Inhalt Nr.4/2013

Inhalt
Hertha Heger
Ochs und Esel 3

Vegetarische Gastronomie im Aufwind 4
Neue Lokale in Graz
Impressum 5

Monika Halsegger-Hofer
Frischkost ist Heilkost 6

Vegetarische Informationen 8
Einladung zur ÖVU Generalversammlung

Erwin Lauppert
Zur Vegan-Debatte 9

Über Eier und über Milch

Altertum und Neuzeit 11
Von Religion und Wissenschaft, Menschen, Tieren , Migranten, Naturschutzgebieten

Kirche und Tierschutz 13
Über den englischen Theologen
Andrew Linzey

Bücher 14
Dahlke, Peace Food und Das vegane Koch-buch – Zeitschrift TIERethik – Anita Idel, Die Kuh ist kein Klimakiller – Ingensiep, Der kultivierte Affe – Fabits, Tiere verstehen mit allen Sinnen – Grauel, Gesundheit Genuss und gutes Gewissen – Fleischatlas –Zoopolis Kochbücher: Erckenbrecht, Vegane Menüs – Krüger, Vegane Köstlichkeiten international

Manfred Kyber
Gottes Gäste 18

Notizen 21
Leder, Angora, Veggie Day u.a.

Prinzessin Ann und das Pferdefleisch 23

Der Duft von Schweinen und Schweinernem 24

Titelbild unten: RespekTIERE, Salzburg, respektiere

Seite 2:

Liebe Leserinnen und Leser,

das dreizehnte Jahr dieses Jahrhunderts neigt sich dem Ende zu und wenn wir die Jahre zurück blicken, können wir zufrieden sagen, die Vegetarier sind keine belustigt betrachteten Außenseiter mehr, sie sind voll in der Gesellschaft angekommen. Die Gründe sind vielfältig, wir könnten lange darüber debattieren. Zuletzt ist noch der Klimawandel zu Hilfe gekommen.
Ein wesentlicher Punkt scheint uns, dass breiteren Kreisen langsam bewusst geworden ist, wie mies die so genannten Nutztiere behandelt werden. Die große Mehrheit zieht daraus zwar selbst noch keine Konsequenzen, scheut sich aber doch, diejenigen ihrer Mitmenschen, die Konsequenzen ziehen, zu belächeln. Auch der Handel hat endlich die Vegetarier als Käuferschicht erkannt. Es sind da zwar noch viele Wünsche offen, doch immerhin.
Es war ein langer Weg. Demnächst ist es fünfzig Jahre her, dass Ruth Harrison mit ihrem Büchlein Animal Machines – Tierfabriken erstmals den Finger auf die Wunde gelegt hat. Unzählige Bücher, Schriften, Aktionen sind gefolgt, Philosophen haben sich des Themas angenommen und so weiter und so fort. Bewusstseinsänderung braucht ihre Zeit.

Wir hatten schon in der letzten Nummer berichtet: Der Trend zum Vegetarismus ist jetzt auch statistisch erhärtet. Eine nach den Regeln der Wissenschaft von einem renommierten Institut vorgenommene Meinungsumfrage ergab ca. 9 % Vegetarier in Österreich.

Es gibt noch viel zu tun, doch wir möchten das Jahr 13 nicht mit Negativem belasten.
Freuen wir uns. Liebe Leserinnen und Leser, wir wünschen Ihnen frohe Festtage und ein gutes neues Jahr!

Ihre anima-Redaktion

Seite 3:

Ochs und Esel
Hertha Heger


Foto: Aus alter Zeit: Herta Heger mit dem damaligen steirischen Landeshauptmann Krainer und dem Grazer Bürgermeister Stingl

Es ist jetzt gerade zehn Jahre her, dass die langjährige zweite Vorsitzende unserer Vegetarier Union Prof. Hertha Heger von uns gegangen ist. Wenn wir heute eine Kolumne, die sie vor rund dreißig Jahren in der seinerzeitigen Grazer Südost-Tagespost geschrieben hat, wieder bringen, so einmal um ihr zu einem markanten Jahrestag noch einmal Dank zu sagen, zum anderen aber: Die Zeilen könnten – leider – auch heute geschrieben sein. Dennoch, die Zahl derer, die von Tierausbeutung abstehen, ist merkbar größer geworden. Dass soll uns Ansporn sein, unermüdlich weiterzuarbeiten und nicht zu resignieren.

Heute werden sich nur mehr Ältere unserer Hertha Heger erinnern, darum ein paar Lebensdaten: 1918 geboren, junge Jahre von Schicksalsschlägen überschattet – ihre mütterliche Verwandtschaft wurde in Auschwitz ermordet, sie selbst fand Zuflucht in der Schweiz. Dort lange Schauspielerin, dann ans Grazer Schauspielhaus zurück gekommen, hier später Hochschulprofesso-rin. Manche erinnern sich noch gern ihrer wöchentlichen Kolumne „Tierliebe“ in der Tagespost.
Die nachfolgenden Zeilen erschienen dort in den achtziger Jahren.


Vor Jahren bekam ich ein schönes Buch geschenkt. Die Reproduktionen der berühmtesten Darstellungen der Heiligen Nacht. Auf allen Bildern - ausnahmslos - um das Jesuskind Maria, Josef und die Tiere. Eben finde ich in der franziskani-schen Monatsschrift „Antonius“ eine Krip-pendarstellung aus dem 13. Jahrhundert. Aus dem Begleittext: „...auf einem roten Tuch ruht das göttliche Kind. Dicht dane-ben, fast in der Bildmitte, staunen Ochs und Esel über das Wunder der Heiligen Nacht.“

Nun - wenn wir an die biblische Über-lieferung, daß der Heiland der Welt in einem armseligen Stall, unter Hirten und Tieren geboren wurde, glauben, so können wir doch die ganz sicher nicht zufälligen, sondern höchst bedeutungsvollen und sym-bolhaften Details seiner Menschwerdung nicht außer acht lassen. Daß einfache, arme - heute würden wir sagen unterprivilegierte - Menschen und auch die Tiere so eng in die Gnade dieser Stunde einbezogen waren, ist eine Botschaft, die nicht überhört und von verkitschtem Weihnachtsgeklingel nicht übertönt werden darf.

Auf meine Abteilung, die Tiere, bezogen: Ich denke, Ochs und Esel kann man getrost als Symbol für alle Tiere ansehen. Demnach müßte die Christnacht aber nicht nur das Heil für uns Menschen, sondern auch brüderlichen Frieden zwischen Mensch und Tier bedeuten. Daher vielleicht die Legende, daß die Tiere in der Heiligen Nacht reden können? Und wäre es etwa denkbar, daß Josef eines der Tiere als Festtagsbraten zur Geburt seines Sohnes geschlachtet hätte?

Aber was ist vom Weihnachtsfrieden mit der Kreatur übriggeblieben?

Hühnerbatterien, Tierversuchslaboratorien. Gänseleberpastete. Supernerze. Wohlstandssafaris...

Seite 4;

Graz:
Vegetarische/vegane Gastronomie im Aufwind

Zu den etwa sieben Veggie-Lokalen in Graz sind zwei dazu gekommen. Das „Tischlein deck dich“ in der Innenstadt, nahe Hauptplatz und Landhaus, das zweite, „Die Erbse international“, rechts der Mur am schon lange multikulturell gewordenen Griesplatz. Wir schreiben darüber auch als Anreiz für Städte, wo die vegetarische Gastronomie schütter ist. Es gibt offenbar genug Nachfrage.


Tischlein deck dich – Laden 21
Schmiedgasse 23 a, nahe Hauptplatz,
office@tischlein.net, Tel.: 0316 269888
ww.facebook.com/tischlein
Mo-Fr 11.00 bis 19.00 Sa 10.00 bis 17.00 Küche: Mo-Fr 11.30 bis 18.30 Uhr


Unter dem Motto „Essen und Wohnen“ eröffnete am 20. September 2013 ein vegetarisches Lokal mit einer ganz neuen Geschäftsidee. Martina Nittel, die zuvor in der Kaiserfeldgasse auskochte, tat sich mit ihrer Freundin Alexa Holzer, deren Herz für Designer-Möbel und trendige Wohnaccessoires schlägt, zusammen. In der Schmiedgasse 23a gibt es nun beides. Wohnen & Essen bedeutet Leben – steht an eine Glaswand geschrieben. Ja, stimmt. Vor allem schönes Wohnen und gutes Essen. Und da mangelt es auch nicht bei dem Frauen-Power-Team.

Martina Nittel, selbst überzeugte Vegetarierin, kocht mit Begeisterung täglich selbst und frisch. Von Montag bis Freitag gibt es jeden Tag eine Suppe um 2,20 ¤ (oder so viel man will um 3,70) einen Tagesteller um 5,90 ¤ (klein 3,90) und ein Dessert um 2,90. Viele Speisen sind vegan, freitags ist das gesamte Menü vegan. (Wochenplan im Internet abrufbar). Wenn man um die Mittagszeit sicher einen Platz bekommen will, ist reservieren anzuraten. Und gelegentlich kann es auch vorkommen, dass ab ca. 14 Uhr die Töpfe leer sind. Es wird nicht nachgekocht, das Tagesangebot wird ausgegeben, bis es eben weg ist. Danach kann man sich nur mehr mit Kuchen und Torten trösten. Am Samstag gibt es ein kleines Frühstück sowie Kuchen und Kaffee.


Und wenn man so inmitten der vielen Wohnutensilien in heimelig, gemütlicher Atmosphäre sein Essen genießt und plötzlich ein Stück entdeckt, das unbedingt mit einem mit nach Hause möchte, hat auch niemand etwas dagegen.

Das Gästeklientelist bunt gemischt. Überwiegend kommen Menschen, die in der Umgebung arbeiten, nicht unbedingt Vegetarier sind, aber doch eine schmackhafte, vegetarische Küche zu schätzen wissen.

Veggie Corner, Graz, Sparbersbachgasse / Ecke Mandelltraße: Neue Öffnungszeiten:
Mo – Sa 11:00 bis 14:30 und 17:30 bis 22:00, So 17:30 bis 22:00.
Die Arche, 8010 Graz, Rechbauerstraße hat auch wieder geöffnet

.
Die Erbse international
Griesplatz 4, 8020 Graz
Ö ffnungszeiten: Mo-Do 11.00 bis 21.00 Uhr, Fr 11.00-22 Uhr

Michael Kramer ist mehr als die Hälfte seines Lebens Vegetarier und hatte einen Traum. Ein kleines vegan-vegetarisches Lokal, in dem es einige wenige, aber mit Liebe, Sorgfalt und guten Zutaten zubereitete Speisen geben soll.

Am 10. Oktober dieses Jahres ging sein Traum mit der Eröffnung der Erbse in erfüllung. Mit der Hilfe von Freunden hat Michael Kramer das kleine Lokal einfach aber gemütlich und originell hergerichtet. Durch eine Ellipsenöffnung in der Altholzwand zwischen Gastraum und Küche können Gäste beim Kochen und Herrichten der Speisen zuschauen, was allemal vertrauenserweckend wirkt. Die Wände erinnern ein bisschen an einen alten Ägypentempel und die Wandfarbe birgt ein Geheimnis. Sie wurde nämlich mit gemahlenen Gewürzen wie Kurkuma, Kreuzkümmel, Koriander etc. angerührt und verleiht ein warmes Raumgefühl.

Täglich kocht der Hausherr selbst ein Menü um 8,50 Euro, das aus Suppe oder Salat und Hauptgericht besteht. Zu 90 % sind die Speisen vegan und werden mit gutem Princess Bio-Olivenöl aus Kreta und Wüstensalz zubereitet. Im Focus stehen verschiedene Currys, Hülsenfrüchte wie Erbsen, Linsen, Kichererbsen usw. Kramer liebt vor allem die Vielfalt an Gewürzen und Farben der indischen Küche, die er auch wirklich beherrscht. Als Snack kann man zwischen Falafel, Wraps mit Tofu oder einem israelischen Sandwich namens Sabich wählen, die um die 6 Euro kosten. Alle Speisen können selbstverständlich auch mitgenommen werden.

Wer dann noch Lust auf Süßes hat, wird vielleicht ein neues Geschmackserlebnis haben. Denn auch in den Muffins und Keksen finden sich Erbsen und Humus. Und das Beste daran: Sie schmecken einfach himmlisch gut! Und was sollte man bei einem Besuch in der Erbse auf jeden Fall probieren? Wiesencola! Wird aus Wiesenkräutern gemacht und schmeckt tatsächlich nach Cola – nun noch besser!
„ Ich komme von Erde und habe gute Absichten“ – steht auf einem Karton am Tisch. Und diese Energie spürt man auch deutlich in der Erbse.

Seite 8:
Impressum
anima – Zeitschrift für Tierrechte, erscheint vierteljährlich, Medieninhaber und Verwaltung: Österreichische Vegetarier Union (ÖVU), Herausgeber und Redaktion: Arbeitskreis Tierrechte der ÖVU (Leitung Erwin Lauppert, auch für nicht gefertigte Texte verantwortlich), alle Rossegg 41, 8045 Graz-Oberandritz,
Tel. 0316-463717 und 0720 –349 056
email: anima@vegetarier.at
website: vegetarier.at und vegetarisch.org
ZVR-Zahl 90713 6740 BPD Graz, DVR 0955 906. Die ÖVU ist nur für als solche gekennzeichnete Texte verantwortlich, ansonsten sind es die Verfasser. Fotos, soweit nicht angegeben: ÖVU .
In der anima erscheinen fallweise auch Beiträge der Gesellschaft für humane Nutztierhaltung Adr. w.o. email office@nutztierhaltung.org, web: nutztierhaltung.org ZVR 0950 015 445, BPD Graz

 

Seite 9:

Zur Vegan-Debatte

Ein Hecht, vom heiligen Anton
bekehrt, beschloss, samt Frau und Sohn,
am vegetarischen Gedanken
moralisch sich emporzuranken.
Er aß seit jenem nur noch dies:
Seegras, Seerose und Seegries.
Doch Gries, Gras, Rose floss, o Graus,
entsetzlich hinten wieder aus.
Der ganze Teich ward angesteckt.
Fünfhundert Fische sind verreckt.
Doch Sankt Anton, gerufen eilig,
sprach nichts als: Heilig! heilig! heilig!

Christian Morgenstern (1871 –1914)


Im Beitrag „Muh“ betr. Kühe in der letzten Nummer der anima wie auch früher schon wurde die These vertreten, Milchverzicht bedeute wenigstens unter den speziellen österreichischen Verhältnissen insgesamt gesehen in der Regel keine Minderung der Tieropfer. Diese These an sich wurde in Leseräußerungen nicht bestritten. Wir wür-den uns freuen, könnte sie sachlich und be-gründet widerlegt werden. Herbe Schelte mussten wir einstecken, weil hier Veganis-mus als universeller Heilbringer in einem Punkt in Frage gestellt wurde. Wie könne eine Veggie-Zeitung Zweifel an der gene-rellen Wirksamkeit veganer Lebensweise aussprechen? Da scheint mir doch eine klä-rende Erörterung wichtig. Vorerst: Ideale zu haben bedeutet m.M. nicht, alles Dage-genstehende zu ignorieren.

Streng vegetarische, seit einigen Jahren meist vegan genannte Lebensweise kann verschiedene Gründe haben. Die wikipedia fasst zusammen: Tierethik Tierrechte, Tier-schutz, Umweltschutz, Gesundheit, Vertei-lungsgerechtigkeit, Welternährungsproblema-tik, Religion, Herrschaftskritik ...
Der Muh-Artikel betrifft allein die tier-schutz -Facette, und auch da nur einen Teil-aspekt, den Milchkonsum. Er tangiert also andere Motive für veganes Leben zB ge-sundheitliche, esoterische, grundsätzliche überhaupt nicht.

Wer einen Badeausflug machen will, tut gut zuvor aus dem Fenster zu schauen, ob es regnet. Die Feststellung „es schüttet“ wird kein Mensch als ideologisches Bekenntnis zu Schlechtwetter werten.
Vor einem halben Jahrhundert forderte der Tierschutz aus durchaus triftigen Gründen Rinder in der Eisenbahn „Kopf/Kopf“ und nicht wie zuvor üblich „Kopf/Schwanz“ zu transportieren. Die Bundesbahnen folgten und ordneten das neue Verladeschema an. Der Haken: Die Viehwaggons waren für das alte System ausgerüstet: ein Anbinde-Ring aus der linken Seite, der nächste auf der rechten, der dritte wieder links usw. So hängte das Verladepersonal eben zwei Stiere an einen Ring. Die wenn auch nicht häufige Folge: Das Horn des einen Stiers verfing sich im Auge des anderen und stocherte auf der stundenlangen Fahrt ununterbrochen im Hirn des Opfers. Das tragische Beispiel zeigt: Vor Verwirklichung einer noch so schönen Idee sollte man die Faktenlage be-achten.


Die beiden Hauptpunkte in der veganen Ernährung sind Milch- und Ei-Verzicht.

Aus den befruchteten Eiern der allein fürs Legen gezüchteten Rassen schlüpfen je zur Hälfte männliche und weibliche Küken. Die männlichen sind wirtschaftlich unbrauchbar, daher werden sie in den ersten Lebenstagen selektiert und getötet. Schon das ist ein trif-tiger Grund, auf Ei zu verzichten. Die weib-lichen dürfen etwa eineinhalb Jahre leben, länger rentiert es sich nicht, wenigstens bei den Preisen, die Konsumenten zu zahlen gewillt sind. Die alten Batterien sind zwar abgeschafft, doch auch in der üblichen Bo-denhaltung, reiner Stahlhaltung mit vielen tausenden Tieren ist das Leben meist triste, normale Freilandhaltungen sind praktisch für die übergroße Mehrheit der Hühner Stallhaltung mit allen Nachteilen der inten-siven Massentierhaltung. Den Bio-Hühnern geht es meist nicht viel besser. Gerade jetzt wurde im Fernsehen über einen „Bio“-Betrieb für18.000 Hennen diskutiert. Wohin ist Bio geraten? Es gibt einige Betriebe, die besser sind, zB die, deren Eier unter dem Zeichen „Tierschutzkontrolliert“ vermarktet werden, doch auch hier geht die Tendenz zu artwidrigen 3.000er-Herden. In der Regel ist das Leben auch da nicht so rosig, dass man guten Gewissens sagen könnte, es ist es wert, dafür den baldigen unschönen Tod und den grauslichen Weg zur Schlachtung in Kauf zu nehmen.

Die Schlachtkörper werden eher zu Tierfutter (z.B für Hund und Katze) als zu Men-schenfutter verarbeitet – das einst beliebte Suppenhuhn ist abgekommen. Die Gefahr, dass Fleischesser, der Legehenne beraubt, andere Tiere schlachten lassen, ist gering.

Also: Ei?
Besser kein’s.

Noch besser allerdings tätige Hilfe fürs arme Federvieh:
Warum nicht ein paar ausgemusterte Lege-hennen
bei sich aufnehmen, wenn man einen Garten hat? Nicht nur die Fleischfresser Hund und Katz können liebe Haus- und Gartengenossen sein. Weshalb sich nur um die Rettung von Streunerhunden bemühen?


Die Problematik beim Milchverzicht liegt darin, dass sich damit hierzulande, wie in „Muh“ näher ausgeführt, die Tiertötungen insgesamt nicht vermindern lassen. Weil, vereinfacht gesagt: Wer keinen Rindsbraten mehr kriegt, wird zum Schweinsschnitzel greifen. Man hat uns empört gefragt: Ja wis-sen Sie denn nicht, wie schlecht Kälber be-handelt werden? Wir wissen es, wir wissen aber auch, wie schlecht es Schweinen, Hüh-ner, Puten etc. geht. Insgesamt wohl schlechter als den Rindern. Natürlich kann, wem Kälber näher am Herzen liegen, durch Milchverzicht tristes Leben auf anderes Ge-tier abschieben, mehr aber – leider – nicht.
Zum Schluss noch etwas Zahlenspielerei.
Der Durchschnittsmensch isst (und lässt zuvor töten) im Laufe seines Lebens sehr grob gerundet (in Deutschland wurden hö-here Zahlen errechnet):
1.000 warmblütige Tiere, davon
750 Masthühner und sonstiges -geflügel
150 Legehennen und Küken zusammen
100 Vierfüßler, insbes. Schweine,
darunter 4 Rinder oder Kälber.
Hinzuzurechnen wären noch die Warm-blütler, die mehr oder minder unvermeidlich der Pflanzenproduktion zum Opfer fallen, also auch von Veganern nicht gerettet werden können, d.s. vielleicht hundert.
Es ist um vieles leichter, einen Fleischesser zum Laktovegetarismus zu bewegen als zum Veganismus.
Aus all dem ergibt sich aus Tierschutzsicht der Schluss:
Konzentrieren wir uns vorerst vor allem darauf, den Menschen den Laktovegetaris-mus nahe zu bringen und bemühen wir uns, das Leben der Rinder schöner zu gestalten.


Erwin Lauppert

 

Falls Sie Milch konsumieren: Die derzeit tierschutzmäßig beste in Kettenläden ist uW
ja!natürlich Bio-Heumilch (mit der grü-nen Kuh), erhältlich bei Merkur. Die Kühe haben laut Angabe einen Laufstall und 120 Tage Weide.

 

Seite 11:

Wer gut zu den Kreaturen Gottes ist,
ist gut zu sich selbst.

Hadith des Propheten Mohammed

Altertum und Neuzeit

Von Religion und Wissenschaft, Menschen, Tieren , Migranten, Naturschutzgebieten


Die Wiedergabe des dem Propheten Mohammed zugeschriebenen Spruchs stieß in unserer Leserschaft vereinzelt auf Widerspruch. Wie könne eine Tierrechtszeitung eine Religion hervorheben, die besonders grausam gegen Tiere sei und in deren Namen schrecklicher Terror gegen Menschen geübt werde.
Es gibt zugegeben viel Negatives in der Welt. Unser Bestreben ist es nicht nur zu klagen, wir bemühen uns Positives hervorzuheben. Wir haben aus alten Büchern Zitate gebracht, die der Versöhnung von Mensch und Tier das Wort sprechen, mag man dort auch zeitgeistgebunden manch Grausliches finden, Philosophen, die die Tötung missgestalteter Neugeborener fordern, einen Gott, der die Vernichtung aller Bewohner Palästinas befiehlt; wir haben dem hl. Franziskus Ehre gezollt, wiewohl seine Kirche das Tier sagen wir niedrig geschätzt und der eine oder andere Papst noch im 19.Jahrhundert Tierschutzvereine verboten und vom guten Singvogelfang geschwärmt hat; wir haben Wissenschaftler genannt, wenn auch in der säkularen, religionsfernen Wissenschaft schreckliche Tierquälerei geschieht.
Den Islam aufs Schächten – einst tierschützerischer Fortschritt, heute Rückschritt – und von Medienberichten verführt auf Terrorismus zu reduzieren, wäre lächerlich. Die Religion ist facettenreich, von tiefer Mystik bis zu Kreuzzüglern, wie ja auch das Christentum.

Ü brigens, gegenüber dem westlichen Terror im nahen und mittleren Osten erscheint der islamistische im Westen minimal. Der (westliche) Glaube, man könne auf andere einprügeln, sie unterdrücken, vertreiben, töten, sie verhöhnen etc., ohne dass die sich zu Wehr setzen, scheint mir doch etwas wirklichkeitsfremd. Und die ziemlich einzige Waffe der Kleinen gegen die Mächtigen sind nun einmal – religionsunabhängig – terroristische Anschläge.
Dass unsere Regierung Einwanderern die Ausübung atavistischen hier als tierquälerisch betrachteten Brauchtums gestattet, fördert leider Fremdenfeindlichkeit und führt darüber hinaus zu vermehrter Kritik an der europäischen Migrationshandhabung überhaupt.
Einwanderung, ob von Mensch oder Tier – ich gehe hier auf Lesermeinungen ein – ist kaum je friktionslos. Die EU-Politik, meinen manche, sei an Scheinheiligkeit, Lügenhaftigkeit und Unmenschlichkeit kaum zu überbieten. Europa postuliert einen hehren unumstößlichen Grundsatz: Wir bieten allen politisch, rassisch, religiös, sexuell etc. Verfolgten Asyl, allen. Wer das magische Wort ruft, darf erst mal bleiben (aber nicht arbeiten, außer als Prostituierte).


Dass Menschen aus armen Ländern in reiche streben, ist verständlich. In der EU leben 500 Millionen relativ gut, in Afrika und Asien vier oder fünf Milliarden mehr oder minder schlecht, vorzugsweise in Ländern, die es mit Menschenrechten nicht so ernst nehmen. Das macht Milliarden mögliche Asylwerber. Gerade jetzt verfolgt in Ägypten das Militär die Muslimbrüder; lassen wir fünf Millionen nach Europa? Und ganz konkret: Viele, viele Millionen sehr reale Opfer leben oder besser gesagt vegetieren in den zahlreichen afrikanischen und asiatischen Flüchtlingslagern, bitterarm jämmerlich. Dürfen die zu uns? Um Himmelswillen nein. Denn abseits aller schönen Sonntagsreden vom Asylrecht gilt faktisch folgende Regel: Nur wer sich Schlepper leisten kann, darf Europa nahe kommen.
Weil das immer noch zu viele sein könnten, baut die EU dort, wo Europa nach Afrika reicht, eine sechs Meter hohe Mauer mit viel Stacheldraht und, sicher ist sicher, messerscharfen Eisenklingen. Wer die heil überwindet oder bei der Fahrt übers Mittelmehr nicht ertrinkt, darf dann Asyl rufen und wird aufgenommen, vorläufig. Wir sind nämlich human.

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Unsere Frau Innenministerin allerdings findet das System gut und so wird es wohl gut sein.

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Klingt ein bisschen nach der bösen Fee, die die zu Dornröschen strebenden Jünglinge in der Dornenhecke riesengroß verrecken lässt. Unsere Frau Innenministerin allerdings findet das System gut und so wird es wohl gut sein.
(Übrigens, selbst in Österreich gibt es politische Verfolgung; Opfer sind z.B. Leute, die eine Pelz-Informationskampagne ankündigen).


Tierische Immigranten

Ä hnlich planlos wie bei Menschen verhalten sich nationale und internationale Obrigkeiten bei tierischen Immigranten. Einige werden hart bekämpft, andere wieder, die privilegierten Rassen angehören, lässt man ins Land, ohne Grenzen zu ziehen und ohne im Geringsten für den Schutz der friedlichen tierischen (?) alteingesessenen Bewohner des Landes zu sorgen. Auch da sind Konflikte vorprogrammiert. In der öffentlichen Debatte (und auch was die Opfer betrifft) geht es dabei vor allem um Bären und Wölfe. Die erfreuen sich bekanntlich in großen Teilen der städtischen Bevölkerung, die kaum Gefahr läuft, materiellen oder gar personellen Schaden zu erleiden, großer Beliebtheit. anders häufig bei der unmittelbar betroffenen Landbevölkerung. Warum will man nicht für Konfliktentschärfung sorgen?

Echte Naturschutzgebiete?

Der folgende Vorschlag ist nicht neu:
Wenn es uns wirklich ernst ist um die Natur, wie sie einmal war, mit Bären, Wölfen, Wisenten usw., warum dann nicht Nägel mit Köpfen machen? Da gibt es z.B. den Truppenübungsplatz Döllersheim-Allentsteig. Adolf Hitler hatte dort die Menschen ausgesiedelt, weil er eine Trainingsstätte für seine Angriffskriege brauchte. Unsere Regierung folgte, als sie das Land 1955 von den Sowjets zurückbekam, Hitler und hielt die Bewohner weiter ausgesperrt. Heute sind die einstigen Siedler gestorben, das Bundesheer ist fraglich geworden, Angriffskriege

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Warum soll ein Werk Adolf Hitlers bleiben?

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führen wir nicht, warum an einer miesen Errungenschaft Adolf Hitlers festhalten? Vieles wird restituiert. Warum nicht das Gelände restituieren, wenn schon keine Menschen mehr dort sind, an die Natur?

Oder: Aus der Sicht etwa des Jahres 1960 sind wir heute sehr sehr reich. Da könnten wir uns eigentlich sogar ein größeres Stück reine Natur leisten als die 160 km2 Truppenübungsplatz, z.B. 800 km2, ein Prozent der Landesfläche im kaum besiedelten Salzatal mit den angrenzenden Höhen im steirisch/niederösterreichischen Grenzgebiet. Warum nicht dort ein echtes Naturschutzgebiet schaffen ohne menschlichen Eingriff, mit Wölfen und sonstigem Getier aus alter Zeit? Statt die Wölfe in unsere Kulturlandschaft zu setzen?
Allerdings, wird die Liebe der Österreicher zur Natur so groß ein, dass sie auch Entschädigungszahlungen in Kauf nehmen?


Erwin Lauppert

Seite 13

Kirche und Tierschutz

Ü ber den englischen Theologen Andrew Linzey

Zu den unter diesem Titel in der Sommer-nummer der anima erschienenen kurzen Artikelchen hatte uns Univ.Prof. Dr. Kurt Remele (Institut für Ethik und Gesell-schaftslehre, Karl-Franzens-Universität Graz) geschrieben

... Mir ist bewusst, dass Sie in Ihrer Auf-zählung von tierfreundlichen Initiativen in der Kirche/den Kirchen nicht alle erwähnen können und offenbar haben Sie sich auf die deutschsprachigen Initiativen beschränkt. Als Fellow des „Oxford Centre for Animal Ethics“ liegt mir aber sehr daran, auf dessen Direktor, Rev. Prof. Dr. Andrew Linzey, hinzuweisen. Wenn jemand den Titel „Wegbereiter der wissenschaftlichen-theologischen Tierethik“ oder gar der uni-versitären „Tiertheologie“ verdient, dann dieser anglikanische Geistliche. Insofern wäre es schön gewesen, wenn Sie ihn er-wähnt hätten. Linzey hat übrigens von ei-nem früheren Erzbischof von Canterbury, also dem damaligen Oberhaupt der Angli-kanischen Kirche, ein Ehrendoktorat für seinen Einsatz zum Wohl der Tiere erhalten.“


Wir folgen der Mahnung gern – wenn auch aus Platzgründen etwas verspätet und fügen noch eine Kurzinformation bei:

Der anglikanische Geistliche und Theologe Andrew Lnzey ist der weltweit erste Inhaber eines Lehrstuhls für Christliche Theologie und Tierschutz (animal welfare). Er hat sich Ein Teil seiner zahlreichen einschlägigen Publikationen sind bislang in etliche Sprachen übersetzt, doch leider nicht ins Deutsche. Eine kleine Abhilfe bietet da die 2011 verfasste erschienene Dissertation von Wolfgang Kimmel, betitelt „Gott der Tiere“ – Theologisch-ethische Grundlagen im Dialog mit Andrew Linzey, (Universität Wien, Kath.-Theologische. Fakultät, im Internet unter http://othes.univie.ac.at/16603/1/2011-06-06_8820748.pdf abrufbar), der wir die fol-genden Zeilen entnehmen.

Die Theologie, meint Andrew Linzey, habe in Bezug auf die Tiere einen ganz klaren Auftrag. Es gehe in der christlichen Lehre um eine Veränderung hin zu der Auffassung, „dass Tiere gottgegebene empfindungsfähige Wesen (sind) mit einem eigenen intrinsischen Wert, Würde und Rechten“. Ein solcher Auftrag ist für Linzey keine moralische Modeerscheinung einiger sentimentaler Tierliebhaber, sondern Aus-fluss einer als durchaus „konservativ“ zu verstehenden Rechtgläubigkeit und des Be-kenntnisses zu einer trinitarisch verfassten Theologie. „Ich behaupte, dass die christli-che Theologie über Schlüsselbegriffe verfügt, dieeiner ethischen Konzeption über den Platz der nicht-menschlichen Lebewesen in unserer Welt vollkommen Genüge tun.“...

"Tiere sind Geschöpfe Gottes, nicht mensch-liches Eigentum, keine Gebrauchsgegens-tände, keine Hilfsmittel, keine Waren: sie sind vor Gott kostbare Wesen."

Ähnlich wie bei der Sklavenhaltung, die jahrhundertelang mit Berufung auf die christliche Tradition legitimiert worden war, mit Berufung auf dieselbe Tradition aber dann abgeschafft wurde, hegt Linzey die Hoffnung, dass auch im Fall der Tiere der christliche Glaube und die Kirchen das Po-tenzial zu einer Befreiung der Tiere besitzen.

Lindsey hat den Tieren – weit über seine akademische Arbeit hinaus – einen Gutteil seines Lebens gewidmet: als Tierrechtsakti-vist und streitbarer Geistlicher der Kirche von England.

Seite 21:

Notizen

Das Schreien der Lämmer
Banksy, der bekannt/unbekannte Aktionskünstler, der seit längerem seine Spuren auch durch New York zieht, ließ ein paar Wochen lang einen Viehtransporter voller schreiender Kunststoff-Lämmer durch die Stadt fahren:

Banksy web

Leder:

Gnadenlos billig - und vielleicht giftig? .
titelte unlängst ein deutscher TV-Sender zur Einbegleitung einer Mannfred-Karremann-Reportage über Ledererzeugung in Bangladesh und China. Der vor zwanzig Jahren durch seine erschütternden Dokumentationen über Tiertransporte in den Nahen Osten bekannt gewordene Filmemacher hatte diesmal in Süd-und Ostasien gedreht. Unsere Lederwaren kommen großteils von dort. Kinder barfuss bei der Arbeit in der Chemiebrühe, Rinder-Todestransporte aus Indien, wir möchten unsere Leser nicht mit Grauslichem belasten. Tierschutzgruppen wie animal’Angels und Menschenhilfsorganidationen tun ihr Bestes, doch das ist zu wenig.Schuhe: Woher kommt das Leder, woher kommen die Tiere, aus denen sie gemacht sind. Fragt man die Mitarbeiter der Filiale, sagen die, wir wissen es nicht – und da sind sie ehrlich. Amtliche Kennzeichnungspflichten gibt es nicht. Nur wir Käufer könnten etwas ändern. Wenn beispielsweise in etlichen Filialen wiederholt zehn oder zwanzig Kunden mit je drei Paar Schuhen zur Kasse kämen und höflich nach Tier- und Lederherkunft frügen – das ist ihr gutes Recht – würde die Kettenzentrale rasch an Informationsfreude gewinnen.

Warum Leder überhaupt?
Leder ist kein Naturprodukt, nur durch intensive chemische Behandlungwerden Häute brauchbar. Schutz von Fließgewässern und Grundwasser ist notwendig aber teuer. Da gibt es auch hier immer wieder mal Probleme. Erinnern Sie sich? Vor Jahren erzählten wir von der steirischen Landesstraße, deren Asphaltschicht schon sechs Meter dick ist, weil sie über eine Althäutedeponie führt und immer wieder einsinkt.

Leder ist heute nicht mehr notwendig, es gibt genug andere Materialien. Je mehr Nachfrage umso mehr Angebot. Nicht nur im Veggie-Spezialversand.
Leder kaufen heißt Fleisch verbilligen. Wer also nicht will, dass Tiere um ihres Fleisches willen getötet werden, sollte auch nichts aus Leder kaufen.


 

 

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