a n i ma Nr. 2/2013

Sommernummer

Aus dem Inhalt :

OLG-Urteil und Mafia-Paragraf S.2

Erwin Lauppert
Unser Geld beim Fenster hinaus S.3

Tierschutz in der Verfassung – ein Eigentor? S.4

Christa Blanke
Leider gut? – leider nicht gut 5

Vegane Würstelbude und Bio-Stand 6
Zwemal Schnellimbiss in Graz
Veggie Corner und Bio-Naturkost

Aktivurlaub in Tirol 8
adventureV
Veg. Pensionen 8

Ernährungsratschläge 8

Das Tierschutzlabel des DTB
Sehr gut oder sehr schlecht? 10

Alexander Kasztler
Manfred Kyber
Literatur und politisches Engagement in „zwölfter Stunde“ -14
Zum 80-Todestag des Dichters und progressiven Tierschützers S.11 -14

Kirche und Tierschutz 15

Bücher 16
Weik, Jung, männlich, vegan
Petrus,Tierrechtsbewegung
Erlebnis Bauerhof
Arvay, Friss oder stirb
TIERethik
Kochbücher

Zwanzig Jahre
Great Ape Project 21

Brutal und verschwenderisch 22

Impressum, Hinweise 23

Im Lendenschurz für Bangladesch? 24

 

Liebe Leserinnen und Leser,


Diesmal gibt es Erfreuliches und leider auch weniger Erfreuliches. Der Fleischkonsum, jahrelang ziemlich unverändert bei jährlich 61 kg, ist 2012 um über 2 kg zurückgegangen. Es sind zwar deutsche Zahlen, doch bei uns wird es wohl nicht viel anders sein.
Jetzt das Unerfreuliche: es steht nebenan. Dass das Gericht einen engagierten Tierschützer wegen Tierquälerei anklagt, kann man als Lächerlichkeit abtun, doch Konsumenteninformation als Gefährliche Drohung und Nötigung zu klassifizieren, trifft schwer.
Dennoch bitten wir Sie liebe Leserinnen und Leser, weiterhin verantwortungsbewusst einzukaufen und
wünschen Ihnen erholsame Sommertage.


Ihre anima-Redaktion

 


OLG-Urteil und Mafia-Paragraf


Gewerkschaftsbund, Katholische Jugend, Green Peace – alles Kriminelle?
Das Oberlandesgericht Wien hat bekanntlich der Berufung der Staatsanwaltschaft im Tierschützerprozess – die sich auf wenige Punkte beschränkt hatte – in allem stattgegeben. Wurde die Verhaftung der Tierschützer 2008 u.a. noch mit Sachbeschädigungen in über 200 Fällen begründet, waren die in der Anklage auf etwa 30 geschmolzen. Übrig geblieben sind jetzt: 1 x Widerstand gegen die Staatsgewalt, begangen durch Davonlaufen, 1x eine eingeschlagene WC-Fensterscheibe (gegen Rechtsradikale), 1x ein zerschnittener Reptilienschau-Poster und (indirekte) Sachbeschädigung durch Schweinebefreiung (Schweine sind Sachen), zugleich Tierquälerei, weil dabei ein paar Tiere gestorben oder leicht verletzt worden sein sollen. In der stressigen Massentierhaltung sterben zwar viele Schweine oder werden verletzt, doch das ist natürlich keine Tierquälerei.
Gewichtig ist jedoch der letzte Anklagepunkt gegen vier der Tierschützer. Das OLG erachtet die Ankündigung einer legitimen Kampagne, etwa zugelassener Informationsversammlungen, für „Gefährliche Drohung“ und/oder „Nötigung“, wenn ein Unternehmer deshalb Umsatzeinbußen befürchten kann. D.h. was Vereine, die gegen Missstände kämpfen, üblicherweise machen (auch wir), etwa Aufrufe bei Unternehmen, die Waren aus mieser Menschen- oder Tierhaltung anbieten, nicht einzukaufen, ist zum möglichen Delikt erklärt.
Und jetzt kommt der zweite Schlag: Der § 278a StGB, der Mafia-Paragraf wird allen Beteuerungen zum Trotz nicht geändert. Entgegen einer Vorvereinbarung stimmte die ÖVP im Justizausschuss der Entschärfung des Paragrafen nicht zu, angeblich auf Druck von Bauernbund oder aus der Wirtschaft (Pelzhandel).

Dummerweise (aus Sicht gewisser Wirtschaftskreise) ist der § 278a nur gegen Organisationen anwendbar, die schwerwiegende strafbare Handlungen planen oder begehen. Was tun, wenn die aber nichts Strafbares tun wollen, nicht einmal eine Fensterscheibe einschlagen? Da kommt das OLG-Urteil wie gerufen. Wenn bereits ein Boykottaufruf eine schwerwiegende strafbare Handlung ist, lässt sich der Mafia-Paragraf auf jede Organisation anwenden, die empfiehlt verantwortungsbewusst einzukaufen. Jetzt kann man endlich ohne lange Umstände die NGO-Aktivisten einsperren und jeden dazu, der es wagt, an so einen üblen Verein einen Beitrag zu zahlen.
Also liebe Leute, seid vorsichtig, spendet ja nichts mehr für gute Zwecke, tragt euer Geld ins Pelzgeschäft. Und teure Regierung, bitte bitte viele Gefängnisse bauen. Ich fürchte, wir werden sie brauchen, für Hunderttausende.


E.L.

 

 

Unser Geld beim Fenster hinaus

Jetzt wissen wir es, das Oberlandesgericht Wien hat entschieden:
Behördlich genehmigte Versammlungen vor Geschäften, Informationsversammlungen, die der Aufklärung der Konsumenten dienen, oder wenigstens ihre Ankündigung sind strafgesetzwidrige Delikte, Nötigung, gefährliche Drohung

Diese Erkenntnis hat uns, den Steuerzahlern, rund 11 Millionen Euro gekostet; so hoch schätzt man die Kosten für Polizeiermittlungen und Gericht beim so genannten Wiener Neustädter Tierschützerprozess.
Der kleine Mann, die kleine Frau denken sich da, war der Erkenntnisgang nicht ein bisschen kompliziert, jahrelange Erhebungen mit zeitweise über dreißig Beamten, großem Lauschangriff usw., ein Jahr lang Gerichtsprozess etc., wäre das nicht billiger gegangen. Da stehen Polizisten immer wieder auf der Straße, hundertmal stundenlang und beobachten: Was? Ein paar Leute, die eine hässliche Straftat begehen, oder besser gesagt (er)sitzen, in dem sie Slogans rufen. Und was tun die Polizisten angesichts dieses kriminellen Handelns, Sitzens? Nichts, sie schauen einfach zu und das viele, viele tausend Arbeitstunden lang.

Der kleinen Frau, dem kleinen Mann kommt da ein zündender Gedanke: Wäre es nicht einfacher gewesen, das verabscheuungswürdige Tun gar nicht erst zuzulassen?
Die Versammlungsfreiheit, das Demonstrationsrecht ist ein grundlegendes demokratisches Recht, seit fast eineinhalb Jahrhunderten in unserer Vefassung festgeschrieben. Nicht nur ein paar Kapitalakräftige, die es sich leisten können Werbezeiten im ORF zu buchen, sollen ihre Slogans homedemoartig in unsere Wohnzimmer rufen dürfen, auch die kleinen Leute sollen die Möglichkeit haben, ihre Meinung zu Gehör zu bringen.

Nur, Versammlungsfreiheit heißt ja nicht, jeder darf jederzeit an jedem Ort ununterbrochen demonstrieren. Man kann mit gutem Grund der Meinung sein, Dauerdemonstrationen vor Geschäften seien unzumutbar. Dann sollte man sie dort einschränken und wenn das nach der jetzigen Gesetzeslage nicht möglich ist, eben das Gesetz ändern. Dieser Gedanke, wird gemunkelt, sei fallen gelassen worden, weil das würde nicht nur Tierschützer treffen sondern auch eine andere Gruppe, ebenfalls Lebensschützer, nämlich die Abtreibungsgegner. Ja dann ... dann müssen sich die Regierenden den Vorwurf gefallen lassen, moralisch grob pflichtwidrig das Geld ihrer Untertanen zu verpulvern.
Im fraglichen Zeitraum wurde unser Land von massenweisen teils von kriminellen Organisationen gesteuerten Einbrüchen heimgesucht, auch 1000e Geschäftsinhaber waren Opfer. Das und die zahllosen Wohnungseinbrüche nahmen der oder die Innenminister relativ gelassen hin, doch für ein paar Kleiderbauer-Filialen mobilisierten sie. Wo blieb da die Verhältnismäßigkeit?

Ü brigens, warum greifen Organisationen, die sich dem Konsumenten- und dem Tierschutz widmen, zur Versammlung als Informationsmittel? Es ginge ja einfacher mit Informationsständern, mit dem Verteilen von Flugblättern etc. Weil es dazu restriktiv gehandhabter Bewilligungen bedürfte, die außerdem für finanzschwache Gruppen unbezahlbar sind.

Wären unsere Gesetze nicht so einseitig zugunsten der Unternehmer gestaltet, hätten die Konsumenten genügend Möglichkeiten sich sachlich zu informieren, dann gäbe es wahrscheinlich auch weniger nervende Demonstrationen.

Seite 4:

Tierschutz in der Verfassung – ein Eigentor?


Langjährige intensive Bemühungen des Tierschutzes führten zum Erfolg: Am 13.Juni beschloss der Nationalrat mit den Stimmen von SPÖ, ÖVP, FPO und Team Stronach – Grüne und BZÖ stimmten dagegen, da sie nicht in die Vorverhandlungen eingebunden waren – ein Bundesverfassungsgesetz über Staatsziele, das auch den Tierschutz als Staatsziel normiert. Doch ist es wirklich ein Erfolg für den Tierschutz?

Das Gesetz enthält nämlich auch eine Reihe anderer Staatsziele, darunter zwei für Tiere bedenkliche, zum einen die Forschung (Grundlagen- und angewandte Forschung), zum anderen die Versorgung der Bevölkerung (auch) mit tierischen Lebensmitteln (den genauen Text s. nebenan §§ 6 u. 5).

Genau diese beiden Sachbereiche sind es, mit denen Tierschutzinteressen in Konfrontation stehen. Die Aufnahme der Forschung in die Staatsziele ist insofern nicht so bedenklich, als die „Wissenschaft und ihre Lehre“ und damit auch die Forschung bereits durch das Staatsgrundgesetz 1867 verfassungsrechtlich geschützt sind. Tierschutz als Staatsziel – so war der Gedanke - sollte da ein wenn auch schwaches (Recht ist mehr als Ziel) Gegengewicht gegen Tierquälerei im Tierversuch geben.

Schmerzlicher – es sind immerhin an die hundert Millionen fühlende Lebewesen betroffen – und negativ gewichtiger ist da das Staatsziel Tierproduktion. Es neutralisiert sozusagen das Ziel Tierschutz und wird vermutlich in Hinkunft als Argument gegen jede Verbesserung des Nutztierschutzes ins Treffen geführt werden.
Immerhin, wenigstens gegenüber der verfassungsrechtlich verbrieften Freiheit der Kunst ist der Tierschutz ein wenig gestärkt, wenn der eher seltene Fall eintritt, dass Tiere für vorgeblich künstlerische Zwecke missbraucht werden.


Hier der Text des neuen Gesetzes:


Bundesverfassungsgesetz
über die Nachhaltigkeit, den Tierschutz, den umfassenden Umweltschutz, die Sicherstellung der Wasser- und Lebensmittelversorgung und die Forschung
§ 1. Die Republik Österreich (Bund, Länder und Gemeinden) bekennt sich zum Prinzip der Nachhaltigkeit bei der Nutzung der natürlichen Ressourcen, um auch zukünftigen Generationen bestmögliche Lebensqualität zu gewährleisten.
§ 2. Die Republik Österreich (Bund, Länder und Gemeinden) bekennt sich zum Tierschutz.
§ 3. (1) Die Republik Österreich (Bund, Länder und Gemeinden) bekennt sich zum umfassenden Umweltschutz.
(2) Umfassender Umweltschutz ist die Bewahrung der natürlichen Umwelt als Lebensgrundlage des Menschen vor schädlichen Einwirkungen. Der umfassende Umweltschutz besteht insbesondere in Maßnahmen zur Reinhaltung der Luft, des Wassers und des Bodens sowie zur Vermeidung von Störungen durch Lärm.
§ 4. Die Republik Österreich (Bund, Länder und Gemeinden) bekennt sich zur Wasserversorgung als Teil der Daseinsvorsorge und zu ihrer Verantwortung für die Sicherung deren Erbringung und Qualität.
§ 5. Die Republik Österreich (Bund, Länder und Gemeinden) bekennt sich zur Sicherung der Versorgung der Bevölkerung mit hochqualitativen Lebensmitteln tierischen und pflanzlichen Ursprungs auch aus heimischer Produktion sowie der nachhaltigen Gewinnung natürlicher Rohstoffe in Österreich zur Sicherstellung der Versorgungssicherheit.
§ 6. Die Republik Österreich (Bund, Länder und Gemeinden) bekennt sich zur Bedeutung der Grundlagenforschung und der angewandten Forschung.

 

Seite 5:

Leider gut? – Leider nicht gut


Unter dem Titel „Leider gut“ stellte die angesehene deutsche Wochenschrift DIE Zeit im März der laut Umfrage negativen Weltsicht der Deutschen Fakten entgegen.

Dazu sandte Christa Blanke, Gründerin und Leiterin der ANIMALS’ ANGELS (Rossertstr. 8, D-60323 Frankfurt/M,. animals-angels.de), die professionell die Missstände bei „Vieh“-Transporten bekämpfen, der ZEIT nachstehenden Leserbrief, den das Blatt nicht veröffentlichen wollte. Wir sehen es als eine unserer Aufgaben zu Gehör zu bringen, was konventionellen Medien verschweigen.

Der Brief:

Die große ZEIT-Umfrage zeigt ein pessimistisches Weltbild der Deutschen. Die realen Zahlen und Fakten rücken das zurecht. Es geht nicht uns, sondern auch der europäischen und der Welt-Bevölkerung in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht so gut wie noch nie. Unbeeindruckt vom allgemeinen Untergangsgetöse präsentiert die ZEIT überprüfbare Realität.

Leider wird aber auch hier wieder verschwiegen, was denn eine (wenn nicht die) Grundlage dafür ist, dass es den Menschen im allgemeinen so gut geht wie noch nie. Die steigende wirtschaftliche, gesundheitliche und soziale Sicherheit der species Mensch beruht auf dem steigenden Elend der species Tier. Den Menschen geht es stetig besser. Den Tieren stetig schlechter.


Es werden mehr Tiere denn je nur zu dem Zweck "produziert", der menschlichen Ernährung, Gesundheit oder Unterhaltung zu "dienen". Das heißt das Elend der species Tier steigt proportional zu der weltweit rasant steigenden Zahl der gequälten, getöteten und gnadenlos ausgebeuteten Tiere in Landwirtschaft, Fischerei, Medizinlabors und Unterhaltungsindustrie. Der menschliche Anstieg von Lebensqualität hat einen entsetzlichen Unterbau, der nach wie vor gesellschaftlich ignoriert wird.

Seit 15 Jahren sind meine Mitarbeiterinnen und ich in Europa, Australien, USA und Indien bei den Tieren auf den Transportern, die in Schlachthöfe, zu Märkten und Hafenanlagen fahren. Als Fachorganisation genießt unsere Verein Animals' Angels hohes Ansehen bei den Behörden in allen Ländern wo wir arbeiten. Wir erleben seit 15 Jahren hautnah mit, dass die Zahlen steigen: die Transporte von Tieren auf der Straße, in der Luft und auf See werden mehr, die LKWs werden größer, die Schiffe auch, die Kapazitäten der Schlachthöfe steigen, die "Tierproduktion" der Landwirtschaft rechnet längst mit gigantischen Wachstumsquoten und die Fischerei kämpft erbittert gegen alle Auflagen. Industrielle Haltungs- und Tötungssysteme, die in Deutschland oder Europa verboten sind, werden in Schwellenländer exportiert. So steigen weltweit das Elend und die Zahl der gequälten Tiere. Und die schiere Masse dieser "Tier-Sklaven" und der weltweite Export/Import nach Marktgesetzen macht eine Kontrolle der Ausbeutung mehr und mehr unmöglich. Um wenigstens eine Zahl zu nennen, die das Ausmaß des Tierelends illustriert: allein der Frankfurter Flughafen ist Umschlagplatz für 110 Millionen Tiere im Jahr. Diese Tiere werden gehandelt für Landwirtschaft, Zoo und Circus, Sport, Jagd und Heimtierhaltung.

Eine Hoffnung der für dieses Milliardenelend sensiblen Menschen war und ist der auf Nahrungsmittelsicherheit bedachte Verbraucher. Mit diesem Wunschdenken räumt der ZEITartikel nun gründlich auf. Unsere Nahrung ist gesund, sicher und mehr als ausreichend. Gefahr für die Ernährung als Druckmittel für mehr Tierschutz hat ausgedient und das zu Recht, weil diese Argumentation eine Illusion verzweifelter Tierfreunde abbildet.
Die Tiere brauchen Rechte - auf Freiheit, Leben und Glück. Und diese Rechte bekommen sie nicht aufgrund von Angst und auch nicht aus Mitleid, sondern nur wenn sich irgendwann einmal die ethische Einsicht durchsetzt, daß der Wohlstand der einen nicht auf der Sklaverei, der Folter und dem Tod der andern beruhen darf.


Christa Blanke

 

Seite 6 ind 7:

Vegane Würstelbude und Bio-Stand
Zweimal Schnellimbiss in Graz


Eigentlich wollten wir unserem Publikum diesmal ein Interview mit einem Wiener Restaurantbetreiber bringen. Leider fiel unser Gesprächspartner unerwartet aus und so mussten wir wieder auf Graz zurückgreifen. Aber wir haben da ja genug Lokale. Warum nicht auch andere Städte? Also, wir stellen hier den VeggieCorner im Bezirk St. Leonhard nahe der Innenstadt und den Biostand Bieber im Zentrum am Hauptplatz vor und bringen Interviewauszüge.

Zuerst der Veggie Corner

Mit dem Veggie-Corner hat Graz den ersten veganen Schnellimbiss bekommen. Manch altgedientem Vegetarier graut ja vor allem, was nach Fleisch riecht schmeckt und heißt – Tierleichenkult – doch vielen Neuankömmlingen erleichtert es die Umstellung. Da ist der Veggie Corner, der erste vegane Schnellimbiss in Graz, gerade recht: schnell im Vorbeigehen ein Würstel, einen Burger oder ein Hot Dog aus Pflanzenfleisch. Jochen Krieger hat ihnen diesen Wunsch erfüllt und bietet Fleisch-Alternativen. Das kleine Lokal ist in warmen Farben, mit einem schönen großen Luster und zwei netten kleinen Sitzgruppen ausgestattet, die dazu einladen, doch ein bisschen zu verweilen um vielleicht auch eine der zahlreichen Tierschutz-Zeitungen und -Infos zu lesen oder mit dem Chef zu plaudern – sofern es der Geschäftsverlauf zulässt.

err Krieger erzählt: Im Dezember 2011 habe ich vor dem Grazer Citypark mit einem Imbisswagen begonnen und vor kurzem das kleine Lokal Ecke Sparbersbachgasse/Mandellstraße eröffnet. Ich bin Tierrechtler und Veganer. Ich glaube, jeder Mensch sollte ab einem gewissen Zeitpunkt das machen was für ihn Sinn ergibt. In meinem Fall war es ganz klar: ich möchte den Menschen tierfreie Produkte anbieten um ihnen zu zeigen, es geht auch ohne Tierleid.
Ich habe mit Absicht einen österreichischen Imbiss oder „Würstlstand“ nachgeahmt. Ich signalisiere damit, dass man auf nichts verzichten muss. Bei mir gibt es Hot Dogs, Döner, Schnitzelburger uvm..

Aus was? Es gibt Gemüseburger, Seitanburger oder auf Sojabasis hergestellte Produkte.
Und das Preisniveau? Ein Döner zum „Vollessen“ gibt es bei uns um 3,50. Die große Ausgabe davon um 5,90, da muss man aber schon wirklich einen sehr, sehr großen Hunger haben.

Was gibt es an Getränken? Sämtliche Fritz Getränke, das Grazer Makava und einige österreichische Bio-Bier-Sorten.
Bieten Sie außer den typisch österreichischen Würstelstand-Variationen noch etwas Spezielles, das es nur bei Ihnen gibt? Es ist gerade ein Wiener Frühstück in Planung. Da wird es dann eine vegane Eierspeise mit Semmerln und Kaffee zum Mitnehmen geben. Catering? Wir beliefern unsere Gäste gerne mit veganen Platten oder kochen auch vor Ort.
Kommen in erster Linie Vegetarier zu Ihnen oder einfach Menschen, die in der Umgebung leben oder arbeiten? Ich würde 50:50 schätzen. Aber nicht ganz ohne Stolz kann ich behaupten, dass es mittlerweile einige „Ex-Fleischis“ gibt, an dem ist mein Veggie-Corner „schuldig“. Aber prinzipiell sind natürlich alle Menschen willkommen.
Was ist Ihre persönliche Lieblingsspeise/Ihr Lieblingsgetränk im Veggie-Corner? Das ist eindeutig unser einmaliger Döner und dazu eine zuckerfreie Apfel-Schorle von Fritz.

Veggie-Corner
Sparbersbachgasse 22
8010 Graz
Tel.: 0664/6569526

Ö ffnungszeiten:
Mo-Sa 11:00 bis ---Uhr
Sonn- und Feiertags 17:00 bis 22:00 Uhr

Unter den ca. zwölf Ständen am Grazer Hauptplatz fällt einer angenehm aus dem Rahmen, der
Bio-Stand Piber – Bio-Naturkost

Gesundes Fast Food gefällig?
Ja, aber gibt es das? Sehr wohl! Bei Bio-Naturkost am Grazer Hauptplatz ist man da genau richtig. Täglich bietet man dort frisch zubereitete Bio-Vollwertkost. Nicht nur gemäßigte Vegetarier kommen auf Ihre Rechnung. Viele Speisen sind darüber hinaus vegan und glutenfrei. Die gesunden, frisch gepressten Säfte und Smoothies sind für viele schon Grund genug, bei dem einladenden Stand Halt zu machen. Aber es ist schwer, sich vom bunten Augenschmaus in der Vitrine nicht zu mehr verführen zu lassen. Frau Sonja Piber, die für Aufmachung und Angebot der Bio-Oase verantwortlich zeichnet, erzählt uns:

Vor 17 Jahren begannen meine Eltern mit dem Konzept, gesunde biologische Ernährung anzubieten. Damals war es noch sehr schwierig, biologische Produkte zu beziehen und viele hielten es für Spinnerei. Das jetzige Konzept habe ich 2008 eingeführt. Persönlich ernähre ich mich sehr bewusst, und so kam auch die Idee, eine gesunde Alternative auf dem Grazer Hauptplatz anzubieten.

Es gibt hausgemachte Suppen und Eintöpfe die vorwiegend vegan und glutenfrei zubereitet sind. Darüber hinaus gibt es noch eine große Auswahl an Burger, die z.B. mit Tofu, Seitan oder mit verschiedenen Laibchen gefüllt sind. Die Suppen und Eintöpfe werden von unseren Kunden besonders geschätzt, aber generell sind sie dankbar, dass es uns gibt.

Foto Piber

Neben dem Speisenangebot gibt es auch herrlich frisch gepressteSäfte und Smoothies, die sehr beliebt sind. Legendär würde ich sagen ist bei uns die Hausmischung aus Apfel, Karotte, Orange und Banane. Die gibt es schon seid 17 Jahren. Sehr beliebt sind auch die Säfte mit roten Rüben und Ingwer. Für Säftefreunde haben wir einen Saftpass: Nach Konsumation von zehn Säften gibt es einen gratis.

Welches Kundenklientel haben Sie? Sind es Menschen, denen primär Essen in Bio-Qualität wichtig ist, Vegetarier oder auch „Durchschnittsesser“, die in der Umgebung leben oder arbeiten und einfach auch gerne einmal schnell einen frischen gesunden Imbiss einnehmen möchten?

Wir sprechen eine sehr breite Masse an. Egal woher oder wie alt, zu uns kommt jeder, der sich bewusst ernähren möchte.

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Sehr gut oder sehr schlecht?
Das Tierschutzlabel des Deutschen Tierschutzbundes

Vor kurzem hat der DTB – Dachorganisati-on zahlreicher deutscher Tierschutzvereine – ein sogenanntes Tierschutzlabel einge-führt, mit dem tierische Produkte aus tier-schutzmäßig „besserer“ Haltung gekenn-zeichnet werden, vorläufig für Fleisch /produkte von Masthühner und Mast-schweinen . Dieses Tierschutz-Gütesiegel wird in zwei Stufen vergeben, der Einstiegs-stufe (mit einem Stern gekennzeichnet) mit geringeren und der Premiumstufe ( 2 Sterne) mit höheren Anforderungen. Ein ähnliches Siegel gibt es auch beim Verein Vier Pfoten vorerst für Deutschland – Österreich soll später folgen – ebenfalls zweistufig: 1 Stern „gut“, 3 Sterne „sehr gut“. Hätten sich die Vereine zu einem gemeinsamen Zeichen durchgerungen ... doch das ...

Die Vereine begründen die Initiative: Die übergroße Mehrheit ist vom Fleischkonsum nicht abzubringen (die dürftigen Vegetarier-zahlen zeigen es) – bessere Gesetze für die Tiere sind außer Reichweite – doch nicht wenige Menschen dürften bereit sein, für tierschutzmäßig bessere Ware mehr zu zah-len. Wenigstens einem Teil der Nutztiere ginge es dann besser.
Derartige Labels werden in der Tierschutz-szene kontrovers diskutiert. Manche sehen in solchen Zeichen eine Gefahr. Das Kern-übel Tiernutzung und Tiertötung werde nur verdeckt, Die Verbraucher würden in Si-cherheit gewiegt – es ist so alle gut in der Tierhaltung – und meinten sich ruhigen Gewissens dem Fleischgenuss hingeben zu können, während nicht nur das Töten graus-lich bleibt sondern auch die Haltung mehr oder minder schlecht oder sehr schlecht. Die Möglichkeit bessere Tierschutzstandards durch Gesetze zu erzielen, würde verbaut.
Ich glaube das nicht, wenigstens wenn das bessere Leben der Labeltiere nicht in zu ro-sigen Farben geschildert wird. Insofern scheinen r Noten wie „gut“ und „sehr gut“ nicht unbedenklich Hier stehen die Siegel-propagandisten allerdings vor einem Di-lemma. Sagen sie ehrlich, dass es den be-vorzugten Tieren zwar erheblich besser als den konventionell gehaltenen aber aus Tier-schutzsicht immer noch schlecht geht, dürfte die Bereitschaft des Publikums für „Premiumware“ mehr zu zahlen gering sein. Verschärft man die Anforderungen, wird das Fleisch zu teuer und hat geringe Absatz-chancen.

Es wäre vielleicht sinnvoller statt mit Noten zu jonglieren auf einen anerkannten Tierge-rechtheitsindex abzustellen. Für die vielen für das Wohlbefinden maßgeblichen Krite-rien werden da je nach dem Maße der Er-füllung mehr oder weniger Punkte vergeben und zusammengezählt. Z.B.: Um das heimi-sche Kontrollsiegel TIERSCHUTZ GE-PRÜFT zu bekommen, muss ein Legehen-nenhalter 28 von möglichen 45 Punkten erreichen.

Gerade das Beispiel Freilandei zeigt, das Premiummarken allgemeine gesetzliche Verbesserungen nicht verhindern sondern fördern können. Dass wir – die Gruppe um die anima – vor einem Vierteljahrhundert das Freilandei in unsere Lebensmittelmärkte brachten, hat sicher das spätere Verbot der Käfighaltung erleichtert.

Auch wenn wir das Ende jeglicher Tieraus-beutung anstreben: Die Tiere brauchen jetzt Hilfe. Unterstützen wir alle Bemühungen, den vegetarismusfernen Konsumenten tier-schutzmäßig Besseres zu bieten.

Erwin Lauppert

Seite 11-14:

Literatur und politisches Engagement in „zwölfter Stunde“
Zum 80. Todestag des Dichters und progressiven Tierschützers Manfred Kyber

von Alexander Kasztler


Wegweisende Ausnahmeerscheinungen tier-schützerischer Provenienz sind besonders auf dem Gebiet der Literatur dünn gesät. Manfred Kyber ist ein solcher Sonderfall gewesen. Für den Dichter Kyber ist das Tier nicht Verkörperung von metaphorischer Menschlichkeit, seine Dichtungen sind nicht "Fabeln in jenem Sinne, der Tiere lediglich als menschliche Figuren handeln läßt"1, das Tier ist selten Platzhalter, kaum Allegorie mit außerkreatürlichem Sinn. Es darf bei Kyber als das gelten, was ihm in der Realität des Abendlandes kaum jemals gestattet gewesen ist: Als ein Subjekt mit Empfindungen, gleichermaßen respektiert und geachtet. Die Welt der kyberschen Dichtung ist in Bezug auf das Tier ein Gegenentwurf zur Vedinglichung der Kreatur der anthropozentristischen westlichen Welt, und zwar sowohl hinsichtlich der Realität, als auch der Dichtung. Seine Thesen sind revolutionär. Was er formuliert und fordert geschieht in "zwölfter Stunde", eine "Kulturwende" sei unumgänglich. Eine Abkehr von der Ausbeutung von Tier und Natur, von Materialismus und Wissenschaftshörigkeit könnte die zwingend notwendige "Kulturwende" herbei führen, die nächsten Schritte würden das Schicksal Europas bestimmen.2
Manfred Kybers tierethische Argumente stammen nicht aus der Mitleidsethik, er ist weder Utilitarist noch begründet er seine Thesen naturwissenschaftlich im Sinne der Evolutionstheorie. Und dennoch geht es ihm um Ähnlichkeiten zwischen menschlichen und nichtmenschlichen Tieren, genauer: um geschwisterliche Verwandtschaft auf metaphysischer Ebene. Kyber ist religiös, jedoch kaum in christlichem Sinne. Seine moralische Weltanschauung kommt streckenweise

aus den alten Religionen des indischen Subkontinents. Aus einem tiefen Glauben an die Beseeltheit allen Lebens und die Zuversicht der Existenz einer jenseitigen, übersinnlichen Welt entsteht die Überzeugung von der unbedingten Notwendigkeit der allumfassenden, geschwisterlichen Liebe . Daher seine Ablehnung der aus dem Christentum entstandenen zentralen Stellung des Menschen, denn eine (vor allem von der Kirche) postulierte Vormacht sei nicht haltbar: "Die Menschen haben das Mißverhältnis zu den Tieren nicht nur, weil sie die Tiere unterschätzen, sondern vor allem, weil sie sich selbst überschätzen. Sie glauben zwischen ihnen und den Tieren sei ein Abgrund - so berghoch stünden sie über jenen. Dem Weltgedanken gegenüber ist es eine Nuance.3 Kybers theoretische Schriften machen deutlich, dass der Ursprung seiner Tierethik nicht naturwissenschaftlich begründet ist. Er verhehlt seine Nähe zu Esoterik und Okkultismus nicht, lernt Rudolf Steiner kennen und freundet sich mit dessen anthroposophischer Gesellschaft und deren Bezug zu Übernatürlichem und Spiritualität an. In seiner Lehrschrift Einführung in das Gesamtgebiet des Okkultismus4 versucht er eine Anregung der Beschäftigung mit dem Übersinnlichen und kritisiert abendländische Religion (der zu viel von den alten Hochkulturen und deren Wissen des Übernatürlichen verloren gegangen sei) und technischen Fortschritt gleichermaßen. Der Mensch glaube und sei stolz darauf, sich durch die Errungenschaften der Technik von der Natur emanzipiert und sie sich dienstbar gemacht zu haben, doch sei der Mensch nun selbst beherrscht von seinem Nützlichkeitsdenken und müsse sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren, sich weg vom Materiellen, hin zum Geistigen wenden. Aufgabe des Okkultismus sei es, die Gesamtheit des Lebens zu erforschen, das Diesseits und das Jenseits, die Brücken in die Übersinnliche Welt zu finden und zu untersuchen.

Kybers moralische Basis, sein Motor für ethische Werthaltungen in Bezug auf Natur und Kreatur, sowie seine Absicht, die menschliche Kultur zu retten, sie von Anthropozentrismus, Fortschrittshörigkeit und Kapitalismus zu befreien, liegen in einer Religiosität begründet, der jene Liebe notwendige Bedingung ist, die aus der Spiritualität, aus der Zusammenschau von Diesseits und Jenseits und dem Glauben an die metaphysisch belebte Welt entsteht.

Wie man zu Spiritismus und Geisterglaube auch stehen mag, Kybers theoretische Schriften machen die Nebensächlichkeit von Motivation, Quelle und Antrieb für ethische Haltungen deutlich, solange die Lebensweise nachhaltig davon geprägt ist, die richtigen Schlüsse gezogen werden und man gehört wird. Das Gefühl für die richtige Lebensweise und die Achtung für die Mitwelt stellen sich schon im Kindesalter in der ländlichen Umgebung des elterlichen Guts nahe Riga ein, reflektiert werden sie später. Die Reflexion lässt aber die unverdorben-naive Sicht auf die Welt niemals verkümmern. "Ich bekenne, dass ich auch heute noch an das Märchen glaube, […] an seine Wirklichkeit und an die Wirklichkeit all seiner Gestalten […], ich glaube an die Gemeinschaft aller Menschen und Tiere […]".5 In Leipzig lernt Kyber während kurzer Studienzeit die Philosophie kennen, schreibt nun seine ersten Gedichte, in denen die spätere Fürsorglichkeit und Hilfsbereitschaft bereits zu erahnen ist. Die Jahrhundertwende bringt vielen Menschen finanzielle Probleme und materielle Sorgen, für Kyber verschärft sich die Lage noch durch seine russische Staatsbürgerschaft, die er bis 1922 inne hat; zunächst in Berlin, dann in Stuttgart ist es aber vielleicht gerade die soziale Not, die Kargheit des Lebens, die sich positiv auf seine dichterische Produktivität auswirkt. Auch die Schrecken des ersten Weltkrieges machen ihn nicht mutlos, aber er ängstigt sich um die Kultur des abendländischen Menschen, die jener zu verlieren drohe. Es sei "nicht leicht, […] für eine Menschheit über Tierschutz und Kultur zu schreiben, die weder das eine noch das andere ihr eigen nennen kann" schreibt er 19256 und weiß die Moral nur durch eine Rückkehr des Menschen zur Naturnähe zu retten, die den Europäern "in ihrem lächerlichen anthropozentrischen Dünkel" und ihrer "geringwertigen naturwissenschaftlichen Teilweisheit" abhanden gekommen sei.

Tierschutz und Kultur zählt mit Sicherheit zu den wichtigsten Schriften des Dichters, hat er hier doch Vieles von dem, was als Grundlage und Ideengehalt seines dichterischen Werkes, insbesondere seiner Märchen, gelten kann übersichtlich geordnet und unmissverständlich dargestellt; folgt man unveröffentlichten Notizen, so sieht er die apodiktische Darlegung seiner Grundwerte - über die Dichtung hinaus - als erforderlich an; er fürchtet wohl missverstanden zu werden. Sein 000schriftstellerisches Werk sollte aber nicht zur Tendenzkunst werden, so hat er also das Bedürfnis, sich darüber hinaus zu erklären. Das macht er detailliert und eindrucksvoll. Ein theoretischer Teil beschäftigt sich mit den Gründen für das Leid der Tiere; bei der Konstatierung von Zusammenhängen zwischen Christentum und Fortschrittsdenken in Hinblick auf die Ausbeutung der Natur ist Kyber ein Vordenker. (Dass christlicher Anthropozentrismus und wirtschaftlich-technisches Wachstum sowie Steigerung von Leistungen einander auf deren Werdegang unterstützen, indem die christlich-jüdische Unterdrückung der Natur, gepaart mit vorrangig griechischem Hang zu technischem Fortschritt die Ausnutzung und Unterwerfung von Tier und Natur in großem Rahmen erst möglich gemacht haben diagnostiziert Eugen Drewermann knapp 60 Jahre später: Der tödliche Fortschritt. Von der Zerstörung der Erde und des Menschen im Erbe des Christentums.7 Das Streben nach Nützlichkeit, das ausschließliche Denken in Kategorien von Zweckmäßigkeit, Profit und Gewinn käme aus dem Anthropozentrismus und führe den Menschen dazu, die Natur als Ware, das Tier als Gegenstand und Objekt der frei verfügbaren Ausnutzung zu sehen. Der Mensch der vergangenen Jahrhunderte hätte versagt, es sei an der Zeit dies zu attestieren, auszusprechen und Handlungen entsprechend zu korrigieren. Unzureichende Ausbildung einer Tierethik und deren zusätzlich mangelhafte Umsetzung seien Symptom einer "Unkultur", die mit der technischen Entwicklung und der menschlichen Entfernung von der Natur korreliere; das Christentum sei nicht lediglich Verstärker dieses Problems, sondern - im Sinne der Zentralstellung des Menschen - grundlegender Verursacher. Im Tier- und Naturschutz hätte die christliche Kirche vollständig versagt, sie müsse "endlich erkennen, dass eine Ethik, die sich gerade der Wehrlosesten nicht annimmt, überhaupt keine Ethik ist." 8
Der Ethiker Manfred Kyber weiß um die Notwendigkeit einer elementaren Veränderung Bescheid; doch ist er auch Praktiker und also Reformer. Er beschreibt die offene Grausamkeit gegenüber den Tieren seiner Zeit und appelliert an die Politik, Gesetze zu schaffen, um vorerst die brutalsten Auswüchse zu korrigieren und er versucht, seine Leserschaft pädagogisch zur Einsicht in die Notwendigkeit eines mitfühlenderen Umganges mit Tieren zu bewegen. Die - ebenfalls in Tierschutz und Kultur enthaltenen drastischen Schilderungen von Tierhaltung, Transport, Schlachtung, von Pelztierzucht, Zirkussen, der Jagd und schließlich auch der Vivisektion sind nahe an der Realität und überaus eindrucksvoll dargelegt, auch seine Kritik daran ist stringent argumentiert. Bei aller Detailliertheit der Beschreibung lässt Kyber aber den Leser sein Fundament nicht vergessen, seine persönliche Basis, von der aus für ihn alles steht und fällt: die notwendige Hinwendung des Menschen zur Liebe und sein Bewusstsein von der Verwandtschaft aller Wesen, der Existenz einer übersinnlichen Welt und der Einsicht in die Beseeltheit der Natur.

Der Problematik der Tierversuche nehmen er und zeitgenössische Mediziner sich auch 1932 bei einer Entgegnung einer Rektoratsrede, die als Lobschrift und Brandrede für die Vivisektion erscheint, nochmals an. Wenn auch Der Misserfolg des Tierexperiments in der Medizin, besonders bei der Bekämpfung von Seuchen 9 eine Reaktion auf die besondere Bestialität der invasiven Tierversuche der Zeit ist, bis weit ins 20. Jahrhundert vielfach in descart´scher Manier ohne Narkose durchgeführt, so ist es doch auch und vor allem eine grundsätzliche Anklage der Verwendung von Tieren für die Wissenschaft: "[…] der Streit um die Vivisektion ist in erster Linie eine moralische Frage. Sie braucht nicht einmal wissenschaftlich so umstritten zu sein, wie sie es ist. […] Fraglos ist es, daß die Vivisektion schließlich ganz verboten werden muß […]." 10

Seine Grundsätze nicht lautstark vertreten oder nicht danach gelebt zu haben, ist Manfred Kyber nicht vorzuwerfen. Sein dichterisches Werk, insbesondere seine Epik, also die Märchen, der märchenhafte Roman und seine Tiergeschichten, sind, ohne dabei tendenziös zu wirken, stets durchdrungen von einem Ideengehalt, der die Weltanschauung des Dichters zur Grundlage hat oder zumindest erahnen lässt. Seine theoretischen Schriften bringen Kybers Kritik an Welt, Religion und Gesellschaft unmissverständlich zum Ausdruck. Die "Grundfehler der Gegenwart", schreibt er, die "Diesseitigkeit und die Naturferne" nämlich, "haben den westlichen Menschen ins Untermenschliche hinabgezerrt", er sei nun "fern vom Menschentum und vom Tiertum", "Verstand ohne Gefühl und Geist, Spekulation ohne Intuition, ein Ich ohne Spiritualität"11. Vor diesen Mängeln sucht er in der Einsamkeit der Natur Zuflucht und findet sie 1923 in der kleinen baden-württembergischen Stadt Löwenstein. Seit langem Vegetarier (Fleischkonsum sei "der Irrtum von Jahrhunderten")12 gibt er sich hier nun der völligen Askese hin; eine Freundin schreibt: "Er lebt ganz wie ein Lama, auf Kisten thronend, Hafer, Reis und Tomaten essend. Er wird immer magerer und sensitiver"13. Zu seinem 50. Geburtstag erhält er noch den Welttierschutzpreis, am 10. März 1933 erliegt Manfred Kyber in Löwenstein dann mit 53 Jahren jedoch längerer Krankheit.
Löwenstein wird später der Sitz des Kyber-Archivs, das die Nachlassverwaltung übernimmt. Kybers Dichtung, wenngleich hinsichtlich ihres Kontrasts zur in Bezug auf Tierdichtung üblichen Allegorie einzigartig, übt keine große Wirkung auf die dichterische Nachwelt aus, obgleich sie dazu das Potential hätte. Kyber hätte ein Wegweiser in der Tierliteratur sein können. Dichterisch wäre ein Vergessen seines Werkes außerordentlich bedauerlich (gut, dass Teile davon neuerdings wieder neu aufgelegt werden); die theoretischen Schriften über Tierschutz und Neuorientierung von Gesellschaft und Kultur sind sowohl zeitgeschichtlich als auch in ihrer Wirkung als bedeutsam zu sehen, einerseits als historisches Dokument, andererseits als wichtiger Beitrag der sozialen Bewegungen, insbesondere hinsichtlich einer reformistischen Arbeit für den Tierschutz.

© Mag. Alexander Kasztler

Alexander Kasztler, Germanist und Tierschützer, hat sein Studium der Deutschen Philologie mit der Diplomarbeit "Untersuchungen zu den Märchen von Manfred Kyber in Bezug auf deren Ethik und Religiosität als Gegenentwurf zur Natur- und Tierausbeutung christlicher Tradition" an der Universität Wien abgeschlossen.


Anmerkungen:
1 MK: Aus meinem Leben, unveröffentlichte Notizen aus dem Kyber-Archiv in Löwenstein, zit. nach: Eberhard Wolfgang Funcke: Manfred Kybers Märchen. Eine kritisch-literarische Untersuchung, Diss. Pretoria 1970
2 vgl. MK: Neues Menschentum, Betrachtungen in zwölfter Stunde. Leipzig: Hesse und Becker Verlag 1931, S. 7-8.
3 MK: Tagesnotiz aus 1911 aus dem Kyber-Archiv in Löwenstein. Zit. nach Karl-Heinz Dähn: Manfred Kyber. Ein Ort der Sehnsucht. Hamburg: Aurinia Verlag 2010.
4 Stuttgart: Union Deutsche Verlagsgesellschaft 1923
5 MK: Das Wesen des Märchens, Vortrag, gehalten in Stuttgart 1921)6 Tierschutz und Kultur. Heilbronn: Walter Seifert Verlag, S. 5-8
7 Der tödliche Fortschritt. Regensburg: Verlag Friedrich Pustet 1983
8 MK: Neues Menschentum, S. 148
9 Zürich: Verein gegen Vivisektion 1932
10 (Ebd., S. 74-75)
11 MK: Neues Menschentum, S. 18
12 MK: Tierschutz und Kultur, S. 110
13 Wladimir Andronikow: Margarethe von Wrangell. Verlag Langen und Müller 1935, S. 255.

Biografische Daten Kybers:

eburt 1880 in Livland (Lettland, damals russisch) als Sohn eines deutschbaltischen Gutsbesitzers, Gymnasium in Riga und St.Petersburg, ab 1900 in Leipzig Psychologie- und Philosophiestudium, nach dem Tod des Vaters 1902 abgebrochen, 2004 uneheliche Tocher Leonie mit einer Schriftstellerin und Komponistin Gerlach-Wintzer, 2008 Heirat mit der baltendeutschen Theosophin Elisabeth Boltho von Hohenbach, in Berlin und später Stuttgart als Redakteur, Verlagsangestellter, Schriftsteller tätig, 1922 Scheidung u. Adoption der Tochter.
Zu den bekanntesten seiner zahlreichen Werke zählen „Die drei Lichter der kleinen Veronika – Roman einer Kinderseele in dieser und jener Welt“ und seine Märchen und Tiergeschichten.

 

Seite 15:

Kirche und Tierschutz

Der Ausgewogenheit wegen eine kleine Randbemerkung: Grob skizziert stehen der im vorstehenden Text anklingenden bekannten These, Tierausbeutung sei mit Folge des christlichen Anthropozentrismus auch Meinungen entgegen, die in christlichen Werten wie Liebe, Mitleid, Barmherzigkeit Positives für die Tiere sehen. Zu diesem Streit wurden schon viele kluge Bücher geschrieben, wir wollen uns jetzt nicht damit befassen.

Wenn wir hier ein Antwortschreiben aus dem Vatikan zu einer Intervention einer engagierten Tierschützerin abdrucken, geht es uns um etwas anderes. Der Brief ist nicht ganz neu, ein anderer Papst ist im Amt und der Inhalt geht über das, was im 1993 verfassten „Katechismus der katholischen Kirche“ steht, nicht hinaus. (Übrigens wäre vielen Tieren gedient, würden die Menschen das Wohlwollen, dass sie laut Katechismus den Tieren – unbeschadet des Rechts, sich ihrer zu Ernährungszwecken zu bedienen – schulden, in der Praxis auch üben und sich dabei erinnern, „mit welchem Feingefühl einst die hl. Franz von Assisi und Philipp Neri die Tiere behandelten“ (Kat. Z. 2416).

Kyber standen die Kirchen, wie sie sich vor bald hundert Jahren gaben, vor Augen. Man kann von einer in jahrtausendalter Tradition verwurzelten Institution nicht erwarten, dass sie über ihren eigenen Schatten springt, doch hat sich seit der Zeit des Dichters in den Kirchen manches verändert, auch bezüglich der Einstellung zu Tieren. Solcher Wandel fällt uns nicht einfach in den Schoß, er ist das Ergebnis intensiver Bemühungen vieler. Ob organisiert wie im Verein AKUT, in Veranstaltungen wie jüngst im Mai dem “Kirchentag für Mensch und Tier“ in Hamburg, dem vom Institut für theologische Zoologie in Münster im November veranstalteten Kongress, oder einzeln. Auch Briefe, wie sie unsere engagierte Tierschützerin Frau Köchl sandte, sind da ein kleiner Tropfen, der zusammen mit denen vieler anderer mit der Zeit etwas bewirken kann. Darum der Appell, nicht nur von außen auf die Kirchen zu schimpfen, vielmehr von innen aktiv zu werden, und wenn es nur immer wieder ein paar Brieferln sind.

Erwin Lauppert

Der Brief: Siehe Papierausgabe

Seite 16 - 22:

Bücher

Sabine Weik
Jung, männlich, vegan
Warum junge Männer zu Veganern werden
Eine essbiografische Fallstudie
ibidem-Verlag Stuttgart 2013, 24,90 ¤(D), brosch., 126 Seiten, Format ca. 21 x 15, ISBN 978-3-8382-0460-4

Ein Mensch liebt Blumen, einem anderen sind sie gleichgültig. Liegt es an den Blumen? Wohl nicht. Einer wird vegan, 200 andere nicht. Die Fakten über die Tierausbeutung sind heute wohl allgemein bekannt. Daran kann es nicht liegen. Warum rührt Elend und Qual nur wenige, warum interessiert sich kaum wer für die Situation der Textilarbeiterinnen in Bangladesh. Einst zu NS-Zeiten wussten die meisten nichts von der Menschenvernichtung aus rassistischen Gründen und wenn sie es wussten: es war -Krieg, Sterben war alltäglich, massenweises, Städte brannten im Bombenhagel, Luftminen machten Kinder zu Hackfleisch, wer aufbegehrte, dem drohte KZ ... Heute leben wir in Wohlstand und Frieden, niemand müsste Verfolgung leiden, riefe er auf, im Textilgeschäft neben die Kasse eine Spendenbox für asiatische Nutzmenschen zu stellen. Warum bemühen sich so wenige?
Jung, weiblich, vegan seziert
Jung, männlich, vegan

Die Autorin, promovierte Ökotrophologin d.i. Haushalts- und Ernährungswissen-schaftlerin, Veganerin, jetzt bei PETA in Diensten, greift aus den Wenigen vier junge Männer heraus, um zu ergründen, weshalb wurden sie Veganer. Männer, weil die nach ihrer Quelle in der Altergruppe 20 bis 30 Jahre etwas überwiegen. Das erstaunt ein bisschen, denn nach den uns bekannten sta-tistischen Daten sind auch hier Frauen in der Überzahl – ein Blick in Veggie-Restaurants bestätigt es.
Die Verfasserin stellt zuerst das Repertoire vor, das die Wissenschaften zur Beantwor-tung der Frage „Wer isst was warum“ ge-schaffen haben, und widmet sich dann ein-gehend der Biografie ihrer vier Fälle – El-ternhaus, Milieu. Entwicklung usw. Kein Krimi, den man rasch verschlingt; eine seri-öse wissenschaftliche Arbeit, interessant für Menschen, die sich dem Themenkreis mit Gründlichkeit nähern wollen.


Klaus Petrus
Tierrechtsbewegung
– Geschichte –Theorie – Aktivismus
Unrast Verlag Münster 2013, 7,80 ¤(D), brosch., 85 Seiten 18 x 11 cm

Klaus Petrus ist am Institut für Philosophie der Universität Bern mit dem Schwerpunkt Sprachphilosophie und Human-Animal Stu-dies tätig, daneben Vorstandsmitglied des Schweizer Vereins tier-im-fokus (website tier-im-fokus.ch) und als entschiedener Ver-fechter der veganen Lebensweise bekannt.
Unter dem Wort „Tierrechte“ firmieren ver-schiedenste Gruppen, die einander nicht immer sagen wir in zärtlicher Liebe verbun-den sind. Da ist schon einmal das von man-chen als Gegensatz hochstilisierte Paar Tier-schutz : Tierrechte. Während in der juristi-schen Terminologie Schutz eher ein Mehr an Rechten für Schwache bedeutet, verstehen sie darunter in Anlehnung an die Politik alter Tierschutzvereine ein Weniger. Auch in der Tierrechtphilosophie wird kontrovers diskutiert. Einst, als es sie noch nicht gab – bekannt ist das Wort Albert Schweitzers: die europäischen Denker wachen darüber, dass ihnen in der Ethik keine Tiere herum-laufen – hoffte man, sie werde unwiderleg-bare Argumente für die Tiere liefern. Leider, jede neue These gebiert ihre Gegner.
Im vorliegende kleinen Buch bietet Petrus eine vorzügliche Information über die „Tier-rechtsbewegung“ in all ihren Facetten, Ge-schichte – Theorie – Aktivismus, umfassend (soweit auf wenigen Seiten möglich) und sachlich (hie und da mit kleinen Präferenzen).
Alles oder nichts?
Abolitionisten gegen Reformer

Eingehend befasst sich der Autor mit dem Streit zwischen Abolitionisten und Refor-mern, wobei er jenen, der Alles-oder-Nichts-Fraktion, mehr Raum gibt. Der Streit erinnert mich an die Revisionismus-Debatte in der deutschen Sozialdemokratie vor gut hundert Jahren. Formal behielten zwar die Vertreter der reinen marxistischen Lehre die Oberhand, praktisch erkämpften aber die reformistischen Gewerkschaften die Besser-stellung der Arbeiter. Auf einen Punkt geht Petrus, wie die meisten Vegan-Theoretiker nicht ein: auch vegane Lebensweise kann nicht Erfüllung, nur Annäherung an ein Ideal sein, denn auch Pflanzenproduktion kosstet praktisch unvermeidbar millionenfach Tierleben.
Außenstehende dürften die Streitigkeiten in einer „Bewegung“, die die Öffentlichkeit nur selten wahrnimmt, belächeln.
So empfiehlt auch Petrus, nicht Gegensätze zu kultivieren. Viele Menschen sind un-glücklich über die Unterdrückung der Tiere. Es gelte, deren Empörung in Aktivismus zu verwandeln.


Karl und Florian Buchgraber
Erlebnis Bauernhof – Mit Freude und Neugier Natur u. Landwirtschaft begegnen
Landwirt Agrarmedien GmbH (Leopold. Stocker Verlag) Graz 2013, 14,90 ¤, gebun-den, 60 S., reich bebildert, ca. 30 x 20 cm


Heutzutage, wo die meisten keine Beziehung mehr zur modernen Landwirtschaft haben, doch in den Köpfen häufig noch Bilder einstiger (angeblich) idyllischer Bauernhöfe schwirren, ist Sachlichkeit gefragt. Das Buch gedacht um vor allem in Kindern Verständnis für Bauern und Natur zu we-cken, ist weniger zum selbstständigen Lesen für jüngere Schulkinder geschrieben, wiss-begierige Ältere würden vielleicht mehr erfahren wollen. Die Autoren bringen viel zu Boden und Pflanzen und manch wert-volle Ezzes; doch in einem Buch zum Bau-ernhof sollte doch auch die so wichtige Viehwirtschaft näher behandelt werden. Leider, über Nutztiere steht außer ein biss-chen über Rinder und das geschönt kaum etwas drin. So kann die Arbeit ihren Zweck nur teilweise erfüllen.


Clemens G. Arvay
Friss oder stirb
Wie wir den Machthunger der Lebensmit-telkonzerne brechen und uns besser ernähren können
Ecowin Verlag Salzburg 2013, 21,90 ¤, 224 Seiten, Format 21 x 15 cm

In der Sommernummer 2012 hatten wir das Buch Der große Bio-Schmäh“ des Agrar-biologen Arvay vorgestellt, dessen Kernaus-sage lautet: Bio, wie es in den Supermärkten angeboten wird, ist zur Industrie geworden, vom Verzicht auf verschiedene Chemikalien abgesehen nicht anders als die konventio-nelle Landwirtschaft und hat mit der ur-sprünglichen Bio-Idee nichts mehr zu tun. In seinem neuen Buch vertieft er diese These und erzählt von einer Reise quer durch Europa zu verschiedenen Bio-Betrieben, „konventionell-industriellen“ aber auch kleinen, die der alten Bio-Idee treu geblieben sind. Er verficht die Abkehr von in-dustrieartiger Produktion und führt zum Beweis, dass das möglich ist, die bejahenden Aussagen ein paar kleinerer echter Bio-bauern an. Das scheint mir etwas zu wenig, eine ausführlichere Beweisführung mit Sachdaten wäre wünschenswert. Immerhin ist zu bedenken: wir verdanken salopp ge-sagt unseren Wohlstand der Tatsache, dass nicht mehr 75 % sondern nur mehr 2 % der Menschen in der Landwirtschaft arbeiten. Unbeschadet dessen, eine Sparte, in der industrieller Massenbetrieb entschieden keinen Platz hat, ist die Tierwirtschaft. Schon im ersten Buch war viel Trauriges über „Bio“-Tierhaltung zu lesen. Diesmal
Bio und Tierschutz?

berichtet der Autor u.a. wie entschieden ein großer „Bio“-Legehennen-Betrieb gegen jedes neugieriges Auge abgeschirmt wird. Dem nachdenklichen Konsumenten bleibt da nur eine Konsequenz: auch auf Bio-Eier zu verzichten.

Besagter Betrieb liegt in Deutschland. Es ist zu hoffen, dass die ös-terreichischen Betriebe, die das Kontrollsie-gel TIERSCHUTZ GEPRÜFT tragen, sich vor kundigen Augen nicht verstecken müssen.


TIERethik
Zeitschrift zur Mensch-Tier-Beziehung,
Vertrieb: Weinmanng. 86-8700 Kuessnacht ZH; Schweiz, Tel. ++41 44 380 0830; Fax +41-44-380 0832, email: subs @altex.ch; Privatabo (2 Ausgaben) 36 ¤ (Näheres siehe altex.ch und tierethik.net).


TIERethik früher ALTEXethik ist das deutschsprachige Supplement der seit Jahren in der Wissenschaftssprache Englisch geschriebenen Zeitschrift ALTEX (Adr.w.o.), die sich mehr den technisch-medizinischen Fragen des Ersatzes und er Milderung von tierversuchen widmet.
Heft 6 (1.Halbjahr 2013) von TIERethik hat wieder den Umfang eines Buches (238 Sei-ten, Format 22 x 15,5 cm). Die Edition ist jedem, der sich mehr als oberflächlich mit den vielen Problemen im Verhältnis Mensch : Tier befassen will, wärmstens zu empfeh-len.
Wir greifen aus den profunden Artikeln in der neuen Ausgabe nur zwei heraus: Peter Kunzmann, Philosophieprofessor am Ethik-institut der Universität Jena, befasst sich mit den sich wandelnden Verhältnissen zum Tier und dem Wandel im Tierschutz und geht dabei u.a. der Frage nach, ob die zu-nehmende Verrechtlichung der Mensch – Tierbeziehung immer auch Gewinn für den Tierschutz ist. Dr. jur. Dr. phil. Regina Bin-der, Leiterin der Informations- und Doku-mentationsstelle für Tierschutz und Veteri-närrecht an der Veterinärmedizinischen U-niversität Wien, nimmt unter dem Titel „Ferkel kontra Sauenschutz?“ die fragewür-digen neuen (d.h. praktisch um zwanzig Jahre vertagten) Regelungen zur Haltung der Zuchtsauen in Österreich unter die Lupe.
Interessant wie immer der Literaturbericht über einschlägige Neuerscheinungen.

Erwin Lauppert


Kochbücher

Heike Kügler-Anger
Vegane Rohköstlichkeiten aus dem Mixer
Smoothies, Suppen, Eiscreme und mehr
pala-verlag Darmstadt 2013, 14 ¤(D), 180 Seiten, hardcover, Format. 21 x 14 cm

Jetzt geht es rund – denn selbst gemischt und gemixt weiß man, was man wirklich hat. Und alle die meinen, vegane Rohkost ist nur fad und wenig abwechslungsreich, werden staunen, wie viel Abwechslung man ins Glas und auf den Teller bringen kann. Naturbelassenes Obst und Gemüse, Kräuter, Nüsse und Samen werden nicht erhitzt. So bleiben die wertvollen Inhaltsstoffe und köstlichen Aromen voll erhalten. Somit sind die Gerichte ideal für Allergiker, Choleste-rin- und Kalorienbewusste sowie für alle die sich fit und gesund halten wollen oder ein-fach einmal zwischendurch Anregungen für einen Frischekick brauchen.
Süße Smoothies wie z.B. der sahnige Erd-beersmoothie mit Cashewkernen und Man-delmus oder der erfrischende Kiwi-Minze-Smoothie. Aber auch Gemüsesmoothies wie Gurken-Kräuter-Smoothie sind an heißen Tagen einfach ein Hit, kühlen von innen und machen auch gut satt
Der King of Smoothies ist der grüne Smoothie. Er besteht aus einer ausgewoge-nen Mischung von grünem Blattgemüse und Früchten, wie z. B. der Mango-Rucola-Smoothie oder Spinat-Birnen-Smoothie. Weiters gibt es tolle Rezepte für Dips, Dres-sings und Pestos, pikante und süße Kalt-schalen, Eiscremes, Puddings und Desserts.
Für all jene, denen Zutaten wie Hanfsamen, Gojibeeren, Agavendicksaft etc. neu sind, gibt es eine „Kleine Warenkunde“, in der erklärt wird, wie bestimmte Zutaten ver-wendet werden, was dabei zu beachten ist.
In einem äußerst interessanten Kapitel zeigt uns Heike Kügler-Anger außerdem, wie einfach es ist, selbst Sprossengemüse zu ziehen. Sprossen sind wahre Kraft- und Ge-sundheitspakete und brauchen nicht viel mehr als Feuchtigkeit, Sauerstoff, Wärme und Licht. Hier erfahren wir welche Samen geeignet sind, welche Gefäße sich als Keimgeräte eignen, welche Keimdauer Sprossen und Keimlinge benötigen uvm. Kurz und gut: Ein Kochbuch für gesundes Kochen ohne zu kochen.

Irmela Erckenbrecht
Teenager auf Veggiekurs
Vegetarische Lieblingsgerichte für Jugend-liche, mit Cartoons von Renate Alf
pala-verlag Darmstadt,2013, 14 ¤(D)
200 Seiten, hardcover, pala-verlag.de


Gerade bei jungen Menschen ist heute ve-getarische Ernährung ein großes Thema. Eltern sind oft ratlos, wenn ihre Sprösslinge sich entscheiden, kein Fleisch mehr zu es-sen. Was soll da auf den Tisch kommen? Bei vielen machen sich auch Bedenken breit, ob der Nachwuchs bei vegetarischer Ernährung mit allen notwendigen Nährstoffen ausreichend versorgt ist.
Dieses Buch kann mit allen Vorurteilen aufräumen und bietet neben 160 ovo-lacto-vegetarischen Rezepten, die sicher der gan-zen Familie schmecken, Informationen über die einzelnen Nährstoffe und was es aus ernährungswissenschaftlicher Sicht im Tee-nageralter zu berücksichtigen gilt.
Der Rezeptteil besteht nicht nur aus altge-wohnten Lieblingsgerichten junger Men-schen wie Nudeln, Pizza und Burger. Viel-mehr hält er auch Traditionelles aus Omas Küche wie Linsensuppe, Krautrouladen, Kartoffelpuffer uvm. bereit. Auch Wraps, Pita-Taschen, Salate, exotische und einfache Snackgerichte, süße Versuchungen wie Brownies und Zimtschnecken sowie Smoothies und andere Schlürfgetränke lassen sich leicht zubereiten. So wird das Sammeln neuer Kocherfahrungen für Eltern und Teens ein Spaß.
Bei Teenagern wächst mit diesem Kochbuch vielleicht sie Lust zum selber kochen und die fleischlose Ernährung ist nicht nur eine Phase, sondern wird zum Lebensstil. Warum auch nicht? Es schmeckt und ist gesund!


Martin Kintrup
Vegetarisch für Faule
GU Themenkochbuch, 2012
144 Seiten mit ca. 70 Farbfotos, 15,50 ¤(D)
ISBN: 978-3-8338-2627-6

Mit dem neuesten Werk von Martin Kintrup hat man zunächst einmal einen Augenschmaus in Händen. Das ansprechend in Farbe illustrierte Kochbuch lädt mit rund 100 Rezepten zu einem kunterbunten kulinarischen Streifzug ein.
Martin Kintrup hat uns schon mit zahlrei-chen Kochbüchern seine Vorliebe für die ovo-lacto-vegetarische Küche bewiesen und möchte mit seinem neuesten Werk „Vegeta-risch für Faule“ zeigen, dass man nicht un-bedingt einen großen Arbeits- und Zeitauf-wand haben muss, um ein fleischloses Essen auf den Tisch zu bringen. Allerdings darf man sich nicht daran stoßen, dass bei seinen Rezeptvorschlägen auch Conveniencepro-dukte wie frische Nudeln und Gnocchi aus dem Kühlregal, Hülsenfrüchte aus der Dose und Instant-Polenta in den Einkaufskorb dürfen. Beim Gemüse wählt er einfach je-nes, das minimalen Schälaufwand und schnelle Garzeiten hat.
Von deftiger Hausmannskost über italieni-sche und asiatische Gaumenfreuden bis hin zu sommerlichen Grillvergnügen spannt sich der Bogen. Jeweils vier extra schnelle Variationen beliebter Klassiker wie Pasta, Salate, Cremesuppen, Grillsaucen, süße Kaltschalen etc. gibt es zusätzlich auf über-sichtlichen Doppelseiten zu den jeweiligen Rezeptkapiteln. Selbstverständlich darf auch der süße Abschluss nicht fehlen. Da reicht die Palette vom eiskalten, heißen bis hin zum cremigen Glücklichmacher.
Kostproben gefällig? Kokossuppe mit Süß-kartoffeln, Couscoussalat, Sauerkraut-Auflauf mit Räuchertofu, Käsespätzle mit Spinat, Sellerie-Erbsen-Püree, Gnocchi mit Rucolabutter, Kartoffel-Kichererbsen-Curry, Topfenschmarr, Mandel-Marzipan-Brownies.....
Ein bisschen Tricksen, um sich übermäßiges Schälen, Raspeln und Schnibbeln zu erspa-ren ist zeitweise sicher erlaubt. Bei Fertig-produkten die tierische Zutaten wie Eier und Milchprodukte enthalten ist allerdings zu bedenken, dass diese, wenn sie nicht in Bio-qualität sind oder ausdrücklich mit z. B. „Eier aus Freilandhaltung“ gekennzeichnet sind, in der Regel mit billigsten Zutaten aus der wenig tierfreundlichen, konventionellen Nutztierhaltung kommen.


Sebastian Copien & Hansi Heckmair
Grün in allen Farben – Das Saisonale Kochbuchvegetarisch & vegan, Vorwort von Dr. Rüdiger Dahlke, 160 S. Hardcover, 25 ¤(D), ISBN 978-3-00-040347-7,
Bestellung auch sebastian.copien.de
Sebastian Copien ist ein leidenschaftlicher Koch. Er sieht in seinem Handwerk eines der genussvollsten und sinnlichsten Dinge der Welt. Er ist Kochkursleiter, Foodstylist und Ernährungstrainer. Sein Freund Hansi Heckmair zeichnet für die wunderschönen, inspirierenden Fotos in seinem neuesten Werk verantwortlich, die einem schon beim Durchblättern das Wasser im Munde zu-sammenlaufen lassen. Rüdiger Dahlke, Arzt, Psychotherapeut und Besteller-Autor würdigt in einem Vorwort die ansprechen-den und dabei zugleich einfachen Gerichte, die zur Jahreszeit und in unsere Gegend passen. Als Verfechter der veganen Ernäh-rung schrieb er das Vorwort für dieses ve-getarische Kochbuch, weil er die sanfte Art des Autors schätzt, seine Kochschüler da abzuholen, wo sie sich gegenwärtig befinden, und sie geschmackvoll zu verführen, weiterzugehen und ihre Schritte in ihrer Zeit zu machen.
Copien liebt es, mit natürlichen Lebensmit-teln vegetarische und vegane Rezepte zu kreieren, die noch dazu möglichst regional und saisonal sein sollen. Deshalb beginnt sein Werk auch mit einem Saisonkalender für Obst, Gemüse und Pilze. Die Rezepte sind außerdem nach den Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter eingeteilt. Copiens Ziel besteht auch darin, die Grund-elemente einer einfachen und geschmacklich überzeugenden Küche auf leichte Weise zu vermitteln. Er lädt außerdem jeden ein, die Machenschaften der Lebensmittelindustrie zu hinterfragen und prangert das Tierleid in der „Tierproduktion“ an, das ihn selbst irgendwann veranlasste, eigene Ernäh-rungsgewohnheiten zu überdenken und zu verändern.
Einleitend gibt es auch noch grundlegend Wichtiges zur fleischlosen Küche wie das Handhaben von Gewürzen und Röstaromen. Welche Basislebensmittel immer vorrätig sein sollen, sowie eine Anleitung zur Handhabung des Kochbuchkonzeptes. Aus-führungen, was regional und saisonal wirk-lich bedeuten und welche Bio-Labels unser Vertrauen verdienen ergänzen das Einfüh-rungskapitel.
Und was bieten die verschiedenen Jahres-zeiten nun so an Rezeptideen? Der Frühling bringt uns Bärlauchsuppe mit Kräuter-krostinis, Fetakäse und Mandel-Pfefferschaum, Räuchertofucarpaccio mit Gemüsepasta und Erdbeerchutney sowie Erdbeersahneeis mit Zitronen-Minzplätzchen. Der Sommer verwöhnt uns mit Tomatensuppe mit Beerenpfeffer, knusprige Farinata mit Sommergemüse und gebrannte Zuckeraprikosen mit Vanille-Olivenöl. Der Herbst wartet mit Pastinaken-Sellerie Salat mit karamellisiertem Kürbis und Pflaumenvinaigrette, roten Käsnocken mit Salbeibutter und Omas saftigen Zwet-schenpfannkuchen auf. Der Winter wird mit Orangen-Kokos-Schwarzwurzelsuppe, pa-nierten Kräuterflädle mit Preiselbeeren und Kohlgemüse sowie Ingwer-Apfelgratin mit Nusskaramell und Zimt-Kokossahne be-grüßt.
Die Rezepte werden leicht verständlich und ausführlich Schritt für Schritt erklärt. Zu vielen vegetarischen Rezepten gibt es au-ßerdem unter „Vegan-Tipp“ noch Ratsch-läge, wie das Rezept zu veganisieren ist sowie praktische Tipps zum Verfeinern, Aufbewahren etc. der Speisen.
Viel Spaß beim Entdecken der Rezepte, Ideen und Kreationen

wünscht Ihnen
Michaela Schaller

 

Büchereingang;
Melanie Joy, Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen
Karnismus - Eine Einführung
Compassion Media Münster 2013 20 ¤(D), 228 Seiten brosch. F. 20 x 14 cm
Kochücher:
Tim Mälzer Greenbox
Mosaik Verlag 2012, 20 ¤(D), 272 Seiten geb., reich bebildert, Format ca. 28 x 22 cm


20 Jahre Great Ape Project

Aktion Menschenrechte für die großen Menschenaffen

Dem Fürsten Metternich (1773 – 1859), zeitweise faktischer Herrscher in der Habs-burger Monarchie, wird der Ausspruch nachgesagt: Der Mensch beginnt erst beim Baron. Nach der französischen Revolution entspann sich eine Debatte, ob den Schwar-zen in den Kolonien auch Menschenrechte zuzugestehen seien, als der junge Darwin des ersten Feuerländers ansichtig wurde, hatte er Mühe, ihn den Menschen zuzurech-nen. Man sieht Grenzen variieren.
Vor zwanzig Jahren inintiierten die Philoso-phen Paola Cavalieri, Italien, und Peter Singer, Australien/USA, dem gleichnamigen Buch das Great Ape Project (GAP). unterstützt von rund dreißig renommierten Wissenschaftlern. In Deuschland erhielt die Aktion den zwar griffigen aber doch zu Wi-derspruch reizenden Namen „Menschen-rechte für die großen Menschenaffen“. Verlangt wurden natürlich nicht die allge-meinen Menschenrechte. Eingefordert wurde für die den Menschen genmäßig nahe-stehendeste Gruppe, Orang-Utans, Gorillas, Bonobos und Schimpansen der elementarste Schutz: das Recht auf Leben und Freiheit und ein Verbot der Folter.
Die Forderung stieß nicht nur bei in ihren Interessen Betroffenen, in manch medizi-nisch/wissenschaftlichen Kreisen und Teilen der Vergnügungsindustrie auf Widerstand, auch etliche radikale Tierrechtler sahen hier eine speziesistische Privilegierung einer Gruppe. Eine unter Abolitionisten häufige Verkennung der in unserer Gesellschaft gegebenen Durchsetzungsmöglichkeiten: Besser es geht allen gleich schlecht als ei-nigen besser.
Tatsächlich konnte sich das Projekt in kei-nem Land als Ganzes durchsetzen, ein Ver-such im spanischen Parlament vor etlichen Jahren scheiterte. GAP versandete weitge-hend. In Deutschland wurde es im Juni 2011 durch die Verleihung des Ethik-Preises der Giordano Bruno-Stiftung an Cavaleri und Singer ein bisschen aufgeweckt.
Teilerfolge sind allerdings zu verzeichnen. Nachdem vorerst Neuseeland und dann weitere Staaten, darunter auch Österreich Versuche an Menschenaffen verboten hat-ten, folgte 2010 die EU mit einer entspre-chenden Richtlinie. Allerdings gab es damals in Europa keine Großaffenversuche mehr, die Forschung konzentriert sich vor allem auf die USA. Dort gibt es (laut wikipedia) wenigstens ein Tötungsverbot für Versuchsschimpansen und neuerdings einen Vorstoß, Versuche an Schimpansen über den Umweg, diese zur bedrohte Tierart zu erklären, einzuschränken.
Die Probleme, die es in Österreich mit den HIV-infizierten Tieren der Fa. Baxter früher Immuno gab, der Bau des Affenhaus im Safaripark Gänserndorf, dessen Konkurs und schließlich die Übernahme durch die Aufhauser-Stiftung sind vielen noch in Er-innerung. Auch der vergebliche Versuch vor ca. sechs Jahren, für den Schimpansen Hiasl und seine Gefährtin im Wiener Tier-schutzhaus gerichtlich Personenstatus zu erreichen, um sie wegen der damaligen fi-nanziellen Schwierigkeiten des Wiener Tierschutzvereins zu schützen, werden manchen noch im Gedächtnis sein.
Von Interesse ist auch der Schutz vor Miss-brauch in der Vergnügungsindustrie. Arten-schutz- und Tierschutznormen bewirken verschiedentlich Einschränkungen und Ver-bote, so dürfen sie wie andere Wildtiere bei uns in Zirkussen etc. nicht gehalten werden und sind als Heimtiere verboten.
GAP Spanien und animal equality beschul-digten jüngst nach eingehenden Recherchen durch letztere einen viel besuchten Privat-zoo nahe Stuttgart, seine 44 Schimpansen schlecht zu halten und für Publikumsattrak-tionen zu missbrauchen (siehe Schwaben-ParkRecherche.com).


Brutal und verschwenderisch

sind manchmal Verbrecher. Doch um die geht es hier nicht. Es geht ums Geld, nicht um das, was uns Kriminelle wegnehmen nein, um das, was wir der Obrigkeit geben (müssen), dass sie es sparsam und sorgfältig prüfend ausgebe, auf unser aller Wohl bedacht. Und es geht um unsere Kinder.
Das jüngste Urteil in Tierschützersachen hat wieder Erinnerungen wachgerufen an Cobra-Bräuche. Die Gestapo kam einst – wir hatten erzählt – als sie die Mutter des bekannten Journalisten Peter Michael Lin-gens verhaftete, mit zwei Beamten aus, und die waren zum kleinen Peter ganz lieb. Unter unseren demokratischen Ministern braucht es an die zehn Beamte, um einen Unschuldigen, der auch auf eine Ladugskarte gekommen wäre, – angeklagt wurde später ein ganz anderer – zu verhaften: zertrümmerte Tür, toter Hund, Prellungen und Hautabschürfungen, die den Staats-anwalt nicht interessieren. Zahlen müssen den Aufwand wir alle, nicht der Minister.
Kindermisshandlung, körperlich oder see-lisch: Heute ist man empört über die oben, die vor vierzig Jahren zugeschaut haben. Wird man in vierzig Jahren wieder empört sein , über die oben, die heute zuschauen?
Wie wirkt das eigentlich auf die Psyche eines kleinen Kindes? Riesenkrach, plötzlich stehen zehn maskierte Schwerbewaffnete im Zimmer, stellen den Vater an die Wand, Pistole im Nacken. Ein Schock. Trägt das Kind bleibende Schäden davon?

Jetzt wird viel vom Wilheminenberg gesprochen, von den Kindermisshandlungen im Heim vor vierzig Jahren. Man ist empört; vor allem, weil die oben damals zugeschaut haben, und zahlt an die Opfer.. Wird man in vierzig Jahren wieder empört sein über Minister, die heute zuschauen, wenn Kinder geschockt werden, und zahlen?

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Impressum
anima – Zeitschrift für Tierrechte, erscheint vierteljährlich, Medieninhaber und Verwaltung: Österreichische. Vegetarier Union (ÖVU), Her-ausgeber und Redaktion: Arbeitskreis Tierrechte der ÖVU (Leitung Erwin Lauppert, auch für nicht gefertigte Texte verantwortlich), alle Rossegg 41, 8045 Graz-Oberandritz, Tel. 0316-463717 und 0720 –349 056 email: anima @vegetarier.at
website: vegetarier.at und vegetarisch.org
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Im Lendenschurz für Bangladesch?


Die Arbeitsbedingungen der Textilarbeiterinnen dort sind zurückhaltend formuliert suboptimal. Auch die Todesrate könnte, wie sich erst unlängst wieder gezeigt hat, niedriger sein. Zum Ausgleich sind in Europa die Preise für Textilien a optimal – billig.

Nun kann man sagen, die in Asien werden schon aufholen im Lauf der Zeit, vor hundert Jahren waren die Arbeitsbedingungen auch bei uns miserabel. In Moskau zB musste das Gaststättenpersonal vor dem ersten Weltkrieg 16 Stunden täglich arbeiten, sechs Tage in der Woche. Die damals dort (dank Tolstoi) zahlreichen vegetarischen Speisehäuser waren sozialer, der Arbeitstag dauerte nur 13 Stunden. 78 statt 96 Stunden immer noch etwas lang, und die Arbeitgeber in Bangladesh sind keine Vegetarier. Unwillkürlich kommt der Gedanke die halten ihre Arbeiterinnen wie Tiere, Nutztiere. Aus Protest gegen miese Nutztierhaltung werden manche Tierfreunde Vegetarier. und tragen auch keine Lederschuhe – sie müssen immer denken: das war einmal eine Kuh, und an Chili, das man in die Augen streut, damit die die letzten hundert Meilen zum Schlachthof schaffen. Analog könnten Menschenfreunde aus Protest gegen miese Nutzmenschenhaltung auf Bekleidung verzichten und nackt oder der Moral halber im Lendenschutz herumlaufen.

ut, unsers Klima spricht nicht unbedingt für FKK. Anderseits die Feuerländer – Sauwetter dort, ständig – haben auch nicht mehr an gehabt – krank sind sie geworden, als sie die Missionare in Kleider zwangen und richtig ausgestorben sind sie erst, als die weißen Schafzüchter für jeden Eingeborenenkopf eine Prämie zahlten. Lassen wir das – wir schreiben 2013, nicht 1900, wir sind human geworden, heute handelt man nicht mehr mit Köpfen aus Entwicklungsländern, höchstens mit Nieren. Nun, wenn schon nicht nackt, dann aus Protest wenigstens bloßfüßig. Unsere asiatischen Schuhfabriken sind nicht besser als die für Kleider. Vor hundertfünfzig Jahren ging bei uns die halbe Bevölkerung barfuss. Auch zu strapaziös? Ja was dann? Junge Tierschützer protestierten vor Geschäften, da könnte ja die Gewerkschaftsjugend – halt, still, wer Protestdemonstrationen ankündigt, kommt ins Gefängnis, hat das Oberlandesgericht entschieden.

Was tun? Vielleicht wieder eine Anleihe bei den Tierschützern. Denen war die Käfigbatterie ein Gräuel, drum haben sie (die Landwirtschaftskammer wollte nicht) das Freilandei in die Geschäfte gebracht, mit einem Siegel für gute Freilandhaltung – ist wichtig, weil unsere EU-Oberen sind so weitblickend, dass sie Wiese erspähen, wo unsereins nur Stall sieht. Also wenn Sie unbedingt Eier kaufen wollen, immer auf das Siegel TIERSCHUTZ GEPRÜFT achten. Für Milch aus besserer Haltung – muss eine Kuh in Ketten stehen, darf sie nicht weiden, ihr Kalb nicht sehen? – würden manche gern auch mehr zahlen – leider ist da die Bauernkammer wieder nicht interessiert.


Also warum nicht Schuhe und Kleider aus besserer Menschenhaltung auf den Markt bringen, mit einem Siegel:

MENSCHENSCHUTZ GEPRÜFT?

 

 

 

 

 

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