstens unter den gegebenen österreichi-schen Verhältnissen – es geht hier nicht um die umstrittene gesundheitliche Frage – so-lange die Mehrheit Fleisch isst, nur eine Verlagerung von Tierleid, nämlich von Rin-dern auf Schweine und so genanntes Mast-geflügel; und denen geht es im allgemeinen schlechter. Es wäre also beim Fleisch anzu-setzen – deshalb und weil der 1. Oktber Welt-Vegetarier-Tag ist, auf Seite 7 wichtige Gründe für die vegetarische Lebensweise. Die Wahrnehmung zur Milch hat einige Aufregung verursacht; sie gefällt uns nicht, aber wir können Tatsachen nicht ändern. Dazu nochmals einige klärenden Worte und Anregungen, wie lässt ich Rindern insbe-sondere kälbern helfen (Seite 9). Noch eine Klarstellung: Anders als bei der Milch, beim Ei greift Veganismus (Seite 8).
Ein anderes kontroversielles Thema greifen wir auf: Landwirtschaft (Pflanzenbau) und Tierleid. Ansonsten, wie üblich gibt es die Bücherseiten und einiges mehr. Unsere Zeitschrift soll der Information und auch der Diskussion dienen und zum Nachdenken anregen. Wir freuen uns über jede Reaktion und jeden Meinungsbeitrag,
Ihre anima-Redaktion

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Franziskus

Die Tiere alle waren ihm vertraut
Und kamen treu auf seinen Ruf gesprungen.
Die Eselin war schön wie eine Braut,
Der Rabe hat ihm seinen Schmerz gesungen.

Und früh im Morgenrot die Nachtigall
Flog an die Gitterstäbe seiner Zelle.
Die Spinne warf auf ihn sich wie ein Ball,
Vor seinen Wimpern tanzte die Libelle.

Und wenn er flüsternd seine Sprüche sprach,
Und seine Hände Weihrauchfässer schwangen:
Voll Vögeln schwirrte jubelnd das Gemach,
Und aus den Wänden selbst die Lerchen sangen.


Klabund
(1890 - 1928)

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Von Liedern und Zahlen
oder
Wie Orpheus und Pythagoras den Vegetarismus in Europa begründeten


Philipp Michael Schwinghammer


Wir kennen sie alle aus unserer Schulzeit noch allzu gut, seien es die Sagen um den Sänger Orpheus, als er mit Jason und Her-kules nach Kolchis segelte, um das Goldene Vlies zu stehlen oder als er versuchte seine verstorbene Frau Eurydike aus der Unter-welt zu befreien oder sei es der berühmte Satz des Pythagoras a2+b2=c2. Interessant scheint vielmehr, dass gerade diese beiden Gestalten der Mythologie und Geschichte die Begründer des europäischen Vegetaris-mus darstellen, der eine als Musiker, der andere als Mathematiker und Philosoph.

Beginnen wir mit dem Musiker. Orpheus soll in Thrakien als Sohn der Muse Kalliope, der schönstimmigen, der ältesten und weisesten der neun Musen, und des Fluss-gottes Oiagros bzw. des Gottes Apollon (die Quellen sind sich an diesem Punkt nicht einig) geboren sein. Als junger Mann bekam er eine Lyra von Apollon geschenkt und seither galt Orpheus als der beste Sänger seiner Zeit, sodass er nicht nur Götter und Menschen, sondern sogar Tiere, Pflanzen und Steine betören konnte. Der Gesang galt im alten Griechenland als Stilmittel für epi-sche und mythologische Erzählungen. Singen bedeutet erzählen, bedeutet Konversation, das heißt Orpheus hat nicht bloß gesungen, er stand mit der Natur, in der er lebte, im Einklang. Dadurch gilt er als Urheber der sogenannten Orphik, einer religiösen Strömung des 6./5. Jahrhunderts v. Chr., welche sich mit dem Konzept der Seelen-wanderung beschäftigte und somit auch mit einer gewissen Gleichheit der Seelen von Mensch und Tier.

Damit wir das besser verstehen können, tauchen wir noch ein wenig tiefer in die griechische Mythologie ein. Dieses Konzept der Seelenwanderung, des Lebens nach dem Tod spiegelt sich in der Geschichte von Or-pheus und Eurydike wider. Nachdem Eury-dike von einer Schlange gebissen wurde und daraufhin starb, versuchte ihr Mann Or-pheus, sie wiederzugewinnen, indem er in die Unterwelt hinabstieg und Hades selbst bat, sie gehen zu lassen. Wieder war es sein Gesang, der ihm dazu verhalf, dass seiner Bitte stattgegeben wurde. Jedoch mit der Bedingung, dass er vorangehen müsse. Als Orpheus beim Aufstieg zur Oberwelt jedoch die Schritte seiner Frau nicht mehr hörte, blickte er zurück, um nachzusehen, ob es ihr gut gehe und durch diesen Fehler ver-schwand seine Frau für immer in der Un-terwelt. Diese Szene zeigt das Menschliche in Orpheus Handeln. Er ist zwar in der Lage, in der Natur im Einklang zu sein, aber nicht über sie zu herrschen, denn er ist schließlich nur ein Teil von ihr sowie auch die Tiere und Pflanzen ein Teil von ihr sind.

Pythagoras hingegen ist eine historisch fassbare Person, die sowohl für die Philoso-phie, als auch für die Mathematik von Be-deutung ist. Auf der Insel Samos geboren, ließ er sich im Alter in der Stadt Kroton in Süditalien nieder und gründete dort einen Orden, die so- genannten Pythagoräer
r, welche in Metapontum und Tarent ihren Einfluss auf die lokale Politik übten, aber durch eine Veränderung der politischen Verhältnisse gezwungen waren nach Grie
chenland zurückzukehren. Unter den natur wissenschaftlichen und philosophischen
Aspekten ihrer Lehre sei hier insbesondere der Aspekt der Seelenwanderung erwähnt und eben weil die menschliche Seele in andere Lebewesen demnach übergehen kann, wurde der Verzehr von Tieren als Kannibalismus und Mord aufgefasst. Der Schriftsteller Iamblichos schreibt in seiner Vita des Pythagoras über die Regeln der Pythagorä er. Besonders interessant ist hier für uns Regel 39, die in Altgriechisch „empsychon apechou“ und übersetzt „ent-halte dich der beseelten Lebewesen“ be-deutet. Die Bezeichnung „empsychoi“ ist hierbei interessant, „psyche“ bedeutet „Seele“ und das Präfix „em-“ bedeutet „in-nen oder hinein“, also „diejenigen, in denen sich eine Seele befindet“. Mit diesem scheinbar einfachen Wort drückt Pythago-ras die Gleichberechtigung zwischen Mensch und Tier aus, beide besitzen See-len und deswegen darf man sie nicht essen, weil durch das Prinzip der Seelenwande-rung zwischen Mensch und Tier nicht un-terschieden wird. Größter Kritiker über diese Lebensweise des Pythagoras war der Römer Aulus Gellius, der im 2. Jahrhun-dert nach Christus also ca. 700 Jahre nach Pythagoras gelebt hatte und seine fleisch-lose Lebensweise anzweifelte. Nach Gelli-us hätten zum Beispiel neugeborene Tiere und Hähne als nicht beseelt gegolten, was auf eine nicht rein vegetarische Lebens-weise hindeuten würde. Der Großteil der Quellen geht aber von einer fleischlosen Lebensweise der Pythagoräer aus, welche auch mit dem Prinzip der Seelenwanderung logisch einhergeht.

Was haben nun Orpheus und Pythagoras gemeinsam?
Sie sind Symbolfiguren für ein orphisch-pythagoreisches Verständnis von Mensch und Tier und obwohl der eine mit Liedern und der andere mit Zahlen sein Leben verbrachte, bilden sie zusammen das histo-rische Fundament der vegetarischen Le-bensweise in Europa.


Um eines kleinen Bissens Fleisches willen

berauben wir eine Seele
der Sonne und des Lichtes
und jener Spanne
an Leben und Zeit,
für die sie in die Welt
hineingeboren wurde,
um sich an ihr zu erfreuen.


Plutarch
ca. 46 – 125 n. Chr.

 

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Veggie-Resturants
Warum nur in Graz?
Restaurant Ginko


Vor ein paar Wochen hat Ginko, eines der beiden großen Grazer vegetarischen Selbstbedienungsrestaurants nach einmonatigem Umbau, von einem norwegischen Design-Büro gestaltet, wieder geöffnet: Viel Natur, Recycling, Holz und Vintage bringen die Philosophie des Restaurants auch visuell zum Ausdruck, so die Presseausendung zur Eröffnungsfeier. Durch kluge Einteilung wurde die Zahl der Sitzplätze auf 120 bis 120 erhöht, in derwarmen jahreszeit kommen noch ca 50 auf der überdachten Terrasse dazu – zur Mittagszeit quillt das Lokal über.
Auch der zweite etwas größere Betrieb, Mangolds, kann über Gästemangel nicht klagen; dazu gibt es noch eine Reihe kleinerer vegetarischer Lokale.

Das führt zur Frage, warum ist dagegen das vegetarische Gaststättenangebot in manch anderen Städten so mager?

Was ist das Erfolgsrezept von Ginko? Natürlich einmal gutes und preiswertes Essen. „An der reichhaltigen Buffetinsel lässt sich selbst schnell und einfach ein vielfältiges Menü aus Speisen verschiedenster Länder und Kulturen zusammenstellen. Obligatorisch ist nach wie vor das tägliche indische Gericht.... ein fulminantes Salatbuffet ... Die Speisen werden an der Kassa nach Gewicht verrechnet (1,45 ¤/100 g) .... Nachhaltigkeit, biologischen Anbau und Fair Trade ... Der Großteil des Speisenangebotes ist rein pflanzlich und einiges auch glutenfrei (Pressetext). einem fulminanten Salatbuffet

Dazu gastronomisches und betriebswirtschaftliche Erfahrung, Organisationstalent und voller Einsatz.. Da alles brachte Albin Gilma mit, als er 1995 den Betrieb eröffnete. Andere die es zuvor mit viel jugendlichem Elan doch ohne Erfahrung versuchten, waren gescheitert. Auch Gilma hatte anfangs manche Durststrecke zu überwinden und es brauchte Zeit, bis der richtige Weg gefunden war.
Jetzt zu unserem eigentlichen Thema. Wie lässt sich vegetarische Gastronomie in anderen Städten verdichten oder überhaupt erst schaffen. Mit Jammern und auf die Märchenfee warten sicher nicht. Zum Gastronomen ist nicht jeder geboren. Voraussetzung für einen neuen Betrieb ist nicht nurkönnen, es braucht auch Kapital. Hier käme schon ein größerer Personenkreis, der ein bisschen Geld hat, in Frage. Risikokapital statt in Baukonzern-Anleihen in vegetarischer Gastronomie anlegen: Wer nimmt es in die Hand?


GINKO – Grazbachgasse 33/Ecke Klosterwiesg. (nächst Jakominiplatz), 8010 Graz
T 0316 815625, www.restaurant-ginko.at
Mo–Fr 11.30 – 21Uhr, Sa 11.30 – 19 Unr

SEITE 7:

Der 1. Oktober ist Welt-Vegetarier-Tag

Auf Initiative der nordamerikanischen Vegetarier Organisation (North American Vegetarian Society) wurde am Welt-Vegetarier-Kongress in Schotland 1977 der 1. Oktober als Weltvegetariertag ausgerufen. Seither feiern vegetarische Organisationen überall auf der Welt diesen besonderen Tag jedes Jahr. Der Weltvegetariertag hat die segensreichen, mitfühlenden und lebensbejahenden Aspekte des Vegetarismus zum Thema, von denen einige nachfolgend aufgezählt werden:

Gesundheitliche Beweggründe
" ...eine umsichtig geplante vegetarische Ernährung ist gesund und angemessen, bietet gesundheitliche Vorteile bei der Vermeidung und Heilung von gewissen Krankheiten." (Stellungnahme der Amerikan. Ernährungswissenschaftlichen Vereinigung (ADA) 2003)

Mitgefühl mit Tieren
Etwa 90 Millionen Tiere werden jährlich in Österreich geschlachtet, darunter rund mehr als70 Millionen „Mastgeflügel, 6 Millionen Schweine, 7 Millionen Legehennen. In Großbritannien sind es 800 Millionen Hühner, 15 Millionen Schafe, 9 Millionen Schweine und 3 Millionen Rinder jedes Jahr. (Quelle: Compassion in World Farming) – "Die Frage heißt nicht: können Tiere denken oder reden, sondern können sie leiden." (Jeremy Bentham)

Ö kologisches Bewusstsein
Beispiel: zunehmender Wassermangel: Man braucht 15.000 Liter Wasser für die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch und nur 500 Liter für ein Kilogramm Kartoffeln
(Quelle: Compassion in World Farming Trust, 2002)

Klimaschutz
Laut Welternährungsorganisation(FAO) der UNO trägt die Nutztierhaltung mehr zur Klimaerwärmung bei als der gesamte weltweite Verkehr.

Individueller Beitrag zur Lösung des Welthungerproblems
Ungefähr 60 % des Weltverbrauchs von Gerste, Roggen, Hafer, Hirse u.a. wird für Tierfutter verwendet. In Industrieländern wird ein zunehmender Anteil der Weizenernte an Tiere verfüttert – 45 Prozent des Gesamtverbrauchs in der EU. Fast 900 Millionen Menschen auf der Welt leiden an Hunger.
Quelle : euroveg.eu und andere

SEITE 8:

HÜHNERGESCHREI

In den letzten Nummern der anima wurde die Frage diskutiert, inwieweit vegane Form der vegetarischen Ernährung Tierleid mindern kann. Wir vertraten dabei die Meinung, Milchverzicht bedeute unter den gegebenen österreichischen Verhältnissen natürlich weniger Milchtiere; insgesamt würde sich aber die Zahl der Tiertötungen für Nah-rungszwecke nicht verringern. Dies, weil bei uns das Zweinutzungsrind (meist Fleckvieh) vorherrscht, das nicht nur der Milch- sondern auch der intensiven Fleischgewinnung dient. Anstelle der Rinder müssten Schweine, Hühner etc. ihr Leben lassen. Fiele die 800kg-Fleckvieh-Kuh und ihr Sohn, der Maststier, als Fleischquelle weg, würden die Fleischgierigen sicher nicht zum Gemüseschnitzel, sie würden zum Schwei-nernen oder anderem Fleisch greifen. Nur Fleischverzicht kann hier die Tötungszahlen mindern.


Wir meinten darum, es wäre klüger, statt sich angestrengt zu bemühen , Menschen gleich zum Veganismus zu bekehren, den leichteren und mehr Erfolg versprechenden Weg zu wählen, möglichst viele Leuten vorerst einmal den Laktovegetarismus nahe zu bringen.

Diese These hat zum Missverständnis ge-führt, dies gelte auch für den zweiten Hauptpunkt der veganen Form der vegetari-schen Ernährung, nämlich den Ei-Konsum. Beim Ei liegt es anders. Zweinutzungsrassen wurden schon vor langem aus den Zuchtprogrammen der wenigen Konzerne, die den Hühnermarkt beherrschen ver-schwunden; das einst als Arme-Leut’-Essen eher minder bewertete billige Suppenhuhn (altgediente Legehennen) ist, da die Mast-hähnchen (die erschreckende Haltung ist bekannt) noch billiger geworden sind, aus den meisten Lebensmittelmärkten ver-schwunden.
Es gibt praktisch nur zwei Zuchtlinien:

- Masthähnchen, das sind in etwa fünf Wo-chen schlachtreif qualgezüchtete Jungtiere beiderlei Geschlechts; daneben gibt es manchmal noch viel teurere in zehn Wochen hochgemästete Bio/Freilandhähnchen
und
- Legehennen, zu bedenklicher Hochleistung gezüchtet, die nach meist etwa einem Jahr intensiver Legeleistung im Alter von etwa eineinhalb Jahren getötet und meist als Tierfutter verwertet werden. Die männlichen Küken werden wenige Tage alt auf mehr oder minder unschöne Art vernichtet. (Neuerdings laufen einige Versuche mit neuen Zweinutzungsrassen; die Frage: Ist es für ein männliches Küken erstrebenswert, nicht gleich sterben zu dürfen sondern nach zehn Wochen den harten Weg zum Schlachter antreten zu müssen?)

Das Fleisch der Legehennen spielt für die menschliche Ernährung praktisch kaum mehr eine Rolle.
Wer Ei isst, ist also für den Tod der Lege-henne nach kurzem häufig wenig schönem oder sogar qualvollem Leben und für den Tod der männlichen Küken verantwortlich. Wer das nicht will, darf kein Ei essen, auch kein Freilandei. Gute Freilandhaltung bringt den Hennen zwar ein leichteres Leben und ist natürlich der Bodenhaltung und gar der Käfighaltung entschieden vorzuziehen, am Tod der Henne nach in der Regel eineinhalb Jahren und am Tod des männlichen Kükens kann sie nichts ändern.
Es bleibt daher bei unserem alten Slogan:

Ei?

Besser kein’s,
aber wenn schon ein’s,
dann das Freilandei, aber
nur mit dem Kontrollsiegel:

 

SEITE 9:

DAS DILEMMA:

80.000 - 800.000 - 8,000.000

Zur Vegan-Debatte – Ist Milchvezicht taugliche Hilfe – Wie können wir Kälbern helfen?
Eine Portion Nachtigallenzungen oder eine Portion Rindszunge?


In der letzten anima (und auch in früheren Nummern) hatten wir dargelegt (wie auf der Vorseite nochmals begründet), Milchverzicht brächte unter den gegebenen österreichischen Verhältnissen unterm Strich keine Minderung von Tierleid sondern nur Verlagerung von Rindern auf Tiere, denen es noch schlechter geht. Das hat uns herbe Schelte eingetragen und den Vorwurf, wir wären Veganismus-Gegner. Der Vorwurf ist töricht. Genau so könnte man unsere ORF-Wettertante Christa Kummer beschuldigen, sie sei Schönwetter-Feindin, nur weil sie häufig Regen ankündigt. Christa Kummer und wir haben Tatsachen festgestellt: die mögen gefallen oder nicht – wir hätten auch lieber, es wäre anders – doch es wäre lächerlich, Tatsachen aus ideologischen Gründen zu ignorieren und den Regenschirm daheim zu lassen.

Die Gesundheitsfrage beiseite gelassen; aus ethisch/moralisch/tierrechtlichen Gründen auf tierische Produkte zu verzichten, als Grundsatz und als Statement, als Aufruf gegen Tierausbeutung, um der trägen Welt, um den Menschen die Augen zu öffnen, um zu zeigen, dass es auch anders geht, ist gut und schön; so wie es eine edle Tat wäre, würfe jemand seine Kleider weg und ginge nackt durch die Straßen: als Protest gegen die Ausbeutung unserer Textilarbeiterinnen; die leben bekanntlich – wie Schweine, Hühner, Mastrinder unseren Augen verborgen – weit weg in Bangladesh. (Hoffentlich ginge es ihm dann nicht wie einst dem Waluliso, Friedens- und Umweltpropagandist, der zur Wiener Fremdenverkehrsattraktion verkam – heuer wäre er hundert Jahre alt geworden.

Statements in Ehren, nur: Um allen Tieren, nicht nur einer bevorzugten Art, zu helfen, bedarf es mehr als Tierleid von Rindern auf Schweine zu verlagern und Laktovegetarier schlecht zu machen oder Mörder zu heißen. In Österreich werden jährlich grob gerechnet achtzig Millionen Tiere (einschließlich 500.000 Milchkühe oder Kälber) aufgegessen, Fische nicht mitgezählt. Durch Milchverzicht stirbt – in der Gesamtrechnung – kaum ein Tier weniger, eher mehr, leider.


Unser Hauptproblem ist nicht das Milchtrinken, es ist das Fleischessen. Konzentrieren wir uns nicht darauf, Laktovegetarier zu Veganern zu machen, bemühen wir uns, Fleischessern vorerst den gemäßigten Vegetarismus nahe zu bringen. Das ist schwer genug – immerhin kleben immer noch mehr als 90 Prozent der Bevölkerung am Fleisch – aber es brächte den Tieren insgesamt viel. Da hat sich jemand allen Widerständen der Familie und des Freundeskreises zum Trotz endlich zum Fleischverzicht durchgerungen und der Veggie-Gemeinde reicht das nicht – wird er dann nicht zu den Fleischtöpfen zurückkehren?
In einem Interview in der Tierrechtssendung auf Radio orange wurden mir in ergreifenden Worten 80,000 alljährlich qualvoll zu qualvoller Mast ins südliche Europa transportierte Kälber vorgehalten. Dem ließe sich in nicht minder zu Herzen gehenden Worten das Schicksal von 800.000, nein fünf Millionen Ferkeln und dann Schweinen, das tragische Leben von acht, nein siebzig Millionen Kükem und Junghühnern entgegenhalten. Das bringt nichts. Ursache all dieses Elends ist der Fleischhunger, da gilt es anzusetzen.

Ü brigens, selbst wenn die Zahl der Veganer in den nächsten Jahren auf fünf Prozent, ja selbst wenn sie auf utopische zehn Prozent anstiege, müssten immer noch 72,000 Kälber auf die Elendsreise. Alle, denen ihr Schicksal wirklich am Herzen liegt, sind aufgerufen, ´sich mehr einfallen zu lassen als keine Milch zu trinken.

Wir bemühen uns zum Beispiel im Verein mit der Gesellschaft für humane Nutztierhaltung auf die maßgeblichen Stellen einzuwirken, Milch aus tierfreundlicherer Haltung auf den Markt zu bringen: tierfreundliche Haltung nicht nur der Kühe, auch ihrer Kälber, Milch aus ‚Muttergebundener Kälberhaltung’ (wie der Fachausdruck lautet). Wir glauben, dafür ließe sich eine erheblich größere Zahl von Konsumenten gewinnen als für den Milchverzicht, und damit für viele Kälber ein besseres Leben. Vorerst stoßen wir auf gleichgültige Ablehnung. Vor dreißig Jahren, als wir das Freilandei propagierten als Alternative zum Käfigei, war es ähnlich (an Ei-Verzicht war damals nicht zu denken). Man nannte uns weltfremd, ein so teures Ei kauft doch keiner. Wir brachten es dennoch in die Lebensmittelmärkte und es wurde gekauft.

Alle, denen Kälberschicksal nicht gleichgültig ist, sind herzlich eingeladen, mitzuarbeiten.


Große oder kleine Tiere essen egal?

.In der vorerwähnten Radiodebatte konnte ich zur Argumentation meines Gesprächspartners, es dürfe keine Rolle spielen ob das Tier, das gegessen wird, groß oder klein ist, nicht mehr Stellung nehmen.

arum hier kurz: Sicher, Liliputaner haben genau so viel Lebensrecht wie groß gewachsene Menschen und kleine Tiere genau so viel wie große.

Eine Portion Rindszunge oder eine Portion Nachtigallzungen gefällig?

Zugegeben: die Nachtigallzungen sind demagogisch, die Nachtigall nicht. Es gibt Länder, gar nicht weit weg, wo heute noch wenn auch eher illegal kleine Singvögel als Leckerbissen dienen, und Wachteln und Kaninchen gibt es auch bei uns zu kaufen. Ob um hundert Menschen zu sättigen, ein großes oder hundert kleine Tiere ihr Leben lassen müssen, macht glaube ich schon einen Unterschied, wenigstens für die hundert kleinen.

Erwin Lauppert


Vitamin B12 – Aufpassen!

Irmela Erckenbrecht (Auszug aus Probier’s vegan)

Das heuer im pala-verlag erschienene Buch haben wir auf Seite 20 besprochen. Die Autorin befasst sich in ihrem Werk ausführlich mit der für Veganer besonders wichtigen Vitamin B12-Frage. Mangelnde ... siehe Papierausgabe und Buch

 

SEITE 12:

Glyphosat in der Muttermilch
Glyphosat tötet alle Pflanzen, außer sie sind gentechnisch manipuliert. Die unermesslichen Gensojafelder in Argentinien z.B werden damit besprüht. Seit der Einführung von Gensoja, sagt dort ein Universitätsprofessor, nehmen im Anbaugebiet Krebserkrankungen zu und erschreckende Missbildungen von Neugeborenen. Vielleicht weil Schutzmaßnahmen gegen den Sprühregen aus Flugzeugen fehlen, während unsere Bauern, wenn sie gefährliche Pestizide und Insektizide verteilen, Schutzmasken tragen.
Glyphosat wird von den Pflanzen und in weiterer Folge über die Nahrungskette vom Menschen aufgenommen, soll sich jedoch laut offiziellen Stellen nicht im Körper anreichern, sondern mit dem Harn wieder ausgeschieden werden.
Gegen diese Annahme spricht ein neues Untersuchungsergebnis in den USA: In Muttermilch wurde das Gift gefunden, in einer bis zu zehnmal höhere Konzentration als im Harn. Während Unweltorganisationen entschieden vor der Anwendung des Gifts warnen, sehen die offiziellen Stellen keine Gefahr.
In Europa wird es angewandt, um Pflanzenwuchs gänzlich zu verhindern, und besonders in der Landwirtschaft zur Sikkation, d.h. zur Abtötung von Unkraut und oberirdischen Pflanzenteilen vor der Ernte, z.B. bei Erdäpfeln oder manchem Getreide.
Gensoja soll gängiges Futter in der heimischen konventionellen Schweinemast sein.
Quellen: Provieh-Magazin Kiel u.a.Weil der Winter kommt
Angora? –Nein!
Angorawolle kömmt häufig aus China. Manche erinnern sich vielleicht noch an die Videos mit vor Schmerzen schreienden Kaninchen, die dort lebend gerupft werden,
,
Pelzkrägen?
Auch für ein kleines Krägelchen muss ein Tier leiden.

Kühen Chili in die Augen streuen?
Muss nicht sein – Kaufen sie Schuhe ohne Leder. Schuhe werden meist in Asien erzeugt. Den alten Kühen dort, deren Haut zu Leder und zu Ihren Schuhen wird, geht es häufig miserabel, auf dem letzten oft wochenlangen Weg zur Schlachtung wird ihnen nicht selten Chili in die Augen gestreut, zur Aufmunterung der Erschöpften.


Impressum
anima – Zeitschrift für Tierrechte, erscheint vierteljährlich
Medieninhaber und Verwaltung: Österreich-ische Vegetarier Union (ÖVU), Herausgeber und Redaktion: Arbeitskreis Tierrechte der ÖVU (Leitung Erwin Lauppert, auch für nicht gefertigte Texte verantwortlich), alle Rossegg 41, 8045 Graz-Oberandritz,
Tel. 0316-463717 und 0720 –349 056
email: anima@vegetarier.at
website: vegetarier.at und vegetarisch.org
ZVR-Zahl 90713 6740 BPD Graz, DVR 0955 906. Die ÖVU ist nur für als solche gekenn-zeichnete Texte verantwortlich, ansonsten die Vefasser. Fotos, soweit nicht angegeben: ÖVU.
anima bringt fallweise auch Beiträge der Gesellschaft für humane Nutztierhaltung, Adr.w.o., web: nutztierhaltung.org
email office@nutztierhaltung.org, ZVR 0950 015 445, BPD Graz. Druck: Emilio’s GmbH, Obergfellplatz, 1210 Wien.


Danke unseren Leserinnen und
Lesern
füt Beiträge und Spenden

Für die anima gibt es keine feste Abo-Gebühr, nur Kostenbeiträge nach Ihrem Ermessen. Wir freuen uns daher über finanzielle Beiträge ebenso wie über textliche.

SEITE 14:

(Ortstafel im Bild:)

FLEISCHESSEN – die falsche Richtung


Verursacht Vegetarismus mehr Blutvergießen als Fleisch essen? –

Sind Pflanzenesser Mörder? –

Zurück auf die Prärie zu den Büffeln? –

Den Mäusen zuliebe Kühe essen?


Im Jänner veröffentlichte der Betreiber der website Urgeschmack.de Felix Olschewski in seinem Blog einen Artikel, betitelt Verursachen Vegetarier mehr Blutvergießen als Fleischesser? Der Verfasser steht der so genannten Paläo-Diät, auch Steinzeit-Diät genannt, nahe, die i.w. Getreide, Hülsenfrüchte, Milchprodukte ablehnt und auf Fleisch, Gemüse und Obst setzt. Die Frage fiel mir wieder ein, als unlängst ein Schulkind seine Abneigung gegen Spinat kundtat: Seine Biologielehrerin habe erzählt, als Werkstudentin hätte sie in einer Tiefkühlfabrik gearbeitet; dort sei es ihre Aufgabe gewesen, im Spinat nach toten Mäusen zu suchen..

er Blog-Eintrag hatte im Winter zu hitzigen Kontroversen im Internet geführt.. Die anima war damals nicht darauf eingegangen, da sie zum Thema noch genauere Recherchen führen wollte. Olchewski ist entschiedener Gegner der modernen industriellen Massentierhaltung. Er meint jedoch, auch die heutige Getreide- und Sojaproduktion, der großflächige Anbau in Monokulturen, führe zum Tod zahlloser Tiere, bis zu 25 mal mehr als Weiderindfleisch. Er hat das nicht selbst ersonnen, er hat es von einem australischen Universitätsprofessor. Der, Mike Archer, hatte zwei Jahre zuvor im der dem interwissenschaftlichen Diskurs dienenden australischen Internetzeitschrift The Conversation das Problem zur Sprache gebracht. In seiner auf die Verhältnisse in dem uns fernen Kontinent bezogenen Abhandlung (sie blieb nicht unwidersprochen) mit der Überschrift Ordering the vegetarian meal? There’s more animal blood on your hands verwies er auf die große Zahl von Mäusen und anderen Kleintieren, die dem Getreideanbau zum Opfer fielen, schon beim Pflügen und vor allem: Jedes vierte Jahr vermehrten sich die Nager explosionsartig, fielen über das Getreide her, die Farmen begegneten dem Ansturm mit Gift. Ergebnis: schätzungsweise bis zu 500 tote Mäuse je Hektar. Der Professor berechnet: Ein kg Getreideprotein koste bis zu 25 mehr fühlenden Tieren das Leben als ein kg Weiderindprotein. (Anm. Mit dem mitteleuropäischen Getreideertrag und in Kalorien statt in Protein gerechnet wären es nur zweieinhalb Tierleben mehr. Ohne Giftwürden die meisten Mäuse wohl kurz nach der Ernte Hungers sterben).

Mäuse seien hoch entwickelte Tiere mit ausgeprägter Sozialstruktur, Mausmännchen betörten die weibliche Mäusejugend als Liedsänger; um die scharte

sich die jungen Mäusedamen ähnlich menschlichen Teenagern, die Popsänger anhimmeln.
Als Heilmittel gegen den Mäusemord em-pfahl der Professor, Kängurus zu essen und Weidetiere. Das mag vielleicht theoretisch für ein Land mit einer Bevölkerungsdichte von kaum drei Menschen pro km2, unermesslichen Weideflächen mit 130 Millionen Schafen und vielen Millionen Weiderindern – lassen wir die Gesundheit beiseite – ein gangbarer Weg sein. Wir wollen uns aber keine australischen Köpfe zerbrechen.

Eine Übertragung auf Europa scheitert nicht nur, weil es hier keine Kängurus gibt. Die Bevölkerungsdichte in den Ländern der Europäischen Union ist um vieles höher, 30, 60, 100 mal und mehr. Warum wohl hat bei steigender Menschenzahl die intensive Landwirtschaft extensive Viehhaltung verdrängt? Weil sie ein sehr Vielfaches an Ertrag bringt. Und noch etwas Wesentliches: Die Vegetationsperiode beträgt bei uns etwa ein halbes Jahr, für die andere Hälfte müssten wir Vorräte sammeln durch Wiesenmahd oder sonst mehr oder

eniger intensive Landwirtschaft. Damit wären wir wieder dort, wo unser Urgeschmackler weg will.
Auf Europa bezogene Berechnungen blieb Olshewski schuldig. Auch diese Frage ließ er offen: Ist bei Weiderindverzehr die Tötungsbilanz wirklich günstiger? Muss kein Tier durch Rinderzucht sterben als schließlich das Rind selber? Zertrampelt das mächtige Tier während der zwei, drei Jahre in der Natur nicht gelegentlich ein anderes, kleines, oder frisst es beim Grasen einfach mit? Oder zerstört seine Lebensgrundlage?
Die Weiderind-Theorie können wir also beiseite legen; was nicht heißt, dass sich Fleischfreunde an in enge Ställe gepferchten Mastrindern gütlich tun sollen. Wenn jemand schon unbedingt Fleisch essen will, ist aus Tierschutzsicht das – leider sehr seltene – echte Weiderind immer noch am besten.
Der Weide-Vorschlag hilft also nicht, die Ernährung der Weltbevölkerung pfleglich sicherzustellen. Doch es lässt sich nicht bestreiten, auch Pflanzen essen kostet Leben.
Die immer stärkere Industrialisierung der Landwirtschaft, der robuste Einsatz immer größerer Maschinen, verschärft die Sache.

Nicht, dass Feld- und Gartenarbeit nicht immer schon Streit mit all denen, die schon früher da waren oder kommen um mitzuessen, bedeutet hätte. Auch im kleinen Hausgarten musste sich die Bäuerin der Wühlmäuse und der Maulwurtsgrillen, die von unten her fraßen, der Schnecken, Vögel, der Hasen, der Rehe, die den Pflanzen von oben her zuleibe rückten, zu erwehen trachten, musste massenhaft Kohlweißlingsraupen von den Kohlköpfen klauben ... Die alten Jaina wussten, warum sie die Landwirtschaft mieden – wenngleich es eher urtümlichem Denken und weniger heutiger ethischer Wertung entspricht, sich Reinheit zu wahren, indem man die Dreckarbeit andere machen lässt.
Doch die Gefahren für das Getier durch von Ochsen gezogene Pflüge und durch händischen Sensenschwung waren gering im Verhältnis zu modernen Großmaschinen, die mit überbreiten Geräten über Felder donnern, das Raupen Klauben und Vögel Verscheuchen harmlos gegenüber dem massenhaften Chemieeinsatz in den Monokulturen, den erstmals die vor fünfzig Jahren gestorbene Rachel Carson im „Stummen Frühling“ geißelte.


Was tun? Biologische Landwirtschaft mindert das Chemieproblem, ansonsten kaum etwas. Der Urköstler, der nicht allein auf Fleisch setzt, empfiehlt Perma-Kultur. Frutarier gibt es seit langem, das Plantagen-Problem können sie auch nicht lösen.

Mögen Olschewski und Archer aus ehrlicher Liebe zu Mäusen schreiben, mag es nur billiger Vorwand sein, um ohne Gewissensbisse dem Fleischgenuss frönen zu können, mag ihre Rechnung falsch sein; auch wenn es einen Unterschied macht, ob wir uns gegen Angreifer wehren oder ob wir gezielt Tiere in die Welt setzen, in Kerkerhaft groß ziehen, um sie aufzuessen, dennoch:

Die Weide-Befürworter haben uns einen wichtigen Fingerzeig gegeben, sie haben ein Problem (wieder) ins Licht gerückt, das in vegetarischen Kreisen gern übersehen wird. Wie können wir die nun einmal unumgängliche pflanzliche Ernährung möglichst leidfrei gestalten?

Erwin Lauppert