Inhalt Nr.2/2014

Aus dem Inhalt (die Texte siehe weiter unten):

Sechs Jahre Zittern
Wr.Neustädter Tierschützerprozess
Nachklang – Ursachen
– Resümee
Machen Dauerdemonstrationen Sinn?
Mehr auf Seite 3 –5

Hilft vegan den Tieren?
Eiverzicht ja, Milchverzicht nein
Mehr auf Seite 12


Erst wenn es zum Himmel stinkt

Segen , Kulturschande, KZ?
Maßnahmenvollzug in der Kritik
Für Schimpfen lebenslänglich ins Gefängnis?
Mehr auf Seite 23 und 4

Zum Kainbacher Jagdprozess
Empörte Leserstimmen
Schweinsschnitzel versus Rehbraten
Stalking und die Folgen
Mehr auf Seite 17

Tierschutzparteien im EU-Parlament
Niederlande und Deutschland je ein Mandat
Von Recht und Politik – Eine kurze Geschichte
des politischen Tierrechts
Mehr auf Seiten 19, 21


Und außerdem: Gesundheitstipps, Restauantbesprechung, Buchrezensionen und mehr

 

Seite 1:

Zum Titelblatt:

Das schmückt diesmal ein Foto, das wir mit freundlicher Genehmigung des Nymphenburger Verlags dem jüngsten Buch Barbara Rüttings „Vegan & vollwertig – Meine Lieblingsmenüs für Frühling, Sommer, Herbst und Winter“ entnommen haben: Quiche aus einem Sommermenü. Mehr über das Buch steht in der Frühjahrs-anima.

Seite 2:

Liebe Leserinnen und Leser,


es ist Sommer geworden, eine gute Zeit für Vegetarier, ob der veganen oder der gemäßigten Richtung, Es gibt Obst und Gemüse, heimisches, in Hülle und Fülle, Labsal für unsere Gesundheit. Die Regale unserer Supermärkte bieten zwar ein immer reichhaltigeres Angebot an veganen Imitaten tierischer Nahrung, doch werden Stimmen laut, die meinen, ein Zuviel an manchen dieser Kunstprodukte wäre nicht sonderlich gesund. (Siehe dazu Seite 21). Nun, es gibt auch ein Menge althergebrachter veganer Lebensmittel, unverfälschte, all die Getreidesorten, ob als Mehl, Gries, Flocken oder Graupen, heimische Hülsenfrüchte usw. Genug vom Essen.

Aus den Medien wird Ihnen bekannt sein, der Wr. Neust+dter Tierschützer-Prozess ist endgültig Geschichte. Das Berufungsurteil des Oberlandesgerichts Wien ließ zwar befürchten, die Ankündigung einer Kampagne in der Generalversammlung einer Aktiengesellschaft könnte als Nötigungsversuch strafbar sein, doch der Wr.Neustädter Richter, der nochmals zu entscheiden hatte, sagte nein, Freispruch. Die Staatsanwaltschaft ließ es dabei bewenden. Sie war wohl der Meinung, endlich Schluss mit der Sache. Wir rekapitulieren das Geschehen und regen an, in Ruhe über die Zweckmäßigkeit mancher Tierschutzaktivität nachdenken (Seite 3 –5). Es mag übertriebene Sorge sein, wenn wir uns in diesem Zusammenhang und Medienberichten folgend auch über den so genannten Massnahmenvollzug sprechen Gedanken machen (S. 23 und 4).

Etwas Unerwartetes: Zwei Tierschutzparteien haben den Einzug ins EU-Parlament geschaft, siehe „Recht und Politik“ Seite 19/20 und auch 21). Was gibt es noch:

Auf den Bücherseiten zwei interessante Werke: Sezgin und Schweisfurth, Meinungsaustausch zum Thema Jagd und Jagdsabotagen (Seite 17/18) und manches mehr.

Auch in alten Schriften haben wir ein wenig gekramt (Seiten 11 und 12).

Liebe Leserinnen und Leser, wir wünschen Ihnen sonnige und erholsame Sommertage
Ihre anima-Redaktion

Aus dem Inhalt
Diesmal eine Neuerung: Auszugsweise finden Sie den Inhalt, schlagwortartig erläutert, auf der letzten Seite. Hier noch die vollständige Liste:
Sechs Jahre zittern 3
Restaurantbesprechung Landia Wien 6
Monika Halsegger-Hofer, 8
Fleischverzicht aus gesundheitlicher Sicht
Vegetarische Informationen 10
Aus alter Zeit 11
Hilft vegan den Tieren 12
Animal Machines 1964:
Gedenken an Ruth Harrison 12
Konsumenten-Info Milchprodukte 13
Bücher 14
Leserstimmen:
Zum Kainbacher Jagd-Prozess 17
P. M .Schwindhammer,
Recht und Politik 19
Tierschutzparteien 21
Notizen 21
Impressum 10


Seite 3:

Sechs Jahre zittern
Zum Wiener Neustädter Tierschützerprozess

Seit einem Monat ist er endgültig Geschichte, der Wiener Neustädter Tierschützer-Prozess. Die letzten Verfahren sind rechtskräftig mit Freispruch abgeschlossen. Zur Erinnerung eine Zeittafel:


21 Mai 2008: 23 Hausdurchsuchungen bei Tierschutz-Aktivisten und Vereinen; die Sondereinheiten der Polizei brechen im Morgengrauen teils mehr oder minder rüde quer durch Wohnungstüren, zerren Schlafende aus den Betten, von Innsbruck bis Wien; 10 Inhaftierungen, über drei Monate Untersuchungshaft für die Festgenommenen; Sommer 2010 Anklage (Strafantrag) gegen die zehn; kurz vor Prozessbeginn Ausdehnung der Anklage auf drei weitere Tierschützer. So stehen schließlich 13 Leute, elf männlich, zwei weiblich, vor Gericht; sechs aus dem VgT, darunter dessen Obmann DDr.Balluch, sechs aus der BAT (Basisgruppe Tierrechte), zwei einander nicht unbedingt gewogenen Gruppierungen, und dazu ein Kampagnenleiter der Vier Pfoten. Hautvorwurf: Bildung einer kriminellen Organisation gem. § 278a Strafgesetzbuch, dazu ca. 40 Einzel-Straftaten (Auf diese Zahl waren die ursprünglich publizierten ca. 200 Delikte zusammen geschmolzen): Sachbeschädigungen, Nötigungen, Tierquälerei durch Tierbefreiung etc.
Der Prozess beginnt am 2. März 2010, das Beweisverfahren dauert mehr als ein Jahr, Schlussplädoyers am 31.März 2011, mündliche Urteilsverkündung am 2. Mai 2011: Freispruch für alle Angeklagten in allen Anklagepunkten.


Neun Monate später, am 6.Febuar 2012 Zustellung der schriftlichen Urteilsausfertigung (385 Seiten; die Prozessakten waren rund 20.000 Seiten dick). Ende Juni 2012 wird der Freispruch vom Vorwurf der Bildung einer kriminellen Organisation, rechtskräftig; die Staatsanwaltschaft hat nach internem Tauziehen nicht berufen. Jedoch beruft die Strafbehörde gegen den Freispruch von sieben Angeklagten, Einzeltaten betreffend. Das Oberlandesgericht Wien verweist im Juni 2013 die Sachen zurück an die erste Instanz, das Landesgericht Wr. Neustadt. Dort werden die Fälle im Mai 2014 kurz und bündig in wenigen Tagen abgehandelt: Freispruch für alle Angeklagten, keine Berufung der Staatsanwaltschaft, Rechtskraft Ende Mai 2014.
Es soll hier nicht über die vielen Fragwürdigkeiten im Verfahren, die kuriose rechtsstaatferne Begründung der Zuständigkeit des Neustädter Gerichts, das ungläubige Kopfschütteln namhafter Strafrechtler über die Verfahrensführung der Prozessrichterin, das Vorenthalten wesentlicher Aktenteile durch die Polizei, den zeitweisen faktischen Ausschluss der Öffentlichkeit etc. gesprochen werden. Diese Punkte sind in verschiedenen Publikationen näher behandelt, (u.a. Balluch, Tierschützer.Staatsfeind)
und auch in unserer anima.


Formal gesehen, ist also die Angelegenheit für die Tierrechtler glücklich ausgegangen. Bei einer zweiten Staatsintervention gegen eine vorgeblich kriminelle bzw. terroristischen Organisation im NGO-Bereich lief es hingegen weniger günstig für die Betroffenen, ja verderblich. Die Väterrechtler waren im Visier.. Allerdings agierte man hier schlauer. Vom negativen Medienecho beeindruckt ließ man die Terrorismus-Anschuldigung fallen und konzentrierte sich auf wenige Akteure, vor allen den Kopf der Bewegung. Mag. Herwig Baumgartner. Der gab allerdings Angriffspunkte. Zwar war er ein vergleichsweise friedlicher Mensch. Er schlug keine Fensterscheiben ein, verklebte keine Türschlösser, warf keine Buttersäure in Lokale, durchsägte keine Hochstände, setzte keine Baulichkeiten in Brand und übergoss auch kein Auto mit Farbe, alles Taten, die man Tierschützern vorwarf. Er schimpfte nur, in Amtsstuben und vor allem im Internet, das allerdings durch jahrelangen Kindesentzug verbittert rustikal kräftig, zu kräftig, zweifelte durchaus nicht immer ohne Grund in herben Worten die Objektivität behördlicher Organe an usw. Ein Verhalten, dass Fußballplatz-konform sein mag, wird im Justizmilieu schnell zu Gefährlicher Drohung, Widerstand gegen die Staatsgewalt (ein Selbstmörder, der am Rockzipfel von einem Polizisten festgehalten aus dem Fenster springen will, hat die schändliche Tat schon verwirklicht), Verleumdung, Nötigung, Stalking. So war es der Justiz leicht, ihm haufenweise Delikte anzulasten. Das trug ihm nach einjähriger Untersuchungshaft eine vierjährige unbedingte Gefängnisstrafe ein (wir hatten ausführlich berichtet: anima Nr.4/2010, Halts Maul, sonst kommst ins KZ) und noch schlimmer,

der Maßnahmenvollzug

,die Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher, d.h. im Klartext Haft auf unbestimmte Zeit, vielleicht sogar lebenslänglich. Ein Lästiger wurde so radikal entsorgt, aus dem Leben gezogen.
Wer weiß, wäre es gelungen, einem der Tierrechtler ein Delikt anzuhängen, hätte ihm vielleicht auch ein Psychiaterr geistige Abnormität attestiert – sich mit aller Kraft für Tiere einzusetzen, wer tut das schon, das ist doch nicht normal.

Übrigens behauptete Baumgartner. er sei – noch als Untersuchungshäftling – von drei Justizwachebeamten bewusstlos geschlagen worden. Das soll ja Medienberichten zufolge vorkommen.. Im Fall B. war es jedoch anders. Er war der Täter und wurde deshalb wegen versuchten Widerstands gegen die Staatsgewalt, versuchter schwerer Körperverletzung, schwerer Körperverletzung und Verleumdung verurteilt, zusätzlich zu 15 Monaten. Man sieht, der Staat lässt nicht mit sich spassen, wenigstens wenn es keine Videoaufnahmen gibt.
Vorhin vermerkte ich, der Tierschützer-Prozess sei für die Tierrechtler glücklich ausgegangen. Formal ja, faktisch nein. Es gab nicht nur drei Monate Untersuchungshaft, der Prozess bedeutete dazu noch ein Jahr lang fortgesetzte Zwangsanhaltung im Gerichtssaal. Angeklagte verloren ihre Arbeit, akademische Karieren wurden ge- oder zerstört, die wirtschaftliche Exjstenz durch unbezahlbare Schulden, die in die Hunderttausende gehenden Verteidigungskosten belastet oder vernichtet. Das Fazit: der Prozess eine Katastrophe für die Betroffenen, kein Ruhmesblatt, um nicht Schande zu sagen, für den Rechtsstaat.
Es wird viel über die vermeintlich wahren Hintergründe für die Anklage gemunkelt und geschrieben. Die „Jagdgesellschaft“ habe sich durch Jagdsabotagen gestört gefühlt, den niederösterreichischen Landehauptmann und Landesherrn habe die Besetzung seines Büros missfallen und manches mehr.
Es ist hier an der Zeit, auch eine Lanze für die Behörden zu brechen. Es gab die Jahre hindurch immer wieder Anschläge, wenn auch nicht schwere, nicht gegen Leib und Leben, doch gegen Sachgüter. Oben wurden etliche aufgelistet. Als Täter Tierschützer anzunehmen, war sicher nicht denkwidrig.


Wenn vor Geschäften einer Kleiderkette Dauerdemonstrationen veranstaltet werden, wenn die eine oder andere Filiale mit Sachschäden bedacht wird, und wenn der Inhaber schließlich sein Auto mit Farbe übergossen findet, wird er beunruhigt sein. Und wenn eine kleine Pelzhändlerin plötzlich vor ihrem Geschäft einen Haufen junger Leute postiert sieht, die „Pelz ist Mord“ rufen, sie also damit als Mörderin apostrophieren, wird sie auch beunruhigt sein. Und man kann es ihnen nicht verdenken, wenn sie zur Kammer und zur Polizei laufen, die kleine Geschäftsfrau zu einem unteren und der große Geschäftsmann zu einem oberen Polizisten.
Die Polizei ihrereits hatte auch Anlass, beunruhigt zu sein, blickt sie über die Grenzen und sieht dort Gewalt nicht nur gegen Sachen, auch gegen Menschen. Dass sie da eine spezielle Soko einrichtet, dass sie zuvörderst führende Aktivisten der Tierschutzszene ins Visier nimmt, ist verständlich.


Bekritteln lässt sich das fehlende Augenmaß beim Mitteleinsatz: Während die Bevölkerung unter vielen tausenden schweren Wohnungs- und Geschäftseinbrüchen leiden und zittern muss, wird für ein Nebenthema – verhältnismäßig harmlose Übertretungen zugunsten von Tieren – unverhältnismäßig viel Personal abgezogen. Die zahlreichen Delikte gegen Tierschützer und gegen Tiere namentlich in der Nutztierhaltung werden dagegen kaum beachtet.


Bemängeln lässt sich die Stümperhaftigkeit der Polizeiarbeit, die sich auf die Falschen konzentrierte und mit aufgebauschten Behauptungen zu Untersuchungshaft führte. Beanstanden lässt sich die Anklageerhebung ohne griffige Beweise und wiewohl eine verdeckte Ermittlerin nicht Böses fand.

Auf Tierquälerei hinweisen verboten? Der Schluss, wer Tierquälerei öffentlich macht, wer zum Boykott gegen den Verkauf quälerisch erzeugter Produkte aufruft, müsse zwangsläufig alle Straftaten gegen die Betroffenen verantworten, ist rechtlich nicht haltbar. Das hieße zu allem schweigen, was an Tier- und Menschenquälerei geschieht. Es ist Bürgerrecht, ja moralische Bürgerpflicht, auf Missstände hinzuweisen.
Wenn ein Heißsporn aus Empörung zur Gewalt greift, handelt er dumm, aber das wird sich nie verhindern lassen.


Eine andere Frage ist: In welcher Form soll auf Tierquälerei hingewiesen werden, was ist wirkungsvoll, was vertretbar.
Sind Dauerdemonstrationen vor Geschäften, Home-Demos vor Verkaufsläden, lautstarke Demonstrationszüge von hundert oder zweihundert Jugendlicher ein sinnvoller Weg, um die breite Masse der Bevölkerung für den Tierschutz zu interessieren. Auf Politiker machen sie sicher keinen Eindruck, die denken und handeln in anderen Dimensionen. Sind lautstarke Demonstrationen sinnvoll?Sicher, solche Aktionen kommen dem Bedürfnis junger Menschen, Taten zu setzen, entgegen. Doch wie reagiert die Bevölkerung? Die unmittelbar Betroffenen laufen zur Polizei mit all den vorerwähnten Folgen. Und die anderen? Ich habe wiederholt am Straßenrand Passanten gefragt, die hatten entweder gar nichts begriffen, oder Aversionen geäußert, gegen die Demonstranten.. Auch während des Prozesses galten die Sympathien selbst in Tierschutzkreisen nicht nur den Angeklagten.


Eine kleine Gruppe wird sicher nicht durch Lautstärke der großen Mehrheit ihren Willen aufzwingen können. Doch darum geht es nicht. Es geht zu allererst darum, die Menschen zu informieren. Der Wirtschaft stehen immense Mittel zur Verfügung, Werbung in den Medien, in den Geschäften, um Sand in die Augen zu streuen, eine heile Welt vorzutäuschen. Wie können Tierfreunde die Wahrheit unter die Leute bringen, ohne viel Geld?
Gerade dieser Tage wurden zwei Tierschützer, die auf der Straße vor einem Geschäft ganz lautlos Infoblätter verteilten, von der Polizei mit Festnahme bedroht.
Demonstrationen, Versammlungen sind derzeit faktisch das einzige leisstbare legale Informationsmittel. Also dann ...
Erwin Lauppert

Seite 10:

Aus alter Zeit
Vegetarier vor 100 Jahren

Rudolf Hans Bartsch (geb. 1873 in Graz), heute vergessen, war in der Zeit vor und nach dem ersten Weltkrieg ein viel gelesener Schriftsteller. In seinem 1908 erschienenen Roman „Zwölf aus der Steiermark“, der zwolf Freunde auf dem Weg von der Jugend ins Berufsleben begleitet, skizziert er Vertreter alternativer Geistesströmungen der Zeit knapp vor der damaligen Jahrhundertwende, u.a auch mit sanft ironischem Unterton Vegetarier und dergleichen. ...

....

Impressum
anima – Zeitschrift für Tierrechte, erscheint vierteljährlich, Medieninhaber und Verwaltung: Österreichische Vegetarier Union (ÖVU), Heraus-geber und Redaktion: Arbeitskreis Tierrechte der ÖVU (Leitung Erwin Lauppert, auch für nicht gefertigte Texte verantwortlich), alle Rossegg 41, 8045 Graz-Oberandritz,
Tel. 0316-463717 und 0720 –349 056
email: anima@vegetarier.at
website: vegetarier.at und vegetarisch.org
ZVR-Zahl 90713 6740 BPD Graz, DVR 0955 906. Die ÖVU ist nur für als solche gekennzeichnete Texte verantwortlich, ansonsten sind es die Vefasser. Fotos, soweit nicht angegeben: ÖVU .
In der anima erscheinen fallweise auch Beiträge der Gesellschaft für humane Nutztierhaltung Adr. w.o. email office@nutztierhaltung.org, web: nutz-tierhaltung.org ZVR 0950 015 445, BPD Graz
Druck: Mail Boxes Etc.- Emilio’s GmbH,
Obergfellplatz 1210 Wien.

 

Seite 11:

Vegetarische Informationen:

Österreichische Vegetarier Union (ÖVU)
Interessenvertretung für Vegetarierinnen und Vegetarier, lacto/ovo oder vegan
Rossegg 41, 8045 Graz-Oberandritz, Tel. 0316-46 37 17 u. 0720-345 298
vegetarier.at, vegetarisch.org, email: oevu @vegetarier.at
Informationen zum Vegetarismus, ob lakto/ovo oder vegan - Mitglieder willkommen
Wir stehen Ihnen meist täglich bis 20 Uhr für telefonische Auskünfte zur Verfügung

2014 World Vegfest in Accra, Ghana. 1 –6 October 2014
Die Internationale Vegetarier Union (IVU) veranstaltet jährlich ein Vegfest, früher Welt-Vegetarier-Kongress genannt, jährlich in einem anderen Weltteil. 1913 fand die Veranstaltung in Asien und zwar Malaysia statt, heuer ist Afrika dran und 2015 ist Lateinamerika vorgesehen.
Nähere Informationen: www.ivu.org und http://worldvegfest.org

Literatur:
Vegetarische Ernährung, ein wissenschaftliches Standardwerk der Ernährungswissenschaftler Claus Leitzmann und Markus Keller. Ulmer Verlag UTB, 3. Aufl. 2013, 380 S., 23 ¤ (D)
Vegetarismus - Grundlagen, Vorteile, Risiken, ebenfalls von Prof. Leitzmann verfasst, Verlag Beck München, 3.Auflage 2009, Taschenbuch, 125 Seiten, 7,90 ¤(D)

Dr.med.Sigrid Steeb, Vegetarisch. Gesund.
Mit einem Geleitwort von Prof.Leitzmann – Alles über veg. Ernährung mit vielen Rezepten, Schlütersche Verlagsges. Hannover 2011, 188 S., ca. 20 ¤

Informationen zur veganen Ernährung:
Gill Langley Vegane Ernährung, Echo Verlag Göttingen 1999, 240 Seiten, ca.11 Euro(D). Das bisher umfassendste Werk zur veganen Ernährung, die „vegane Bibel“.

Neal Barnard, ISS DICH FIT, TB 1998,

Englisch: Stephen Walsh PhD
Plant Based Nutrition and Health Liste veg. Gastronomie- und Beherbungsbetriebe in Österreich unter vegetarier.at, Liste auch bei der ÖVU erhältlich


Vegetarische Partner-Zeitschriften im Ausland
:
Natürlich vegetarisch
Vegetarier-Bund Deutschland e.V. (VEBU), Genthiner Straße 48, D-10785 Berlin, Tel.0049/ 30-200 50 799, Email info@vebu.de www . vebu.de
Veg-Info, Vegi-Büro Schweiz, Tel. 0041-71 477 33 77, neue Adresse: Niederfeldstrasse 92, CH-8408 Winterthur, www.swissveg.ch, info@swissveg.ch
Die Schweizerische Vereinigung für Vegetarismus hat sich in Swissveg umbenannt

Vegetarische Stammtische, Auskünfte:
Graz: Tel. 0316-46 37 17
Wien: 1) Erwin Lengauer, T 0676-3572 671 2) email tara777@gmx.net
Niederösterreich (West):
1)Mag. Gabriele Smetana, 0664/ 368 70 19
2)Michaela Haunold. Ernährungsberaterin, T 0676- 7195 220, www.glyx4you.co
Oberösterreich:
Schärding: Eva Kubai Tel. 07712-35704
Salzkammergut (Gmunden/Almtal)
Erich Lankmaier, 0676 – 390 111 9, e.lankmaier@gmx.at
Uschi Mayer, ursula.mayer@gmx.at
www.vegi-treff.jimdo.com

 

Seite 12:

Hilft vegan den Tieren?

Kann vegan leben Tierleid verhindern?

Was den Ei-Verzicht betrifft ja – außer Sie halten in ihrem Garten selbst pfleglich Hühner, zB. aus Legehennenfabriken abgetane.
Denn die heutigen Legehennen-Rassen sind allein auf Ei-Produktion gezüchtet, Weg-werfhühner für ein Jahr. Wer auf Ei verzichtet, erspart statistisch gesehen jedes Jahr einem Huhn ein kurzes, mehr oder minder tristes Leben und verhindert Kükenmord.

Anders bei der Milch, so lange die Mehrheit der Bevölkerung Fleisch isst. In Österreich sind Zweinutzungsrassen vorherrschend, Milchkühe mit bestem Fleisch, versicherte uns kürzlich die Bauernkammer. Verzichten 16 Leute auf Milch, gibt es zwar – wieder statistisch gesehen – eine Kuh/Kalb jährlich weniger, dafür aber mehr Schweine und Masthühner. Und denen geht es im allge-meinen schlechter als den Kühen..


Bestellt der Gast einen Rinderbraten und sagt ihm die Kellnerin „Leider aus, wegen der Veganer gibt es nicht mehr so viel, aber Sie können ein Gemüselaibchen oder einen Schweinsbraten haben“, wird der Gast wohl zum Schweinernen greifen.


Milchverzicht bringt heute also insgesamt gesehen den Tieren nichts.


Das heißt: Wer Tieren helfen will, sollte vorerst trachten, möglichst viele Menschen vom Fleischkonsum abzubringen, also zum Laktovegetarismus zu bekehren.
Und zu tierschutzmäig besseren Milchsorten greifen und sich um noch bessere bemühen. Warum ist zB keine Milch um 2 ¤ im Handel?

 


Animal Machines 1964

Gedenken an Ruth Harrison

Vor 50 Jahren hat die Engländerin (1920 – 2000) Animal Machines (deutsch Tierfabri-ken) publiziert. Das Buch öffnete erstmals einem breiteren Publikum die Augen: der Bauernhof hatte sich zur Fabrik gewandelt, die Viehwirtschaft wurde industrialisiert.


1961 hatte ein Flugblatt einer Tierrechts-gruppe über Farmpraktiken unter ihre Tür geschoben, das Leben der Mutter zweier Kinder gewandelt. Erschüttert über das Ge-lesene sagte sich die Quäkerin und Vegeta-rierin, wenn ich nichts tue, passiert nichts. Sie begann zu recherchieren und schrieb 1964 Animal Machines. Das Buch fand, auch in einer Zeitung in Fortsetzungen wie-dergegeben, breiten Widerhall in und au-ßerhalb Englands


Ruth Harrison, die ihr wetieres Leben der Sache widmete, in x Kommissionen tätig war, hoffte ihr Appell würde rasche Wirkung zeigen. Es wurde ein dorniger Weg, noch lange nicht zu Ende. Es gab Erfolge, in England eine Untersuchungskommission, die u.a. forderte, die Nutztiere müßten sich wenigstens umdrehen, mühelos hinlegen, liegen und aufstehen und sich kratzen und putzen können (Brambell Report) und 1968 in England erste gesetzlihe Maßnahmen, auf Europa-Ebene 1976 eine Konvention. Die ärgsten Missstände sind (fast) abgeschafft (Batteriekäfige, Kälber-Kastenstände, bei Muttersauen hapert es noch). Es hat darüber hinaus etliche Verbesserungen gegeben (zB Tierschutzgesetz 2005), die Bevölkerung ist teilweise wach geworden, die Vegetarierzahlen steigen.


Das Grundproblem ist geblieben, das Tier Sache, Opfer immer intensiverer Rationalisierung, immer größere Fabriken, schändliche Besatzdichten, Qualzüchtungen …
Es ist noch vielzu tun!

 

Einkauftipps Milch/Produkte


Welche Milch/Produkte im Supermarkt kaufen?
Was Kälberhaltung und Schlachtung betrifft, erfüllt zwar keine unsere Forderungen, doch bezüglich der Kuhhaltung sind, soweit uns bekannt und laut Firmenangaben, die folgenden derzeit die tierschutzmäßig besten:
Rinder sind Weidetiere.
Grunderfordernis ist darum Weidehaltung während der Vegetationsperiode;
weitere (Mindest-)Forderungen sind Laufstall (keine Anbindehaltung) und kein oder möglichst wenig Kraftfutter.
Tatsächlich kommt nur ein sehr kleiner Teil der Milchkühe je auf eine Weide.

Laut Umfrage erfüllen die vorgenannten Forderungen derzeit nur die folgenden
nur bei Merkur/ Billaerhältlichn erhältlichen Produkte:
Alle dem Logo mit der „grünen Kuh“, das sind:
bei Merkur: Ja!Natürlich Frische Bio Heu Milch (Große grüne Kuh auf der Packung)
bei Merkur & Billa (nicht in allen Filialen):
Ja! Natürlich Speisetopfen mager
Ja! Natürlich Speisetopfen 20% FiT
Ja! Natürlich Frischkäse natur
Ja! Natürlich Frischkäse Kräuter
Ja! Natürlich Emmentaler Scheiben 150g
Ja! Natürlich Gouda Scheiben 150g
(alle nur,wenn sie das Logo „grünen Kuh“ tragen.
Und ohne Logo:
Ja! Natürlich Vollmilch länger frisch 1Lt
Ja! Natürlich Leichtmilch länger frisch 1Lt

2. Wahl sind die bei Hofer erhältlichen Zurück zum Ursprung-Milch/produkte.
Zweite Wahl, weil die Tiere zwar Weide haben, doch nur teilweise Laufstall.
Wie es sein könnte,
aber nicht ist. Bilder von vorbildlichen
Tierhaltern ( auch unter Bio-Bauern nicht die Regel)

 

Bücher


Karl Ludig Schweisfurth
Der Metzger, der kein Fleisch mehr isst ...
wenn er nicht genau weiss, wo es herkommt, und wie da Tier gelebt hat
.
oekom verlag München 2014, 20 ¤(D), 236Seiten, geb., Format ca.21 x 13 cm

Die anima wird von der Österr. Vegetarier Union herausgegeben; verständlich dass wir Fleischessern nicht zugetan sind. Unser Journal nennt sich aber auch Zeitschrift für Tierrechte. Wir wissen, dass Rechte erkämpfen ein langer Weg ist und da jeder Teilerfolg von Nutzen ist. Und hier ist Schweisfurth ein Lichtblick, er gibt Hoffnung. Ein Großindustrieller der Fleischbranche hat sich von der Massenproduktion abgewandt, aufs Kleine umgestellt, auf Achtsamkeit auch gegenüber dem Tier. Schweisfurth, 1930 geboren, hatte den elterlichen Fleischverarbeitungsbetrieb Herta zum Branchenführer in Europa gemacht – über 5.000 Mitarbeiter „verarbeiteten“ anfangs der Achtzigerjahre wöchentlich 25.000 Schweine und 1.000 Rinder. Was hat ihn bewogen auszusteigen, den Betrieb 1984 an Nestle zu verkaufen? Es waren wohl mehrere Gründe. Der Einfluss seiner Kinder – der in den Siebzigerjahren groß gewordenen Umweltbewegung verpflichtet war ihnen Massentierhaltung ein Gräuel; ihre Weigerung einmal den Betrieb zu übernehmen; der Schock der Besichtigung eines Intensivtierstalls; der Zwang des kapitalistischen Wirtschaftsystems immer größer und brutaler zu werden; Eindrücke einer Reise in den Himalaya, in die Welt des Buddhismus …
Schweisfurth, zum entschiedenen Gegner industrieller Tierhaltung und kunstdünger- und chemieabhängiger Landwirtschaft geworden, kehrte zurück zu seinen gewerblichen Wurzeln, gründete nahe München die Hermannsdorfer Landwerkstätten, in denen biologische Landwirtschaft und gewerbliche Verarbeitung (Warmfleischerei, Bäckerei, Käserei Brauerei, dazu Hofladen und Gastwirtschaft) vereinigt wurden und wo auch die Produkte umliegender Biobauern verarbeitet und über ein Verteilernetz vertrieben werden.
Die Hermannsdorf-Idee ist ein Dreiklang: biologisch, handgemacht und regional, dazu kommt Fairness gegenüber Mensch (anständige Produzentenpreise) und Tier – Schweine (urwüchsige Rasse), Rinder, Gänse, Enten werden gemeinsam auf einer (wechselnden) Koppel gehalten. Der Grundgedanke: natürliche Symbiose, Zusammenleben von Boden, Pflanzen und Tieren.
Bei aller Behutsamkeit gegenüber der Kreatur bleibt Schweisfurth Fleischer und vergisst nicht den Wert seiner Tierhaltung für die Schweinefleisch-Qualität. „Es ist mir immer bewusst gewesen, dass es tragisch ist und bleibt, ein Tier zu töten, damit wir Fleisch essen können. Ich habe gelernt, dass alles Leben von anderem Leben lebt: wir müssen töten, um zu leben.“
Das ist falsch. Wir müssen keine Schweine töten, um zu leben. Hier trennen sich unsere Wege. Unbeschadet dessen, vielen Millionen Tieren wäre geholfen, würde auch nur ein kleiner Teil der Bevölkerung dem „Außer-Haus-Vegetarier“ Schweisfurth folgen und nur Tiere aus guter Haltung essen.
Im vorliegenden Buch schildert Schweisfurth vom Journalisten C. P. Lieckfeld unterstützt Stationen, Episoden, Stufen seines Lebens, flicht in leichter Sprache viel Grundsätzliches und manch Philosophisches ein, führt das näher aus , was vorstehend nur schlagwortartig angedeutet wurde. Wir erfahren einiges, was uns weniger berührt, etwa von der Wurst- und der Tafelspitzbereitung, doch u.a. auch Interessantes über das Tierleben auf der Gemeinschaftsweide (wenn auch keine technischen Daten) und das Wesen der Schweine. Auch Näheres über die von ihm geschaffene Schweisfurth-Stiftung. Ein lesenswertes Buch.


Hilal Sezgin
Artgerecht ist nur die Freiheit:

Eine Ethik für Tiere oder Warum wir umdenken müssen.
C.H.Beck-Verlag München 2014, 17 ¤(D) Taschenbuch, 304 Seiten

Die Kette der Bücher, die sich den Problemen der Tiernutzung und dem Zusammenleben von Mensch und Tier widmen, reißt nicht ab. Die Arbeit von Frau Sezgin, Journalistin, Philosophin, Tierbetreuerin (auch einer Schafherde) sticht in mancher Beziehung hervor. Die Autorin bringt keine schnelle Problemlösungen zu Papier. Sie knappert sozusagen an der Frucht rundum, bis sie den Kern freigelegt hat. Sie tut dies in Kontakt mit den verschiedenen Meinungen der Tierrechtsphilosophen, deren es ja heute schon viele gibt, und die der Leser so kennen lernt. Sie fällt dabei in keinen wissenschaftlichen Fachjargon, sie bleibt leicht lesbar und gemeinverständlich. Sie erörtert Fragen an Hand praktischer Beispiele.
Gegliedet ist das Werk in fünf Abschnitte:
Erstens, Was heißt hier Ethik?. Hier wird Grundsätzlich und Allgemeines behandelt. Die nächsten drei Kapitel befassen sich mit den Fragen Dürfen wir Tiere quälen, töten, nutzen? Quälen ? Es geht primär um Versuchestiere für medizinische Zwecke – die Autorin wendet sich gegen das Abwägungsargument und kommt zu einem klaren Nein.
Töten?: Die Ausführungen gehen hier über den Nutztiersektor hinaus. Nutzen? In beiden Fällen führt die Untersuchung – Details beiseite gelassen – zum Nein und zur veganen Lebensweise.
Zum letzten Kapitel Wie können wir mit Tieren leben? In den vorangegangenen Kapiteln wird auf viele Einzelfragen eingegangen. Veganismus, der im Grunde nicht schwierig ist, könnte viele lösen. Anders bei der letzten Frage. Schon das gewollte Zusammenleben etwa mit Katzen birgt Probleme, wenigstens für Spatzen, Mäuse und Rotkehlchen. Donaldson/Kymlicka (wir hatten ihr Buch Zoopolis in der letzten anima besprochen) – Sezgin nimmt oft auf sie Bezug – denken da intensiv nach, unsere Autorin bleibt eher karg. Zwei besonders schwierige Probleme – um die das Gros der Tierfreunde einen weiten Bogen macht – bergen zwei Tiergruppen: diejenigen, die von uns ungewollt menschliche Nähe suchen, weil es da etwas zu essen gibt, vulgär ausgedrückt die Schadtiere, Mäuse, Ratten, Krähen usw. Und dann jene, die uns im Wege sind, weil sie auf Territorien leben, die wir gern hätten und auch brutal in Anspruch nehmen (für Bauten etc.). Diese Tiere fallen bekanntlich unserem rücksichtslosen Maschineneinsatz zum Opfer oder werden ohne nachzudenken vertrieben, was sie häufig nicht überleben. Zu der Gruppe im weiteren Sinne gehören auch die vielen Millionen, , die durch die maschinelle Pflanzenproduktion sterben. Hier sagt die Autorin wenig oder nichts, schade. (Oder habe ich es überlesen, ein Stichwortverzeichnis wäre bei dem sich häufig in Einzelfragen zersplitternden Text hilfreich gewesen).
Von diesen Einwänden abgesehen, wenige Bücher behandeln die schwierige Mensch-Tier-Beziehung so umfassend und bieten so viele Denkanstöße und Lösungen wie Sezgins Werk


Toni Meier
Umweltschutz mit Messer und Gabel
Der öklogische Rucksack der Ernährung in Deutschland
oekom verlag München 2014, 25 ¤(D), brosch., 208 Seiten, Format ca. 23 x 17 cm

Das Einkaufsverhalten der Bevölkerung ob betr. Lebensmittel oder anderes, ist von entscheidender Bedeutung für unsere Umwelt. Das vorliegende Werk ist eine wissenschaftliche Arbeit, voll der Tabellen und Diagramme, daher für Normalleser schwierig. Doch eine reiche Quelle für Menschen, die für ihre Arbeit fundiertes Material brauchen.


TIERethik
Zeitschrift zur Mensch-Tier-Beziehung
Vertrieb: Weinmanng. 86, 8700 Kuessnacht ZH; Schweiz, Tel. ++41 44 380 0830; Fax +41-44-380 0832, email: subs@altex.ch; Privatabo (2 Ausgaben) 36 ¤ (Näheres siehe altex.ch und tierethik.net). (Stand 12/2013)

Die neueste Nummer der Zeitschrift (Heft 8) langte bei Reaktionsschluss ein, wiur konnten uns noch nicht näher befassen. Ihr Haupthema „Tiere töten“ und wie immer zahlreiche Buchbesprechungen.


Erwin Lauppert


Büchereingang:
Masanobu Fukuoka
Der große Weg hat kein Tor
Nahrung - Anbau –Leben
pala-verlag Darmstadt 2013, 14 ¤(D), geb. 174 Seiten, Format 21 x 14 cm
Bahnbrecher im biologischen Landbau


Für die Küche:

Guten Appetit!
40 vegane Rezepte zum Ausprobieren
„ In dieser Kochbroschüre steht der üppige Genuss im Vordergrund. Es dürfte jedoch kein allzu schlechtes Gewissen aufkommen, denn die Gerichte bestehen aus rein pflanzlichen Zutaten – gut für die Gesundheit, gut für die Tiere, gut für das Klima....“
(Aus dem Vorwort der Autorin Gabriela Kompatscher, Uni-Professorin).
„ Längst haben renommierte Ernährungsgesellschaften die gesundheitlichen Vorteile der veganen Ernährung erkannt. Wer vegan isst, hat ein geringeres Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs, den zwei Haupt-Todesursachen in Österreich zu erkranken. Auch Übergewicht, Bluthochdruck, ein erhöhter Cholesterinspiegel, Arteriosklerose und Diabetes mellitus Typ II treten bei vegan lebenden Menschen nachgewiesen seltener auf...
Wie einfach eine solch gesunde, vegane Kost umsetzbar ist, zeigt die vorliegende Kochbroschüre mit vielen schnell zuzubereitenden, wohlschmeckenden Rezepten.“
(Aus dem Vorwort von Katharina Petter, Ernährungswissenschaftlerin)
Wenn Sie, verehrte anima-Leserinnen und Leser, nun neugierig geworden sind, senden wir Ihnen diese bunt illustrierte Kochbroschüre gerne kostenlos zu:
Email oevu@vegetarier.at oder
Tel. 0720-345 298 oder o316-46 37 17

Büchereingang:
Irmela Erckenbrecht
Probier’s vegan
Leitfaden zur veganen Ernährung mit großem Praxisteil
Pala-verlag Darmstadt 2014, 16 ¤(D), geb., 220 Seiten, Format ca. 21 x 14 cm

Seite 17:

Zum Kainbacher Jagd-Prozess
Empörte Leserstimmen – Schweinsschnitzel versus Rehbraten – Stalking und die Folgen

Zur Notiz „Ein Pyrrhussieg“ in der letzten anima, in der die Sinnhaftigkeit der dem Polizeiübergriff vorangegangenen Tierschutzaktion bezweifelt wurde, schrieb uns der Rechtsvertreter des Opfers:

Als Vertreter des Opfers, der den gesamten Prozess aktiv in dessen Interesse mitgestaltet hat, bin ich etwas irritiert. In der Notiz wird General Pyrrhus bemüht, der einen Sieg mit solch großen Opfern erkämpft hat, dass dieser einer Niederlage gleichkam.
Das Filmen dieser Treibjagd zur Beweissicherung, dass in der Nähe von Wohnhäusern verbotenerweise geschossen wurde, aber auch zur Dokumentation dieser polizeilichen Amtshandlung, wird als unnötiger Nadelstich gegen Jäger bezeichnet und befürchtet, dass die Polizei die Tierschützer noch weniger mag und die Jäger sich enger zusammenschließen und noch böser auf die Tierschützer sind.
Mit dieser Argumentation wird an den gesamten Aktivitäten des VGT, insbesondere an den Antijägerballdemos, gerüttelt, denn mit jeder Aktion wird die Aversion der Tierhalter größer und die Gesprächsbasis kleiner. Die Alternative ist die Umbenennung in „Verein für Tierfabriken“ und die Einladung zu Grillfesten an die Polizei. Damit wird den Bedenken des Verfassers dieser Notiz in einer veganen Zeitschrift Rechnung getragen.
Nun im Ernst: In Wirklichkeit ist das ein historisches Urteil, das als Gegenstück zum Tierschützerprozessverlauf gelten kann. Nur wer an vorderster Front steht, weiß, dass die Polizei regelmäßig mit Gewalt das Filmen verhindert, dass die Bekanntgabe der Dienstnummer verweigert wird, dass unbegründete Festnahmen ausgesprochen werden und dass die Polizei anlässlich nachfolgender Verhandlungen ungehemmt lügt und verleumdet. Das konnte bis jetzt durch die Komplizenschaft mit Jägern, aber auch wegen fehlender Dokumentation und den Samthandschuhen, mit denen diese Herrschaften von der Justiz angefasst wurden, straflos geschehen.
Da erscheint dieses Urteil wie ein Sonnenstrahl aus dunklem Himmel. Endlich kann man den gesetzeswidrig amtshandelnden Polizisten dieses Urteil unter die Nase halten und es auch bei nachfolgenden Verhandlungen zitieren. Ich habe in meinen Schlussausführungen vor der Urteilsverkündung zweifelsfrei festgestellt, dass bis jetzt die Tierschützer in der Verwaltungs- und Gerichtskonfrontation mit Jägern und Polizei als Menschen zweiter Klasse gegolten haben, was auch in diesen Vorgängen durch die skandalösen Verfahrenseinstellungen gegen den falsch aussagenden Jäger und den anwesenden vorgesetzten zweiten Polizisten durch andere Gerichte zum Ausdruck kommt. Ich habe ausgeführt, dass es nur der hartnäckigen filmischen Dokumentation des Opfers zu verdanken ist, dass nicht er, sondern der Polizist auf der Anklagebank sitzt. In meiner Eitelkeit habe ich in Erinnerung gerufen, dass ich den Tierschützern immer einbleue, soviel wie möglich akustisch und visuell zu dokumentieren. Ich betrachte diesen Tierschützer als Held des Tierschutzes.
Dem Verfasser dieser Glosse rate ich, zur Verbesserung der Gesprächsbasis doch den Jägerball zu besuchen, um bei den Jägern ein offenes Ohr oder eine andere Körperöffnung zu finden. Ich für meinen Teil habe das anonymisierte Urteil sofort an die Bundespolizeidirektion Innsbruck geschickt, weil in deren Bereich Ähnliches passiert ist und rate zur Nachahmung.
RAA Dr. Bernd Haberditzl, Obmann des „Tiroler Tierschutzverein“, 6122 Fritzens, Ried 4a

Die Meinung der anima-Redaktion:
Es gibt im Tierschutz zwei „heilige Kühe“ die anzutasten Sakrileg ist:
Die Empörung über den Stierkampf und über die Jagd.
Warum steht nicht das elende Leben und Sterben der uns nahen österreichischen Maststiere im Blickpunkt sondern der ferne spanische Kampfstier, der von den letzen Stunden abgesehen ein vergleichsweise schönes Leben hatte? Ich glaube es war Bert Brecht, der den Kern des Problems erfasste: „Ich bestelle ein Steak und der Unmensch von Schlachter erschlägt einen Stier.“ So ist es bei der Jagd. Zu erkennen, dass die Worte „Schweinsbraten bitte“ einen Mordauftrag beinhalten und dazu noch die Weisung, das Tier qualvoll oder zumindest extrem artwidrig aufzuziehen, ist schwierig; die Gedankenkette: „Der Jäger macht Bumm und das Reh ist tot“ dagegen einfach nachzuvollziehen.
Vor allem Reh, Hirsch, Hase sind heute die artgerechtest gehaltenen „Nutztiere“. Doch die Antijagd-Aktivisten laufen an den in den Supermärkten ausgestellten Bergen von Kadavern miesest und quälerisch gehaltener Tiere vorbei, um gerade die tierfreundichste Form der Nutztierhaltung zu unterbinden. Die Zahl der Tierrechtsaktivisten ist gering, jämmerlich gering. Wenn sie ihre wenigen Kräfte ausgerechnet gegen die am wenigsten böse Form der Nutztierhaltung mobilisieren, halte ich dies für sehr suboptimal.
Dass es Jägern Freude macht, sich auf dem Hochstand stundenlang das Gesäß abzufrieren, um dann meist kein und selten, wenn es der vorgeschriebene Abschussplan erlaubt oder anordnet, ein Tier zu töten, mag sein. Doch scheint mir das kein hinreichendes Argument, gerade (nur) die Jäger aufs Korn zu nehmen. Auch den Schweinebratenessern macht selbiges Freude. Der Unterschied, sie sind halt Schreib- oder Esstischmörder – ist das etwas Besseres?
Wir freuen uns natürlich über den Sieg im Prozess, doch unser Hauptthema ist: Vehandeln oder Konfrontation.
In der anima stand: „Tierschützer brauchen, um gute Arbeit leisten zu können, die Hilfe der Polizei und sie bedürfen der Mitarbeit verständiger Jäger, um aus Tierschutzsicht dringend erforderliche Verbesserung im Jagdbetrieb durchzusetzen – ein generelles Jagdverbot, das seit hundert Jahren angestrebt wird, ist ohnedies außer Reichweite.“
Ich halte von der Nadelstich-Politik nichts. Die Jägerballbesucher mit „Mörder“ zu titulieren, mag emotional befriedigen, hilft aber kaum weiter. Was haben 32 Jahre Jägerball-Demonstratíonen bewirkt? Sie bewirken eines, dass sich verständige Jäger nicht mehr in Gespräche einlassen können oder wollen.
Ein Gegenbeispiel: Vor ich glaube etwa zwanzig Jahren ist es dem Obmann des Aktiven Tierschutzes Steiermark, des größten steirischen Tierschutzvereins, gelungen, in Verhandlungen mit der Jägerschaft, in de Steiermark ein Fallenverbot durchzusetzen; ganz ohne Ballbesuch und Analkontakt.
Auch die auf Tiertransporte spezialisierten animals’ angels sind hier zu nennen; sie setzen auf Zusammenarbeit mit Behörden und Polizei. Wie es auch dem Aktiven Tierschutz Stmk gelang, Polizisten zu sebsttätigem Eingreifen gegen Tierquälerei zu animieren.
Nochmals mein Standpunkt: Einzelne radikale Aktionen mögen hilfreich sein, um Sensibilität für den Tierschutz zu wecken. Überschreiten sie qualitativ oder quantitativ, ob nach den geltenden Gesetzen legitim oder illegitim, die „Leidensfähigkeit“ der Machthaber und ihres Anhangs, führt dies früher oder später unweigerlich zu Gegenmaßnahmen – Strafnormen gegen Jagdbeobachtung und Stallbesuche und zum Tierschützerprozess. Hilft das den Tieren?

Erwin Lauppert

Seite 19:

Von Recht und Politik
Eine kurze Geschichte des politischen Tierrechts

Philipp Michael Schwinghammer

Kommissionspräsidenten positionierten, hat sich eine neue europaweite politische Bewegung neu zusammengestellt, nämlich die der „The Euro Animal 7“. Ich nehme diesen historischen Moment zum Anlass, um die geschichtliche Entwicklung der politischen Umsetzung von Tierschutz und Tierbefreiung Revue passieren zu lassen.

Die politische Umsetzung von bestimmten Rechten ist in einem Staat in der Regel durch das Erlassen spezifischer Gesetze geregelt. Was das geschriebene Recht betrifft so stehen uns zu Beginn der Rechtsgeschichte die Gesetzescorpora aus Mesopotamien, der Codex Urnammu im 22. Jhd. und der Codex Hammurapi im 19. Jhd. v. Chr. mit der Grundidee „Aug um Aug Zahn um Zahn“ gegenüber. Was jedoch die rechtliche Situation der Tiere betrifft, so war in diesen Gesetzestexten nur die Rede von „Tierrechten“ im Sinne von Sachenrechten. Denn Tiere galten vor dem Gesetz damals wie auch im Prinzip heute nur als Gegenstände, nicht aber als Lebewesen, obwohl sie formal seit 1988 zwar nicht mehr als Sachen gelten, aber faktisch mit Einschränkungen wie Sachen zu behandeln sind.

ragen mit sachenrechtlicher Konsequenz wurden hier behandelt; zum Beispiel, wie viel man an Schadenersatz zahlen muss, wenn man eines der Herdentiere des Nachbarn unerlaubterweise getötet hat.

Dieser Umstand lässt sich weiter durch die Antike hindurch verfolgen:

Im griechischen Recht beispielsweise anhand des Gesetzestextes von Gortyn in Kreta um 500 v. Chr. in Kolumne 5, welche dem Sachenrecht und der sachenrechtlichen Aufteilung des Besitzes im Zuge einer „chereusis“, einer Scheidung, gewidmet ist, bzw. im römischen Recht in welchem Tiere als „quoque mancipi“ bezeichnet werden, sprich als bewegliche Sachen sowie auch Sklaven als bewegliche Sachen damals galten. Lediglich Privatpersonen äußerten sich kritisch zu Tierquälerei und Tierhetze, darunter der berühmte römische Staatsmann Cicero, der griechische Schriftsteller Plutarch und die Philosophen Pythagoras und Plotin, um nur einige von ihnen zu nennen.

Aber gerade in dieser Zeit, in der zwar nicht durch Gesetze Gerechtigkeit im Sinne der Tierquälerei, des Tierschutzes und der fleischlosen Ernährung geschaffen wurde, entstand schließlich aus Indien kommend der Grundgedanke der vegetarischen Lebensweise, der in Mittelalter und Neuzeit zunehmend in Vergessenheit geraten ist, um 1200 n. Chr. durch Franziskus von Assisi kurz zum aufflackern kam und schließlich 1822 zum ersten Tierschutzrecht der Welt führte, welches in England erlassen wurde. Zwei Jahre später führte dies zur Gründung der weltweit ersten Tierschutzorganisation "Society for the Prevention of Cruelty to Animals", deren Schirmherrin Königin Victoria selbst war. Federführend bei dieser Tierrechtsbewegung war erstmals ein Politiker, nämlich Richard Martin, der von König George IV auch wegen seines sozialen Engagement in schätzender aber zugleich ironischer Weise „Humanity Dick“ genannt wurde.

Nun war der erste Schritt geschafft, ein durch den Staat festgelegter Schutz der Tiere. Jedoch war dieser Schutz nur der Anfang und keineswegs befriedigend für die Tierschützer der damaligen Zeit. Es entstanden mehrere Vereine für Vegetarismus und gegen Fleischkonsum. Ihr Einfluss auf Politik und Gesellschaft blieb jedoch zunächst gering. Insbesondere sind hier als bedeutende Persönlichkeiten der russische Schriftsteller Leo Tolstoi und der englische Autor George Bernhard Shaw zu nennen, die selbst vegetarisch lebten und zugleich versuchten die Gesellschaft der Jahrhundertwende durch ihr Vorbild zu inspirieren. Zur selben Zeit formierte sich in Großbritannien und Frankreich die Antivivisektionsbewegung, die sich zum Ziel gemacht hat, gegen Eingriffe am lebenden Tier zu wissenschaftlichen Versuchszwecken zu demonstrieren.

Erst durch das wachsende Umweltbewusstsein der 1970er Jahre und dem Aufkommen der Umweltschutzbewegungen wurden die Grünen Parteien Europas gegründet, die sich unter anderem auch den Tierschutz zum Ziel gesetzt haben. Die seit den achtziger Jahren immer intensiveren Tierschutzaktivitäten vieler Menschen bewirkten die Verbesserung der
bestehenden Landestierschutzgesetze, des Tierversuchsrechts und die Anerkennung des Grundsatzes „Tiere sind keine Sachen“ und führten zum Tierschutz-Volksbegehren 1996 mit fast einer halben Million Befürwortern und schließlich zum bundesweit geltenden Tierschutzgesetz 2004 und zur Verankerung des Tierschutzes als Staatsziel in der Bundesverfassung.

Eine Partei jedoch, die ausschließlich die Interessen der Tiere vertritt, war zu dieser Zeit noch undenkbar. Erst durch die wachsenden Prozentzahlen von Vegetariern und Veganern in den letzten zehn Jahren wurde auch ein gewisses Erfolgspotenzial für Tierrechtsparteien geschaffen. 1993 wurde mit der Mensch Umwelt Tierschutz (MUT) Partei in Deutschland die erste Tierrechtspartei gegründet, welche bei nationalen sowie europaweiten Wahlen zwischen 0,2 und 1,3 % erreichte, und 2006 schaffte es die in den Niederlanden angetretene Partei „Partij voor de Dieren“ (PvdD) die weltweit 1. in einem nationalen Parlament vertretene Tierschutzpartei zu werden.
Beim 38. Welt-Vegetarier-Kongress im August 2008 in Dresden beschlossen die niederländische, die deutsche und die österreichische Tierrechts/schutzpartei eine Allianz. Mit diesem ersten Schritt wurden die Rahmenbedingungen für einen periodischen Gedankenaustausch über tierschutz- und umweltschutzpolitische Themen geschaffen. Zwei Jahre später wurde nach dem Vorbild der niederländischen Tierschutzpartei die Animal Rights Party in den USA gegründet, die sich auch mit ihrer Mutterpartei in den Niederlanden verbunden sieht.
Tierschutzparteien:

Zwei Abgeordnete im EU-Parlament
Im Mai 2014 etablierte sich zum ersten Mal in der Geschichte eine europaweite politische Parteienstruktur, die unter dem Namen „The Euro Animal 7“ in die Europawahlen ging und aus den Parteien Animal Welfare Party (Vereinigtes Königreich), PvdD (Niederlande), PACMA (Spanien), PAN (Portugal), Partei Mensch-Umwelt-Tier – Die Tierschutzpartei (Deutschland), Djurens Parti (Schweden) und Animal Party (Zypern) bis heute besteht.
Mit dem Einzug von je einem Abgeordneten dieser Bewegung aus Deutschland und den Niederlanden, sind nun zum ersten Mal im Europäischen Parlament neben einzelnen Personen anderer Parteien, die sich unter anderem für Tierschutz einsetzen, Politiker von Tierrechtsparteien vertreten. Im Laufe seines langen Weges scheint der Tierschutz in seiner rechtlichen und politischen Perspektive nun ein weiteres Etappenziel erreicht zu haben.

Redaktionelle Anm.: Siehe auch Seite 21.
Sollen sich spezielle Tierschutzparteien an Wahlen beteiligen? Die Frage ist bekanntlich umstritten. Wie zu sehen, ist Erfolg möglich, wo das Wahlrecht Kleinparteien nicht faktisch ausschließt. Ansonsten: Können sie die etablierten Parteien, die um Prozentpunkte kämpfen, wenigstens bewegen, sich mehr für Tierschutz einzusetzen?

Liebe Leserinnen und Leser, schreiben Sie uns Ihre Meinung!

 

Seite 21:


Tierschutzparteien im EU-Parlament

Die deutsche Partei Mensch Umwelt Tierschutz – Die Tierschutzpartei erreichte mit 1,2 % der Stimmen einen Sitz im 751 Mandatare zählenden EU-Parlament., die niederländische Partij voor de Dieren t mit 4,21 % der Stimmen ebenfalls. Für die Parteien ziehen die jeweiligen Obleute ins Parlament: Stefan Bernhard Eck (D) und Anje Hazekamp (NL). Die beiden Abgeordneten traten (je als eigenständige Delegation) der Parlamentsgruppe der „Vereinigten europäischen Linken /Nordisch grüne Linke“ bei, die so mit 52 Mandatsträgern größer ist als die Fraktion der „Europäischen Grünen.
Das beste Ergebnis erzielte die 1993 gegründete deutsche Tierschutzpartei bundesntern 2009 in Sachsn mit 2,1 %, zu wenig für ein Mandat. Jedoch konnte sie wiederholt die für die Rückerstattung von Wahlkampfkosten gesetzten %-Grenzen (1 bzw. 0,5 %) überschreiten und in die eine oder andere Stadtversammlung einziehen.

ie 2007 gegründete österreichische Tierrechtspartei hatte im Jahre 2008 bei den nö. Landtagswahlen kandidiert, jedoch nur im Bezirk Mödling und dort 1,34 % der Stimmen erreicht. Zur Landtags- und Gemeinderatswahl in Wien 2010 trat die Partei unter dem Namen MUT- Partei Mensch Umwelt Tierschutz in einigen Stadtbezirken an, erzielte aber wienweit nur 0,07 % der Stimmen. Das Wiener Wahlrecht ist Kleinparteien-feindlich, was Bürger wohl bei der Stimmabgabe berücksichtigen. Der Initiator der Partei Ralph Chaloupek zog sich zurück. Von der Partei ist nichts mehr zu hören.

Vegane Fertigprodukte gesund?

Der Markt für vegane Fertigprodukte wächst. 2012 soll der Umsatz für speziell als tierfrei angepriesene Waren in Deutschland über 230 Millionen betragen haben mit einer jährlichen Steigungrate von 20 %, und rund 800.000 Menschen (d.s. 1 % der Bevölkerung ansprechen.
Anlass für die Hamburger Verbraucherzentrale 20 Produkte unter die Lupe zu nehmen, nicht alle mit positivem Ergebnis. Die Zentrale bemängelt, dass die Auskunftsfreude und die Deklaration bei manchen Firmen zu wünschen übrig ließ, einige Produkte gegenüber vergleichbaren Fleischwaren zu viel Fett, namentlich gesättigte Fettsäuren aufwiesen, während andere durchaus positiv bestanden. Auch Zusatzstoffe und Aromen würden teilweise häufiger verwendet, einfach weil sonst die Herstellung nicht möglich oder kein annehmbarer Geschmack zu erzielen wäre.
Die Zentrale empfiehlt, bei einigen Artikeln, sie nicht zu oft zu essen.
Zu ähnlichen Ergebnissen kommt die Verbraucherzentrale in Bayern: „Auffällig sind die langen Zutatenlisten bei diesen Imitaten und vor allem der wahnsinnige Einsatz von künstlichen Zusatzstoffen.“
Quelle: Das Erste u.a

Stier auf der Flucht

In der letzten anima berichteten wir von der mehrwöchigen Flucht von 14 und dann nur mehr sechs Jungrindern in der Nähe von Graz. Ein neuer Fall ereignete sich im April im steirischen oberen Murtal. Auch hier gelang einem einjährigen Stier die Flucht vor der Schlachtung, er konnte sich mehrere Wochen der Festnahme entziehen und durchschwamm dazu mehrmals die Mur. Ein von der Bezirkshauptmannschaft erwogener Abschussauftrag wurde aufgrund von Protesten nicht erteilt.

egetarier in Israel

Von rund acht Millionen Israelis soll sich eine Million vegetarisch ernähren, darunter 400.000 vegan – ein internationaler Spitzenwert. Die Nachfrage nach entsprechenden Produkten habe bereits zu Engpässen und zu Umsatzeinbrüchen in der Milch verarbeitenden Industrie geführt. Eine große Molkerei produziere bereits pflanzlichen Käse und Joghurt.
Der Vegan-Hype sei durch zwei Aktivisten, die ein amerikanisches Propaganda-Video ins Hebräische übersetzten und auf Youtube stellten, ausgelöst worden.
Quelle: Die Welt Hamburg

Putenfleisch und Salmonellen

Laut deutschem Bundsamt BVL hat sich die Salmonellenbelastung zwar verringert, bedeutet aber immer noch Gefahr für Verbraucher. Ebenso ist frisches Putenfleisch häufig mit Campylobacter belastet, einem Keim der ebenfalls zu schweren Durchfällen führen kann. Besondere Hygiene in der Küche ist daher nach wie vor geboten.
Quelle: Konsument, Wien , Nr.6/2014

Ankerbrot kennzeichnet vegane Waren

Die Brotfabrik mit vielen Filialen hat laut Werbeaussendung ein über 40 Produkte umfassendes Sortiment an veganen Artikeln, die als solche am Preisschild gekennzeichnet sind.

EU-Bürgerinitiative gegen Tierversuche

Die EU-weite Bürgerinitiative STOP VIVISECTION erreichte, wie die nationalen Behörden kürzlich bestätigten, mehr als eine Million gültige Unterschriften und hat damit die Hürde für eine Behandlung im EU-Parlament und durch die EU-Kommission genommen. Siehe www.stopvivisection.eu

Vegetarier in Schweden

Die Umfrage eines Meinungsforschungsinstituts im Auftrag einer Tierrechtorganisation im Februar/März r ergab 10 % Vegetarier, davon 6 % lakto/ovo und 4 % vegan. Das bedeutet eine Steigerung um 4 Prozentpunkte gegenüber 2009. Befragt wurden 1.000 Personen über Telefon.


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Restaurant klagt gegen Flugblätter

Die Restaurntkette „Zu den 3 goldenen Kugeln“ verwendet(e) Käfigeier. Der VgT verteilte vor einigen Filialen, auch auf dem Parkplatz, Flugblätter, in denen das Restaurant ironisch „Bei den 3 goldenen Käfigeiern“ genannt wurde. Die Firma klagte mit einem Streitwert von 21.000 auf Unterlassung und begehrte eine Einstweilige Verfügung. Das Handelsgericht Wien wies die Klage ab.

Sexistische Mäuse

Laut einer Studie löst die Anwesenheit männlicher Wissenschaftler bei Mäusen und Ratten Stress aus. Das könnte die Ergebnisse von Tierversuchen verzerren.
Quelle ORF Science u.a.

 

Seite 23:

Segen, Kulturschande, KZ?
Erst wenn es zum Himmel stinkt?


Bei überforderten Tierhaltern kommt es manchmal vor, eine Anhängekette, in den Hals gewachsen, schwärende Wunden, tote Tiere im Dreck. Dass erst Verwesungsgeruch auf die Verwahrlosung eines Häftlings aufmerksam macht, ist einmalige Ausnahme, doch hat ist dadurch die Anhaltung so genannter geistig abnormer Rechtsbrecher, der Maßnahmenvollzug, neuerdings ins Gerede gekommen. Neuerdings? Die Notwendigkeit der Reformierung ist den Zuständigen seit langem bekannt. Doch wie in Österreich üblich, solange nicht etwas passiert, geschieht nichts.

Der Grundgedanke ist gut und schön: heilen. Nur, was hat man daraus gemacht? Es gibt unzweifelhaft Menschen, die darf man nicht frei herumlaufen lassen; sie sind eine zu große Gefahr für ihre Mitmenschen. Doch ein gehbehinderter 74jähriger Pflegling, mag er auch vor Jahrzehnten einen Mordversuch begangen haben, welche Gefahr stellt er heute noch dar? Als ich die Juristerei lernte, lang, lang ist her, da war es Übung, Häftlinge nach Verbüßung von zwei Dritteln ihrer Strafe bedingt zu entlassen Lebenslängliche meist nach fünfzehn Jahren. Die Häftlinge hatten etwas zu verlieren und blieben brav. Von dieser Vollzugspraxis ist man weitgehend abgekommen, vor allem aus populistischen Gründen; das „gesunde Volksempfinden“ ruft nach Strenge. Ist Österreich sicherer geworden?

Ein Karussell das sich immer schneller dreht. Ein vager, „unbestimmter“ Rechtsbegriff: „befürchten“, der sich eng und weit auslegen lässt, ein zaghafter Richter will sicher gehen, Sachverständige, die Gott gleich in die Zukunft blicken sollen, trauen sich nicht nein zu sagen, weil wenn etwas passiert, und das kann niemand sicher ausschließen, sind sie dran. Ob wer in den Maßnahmenvollzug kommt, hängt von der Postleitzahl ab, sagte sarkastisch der ehemalige psychiatrische Leiter der Anstalt Mittersteig. Gefährliche Drohung wird immer häufiger zum Anhaltegrund, ein unbedachtes Wort zum Schicksal. Ist einer einmal drin, kommt er nur mehr schwer hinaus. Denn welcher Sachverständige wagt es, das Risiko auf sich zu nehmen und zu sagen, er ist ungefährlich. Dazu kommt: Aus Geldmangel fehlt es an echter psychiatrischer Behandlung, die Gefangenen werden, wie der medizinferne Volksmund sagt, nieder gespritzt. Wer dagegen protestiert, gilt als behandlungsresistent und bleibt. So können aus sechs Monaten Gefängnis neun Jahre werden, aus zwei Jahren sechzehn. So mutieren Gefängnisse zu Altersheimen.

Das Erschreckende am Anhaltesystem ist, dass Menschen nicht weil sie etwas getan haben, sondern weil sie vielleicht etwas tun könnten, jahrelang faktisch wie Verbrecher behandelt werden. Modernes KZ?

Univ.Prof. Funk kritisiert vornehm zurückhaltend: Die (bange) Vermutung, dass sich beim Maßnahmenvollzug die lockere Art und Weise, in der sich die gutachterliche und forensische Praxis ihrer Aufgaben entledigt und konkrete Beweise durch abstrakte Formeln ersetzt, ein häufig anzutreffender Gast im System ist, drängt sich auf. Das Regelwerk „Maßnahmenvollzug“ dürfte pragmatisch notleidend sein. (Staatsgewalt, siehe anima 1/2013).


Warum wir uns als Tierrechtszeitung so eingehend mit dem Thema beschäftigen? Ein Väterrechtler ist bereits weggesperrt, vielleicht lebenlang. Wäre der Wr. Neustädter Prozess etwas anders gelaufen, hätte das nicht auch einem Tierrechtler passieren können? Ist intensiver Einsatz für den Tierschutz normal?
Erwin Lauppert

 


 

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