Inhalt Nr.1/2014

Christine Beidl
Tiere trosten und heilen 3


Vegetarismus ungesund? 4
Demagogische Missdeutung einer Studie der Grazer Medizinischen . Universität


Michaela Schaller
Vegetarisch essen in Wien 5
Reformhaus Buchmüller


Monika Halsegger-Hofer
Augewogene Ernährung 7


Erwin Lauppert
Kartoffelstärke mit Kokosöl
oder Erdäpfelsalat mit Kernöl? 9


Peter Rosegger
Bauernessen – Wie es einmal war 10


Vegetarische Informationen 11


Info der Ges. f. humane Nutztierhaltung
Ei? Besser kein’s, aber wenn 12
Infos zu Ei und Milch


Wolkenkuckucksheim oder Zukunft? 13
Zoopolis von Donaldson/Kymlicka


Manfred Kyber
Mutter 16


Bücher 18
H.F. Kaplan, Vegan soll keine Religion sein
Chris |Moser, M.E.
die Tierbefreier e.V., Tierbefreiung
Kochbuch Barbara Rütting, vegan & vollwertig


Offenlegung und Impressum 21


Notizen 22


Yvonne mal sechs 24

 

Seite 2:

Liebe Leserinnen und Leser,


Dann wohnt der Wolf beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein, Kalb und Lö- we weiden zusammen … Der Säugling spielt vor dem Schlupfloch der Natter .... Man tut nichts Böses mehr und begeht kein Verbrechen auf meinem ganzen heiligen Berg.
Jesaja, 11,6
Das Paradies ist noch Vision, der Wolf isst noch Lämmer, und der Mensch auch. Der von Jesaja erschaute Geist der Weisheit und der Einsicht ist uns noch ferne.
Nicht nur der Prophet Jesaja, auch manch weltlicher Tierrechtsphilosoph bringt Visionen zu Papier, vom friedvolleren Zusammenleben mit den Geschöpfen unserer Erde. Lesen Sie über Zoopolis auf Seite 13 -15.
Manchem Fleischesser ist das Aufblühen des Vegetarismus zuwider, er versucht ihn mies zu machen, dazu eine Klarstellung auf Seite 4.
Unbekümmert um allen tagespolitischen Lärm – schrieb vor Jahren unsere frühere Redakteurin Christine Beidl – beginnt rings um uns das österliche Auferstehen der Natur mit ihrem Grünen und Blühen, Gezwitscher und Nesterbauen, das uns Jahr für Jahr von neuem ans Herz greift, aber es beginnt auch unser Schmerz, denken wir an die Millionen unschuldiger Schweine und Lämmer, die für dieses schöne Fest gemetzelt werden, weil es immer die Tiere sind, die für unsere Menschenfeste mit Todesangst und Todesleid bezahlen müssen. Friede und Erlösung kann erst dann eintreten, wenn sie der Kreatur zuteil wird, wenn wir sie ihr zuteil werden lassen.

Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wünschen wir in diesem Sinn friedliche und erholsame Osterfeiertage.
Ihre anima Redaktion

Seite 3

Tiere trösten und heilen
Christine Beidl

und das ist natürlich nicht so gemeint, wie es die Pharmalobby mit ihrem zynischen Slogan „Tiere helfen Menschen“ formuliert. Nicht dadurch, dass man sie zwingt, ihr ar-mes kleines Leben nach oftmal so qualvollen Experimenten für die Erprobung neuer und alter auszuhauchen.
Jeder Tierbesitzer weiß, wie sensibel Tiere es aufnehmen, wenn ihr geliebter menschlicher Freund traurig ist. Wie sich da plötzlich ein weiches, pelziges Köpflein an seine Knie, in seine Hände schmiegt, leise schnurrend, als wollte es sagen: Sei nicht so traurig, du hast ja mich! Vielleicht ist es diese „All-Liebe“, von der der Dichter Manfred Kyber spricht, dass sie auch in der Seele einer kleinen Katze wirkt.
„ In stiller Nacht, zur ersten Wacht, ein’ Stimm’ begann zu klagen, der nächt'ge Wind hat süß und lind zu mir den Klang getragen...“
Dieses Lied mit seinem ergreifenden Text wurde zum Leitmotiv der Begegnung mit einem fremden Schicksal.
„ Von herbem Leid und Traurigkeit ist mir das Herz zerflossen, die Blümelein, mit Tränen rein hab' ich sie all' begossen.“
Im Urtext von Friedrich von Spee (um 1630) bezieht sich diese Melodie des schmerzvoll-herben Mitleidens auf die Verlassenheit und Todesangst der Ölbergstunde vor dem Karfreitag. Aber diese Traurigkeit kann uns auch angesichts eines armen Menschen, eines gequälten Tieres ergreifen. Sie lässt sich nicht abschütteln. Sie überfällt einen, unwiderstehlich, und nur der Wunsch zu helfen und zu trösten kann sie mildern.
Da gibt es eine Menschenseele, die das Übermaß an menschlichem Unverstehen und Leid nicht verkraften konnte und sich in Dunkelheiten verlor, die unüberwindbar waren. So übertrug sie alle Zärtlichkeit ihres Herzens auf ihre Tiere. Sie sind es, die sie am Leben erhalten und wohl schon oft von einem dunklen Abgrund unkontrollierbarer Ängste zurückführten ins Leben. Wohl ohne Grund fühlt sie sich so von Menschen ver- urteilt und verstoßen – aber wer kann dar- über urteilen?
„ Wenn ich meine Tiere nicht hätte, dann hätte ich schon längst Schluss gemacht...“Es ist die Verantwortung für diese wehrlos ihr vertrauenden Wesen, die sie ans Leben bindet und daran hindert, sich selbstzerstörend in den Abgrund zu werfen.
Es mag vielen so gehen, mehr oder weniger, denn die Lieblosigkeit und Gleichgültigkeit unserer Wohlstandsgesellschaft ist groß, und wir möchten gerne wegschauen, wenn uns so ein stummer Hilferuf erreicht, aus Menschenaugen oder aus verzweifelten Tieraugen. Aber auch wir sind verantwortlich für unsere Geschwister im Reich des Lebens, die unserer Liebe ebenso bedürfen wie der leiblichen Nahrung.
Du, der in uns liebt und lebt: Lass alles, was wir im Menschen und Tiere leiden, diesen zugute kommen! Sie sollen sich nicht verlassen fühlen auf dieser Erde.
In dem schönen Lied ist es die gesamte Natur, die unerlöste, beseelte Natur, die das Leid des Menschen miterleidet:
„ Kein Vogelsang noch Freudenklang man höret in den Lüften, die wilden Tier’ trau’rn auch mit mir in Felsen und in Klüften.“

(Diesen Text hatte Christine Beidl, lange Jahre Redakteurin unserer Zeitschrift, 1991 für die anima geschrieben)

Seite 4:

Vegetarismus ungesund?
Demagogische Missdeutung einer Studie der Grazer Medizinischen Universität

Vor einem Monat gab es Schlagzeilen in der einen oder anderen Zeitung: Vegetarier sind kränker als Fleischesser. Was war geschehen? Das Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie der Grazer Medizinischen Universität hatte eine Studie über die Verbindung zwischen Essverhaltung und verschiedenenen Gesundheitsparametern veröffentlicht, die bei oberflächlicher Betrachtung diesen Eindruck vermitteln konnte. Die Universitätsmeldung dazu war irreführend und ein offenbarer Fleischfreund machte daraus eine demagogische Presseaussendung. Bei näherer Untersuchung lost sich die negative Darstellung in Luft auf.
Der Reihe nach: 2006/2007 wurden von der Statistik Austria im Auftrag des Gesundheitsministeriums rund 15.000 Personen von 15 Jahren aufwärts über ihre Gesundheit befragt, ein statistisch ausgewogener Querschnitt durch die Bevökerung des Landes – nicht ganz, wiewohl in Wien rund 20 % der Österreicher leben, betrug der Anteil der Wiener unter den Befragten nur 10 %. Die Ausgewählten mussten ihren Interviewern in meist 30 bis 45 Minuten ungefähr 130 Fragen zu ihrer Gesundheit, ihren Lebensgewohnheiten und sozialen Verhältnissen beantworten und dazu teilweise noch erläuternde Informationen einsehen. Viel Zeit zum Nachdenken gab es also nicht, vor allem aber: die Angaben wurden nicht überprüft.
Zur Ernährung lauteten die Fragen:
Wie würden Sie Ihre Essgewohnheiten beschreiben? (Liste D7.A vorlegen)
1 Mischkost mit viel Obst und Gemüse
2 Mischkost mit viel Fleisch
3 Mischkost mit wenig Fleisch
4 Vegetarisch, aber mit Milchprodukten und/oder Eiern
5 Vegetarisch, aber mit Fisch und/oder Milchprodukten und/oder Eiern
6 Vegetarisch und keine tierischen Produkte
Wie lange der Ernährungsstil bereits geübt wird, wurde nicht gefragt.
0,8 % der Befragten bekannten sich zu Ernährungsstil 4 (l/o-veg.), 1,2 % zu 5 (Fischesser) und 0,2 % zu 6 (vegan).
In der Universitätsstudie wurden nun die Gruppen 4 bis 6 zusammengefasst (insgesamt 320 Personen) und genau so vielen Personen (gleichen Geschlechts, Alters und sozialen Status) jeder der drei anderen Gruppen gegenübergestellt und ihre Krankheitsangaben verglichen. (Matched Sample Studie). Danach lagen tatsächlich die Vegetarier bei den Krankheitsparametern häufiger als andere Gruppen wenn meist auch nur geringfügig voran. Nur:
Die erste Fehlerquelle: Fischesser und Vegetarier wurden zusammengeworfen.
Die zweite: Wie lange der Ernährungsstil bereits geübt wurde, blieb unberücksichtigt.
Die dritte: Wie sich die Vegetarier abgesehen vom Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel ernährt hatten (zB Pudding-Vegetarier), wurde nicht beachtet.
Die vierte und wichtigste: Ob die Probanden Vegetarier wurden, weil sie bereits krank waren, oder erst krank wurden als sie sich vegetarisch ernährten, wurde nicht geprüft. Tatsächlich greifen chronisch Kranke nicht selten zur vegetarischen Ernährung. Auch können sie in ihren Selbstaussagen zur Gesundheit penibler sein (Allergien: 30 % der Grupp 4-6, gegenüber im Schnitt 18 % der übrigen Gruppen).
Weiters: Es ging vor allem um chronische Krankheiten und die treten nun einmal hauptsächlich im höheren Alter auf. Vegetarische Probanden über 60 Jahre gab es nur rund 50, davon 12 männlich, also kaum statistische Aussagekraft.
Wenn etwa um nur ein Beispiel zu nennen, ca.45 Viel-Fleischesser Bluthochdruck, aber nur 2 einen Herzinfarkt angeben, während die Zahlen bei der Gruppe 4-6 33 zu 5 lauten, liegt der Gedanke an Zufall nahe. So liegt etwa bei Diabetes die Gruppe 1 mit ca. 13 Personen (jeweils von 320) voran, gefolgt von der Gruppe 4/6 mit 9 und den Gruppen 2 und 3 mit je 8. Bei Schlaganfällen führen die Gruppen 1 und 2 mit je 6, vor 3 mit 5 und 4/6 mit 4 Personen, bei Magengeschwüren stehen 1 und 4/6 mit je 13 vor. 2 mit 12 und 3 mit 5 Personen – alles Zahlen, die eher auf Zufall deuten. Bei Krebs (4/6 mit 15, 1 mit 13, 2 mit 6 und 3 mit 4 Personen) fehlt dazu die wichtige Gliederung nach Arten. Die hohe Zahl in Gruppe 4/6 legt den Gedanken nahe, dass manch Krebspatient helf was helfen kann, beim Vegetarismus Zuflucht gesucht hat.
Zur Feststellung ob vegetarische Ernährung gesund oder ungesund ist, ist die Studie, wie auch ihre Autoren bestätigen, ungeeignet.
Aufschluss über die gesundheitlichen Auswirkungen einer Ernährungsform können nur Langzeitstudien geben, deren etliche in den letzten 50 Jahren getätigt wurden; z.B. die Oxford Vegetarian Study. Sie haben insgesamt ergeben, dass Vegetarier ein deutlich geringeres Risiko für zahlreiche chronische Erkrankungen aufweisen, wie Übergewicht, Diabetes 2, Bluthochdruck und Herz-Kreislauferkrankungen sowie bestimmte Krebsarten.

Seite 5:

Vegetarische Gastronomie in Wien
Gesund und köstlich essen
Imbiss im Reformhaus Buchmüller in der Neubaugasse (nächst Mariahilferstraße)
Das Haus für ganzheitliches Wohlbefinden

Seit nunmehr 1939 gibt es das Reformhaus Buchmüller in der Neubaugasse im 7. Bezirk. Seit mehr als 30 Jahren ist Frau Margarethe Kreidl nicht nur Besitzerin, sondern die Seele dieses Traditionshauses. „Dieses Geschäft zu führen, ist meine Passion“, erzählt sie uns. Für Wiener ist die Adresse sicher kein Geheimtipp, es sei aber auch allen, die dann und wann mal in die Bundeshauptstadt kommen gesagt, dass es sich allemal lohnt, dort einen Zwischenstopp einzulegen.

Einkauf von A-Z
Ob Naturkosmetik, Haarfarben, Haarpflege, Körperpflege, Energetisches, ätherische Öle, Tees, Gewürze, Putz- und Reinigungsmittel, vegetarische und vegane Lebensmittel – dieses Reformhaus ist mit seinen rund 4000 Artikeln tatsächlich ein Einkaufseldorado für alle, denen Gesundheit, Umwelt- und Tierschutz am Herzen liegen.
Wer das richtige Produkt für seine Bedürfnisse noch nicht gefunden hat, darf sich auf die freundliche und überaus kompetente Beratung des Fachpersonals verlassen. Sie wissen, was Ihr Körper von innen und außen braucht, um Gesundheit und Schönheit zu erhalten. Auch für jegliche Diätberatung sind Sie hier in geschulten Händen.
Neu: Einkaufen im Online Shop
Für all jene, die nicht selbst im Geschäft einkaufen können, gibt es auch die Möglichkeit über den neuen Buchmüller Online Shop zu bestellen, der 24 Stunden geöffnet hat. Innerhalb weniger Tage erhalten Sie die bestelle Ware in ganz Österreich und auch im Ausland.


Gesund und köstlich essen
Aber Buchmüller ist noch mehr als ein gut sortiertes Reformhaus. Montag bis Freitag darf man sich dort mittags eines reichhaltigen warmen und kalten vegetarischen und veganen Speisenangebotes erfreuen. Man holt sich das Essen selbst, und schaut, dass man einen Platz ergattert, was aber selbst im regen Treiben der Mittagszeit immer irgendwie gelingt, weil man sich ungezwungen zusammen setzt. In der warmen Jahreszeit gibt es auch einen kleinen Gastgarten direkt auf der Neubaugasse. Die Chefin, Frau Kreidl, zeichnet selbst für die ausgezeichnete Küche verantwortlich. Dass hier mit viel Liebe täglich frisch mit biologischen Zutaten gekocht wird, schmeckt man auch. Am Tag unseres Besuches gab es eine Mangold-Pastinaken-suppe, Kartoffel-Bärlauch-Strudel mit Salat, Linseneintopf mit Semmelknödel und Salat sowie einen Polenta-Gemüseauflauf mit Salat. Den ordentlichen Teller Suppe gibt es für 3 Euro. Der Tagesteller kostet 7.50 Euro.
Die Entscheidung für ein Gericht fiel schwer, weil alles einfach köstlich aussah. Auch das reichhaltige Salatbuffet lässt Gemüse-Esser-Herzen höher schlagen. Ein Wow-Erlebnis gibt es dann noch, wenn die Damen bei der Essensausgabe die Portionen so bemessen, dass man sich gleich sorgen muss, ob danach wohl noch einer der köstlichen Kuchen Platz hat. Diese werden mit Dinkelvollkornmehl und hochwertigen Zutaten gebacken.

Auch Veganer können hier vertrauensvoll zuschlagen. Außerdem gibt es noch eine Auswahl von frischgepressten Säften, Brot sowie kleine Gerichte wie Burger und Aufstriche. Alles kann selbstverständlich auch mitgenommen werden.
Man kann selbst entscheiden, ob man ins Reformhaus Buchmüller geht um gesund und gut zu essen und dann gleich den Einkauf für Zuhause erledigt – oder umgekehrt.

Michaela Schaller

 


Reformhaus Buchmüller
1070 Wien, Neubaugasse 17-19
www.reformhaus-buchmueller.at
Tel.: 01 523 72 97
Ö ffnungszeiten:
Mo-Fr 09.00 bis 18.30 Uhr, Sa 09.00 bis 17.00 Uhr
Warme Speisen Montag bis Freitag ab ca.11Uhr 30 solange der Vorrat reicht


Vegetarische Hotels und Pensionen
in Österreich

Kärnten
am Klopeiner See: Loving Hut, Veganes Restaurant und Pension, Adr.: Am See XII 7/7a, A-9122 St. Kanzian, T 04239 40150, klopeinersee@lovinghut.at
in den Bergen: das Bio-Landhaus zur Arche am Hang der Saualm St.Oswald 9373, Eberstein, bio.arche.hotel.at, T 04264 8120
Land Salzburg: Vollwertpension Haus Leo, Am Rauchenberg, Gumping 11, 5092 St.Martin bei Lofer Tel.06588/7065, email: pension.leo@aon.at,
Steiermark
Naturhaus Lehnwieser, Familie Pleninger, Vorberg 20, 8972 Ramsau (in der nordwestlichsten Steiermark, 1150 m hoch, naturhaus-lehnwieser.at T 03687 - 815 76
Tirol
Hotel Pointner) Bichlach 41, 6370 Reith bei Kitzbühel, hotel-pointner.at ,Tel. 05356-65242


Infos über veg. Hotels/Pensionen im In- und Ausland auch unter veggie-hotels.de


Liste veg. Gastronomie- und Beherbungsbetriebe in Österreich unter vegetarier.at, Liste auch bei der ÖVU erhältlich

Aktivurlaub für sportliche V. in Tirol
Geführte Wanderungen, Hundewandern etc, Infos adventureV, Dr. Katharina Wirnitzer. 6135 Stans, adventurev.com, T 0699-1040 4244

Vitamin B12
Für vegane aber auch für L/O-Vegetarier und überhaupt für ältere Menschen empfiehlt sich Überprüfung des Vit. B12-Status in angemessenen Abständen, auch bei Verwendung der Vit. B12-Zahnpasta.

 

 

:Seite 9:

Kartoffelstärke mit Kokosöl
oder Erdäpfelsalat mit Kernöl?

Letztes Jahr kam ein Kunstkäse, eine Milchkäse-Imitation* in die Geschäfte, die schon (fast) wie Käse schmeckt. Das ist erfreulich, denn was zuvor an einschlägigen Imitaten auf dem Markt war, konnten nur fanatisch-ideologisch gestählte Veganer mit dem Milchprodukt assoziieren. Laut Inhaltsangabe besteht das neue Kunsterzeugnis im wesentlichen aus Kokosöl und Kartoffelstärke, dazu natürlich die hier unvermeidlichen chemischen Hilfsmittel und die chemische Hirngrütze um das Ganze zu erdenken und die chemische Fertigkeit um es zu verwirklichen..
Da könnte einer kommen und fragen: Wozu der immense Aufwand, wozu im Hexenkessel die Erdfrucht in Kuhsekret wandeln. Warum nicht einfach das Gute, das so nahe liegt, nehmen: Erdäpfelsalat mit Kernöl. (Wer Kürbiskernöl als Wagenschmiere empfindet, dem bietet sich eine reiche Auswahl anderer Pflanzenöle an).
Die Frage ist wohl müßig, der Trend zum Künstlichen scheint unter Leuten, die dem Fleisch und der Milch abschwören unaufhaltsam – Inhaber veganer Läden berichten, der Hauptumsatz entfalle auf Fleischimitate und dergleichen.
Die Zeiten wandeln sich und der Zeitgeist nicht minder. Einst war Vegetariern alles was niach Fleisch roch oder schmeckte ein Gräuel, sie mokierten sich über Fleischliebhaber als Leichenfresser. Heute achten viele darauf , dass sich in ihre Nahrung auch nicht das kleinste E-Nummerchen, das tierischen Ursprungs sein könnte verirrt, doch ausschauen und schmecken muss es wie Fleisch.
„ Gebackener Säugling“ auf der Speisekarte im Restaurant für ein veganes Gericht fänden wohl die meisten makaber, doch „gebratene Gans“, immerhin auch ein fühlendes Wesen, gefällt (wenn auch nicht allen). Nun denn, wenn es hilft, von echtem Fleisch abzulassen, warum nicht. (Allerdings erleichtert es auch die Rückkehr zum echten Fleisch).
Großer Jubel herrscht über jedes neue vegane Geschäft. Wir wissen, die sozialen Verhältnisse, die Arbeitswelt ändern sich, Fertiggerichte treten and die Stelle von Ursprünglichem.
Dennoch, eine kleine Reminiszenz sei erlaubt. Einst war das Sortiment der Lebensmittelgeschäfte vorwiegend vegan: Getreide Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Mais als Mehl, als Gries, manches als Flocken oder Graupen, Haiden (Buchweizen), Hülsenfrüchte aller Art, Bohnen, große, kleine, Erbsen, Linsen (auch als Fertiggericht), Erdäpfel, Öle, Obst roh und getrocknet, Gemüse roh und als Fertiggericht, Zucker ... vieles einfach zuzubereiten.
Wie wäre es, Mehl, Hülsenfrüchte, Erdäpfel einmal natürlich und nicht industriell zu Fleisch gewandelt, zu versuchen?

Erwin Lauppert

In eigener Sache:
Betr. Geschlechtsbezeichnungen
Im Interesse leichterer Lesbarkeit vermeiden wir im allgemeinen das „Binnen-In“. Je nach Sprachgebrauch verwenden wir das „generische Maskulinum oder Femininum“ für beide natürlichen Geschlechter. Wenn wir Gemsen, jetzt Gämsen schreiben, meinen wir also auch die Gamsböcke, und wenn wir „Österreicher und Deutsche nennen, betrifft das nicht nur bei den Deutschen, wo es sich grammatikalisch von selbst versteht, Manderln und Weiberln sondern auch bei den Österreichern. Ebenso bitten wir die Gänseriche sich einbezogen zu fühlen, wenn wir Gänse sagen.

anima-Redaktion

Seite 13:

Bücher

Wolkenkuckucksheim oder Zukunft?

Im letzten Drittel des vergangenen Jahrhunderts fanden Tierrechte langsam Eingang in die einschlägigen Wissenschaften, zuerst nur schütter und vereinzelt. Doch seit der Jahrhundertwende ist die Tierrechtsliteratur, wenigstens die englischsprachige fast unüberchaubar geworden. Der Begriff Tierrechte ist unbestimmt und schillernd. Da gibt es jene, die realitätsnah denkend angesichts der vielmilliardenfachen Nutzung der Tiere für menschliche Zwecke (vorerst) kleine oder größere Verbesserungen in der Behandlung unserer Geschwisterwesen anstreben. Im engeren Sinn heißt der Begriff: essentielle Grundrechte für Tiere, vor allem einmal das Recht auf Leben und das in Freiheit. Die philosophischen Begründungen sind unterschiedlich, utilitaristich, deontologisch ..., auch die Frage ab welcher Entwicklungsstufe Tieren Rechte einzuräumen sind, wird kontrovers beantwortet. Was das Zusammenleben von Mensch undTier betrifft, herrscht die abolitonistische Richtung vor: strikte Trennung, eine Art Apartheidsystem: Haus- und Heimtiere aussterben und Wildtiere in Ruhe lassen. Verständlich, dass diese philosophische Richtung unter Hunde- und Katzenliebhabern kaum Anhänger findet. Und was die Wildtiere betrifft, in Ruhe lassen ist leicht gesagt, wenn wir ständig aufeinander stoßen.


William Kymlicka, Professor für politische Philosophie an der Queens University in Kingston, Ontario, Kanada und die Schriftstellerin Sue Donaldson, Kingston haben ihrerseits ein Modell für ein gedeihliches Zusammenleben selbstbestimmter fühlender Wesen auf unserer Erde dem abolitionistischen System gegenübergestellt. Das Buch, 2011 bei Oxford University Press erschienen, liegt nun, im renommierten Suhrkamp Verlag veröffentlicht. auch in deutscher Sprache vor.
Donaldson / Kymlicka
Zoopolis – Eine politische Theorie der Tierrechte
, Suhrkamp Verlag 2013, 36 ¤(D), geb. 608 S., F. ca. 20 x 13 cm


In ihrem Werk stellen sie die gängigen Tierrechtstheorien eingehend und kritisch vor und ergänzen sie bzw. setzen ihnen ihr Modell entgegen. Es nimmt vor allem Anleihen bei Rechtsinstituten, die Beziehungen unter uns Menschen regeln. Sie gliedern die Tierwelt vereinfacht dargestellt in drei Gruppen: domestizierte Tiere, also Haus- und Heimtiere (Gefährtentiere), wildlebende Tiere und eine dritte Gruppe, die sie Tiere im Schwellenbereich nennen, also i.w. Kulturfolger.
Das der Regelung menschlicher Beziehungen dienende Institut der Staatsbürgerschaft möchten die Autoren entsprechend modifiziert auch auf die Beziehungen zu den domestizierten Tieren übertragen. Da nun éinmal deren Rückführung zu Wildtiere in der Regel nicht tunlich ist, treffe uns die Pflicht für sie zu sorgen und ihre Interessen gleichermaßen zu beachten wie unsere eigenen, d.h. sie als gleichberechtigte Mitglieder der Gemeinschaft zu akzeptieren. Der Begriff der Staatsbürgerschaft entspreche dem besser als der der Vormundschaft. Die Autoren verweisen auf Analoga: die Befreiung der Sklaven – viele Heimtiere werden sklavenähnlich gehalten – oder die Einstellung zu Behinderten. Ich entsinne mich da eines Siechenhauses (heute würde man wohl Seniorenresidenz sagen) vor einem halben Jahrhundert nahe einem kleinen Städtchen. Die (geistig) Behinderten konnten ungehindert in die Stadt. Bis sich die holprige Schotterstraße in eine viel befahrene Schnellstraße wandelte. Da sperrte sie der Heimleiter ein, weil er im Falle eines Unfalls den Staatsanwalt fürchten musste. Faktisch wurde damals den Befürsorgten die Freiheit hemmunungslos genommen, damit zurechnungsfähige Autofahrer ein bisschen schneller fahren konnten.
Natürlich bedeute Staatsbürgerschaft nicht nur Rechte sondern auch Pflichten. Es versteht sich von selbst, das „Haustiere“ herkömmlicher Art, die uns Fleisch, Milch, Ei und leetztlich ihr Leben geben, schon der Grundrechte wegen auch im System Kymlicka nur mehr Auslaufmodelle sein können. Sehr eingeschränkt lässt Kymlicka Wollabgabe zu und Rasenmähen.
Das was bleibt sind Heimtiere als Gefährten und Seelentröster, also i.w. Hund und Katze. Der vollen Betreuungspflicht des Menschen stehe als Gegenleistung ihre Pflicht zur Sozialisation d.h. dem Zusammenleben angepasstes Verhalten gegenüber, wozu auch ein gewisses Maß an Freiheitsbeschränkung zählen könne. So meinen die Autoren, Katzen dürfte man nur mit einem Glöckchen um den Hals unter ständiger Aufsicht ins Freie lassen.
Ein wesentliches Lebenselement, wo sich Freiheit von Zwang und gedeihliches Gemeinschaftsleben schwer vereinbaren lassen, sind natürlich Sexualität und Fortpflanzung. Die Autoren gestehen hier dem Menschen beschränkende Eingriffe zu, scheuen sich aber allzu konkret zu werden. Während sie etwa eingehend erörtern, ob Leichen als Katzenfutter verwendet werden dürfen, bleibt die nahe liegende Frage, ob – wie es etwa in Österreich Vorschrift – Katzen kastriert werden dürfen, unbeantwortet.
So wie bei der Behandlung domestizierter Tiere das der menschlichen Gesetzgebung entlehnte Institut der Staatsbürgerschaft hilfreich sein soll, wird zur Lösung der Wildtierprobleme der dem internationalen Recht entlehnte Begriff der Souveränität eingeführt. Die besondere Schwierigkeit im Verhältnis zu Wildtieren liegt allerdings darin, dass menschliche und tierische Territorien einander überlappen und ineinander verwoben sind. Dass direkte Angriffe auf Tiere wie die Jagd aus tierrechtlicher Sicht verboten sind, ist selbstverständlich und ergibt sch bereits aus den allgemeinen Grundrechten, doch was ist mit der schleichenden Aggression?
Die Autoren konstatieren unter Hinweis auf das exorbitante menschliche Bevölkerungswachstum: „Im Grunde nehmen die Menschen an einem gewaltigen Eroberungszug teil, um sich das von Tieren bewohnte Land anzueignen, was dann die Dezimierung der Tierpopulation nach sich zieht.“
Die entscheidende Frage, „ob wir die Grenzen (jetzt) in Einklang mit derzeitigen Populationen und deren Wohngebieten ziehen wollen,“ stellen die Verfasser zwar, doch meiden sie klare Antwort. Präziser werden sie bezüglich der vielfältigen indirekten auch tödlichen Beeinträchtigungen durch unsere Zivilisation. Sie beklagen (bezogen auf nordamerikanische Verhältnisse): „Wo Wildtiere ein noch so geringes Risiko für Menschen darstellen, halten wir uns im Regelfall für berechtigt, beliebig einschneidende, selbst tödliche Maßnahmen zu ergreifen, doch sobald unsere eigenen Aktivitäten Wildtieren gravierende Gefahren aufbürden, tun wir dies ab und sprechen vom Preis des Fortschritts.“
Risiko sei nicht ausschließbar. Doch müsse es gleich verteilt sein und dürfe nicht zu Lasten der Tiere gehen. Anknüpfungspunkte gebe die Risikoabwägung im menschlichen Rechtssystem. Es ließe sich viel verbessern, ohne der menschlichen Entwicklung unvertretbare Kosten aufzuhalsen, etwa im Städte- und Siedlungsbau, bei Gebäuden (todbringende Fensterfronten), im Straßenbau (Wildkorridore, Unterführungen), durch Neuplanung landwirtschaftlicher Saat- und Ernteverfahren, um kleine Nager etc. und nistende Vögel besser zu schützen usw. Als Ausgleich für das dennoch erhöhte Risiko für Tiere könne die Verpflichtung zur Pflege verletzter Wildtiere dienen.
Ü ber diese eher kosmetischen Operationen hinaus bleibt eine Kernfrage. Häuser-, Straßen-, Industriebau bedeutet Vertreibung und unweigerlich auch den Tod kleiner Erdbewohner. Dürfen wir und wenn ja in welchem Ausmaß die Interessen von Tieren und allenfalls auch indirekt diese selbst dem „Fortschritt“ opfern. Hier bleiben die Autoren auch mit der Souveränitätstheorie etwas vage.
Vertreibung war und ist allerdings wie wir wissen auch im Menschenreich bekannt. Ich meine jetzt nicht die gewaltsame europäische Kolonisation vorwiegend im 19.Jahr-hundert, die Vernichtung ganzer Völkerschaften und mit viel Tod verbundene millionenfachen Vertreibungen, die im 20. Jahrhundert ihren Höhepunkt fanden, doch die wir da oder dort milder oder stärker bis in die jüngste Zeit beobachten müssen (siehe u.a. Ruanda, Bosnien, Kosovo, Kroatien, Palästina Serbien). Ich denke hier an die innerstaatlichen Vertreibungen und Beeinträchtigungen von Menschen um des „Fortschritts“ willen, für Kraftwerke und Industriebauten, Verkehrsvorhaben und die faktischen Beeinträchtigungen etwa durch Autobahn- und Luftverkehrsterror etc. Die unterliegen alle mehr oder minder stark ausgeprägtem nationalem Recht. In Bezug auf Tiere könnten in diesen Fällen vielleicht Anleihen beim nationalen Recht passender sein als der Rückgriff auf die Souveränität. Zu bedenken wäre allerdings, dass Tiervertreibungen für diese anders als im Regelfall bei Menschen häufig tödlich sind, während Beeinträchtigungen wie etwa Autobahnterror bei Menschen allenfalls nur zu Krankheit und kürzerer Lebenerwartung führen.
Die dritte Gruppe – von besonderem Interesse, denn hier spielt der Kampf um den Futtertrog – sind die Tiere im Schwellenbereich, also Kulturfolger. Die werden durch die Resourcen der Menschen angezogen, möchten aber ansonsten von diesen meist nichts wissen. Die Autoren billigen ihnen, so sie die Barrieren, die wir gegen sie errichten, überwinden und sich nicht kurzwegs vertreiben lassen, den gegenüber Staatsbürgern minderen Status von „Einwohnern“ mit Bleiberecht zu; die Einwohner besitzen selbstverständlich die essentiellen Grundrechte, also Tötungsverbot. Der (Einzelheiten beiseite gelassen) wichtigste Unterschied: Es trifft uns Menschen nur eine eingeschränkte Fürsorgepflicht, i.w. die Pflicht zur Risikominimierung wie bei Wildtieren.
Den Menschen billigen die Autoren, ausgehend von der Unverletzlichkeit des Wohnrechts als Grundrecht das Recht zu, ihre Lebensbereiche durch Absperrmaßnahmen wie Zäune, Netze, akustische Signale, freilaufende Hunde, pfleglich zu sichern und ihre Wohnungen verletzungsfrei freizuhalten. Sorgfalt bei der Nahrungslagerung und Abfallentsorgung könnte helfen. Schwieriger, räumen die Autoren ein, ist es in alten Häusern mit Mäusen. Allenfalls könnte man

eine dort ansässige Mäusefamilie vorsichtig einfangen und in einem Nebengebäude mit allmählich reduzierten Futtergaben unterbringen. Zur Frage wie sich Supermärkte, Bäckereien, Mühlen, wo unvermeidlich Nahrung in großer Menge gelagert werden muss, schützen konnen, fand sich im Buch kein Rat. Im alten Indien nahm man es als gegeben hin, dass die Ratten ein Drittel der Getreideernte essen.
Den Pflichten der Menschen stellen die Autoren auch das Recht gegenüber, ie Gesamtzahl der Schwellenbereichstiere zu regulieren, damit Koexistenz überhaupt möglich ist. Sie denken da an Impfungen zur Geburtenkontrolle (gibt es unschädlich dosierbare Futterzusätze?), Habitatsbedingungen, die Populationsschwund vorsehen, Wiedereinführung von Konkurrenten und Prädatoren, also Raubtieren. Die gezielte Zulassung von Prädatoren scheint mir allerdings ein Systembruch, nach heutigem juristischen Verständnis könnte man sie als Beihilfe zu Mord ansehen.
Andererseits: Das Verhältnis zu von der Natur als Beutetiere konzipierten Wesen, die sich in einem halben Jahr vielhunderfach vermehren können, ist sicher ein Problem für Tierrechtsphilosophie und - praxis. Katzen und Mäuse sind seit Jahrtausenden auf einander abgestimmt. Es ließe sich das Glöckchengebot diskutieren. Nimmt eine Maus in einem von Katzen bewohnten Objekt Quartier, nimmt sie auch das Risiko, aufgegessen zu werden auf sich?
Die Autoren sehen ihre Theorie nicht als der Weisheit letzten Schluss. Sie werfen Fragen auf und regen zum Nachdenken an.

Erwin Lauppert

Sseite 15:
Mutter
Manfred Kyber

In einem Heukorb oben auf der Dachkammer lag eine Katzenmutter mit zwei Katzenkindern. Die Kinder waren erst vor wenigen Tagen zur Welt gekommen, und sie waren noch sehr hilflos – kleine Pfoten hatten sie, die immer ausrutschten, und unverhältnismäßig große Köpfe mit blinden Augen, die sich suchend im Magenfell der Mutter vergruben. Sehr sonderbar sahen sie aus. Aber die Katze fand sie über die Maßen schön, denn es waren ja ihre Kinder – das eine grau und schwarz getigert, wie sie selbst, eine Schönheit also, wie man wohl ohne falsche Bescheidenheit sagen durfte – das andere ganz der Vater, der bunt war, mit eleganten weißen Hosen und weißen Handschuhen und einem Tupf auf der Nase, und der so gefühlvoll sang. Wie hatten sie beide so herrlich zusammen gesungen an den ersten Märzabenden im Garten, zweistimmig, viele hübsche Lieder ... Sehr begreiflich, daß diese Kinder mit den kleinen rutschenden Pfoten und den großen Köpfen so prachtvolle Geschöpfe geworden waren, nicht nur Katzen, was an sich schon der Gipfelpunkt ist, wie jeder weiß, nein, Katzenkinder, wie sie die Erde noch nicht gesehen! Stolz reckte sich die Katzenmutter in die Höhe und betrachtete liebevoll schnurrend die kleinen Wunder ihrer Welt. Hier diese angenehme Bodenkammer schien übrigens in jeder Hinsicht der richtige Ort zu sein, still und ungestört. Ein weicher heugefüllter Korb, warm und überaus geeignet für die ersten Kletterversuche, viel Gerümpel ringsherum, voller Spannungen und Entdeckungsmöglichkeiten, freundlich vom Maimond beleuchtet, der durch die Fenster lugte, weite Flächen zum Spielen, und dann – welch ein berühmtes Mausrevier, welch ein weites Gebiet zur sachgemäßen Ausbildung der beruflichen Fähigkeiten!
» Ich sollte doch selbst mal ein wenig nach Mäusen sehen«, sagte die Katze, »die Kleinen schlafen, und eine Ablenkung würde mir guttun, Kinderpflege ist angreifend, und mir ist auch so, als hätte ich einen beachtenswerten Appetit.«
Die Katze erhob sich vom Heulager, beleckte schnell noch einmal ihre Kinder und strich dann auf leisen Sohlen, schnuppernd, an Kisten und Körben entlang. Es hatte doch, auch wenn man allmählich etwas in die Jahre gekommen war, immer noch etwas angenehm Aufregendes, so nach Mäusen zu schnüffeln. Und jetzt – raschelte da nicht jemand? Roch es nicht so erbaulich nach Mäusen? War das nicht der feine Duft, unverkennbar für eine kätzliche Nase? Noch einige vorsichtige Schritte, auf Samtpantoffeln – niemand machte ihr das nach – , und dann stand sie vor einem Mäusenest, in dem zwei kleine nackte Junge lagen.
Bloß Junge? dachte die Katze, da wären die Samtpantoffeln überflüssig gewesen, die können weder laufen noch sehen. Es lohnt überhaupt kaum, zwei kleine Bissen, weiter nichts. Aber man kann ja immerhin, zur Stärkung sozusagen ...
Sie wollte zupacken. Aber etwas in ihr redete.
» Sie können weder laufen noch sehen, ganz wie deine Kinder. Sie sind völlig hilflos, und die Mutter wird wohl tot sein. Sie sind so hilflos wie deine Kinder, wenn du nicht da bist. Es ist wahr, daß es Mäuse sind, aber es sind kleine Mäuse, sehr kleine, es sind Kinder – nicht wahr, du weißt es, was Kinder sind?«
Es war die Mutterliebe, die redete, und in ihr redete die Alliebe, ihr künftiger Geist. Er kann nur reden in einer Mutterliebe, die sehr groß ist, so groß wie die Mutterliebe einer Katze, denn sie ist eine der größten.
» Nicht wahr, du weißt es, was Kinder sind?« fragte die Stimme.
Die Katze beugte sich herab, faßte die eine kleine Maus vorsichtig mit den Zähnen und trug sie in ihren Heukorb. Dann ging sie zurück und holte das andere Junge. Sie nahm beide an die Brust und säugte sie, mit ihren zwei Katzenkindern zusammen.
Die kleinen Mäuse waren schon halb erstarrt, aber sie erwärmten sich sehr bald im Magenfell der Katze. Sie waren halb verhungert, aber sie sättigten sich bald an der Brust der Katze. Sie fühlten sich völlig geborgen bei einer Mutter und ahnten es nicht, daß diese Mutter eine Katzenmutter war. Wie sollten sie das wissen? Sie waren blind und hilflos. Über ihnen lag schützend die krallenlose, weiche, samtene Katzenpfote.
Die Katzenkinder wuchsen, und die Mäusekinder wuchsen, beide öffneten die Augen, und das erste, was beide sahen, war die gleiche Mutter und die gleiche große Mutterliebe.
Sie waren Kinder, und sie spielten miteinander, und die Maisonne sah zum Fenster herein und spielte mit. Und sie wob einen goldenen Schein um den Kopf der Katzenmutter.
Es ist dies eine wahre Geschichte. Sie ist nur klein, und doch ist sie sehr groß. Es ward eine neue Welt in ihr geboren von einem kleinen Geschöpf und in einer ärmlichen Dachkammer. Es wird auch nicht immer so sein, noch lange nicht; aber es ist ein großes Ereignis, daß dies geschehen ist. Die Gesetze der alten Welt sind stark und schwer, aber sie werden überwunden, Stufe um Stufe, denn die Alliebe ist eine lebendige Kraft in der Seele dieser Erde. Langsam, sehr langsam wird die neue Welt aus der alten geboren, und das geschah schon oft in einer ärmlichen Dachkammer, und die Menschen wußten nichts davon. Die Menschen wissen so wenig, und am wenigsten wissen die, welche am meisten zu wissen meinen. Sie wissen auch nicht, ob Tiere beten. Aber ich glaube, daß auch Tiere in ihrer Not eine Macht anrufen, die über ihnen ist – und wenn die Katze bitten würde, die Mutter Gottes würde sie vor allen anderen erhören. Die Maisonne wußte, was die Menschen nicht wissen. Denn sie wob einen goldenen Schein um den Kopf der Katzenmutter.

S.18

Bücher siehe auch Seite 13

Helmut f. Kaplan
Vegan soll keine Religion sein – Für eine realistische Ethik

Verlag BoD, Norderstedt 2013, ca. 13 ¤, Taschenbuch 156 Seiten, ISBN 978-3-7322.8760-4


Der bekannteste Tierrechtsphilosoph im deutsche Sprachraum setzt sich hier mit der Sinnhaftigkeit veganen Extremismus auseinander . Selbst Opfer des Meinungsterrors fanatischer Veganer fragt er: müssen Tierrchtler bis zur letzten E-Nummer vegan leben? Schadet oder nützt Unduldsamkeit den Tieren?
Wir sehen ein eigenartiges Phänomen, das allerdings bei kleinen glaubensgeprägten Gemeinschaften je kleiner sie sind, umso häufiger hervortritt. Bemühen sie sich Leute, die Fleisch essen – und die sind so zahlreich wie der Sand am Meer – vom Fleischgenuss abzubringen oder den wenigstens zu mindern, und damit viel für die Tiere zu erreichen? Nein, sie stürzen sich mit all ihrer Kraft auf Vegetarier, die mit Milch und Ei kontaminierten Produkten noch nicht vollends abgeschworen haben, was den Tieren kaum etwas bringt. Man vergegenwärtige sich nur die schon oft genannten Konsumzahlen. In Österreich sterben jährlich rund 100 Millionen Warmblütler – Fische also gar nicht mitgerechnet – direkt oder indirekt für unsere Ernährung, davon ca. 80 Millionen fürs Fleisch, 15 Mill. fürs Ei, dazu eine halbe Million für die Milch, und noch Millionen, die zwar nicht gegessen werden, doch indirekte Opfer der Nahrungsmittelproduktion sind. Die Zahlen verdeutlichen die Wichtigkeit, erst einmal den Fleischkonsum zu reduzieren.
Kaplan stellt seine Überzeugung klar: „Wem Tiere am Herzen liegen, muss eine vegane Welt wollen, eine Welt: in der Tiere nicht deshalb gequält und getötet werden, damit die Menschen ihr Fleisch, ihre Milch, ihre Eier, ihr Fell usw. konsumieren oder nutzen können. Dass es in absehbarer Zeit zu einer solchen Welt kommt, ist eher unwahrscheinlich ...“ Zu viele Faktoren stehen dagegen, ein wesentlicher negativer Faktor sind seiner Meinung aber auch die so genannten Religions-Veganer, die Fakten außerhalb ihrer kleinen Welt nicht zu sehen vermögen, vor allem nicht die große Welt der Fleischesser. „Deshalb ist es unmöglich, mit Religions-Veganern über effiziente Strategien zu diskutieren, geschweige denn sie dafür zu gewinnen.“
Der Versuch, normale Menschen, also fleischesser zu Veganern zu machen, sei meist nicht nur vergeblich, er sei schädlich, weil er mögliche Vegetarier verhindere. Verständlich, habe ich endich jemanden dazu gebracht auf Fleisch zu verzichten und nenne ihn dennoch Mörder, weil er noch Käse isst, wird er wahrscheinlich auf den ganzen Vegetarismus pfeifen und zu den Fleischtöpfen zurückkehren.
Kaplan setzt sich sehr eingehend mit den Argumenten der fanatischen Veganer auseinander. Wir können aus Platzgründen hier nicht näher darauf eingehen. Nur etwas möchte ich herausgreifen. Auf Kaplans Frage ob, wer nach einem Regen Regenwürmer vom Asphalt zurück auf die Wiese klaubt, nicht mehr für Tiere tut als ein E-Nummern-Reiter, meint seine vegane Gesprächspartnerin, Würmer auf der Straße seien normal, da könne man nichts ändern. Mit Verlaub, es mag normal sein wie Fleischessen, doch es ist das Werk von Menschen, die ihre Schuhe lieben, und ließe sich durch ein bisschen Zaun leicht verhindern wie manch andere Gefahrenquelle, zB. Fensterfronten.
Man muss nicht allen Argumenten Kaplans folgen, doch sein Buch ist eine profunde Auseinandersetzung mit den Problemen praktischer Tierrechtspolitik, speziell dem Veganismus-Streit und allen Interessierten zu empfehlen.


Chris Moser
M. E. – Essay

Kyrene Verlag Innsbruck 2013, 12,50 ¤, 122 S. geb, Format ca. 19,5 x 13 cm

Chris Moser, Aktionskünstler in Tirol, ist als einer der 13 Angeklagten im einjährigen Wiener Neustädter Tierschützer-Prozess einem weiteren Personenkreis bekannt geworden. In diesem kleinen Buch gibt er Rechenschaft über sein künnstlerisches Wirken, seine Gründe und Ziele. Er hält nichts von Kunst, die in Wohlgefühl einlullt. M.E., meines Erachtens sagt er, muss Kunst aufrütteln, soziale Missstände aufzeigen. Seine Aufzählung ähnlich denkender Künstler des 19. und 20. Jahrhunderts ist fast eine kleine Kunstgeschichte. Moser ist kompromissloser Kämpfer gegen Herrschaftsstrukturen, für Menschenrechte und vor allem auch für Tierrechte. Denen ist ein Kapitel des Buches gewidmet, ein leicht fasslicher Abriss von der Beschreibung der Tierausbeutung bis zu den verschiedenen Facetten der Tierrechtsbewegung.
Die anderen Teile des Werkes befassen sich mit seinen Werdegang und der Begründung seiner Art Kunst. Mit seinen eher plakativen, schlagwortartigen, provokativ Konventionen missachtenden Darstellungen eckt er natürlich an, schon als jugendlicher nächtlicher Graffiti-Künstler – das Problem ist da ja, dass sich die Besitzer bemalter Wände eher selten bereichert fühlen. C.M. setzt sich eingehend mit Einwänden gegen seine Methode der Provokation auseinander. Einer wäre, eine zu Herzen gehende Darstellung der Geschichte eines angeschossenen Rehs könne wirksamer gegen die Jagd motivieren als ein Plakat „Tod den Jägern“, das dann ein Staatsanwalt missinterpretiert.
Die Gefahr von Missdeutungen scheint mir tatsächlich gegeben, etwa bei einem Kurzfilm zum Andreas-Hofer-Gedenkjahr, in dem C.H. den Helden an Durchfall leiden lässt und wo schließlich die Krimnalpolizei gegen seine Mannen nach § 278a StGB einschreitet. (Für Tirol Ferne: A.H: hingerichter Anführer eines Aufstands gegen Napoleon, später zum Idol geworden). Sollte mit dem Film eine inhaltstlos gewordene doch vielen teure Figur vom Sockel gestürzt, sollte die Nähe zwischen Freiheitskampf und Kriminalität aufgezeigt oder sollte verdeutlicht werden, dass wer gegen die Obrigkeit aufbegehrt, mag sie Napoleon, mag sie Stalin, Hitler oder Republik Österreich heißen, unweigerlich in der bzw, in Exkrementen landet? C.M. ist allerdings nicht der Mensch, der sich durch Niederschläge abhalten ließe, unermüdlich für die Befreiung von Mensch und Tier weiter zu kämpfen.
Er ist, sagt Gabriela Kompatscher, Romanistin an der Innsbrucker Universität und Tierrechtlerin, in ihrem feinsinnigen Vorwort zum Buch, „ein wunderbares Beispiel dafür, wie an und für sich gesellschaftlich geprägte „negative“ Eigenschaften – renitent, provokant und subversiv – neue positive Konnotation erlangt haben, da sie bei ihm im Dienst der Gerechtigkeit wirken. Sie nehmen die Bedeutung von Aufrichtigkeit, Engagement und Integrität an.“


die Tierbefreier e.V. u.a.(Hg.)
Tierbefreiung – Beiträge zu Profil, Strategien und Methoden der Tierrechtsbewegung Compassion Media Verlag Münster 2014,
15 ¤(D), brosch. 262 S., 21 x 14,5 cm
Der Band ist zum zwanzigjährigen Jubiläum der Zeitschrift „Tierbefreiung“ erschienen. Ihr Herausgeber, der Verein „die Tierbefreier e.V.“ Dortmund, zählt zu den radikaleren Vertretern der Bewegung und sympathisiert mit direkten Aktionen wie Tierbefreiungen etc. Wir haben schon oft betont, dass wir solche der Sache der Tiere nicht dienlich erachten und sie letzthin zum Polizeistaat führen. Der Band vereinigt wesentliche Zeitschriftartikel der letzten zehn Jahre und gibt so Einblick in Denken und Handeln Radikaler. Ein großer Teil befasst sich mit der Verteidigung der „reinen Lehre“ gegen „Andersgläubige“ und Gemäßigte wie UL, L/o-Vegetarier, KZ-Vergleicher; – Gewähr, dass den Akteuren auf eine kleine Außenseiterposition beschränkt bleiben.

Erwin Lauppert

Barbara Rütting
Vegan & vollwertig
Meine Lieblingsmenüs für Frühling, Sommer, Herbst und Winter

Nymphenburger Verlag München 2013,
20 ¤(D), geb.160 Seiten, reich bebildert, Format 25 x 21 cm

Die bekannte Schauspielerin, Bestsellerautorin und Gesundheitsberaterin Barbara Rütting widmet sich in ihrem neuesten Kochbuch der veganen regionalen und saisonal ausgerichteten Vollwerternährung. Mit ihrer langjährigen Erfahrung in der gesundheitsbewussten Vollwertküche gibt sie wertvolle Tipps für Ein- und Umsteiger, und zeigt, dass eine Ernährung ohne Tierprodukte abwechslungsreich und wunderbar schmackhaft ist. Eines ihrer Credos lautet da: „Hört auf, euch auf die Waage zu stellen und Kalorien zu zählen. Sensibilisiert euren Körper, horcht in ihn hinein, esst das, was ihr esst, mit Liebe und Dankbarkeit, gönnt euch Ruhe beim Essen und genießt es! Essen muss köstlich schmecken, hinreißend aussehen und gesund sein!“
Und wie geht das? Zunächst gibt sie Anregungen, was man anstelle von Sahne, Eiern, Käse etc. verwenden kann, sowie Ideen zum gesunden Süßen und einige Grundrezepte. Und dann legt die Autorin mit ihren Lieblingsrezepten los, die sie nach den Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter einteilt, da ihr regionale und saisonale Zutaten wichtig sind. Und da gibt es zu jeder Jahreszeit mehrere dreigängige Menüvorschläge, was vor allem Köche/Köchinnen freuen wird, die gerne Gäste bekochen. Und was bietet z. B. nun so ein Frühlingsmenü? Sauerampfersuppe, Spinatknödel mit Karotten und Selleriesoße und zum Ausklang ein Mandelmus mit Datteln. Noch ein Vorgeschmack auf den Sommer gefällig? Da gibt es dann einen bunten Sommersalat, überbackene Zucchini mit Grilltomaten und Weizenrisotto, sowie eine Avocadocreme zum Dessert. Im Herbst darf man sich auf einen bunten Herbstsalat mit Kapuzinerkresse, Kohlrouladen mit pikanter Füllung an Kapernsoße und Crépes mit blauen Weintrauben freuen. Und wenn es im Winter draußen richtig kalt ist, kann man seine Lieben mit lauwarmen Linsensalat, Grünkohl mit Rösti und Oma Minnas Bratäpfel mit Schokoladensoße verwöhnen.
Zwischen den Menüvorschlägen gibt es tolle Infos über den Gesundheitsfaktor verschiedener pflanzlicher Lebensmittel, oder wie man sich schnell einen guten Smoothie zubereitet, wie man sich selbst Sprossen und Keimlinge ziehen kann, und vieles Interessantes mehr. Die Rezepte werden zudem mit äußerst traumhaft schönen Bildern der Speisen ergänzt, deren appetitanregende Wirkung so ist, dass man schnell und mit Freude in der Küche verschwinden möchte.
Man spürt, dass hinter diesem tollen Kochbuch nicht nur viel Können steht, sondern auch eine große Portion Liebe zur veganen Küche und das ehrliche Bemühen, für Mensch, Tier und Umwelt positive Akzente zu setzen.
Viel Freude beim Kochen und Genießen mit gutem Gewissen
wünscht Ihnen Michaela Schaller


Büchereingang:
Hilal Sezgin

Artgerecht ist nur die Freiheit -Eine Ethik für Tiere und warum wir umdenken müssen
C.H. Beck Verlag München 2014, 17 ¤(D), 300 S. brosch., F. ca. 20 x 12 cm

Karl Ludwig Schweisfurth/C-P.Lieckfeld
Der Metzger, der kein Fleisch mehr isst, wenn er nicht genau weiss, wo es herkommt ,und wie es gelebt hat
oekom verlag München 2014, 20(D) ¤, geb.
208 S. F. ca. 21 x 13 cm

Seite 21:

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ZVR-Zahl 90713 6740, DVR 0955 906.
Beiträge geben, soweit nicht ausdrücklich vermerkt, lediglich die Meinung der Verfasser, nicht die der ÖVU wieder. Nachdruck nur mit schriftlicher Zustimmung. Fotos, wenn nicht bezeichnet: ÖVU. Druck: Mail Boxes Etc.- Emilio’s GmbH, Obergfellplatz 1210 Wien.
Vorsitzender der ÖVU: Dr. Erwin Lauppert, Graz; Stellvertreter Mag. Erwin Lengauer, Wien; Schriftführerin Michaela Schaller, Graz. Leiter des AK Tierrechte Erwin Lauppert (E.L.), auch für nicht gefertigte Texte verantwortlich
Grundlegende Richtung: Forum für die Anliegen der Tierrechte, Mobilisierung des Mitfühlens mit der am menschlichen Übermaß leidenden Kreatur, ob Maximalforderungen (Veganismus, Tierversuchsverbot, Lakto-ovo-Vegetarismus, oder minimal (artgerechte Nutztierhaltung, tierfreundlicheres Konsumverhalten), Vereinsorgan u. Infos der ÖVU und der Gesellschaft für humane Nutztierhaltung)

 

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Sseite 21:

Eine demagogisch missdeutete Studie der Grazer Medizinischen Universität


Zum 32. Mal Jägerball-Demonstration

1983 gab es die erste Demonstration gegen den traditionellen Jägerball Ende Jänner in der Wiener Hofburg. Diesmal war es etwas anders. Als die etwa 100 Demonstranten ihre Parolen gegen die Jagd riefen, wurden sie plötzlich von einem Mann mit Buttersäure besprüht und als sie ihn fassten, mit einem Elektroschocker traktiert. Es war derselbe seit fünf Jahren in Wien als Fiakerfahrer lebende Ungar, der bereits im vergangenen Sommer zweimal gegen VgT-Demonstranten vor Kleider Bauer und zehn Tage zuvor in Berlin Buttersäure-Attentate verübt hatte. Sechs Personen mussten ärztliche Hilfe in in Anspruch nehmen.
Unter den Ballgästen waren Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter, selbst Jäger, Sozialminister Rudolf Hundstorfer, ÖVP-Spitzenkandidat für die EU-Wahl Othmar Karas, FP-Obmann Strache und Dompfarrer Toni Faber.

ORF: Manipulationsvorwurf
Ein pensionierter freier Mitarbeiter des ORF erzählte im Februar in einer öffentlichen Podiumsdiskussion: Wenige Monate vor Beginn des Tierschutzprozesses im Mai 2011 sollte er einen 40-minütigen Beitrag über radikalen Tierschutzaktivismus in der Sendung Weltjournal in ORF 2 produzieren. Die damalige Sendungschefin habe ihm den Auftrag vermittelt: er solle kriminell gewordene englische Tierschützer darstellen und dabei einen Bezug zu den Angeklagten im Tierschutzprozess herstellen – also gegen diese Stimmung erzeugen.
Der Fairness halber beschränkte sich der Mitarbeiter nicht darauf, das ihm übergebene Material über die wegen der SHAC-Kampagne verurteilten Engländer auszuwerten, sondern interviewte sie und fand dabei den Grund für ihre kriminellen Aktionen heraus: schreckliche Aufnahmen verdeckter Aktivisten im SHAC-Versuchs-labor, wie Beaglehunde von Tierexperimentatoren geschlagen und vergiftet wurden. Diese Aufnahmen im Vorspann des Films zu bringen, wurde dem ORF-Mitarbeiter von seiner Chefin verboten. Seinem Eindruck nach, erzählte er in der Podiumsdiskussion, wollte man zumindest in der zuständigen Abteilung des ORF kein Verständnis und keine Sympathie für den Tierschutz oder die Angeklagten wecken.
Quelle: www.martinballuch.com,15.2.2014

Der Konsument – Das österreichische Testmagazin, herausgegeben vom Verein für Konsumenteninformation, berichtete in der März-Nummer:
Fleischverzehr
65 Kilo Fleisch verspeisen die Österreicher im Jahr, sagt die Statitik Austria (1960 waren es nur 41 Kilo). Während Geflügel stark zulegen konnte, geht der Konsum von Rind- und Schweinefleisch zurück. 380 Kiilo Futtermittel und 10 Hektoliter Wasser braucht ein durchschnittliches Schwein, bis es geschlachtet wird. Die Ausbeute sind am Ende 70 Kilo Fleisch.

Image-Politur
Die zahlreichen negativen Veröffentlichungen über Massentierhaltung veranlasst die Fleischindustrie, den nahe liegenden kapitalistischen Weg einzuschlagen: Nicht die Zustände müssen verbessert werden, sondern die Public Relations. Man müsse „gemeinsam das Image aufpolieren“ und mit „cleverem Vokabular“, so einige Landwirtschaftszeitungen, die Imagewerbung verstärken.
Z.B. Weg mit dem Begriff Mäster, da ist die Assoziation zu Tierquäler nicht weit. Besser „Tierhalter“ sagen. Da schwingt Sorge um die Tiere mit. Dann: Das Wort Antibiotika unbedingt vermeiden; statt „Schnabelkürzen“ besser „Schnabelbehandlung sagen – „behandeln“ ist in der Bevölkerung positiv besetzt; Sie „produzieren“ Eier in einer „Anlage“? Nein, „erzeugen“ Sie sie lieber in einem „Stall“. ...
Quelle:Hilal Szegin in der TAZ, 3.1.2014
China - Tierversuche
China testet (angeblich) routinemäßig importierte Kosmetika in Tierversuchen, auch Naturkosmetika. Die Firma Logocos (Logona, Sante u.a.) hat daraufhin als erste Naturkosmetikherstellerin den Rückzug aus dem Chinageschäft angekündigt.
Quelle: natürlich“, Kundenmagazin für Reformwaren und Naturkosmetik, 1/ 2014

Ein Pyrrhussieg?
Der Polizeiübergriff gegen einen eine Treibjagd fotografierenden Tierschützer im Dezember 2011 (wir hatten berichtet) wurde nun geahndet: Der Polizist wurde wegen Amtsmissbrauch, vorsätzlicher Körperverletzung, versuchter Nötigung und Verleumdung zu 2.400 ¤ Geldstrafe und vier Monate Arrest bedingt verurteilt. Die Polizei-Disziplinarkommission verhängte über ihn zusätzlich eine Disziplinarstrafe von 4.000 ¤, er darf jedoch wieder Dienst tun.
So weit so gut oder schlecht. Nur, Tierschützer brauchen, um gute Arbeit leisten zu können, die Hilfe der Polizei und sie bedürfen der Mitarbeit verständiger Jäger, um aus Tierschutzsicht dringend erforderliche Verbesserung im Jagdbetrieb durchzusetzen – ein generelles Jagdverbot, das seit hundert Jahren angestrebt wird, ist ohnedies außer Reichweite.
Auslöser der ganzen Affäre waren, ob berechtigt oder nicht, unnötige Nadelstiche gegen Jäger. Doch jetzt nach dem Urteil: Die Polizei mag die Tierrechtler noch weniger und die Jäger, verständige und sture, schließen sich enger zusammen und sind noch böser auf die Tierschützer; die Gesprächsbasis für Verbesserungen bei der Jagd ist noch gestörter.
Ist den Tieren damit gedient?

Seite 24:

Yvonne mal sechs
Was Medien verschweigen

Erinnern Sie sich noch an Yvonne, die vor bald drei Jahren aus Kärnten nach Bayern verkaufte Kuh? Die sich selbstständig machte und monatelang nicht gefunden wurde. Welch eine Aufregung, in den Medien durch viele Wochen, weit über Bayern hinaus. Dabei, nüchtern betrachtet, alle paar Wochen geht irgendwo ein Rindvieh durch und wird früher oder später eingefangen, wenn nicht irgend ein Hysteriker keine Geduld aufbringt und es erschießt. Yvonne machte sich im Sommer selbständig, da wächst genug Gras; niemand brauchte Sorge zu haben, sie könnte verhungern.
Vor zwei Monaten gingen einem Bauern etwa zwanzig Kilometer nördlich von Graz in nicht sonderlich dicht besiedeltem Bergland, vierzehn Jungrinder durch, ein Jahr alt, aus Mutterkuhhaltung in einem Kaltluft-Laufstall – ein Gatter war versehentlich offen geblieben. Sieben konnten nach ein paar Tagen wieder eingefangen werden, eines verunglückte tödlich, doch sechs blieben verschollen, zwei, drei Wochen lang. Eine Gratiszeitung hatte eine kurze Meldunge gebracht, doch sonst blieb es still im Blätterwald, nichts. Keine Zeitung war interessiert. Dabei war es Jänner, kalt, kein Gras wuchs, Sorge wäre angebracht gewesen. Kälte halten Rinder aus, doch essen müssen sie, eine prekäre, ernste Situation. Die Sache
P.b.b. Verlagspostamt 1212 Wien
GZ 02Z 033 063 M anima Nr. 1/2014
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anima, Rossegg 41, 8045 Graz-Oberandritz
An


ging dann, wie wir von der örtlichen Feuerwehr erfuhren, gut aus. Die Tiere konnten schließlich lokalisiert und mit Futter versorgt, wenn auch vorerst nicht eingefangen werden – Rinder nehme rasch das Gebaren von Wildtieren an.


Doch es bleibt die Frage, nach welchen Gesichtspunkten wird das Publikum informiert? Ein anderer Fall – wir berichteten – eine Kirche wird in Brand gesteckt. Das kommt in Mitteleuropa selten vor – doch Zeitungen schweigen eisern.

Oder: Viel Empörung in den Medien – Pussy Riot-Aktivistinnen wurden in Russland verfolgt. Berichterstattung gut und richtig. Andererseits: Nur eine kurze eher humoristisch gehaltene Meldung: Fast drei Jahre Haft für eine 84jährige Nonne in den USA, weil sie aus Protest in eine Atomanlage eingedrungen war. Oder: Gerade vier Zeilen – Beppe Grillo, Chef der zweitgrößten Partei in Italien zu vier Monaten verurteilt: Das Delikt: unbefugtes Betreten der umstrittenen Hochgechwindigkeitstrasse Turin-Lyon.

Und überhaupt kein Wort über Tierschützer, die in den USA zu langen Gefängisstrafen verurteilt wurden, weil sie Rindepferche von öffentlichen Straßen aus fotografiert haben – das ist in dem Land da oder dort schon verboten.
Wahrheitsgemäße Information der Konsumenten ist nicht erwünscht.

 

 

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