Inhalt Nr.3/2012

 

Sankt Hubertus 3

Jagen, Sex und Tiere essen 5
Zum gleichnamigen Buch von Florian Asche

Sankt Franziskus und die Wölfe 7
Gedanken zur Wolfseinbürgerung 7

Graz: Vegetarische Küche im Aufwind 8
Das Caférestaurant Postgarage am Rösselmühlpark
und andere Speisestätten in Graz und Klagenfurt

Vegetarische Informationen 11

Vitamin B12-Zahnpasta .Bezugsquellen 12
Süßlupinen– Verstecktes in Lebensmitteln

Beschneiden, Abschneiden, Durchschneiden 13

Nachruf: Regine Dapra 14

Bücher 16
Barbara Rütting, Was mir immer wieder auf die Beine hilft
Zeitschrift TIERethik (ALTEX)
Hal Herzog, Wir streicheln und wir essen sie
Richard Rickelmann. Tödliche Ernte
Florian Asche: Jagen,Sex und Tiere essen
Zum Essen:
Ute-Marion Wilkesmann, Immer öfter vegetarisch
Daniela Friedl. Schnelle vegane Küche
Heike Kügler.Anger, "Vive la Provence"

Splitter 20
Angora statt Pelz?
Eigelb und Arteriosklerose
Gemüse tonnenweie vernichtet
Futter für Österreihs Schweine
Frankreich: Verbot vonGen-Nahrung?
Natalie Portman, Veganes Hochzeitmahl

Zum Tierversuchsgesetz 22

Haut ist Haut ?
Impressum 23

Ein Krimi - kein Krimi? 24
Tierschutzminister Stöger und das Schächten – still undleise wieder ohneBetäubung?

 

Liebe Leserinnen und Leser
Der Herbst ist gekommen, die Zeit, in der die Jäger ausschwärmen, zu Treibjagden und anderem. Die Zeit der Hubertusmessen. Wir haben darum ein bisschen über den Heiligen nachgelesen, der der Jagd entsagt hat und dennoch den Jägern als Feigenblatt herhalten muss. Dazu auch passende Bilder auf der Titelseite. Es gibt viele grauslichere vom Jagdgeschehen aus neuer Zeit, doch wir dachten ein milderes aus alten Zeiten genügt zur Darstellung des Gegensatzes.


Ü brigens, wie sich die Gerichtssachen im Gefolge der Auseinandersetzung zwischen Jägern, Polizei und Tierschützern im ver-gangenen Dezember bei Graz – wir be-richteten – entwickelt haben, blieb uns noch verborgen. Bei der Gelegenheit nochmals; wir halten nichts von Jagdstörungen. Sie belasten das Klima und verhindern damit sachliche Gespräche, um Besserungen zu erreichen.
Da gerade ein Jäger ein erfrischend ehrliches Buch auf den Markt gebracht hat, das Einblick in die Mentalität seiner Zunft gibt, sprechen wir auch darüber.
Auch wenn Hubertus in dieser Nummer im Vordergrund steht, ganz wollten wir doch auf den Heiligen Franziskus, der für den Welttierschutztag am 4.Oktober Pate stand, nicht vergessen und gedenken seiner mit einer kleinen Legende.
Wie sicher bekannt, hat sich der Wiener Neustädter Staatsanwalt entschlossen, nicht vollends klein beizugeben, und ist gegen fünf der Angeklagten wegen einzelner Delikte in Berufung gegangen.

Interessant die Frage: Können genehmigte Versammlungen Nötigung sein?


Besonders bedeutsam sind in diesem Herbst zwei Gesetzesvorlagen, die schon oder demnächst in Parlament zur Debatte stehen. Beide betreffen EU-Normen. Die eine ist das Tierversuchsgesetz (siehe Seite 22). Hier könnten insbes. noch Kontrolldefizite ausgebaut werden. Die andere betrifft das Schächten. Hier hat der Gesundheitsminis-ter, zugleich Tierschutzminister höchst ei-genartig agiert, sodass der Eindruck entsteht, er habe das Schächten freigeben wollen, sei aber aufgrund der heftigen Tier-schutzproteste zurückgeschreckt (siehe Sei-ten 24 und 13). In beiden Fällen gilt, je mehr Menschen gegenüber Regierungsmitgliedern, Parlamentariern gegen tierfeindliche Vorhaben protestieren, umso eher haben wir zugunsten der Tiere Erfolg.

Ihre anima-Redaktion


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Titelseite ©
Wilhelm Carl Räuber (1849 - 1926), Vision des hl. Hubertus
Kopie nach Friedrich Gauermann, Die beendete Jagd bei der Herrenrainalpe am Watzmann (1840)

Seite 3:

Sankt Hubertus

Es ist eigentlich etwas antiquiert, heutzutage noch über Heilige zu sprechen. Die dem Christentum teuren Gestalten sind nicht mehr „in“ . Die Madonna, Mutter Gottes. all die Heiligen, einst Wegweiser im Jahreslauf, sind den meisten fremd geworden, unbekannt. Es sind andere Madonnen, andere Idole, denen die Menschen, viele wenigstens, huldigen, die sie anhimmeln, vergöttern und anbeten, denen sie reiche Opfergaben darbringen in vollen Arenen – der gute alte Klingelbeuten kann sich da nur verstecken.


Es ist eigentlich nur ein Heiliger, der da aus den Rahmen fällt: ihm zu Ehren finden selbst manche Menschen, die sonst das Gotteshaus meiden, wenigstes an einem Tag im Jahr in die Kirche: – sehr zum Missfallen vieler Tierschützer übrigens. Es ist der heilige Hubertus, der zum Schutzheiligen der Jäger ernannte.
In einem Monat kommen landauf, landab in vielen Kirchen Jäger zusammen, um an seinem Gedenktag, dem 3.November die Hubertusmesse zu feiern. Wie kommt es, dass gerade ihm, der der Jagd entsagte, diese Ehre zuteil wurde? Die Frage ist auch für Tierrechtler interessant.


Versuchen wir, der Sache auf den Grund zu gehen. Die Legende vom hl. Hubertus ist bekannt, doch wussten Sie, dass das Motiv ursprünglich aus Indien bzw.Sri Lanka stammt? Buddhistische Tradition erzählt, im 3.Jahrhundert v. Chr. sei ein König auf der Jagd auf einen Hirsch gestoßen. Der trug ein silbernes Geweih, zwischen den Stangen züngelten goldenen Flämmchen, Edelsteinen gleich. Nach wilder Jagd vom König gestellt, sprach der Hirsch: „Lass ab vom Bösen, oh König! Versenke dich und bekenne dich zu Buddha!“


Die Legende wanderte westwärts und machte am hl. Eustachius (im 5.Jahrhundert heilig gesprochen) fest. Der – geschichtlich nicht belegt– soll um das Jahr 100 n.Chr. Heermeister einer römischen Legion gewesen sein. Auf einer Jagd erschien ihm ein Hirsch, der zwischen seinem Geweih den Gekreuzigten Christus in großem Strahlenglanz trug. Er stürzte vom Pferd und hörte eine Stimme, die sprach: Warum verfolgst du mich? Ich bin Christus, der den Himmel und die Erde erschaffen hat, ich ließ das Licht aufgehen und teilte die Finsternis.“ Als sich die Erscheinung wiederholte, bekehrte er sich zu Christus. Die weiteren Geschehnisse, Heimsuchungen, Leiden, Martyrium lassen wir beiseite. Ein erster Bericht findet sich im Griechischen im 8 Jahrhundert, ab dem 10.Jahrhunder fand die Legende im Westen weite Verbreitung.


Ü ber das Leben des Hubertus gibt es verschiedene Versionen, Nach einer lebte er um die Wende vom 7. zum 8.Jahrhundert. Aus hochadeligem Geschlecht in Königsdiensten, habe er sich nach dem Tode seiner Frau sieben Jahre lang als Einsiedler in die Ardennen zurückgezogen, wo er von der Jagd lebte. Im Glauben zu Christus gefestigt – wir überspringen Einzelheiten – wurde er letztlich Bischof von Lüttich. Seine Gebeine wurden rund hundert Jahre nach seinem Tod in das später Saint Hubert genannte Kloster in den Ardennen (heute Belgien) überführt; seit der französischen Revolution sind sie verschollen. Saint Hubert war im späteren Mittelalter ein bedeutender Wallfahrtsort.

Nach anderer Version war Hubertus niemals ein Jäger, denn er kam schon als fünfjähriger Knabe in die Obhut des Bischofs Lambert. Er musste daher auch nicht zum christlichen Glauben bekehrt werden. Über die Herkunft des Heiligen Hubertus ist nicht mehr bekannt. „Hubertus war ein einfühlsamer Missionar, der zu seinen Lebzeiten die noch heidnischen Einwohner der Ardennen bekehrte. Insbesondere versuchte er den bei den hier lebenden Jägern noch gebräuchlichen Dianen-Kult durch christliche Bräuche zu ersetzen. War es früher üblich, die erste Jagdbeute jährlich der Göttin Diana zu opfern, liess der heilige Mann nun den Erstling dem heiligen Petrus weihen. Kein Wunder, dass die bekehrten Jäger nach dem Tod des heiligen Hubertus nunmehr diesem ihre erste Jagdbeute opferten und ihn als Schutzpatron der Jagd verehrten.“1

Die Hirschlegende wurde erst im 15.Jahrhun-dert auf den hl. Hubertus übertragen. Er wurde zuvor als Bischof und Erbauer von Kirchen und Klostergründer meist mit einer kleinen Kirche in der Hand dargestellt.
Der ursprünglich auf die Region Lüttich beschränkte Hubertusvrehrung verbreitete sich zuerst vorwiegende im französischen Sprachgebiet und den angrenzenden Teilen Deutsch-lands. Hier hatte der Herzog von Jülich-Berg (nahe Köln) einen ritterlichern Hubertusorden (militärischen, nicht jagdlichen Charakters) begründet, der über die Rheinpfalz nach 1800 durch Erbfolge ins Königreich Bayern gelangte. Verbreitung in breiten Jägerkreisen im übrigen deutschen Sprachgebiet fand Hubertus erst gegen Ende des 19.Jahrhunderts. Auch der Nationalsozialismus nahm sich seiner an und „reduzierte den christlichen Heiligen auf das Klischee des waidgerechten Jägers’“. Eine Auffassung , die auch heute noch nicht erloschen ist.
Soweit der Versuch, die Entwicklungsgeschichte des Hubertuskults zu skizzieren. Allerdings kann solche Betrachtungsweise den Sinn einer Legende nicht erfassen; in ihr liegt eine eigene Wahrheit abseits historischer Gegebenheiten. Die Legende, wie sie allgemein überliefert ist, lautet:
" Als einst Hubert an einem Karfreitag mit seinem lauten Tross zur Jagd zog, warnte ihn seine Gattin und flehte ihn dringend an, den Todestag des Herrn nicht zu entweihen. (Nach anderer Quelle spielte die Geschichte am Weihnachtstag). Er schien von der liebevollen Warnung seiner frommen Gattin gerührt, dennoch siegte die Jagdlust. Mit seinem zahlreichen Gefolge sprengte er durch die Wälder und verfolgte einen prächtigen Hirschen. Als er ihm nahe kam und schon den Bolzen nach dem Tiere abdrücken wollte, bleibt es plötzlich stehen, wendet sich nach dem Jäger, und mitten in seinem Geweih erscheint ein strahlendes Kreuz. Eine klagende Stimme ertönt: 'Hubertus, ich erlöste dich und dennoch verfolgst du mich!'

Hubert erbebte, warf sein Geschoß von sich und flehte innig zu Gott um Erbarmen. Darauf baute er sich eine Hütte aus Baumzweigen und Schilf und führte, von der Welt geschieden, in stiller Waldeinsamkeit ein bußfertiges, abgetötetes Leben."

Die Wochenzeitung für die evangel. Lutherische Landeskirche Sachsens brachte vor etlichen Jahren ein Interview mit einem evangelischen Pfarrer:

Warum feiern evangelische Gemeinden eine Messe für den Hlg. Hubertus
Der Heilige ist nur ein Feigenblatt. Oft jedoch wird die Hubertuslegende in der Messe ohne Pointe gelesen – wie absichtsvoll. Der Heilige hat jedoch, nachdem Christus ihm als weißer Hirsch erschien, der Jagd und dem Töten völlig abgeschworen. Wenn es so wäre, dass nach der Hubertusmesse einige der versammelten Jäger ihrer blutigen Passion entsagten, hätte die Messe auch diesen Namen verdient.
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1Die Skizze folgt neben anderen Quellen den ausführlichen Darlegungen auf den websites des „Internationalen Hubertusordens“

 

Jagen, Sex und Tiere essen
Zum gleichnamigen Buch von Florian Asche (siehe auch die Bücherrubrik Seite 18)

Noch ein kleiner Nachtrag aus dem Interview am Schluss der vorigen Seite: Was ist Großes dabei, auf Tiere zu schießen, die völlig wehrlos sind? Hier brechen tief liegende männliche Leidenschaften aus Urzeiten durch. Ein Gottesdienst dazu erscheint mir blasphemisch. Soweit Pfarrer Seidel aus Leipzig. Er ist allerdings als Vorsitzender der Aktion Kirche und Tiere eher atypisch für die beiden großen christlichen Religionsgemeinschaften.


Im Hinweis auf die Urzeiten trifft er sich allerdings mit dem Autor von Jagen Sex und Tiere essen. Florian Asche, Rechtsanwalt und Jäger aus Hamburg, hat ein erfrischend ehrliches Buch geschrieben. All die offiziellen Begründungen und Rechtfertigungen für die Jagdausübung, als da sind, Ersatz des Großraubwildes, Wildschadenvermeidung, Biotop-Pflege, Naturschutz, Seuchenvorbeugung ... wirft er in den Papierkorb.
Er bekennt sich zum Archaischen. Der Jagdtrieb sei wie der Sex in unserem Reptiliengehirn und im Limbischen System verankert, sie zu unterdrücken schade der seelischen Gesundheit. Ein Großteil seines Werks ist dem Bemühen gewidmet, nachzuweisen, dass Sex und Jagd Geschwister sind, urtümliche Triebe.

Sex haben wir, weil er uns Lust und Genuss bereitet.
Auf die Jagd gehen wir, weil sie uns Genuss und Lust bereitet.Er führt dazu keine streng wissenschaftlichen Untersuchungen, er veranschaulicht seine Thesen durch Anekdoten.

Die Thesen sind, wenn auch in offiziellen Jägerkreisen eher tabuisiert, nicht neu. So schreibt Gerhard Staguhn in Tierliebe - eine einseitige Beziehung: „Es geht bei der Jagd um persönlichen Lustgewinn. Findet außerhalb der Jägerei ein Mensch einen besonderen Lustgewinn daran, ein Tier zu töten, so wird er von Psychologen als seelisch schwer gestört eingestuft. Die Psychoanalyse meint sogar eine Beziehung herstellen zu können zwischen Jagdlust und sexueller Lust“. So erzählte der Schweizer Psychoanalytiker und Schriftsteller Paul Parin, begeisterter Jäger, er habe bereits als 13-Jähriger bei seinem ersten tödlichen Schuss auf ein Haselhuhn einen Orgasmus gehabt: „Seither gehören für mich Jagd und Sex zusammen!“ Nebenbei, auch in Kriegsverbrecherprozessen und nicht nur dort wurde berichtet, dass Erschießungen die Täter aufgeilten.


Parallelen zwischen Jagd und Sex mögen also bestehen. Die Frage ist nur, lässt sich damit die Jagd rechtfertigen? Sex betreiben (fast) alle, die Jagd nur sehr wenige. Das deutet doch daraufhin, dass viele Möglichkeiten bestehen, den Jagdtrieb, so es ihn gibt, ohne psychische Beschwer auf Friedlicheres umzuleiten.

Der Autor schwärmt. Die Jagd: Abkehr von den Zwängen der Zivilisation, zurück zur Natur, wieder Erde an den Händen ... Nichts Neues, das gab es schon vor gut hundert Jahren: die Lebensreform, die Jugendbewegung – die kamen ganz ohne Jagd aus. „Es ist einfach ein unendlich beglückendes Gefühl, jenseits ausgetretener Pfade ... ein Reh anzuschleichen ...“.

Mag sein, aber muss ich es deshalb umbringen? Genügt als Beute nicht ein Foto? Nein dem Reptiliengehirn im Jäger ist das zu wenig; das Reptil kennt die Fotografie noch nicht, allerdings ist ihm auch die Beute nicht Selbstzweck, es geht ihm ums Fressen. Ich will nicht hämisch sein, doch viele Jäger haben sich aus den Windungen des Reptilienhirns herausgerungen zu zivilisatorischen Höhen und sehen das Foto positiv, wenn es sie in Siegerpose über der Beute zeigt. (Mein persönliches Problem betr. das Anschleichen ist übrigens nicht das ans Reh, es ist das des Rehs an die Hausmauer zu den Rosen).


Zurück zum Ernst. Das Wild habe ein freies artgerechtes Leben. Der Tod sei für das Tier keine Belastung, es lebe im Heute, wisse nichts vom Sterben. Das Ende durch den Jäger komme rasch und fast schmerzlos. Anders die Nutztierhaltung.

Asche verweist auf die negativen ökologischen Folgen der maßlosen Viehzucht und beschreibt ausführlich die Grausamkeiten der Nutztierhaltung, sowohl was das Leben der Tiere als auch die Endphase vom Stall bis zur Schlachtbank betrifft, und stellt dem die Jagd entgegen. Hier gebe es keine Tierquälerei in der Haltung und der Tod komme ohne Schmerzen mit einem Schuss. Die Schlussfolgerung:
Deshalb ist nicht die Jagd das Tierschutzproblem unserer Tage,
sondern das milliardenfache Halten und Essen von Haustieren.

Diese These wird zwar vielen Tierfreunden, insbesondere wenn sie Fleisch essen, nicht gefallen, doch lässt sie sich – mit einigen wichtigen Einschränkungen – kaum widerlegen und wird auch von nicht wenigen Tierschützern, den Rezensenten eingeschlossen, geteilt. So schrieb Christiane Haupt (Tierärztin und Trägerin des hessischen Tierschutzpreises 2002) in ihrem erschütternden Schlachthof-Bericht „Um eines kleinen Bissens Fleisches willen“ in Bezug auf Nutztierhalter und Schlächter: „Nein, die wahren Unmenschen sind all jene, die diesen Massenmord (in den Schlachthäusern) tagtäglich in Auftrag geben, die durch ihre Gier nach Fleisch Tiere zu einem erbärmlichen Dasein und einem noch erbärmlicheren Ende – und andere Menschen zu einer entwürdigenden und verrohenden Arbeit zwingen.“

Etwas inkonsequent gegenüber seinem Befund zur Nutztierhaltung zeiht er dann die Vegetarier und namentlich die Anhängerinnen der veganen Richtung der Kindlichkeit und des neurotischen Selbsthasses. Selbst vegane Lebensweise koste Tierleben. Das ist richtig, doch nur einen kleinen Bruchteil des Fleischessens.


Die Jagd ist quantitativ unbedeutend und auch qualitativ aus Tierschutzsicht erheblich günstiger als die Nutztierhaltung. Doch leidfrei ist sie nicht. Die Zahl schlechter Schüsse, die Wild lang anhaltend leiden lassen ist groß. Den Punkt verschweigt der Autor. Außerdem Jagd ist nicht gleich Jagd. Es gibt Treibjagd auf massenweise aus Intensivzucht ausgelassenen Fasane (Isst man die dann überhaupt?) und manch anderes, auf das der Autor, außer einige kritische Worte zur Gatterjagd, nicht eingeht.

Noch ein Wort zum Töten. Lassen wir beiseite, dass der so gelobte Raubtierinstinkt zwischen Mensch und Tier nicht unterscheidet. (Ich bin ganz froh, dass Deutsche und Franzosen sich vom durch Jahrhunderte geübten Brauch, einander gegenseitig zu erschlagen, abgewandt haben). Lassen wir die tierrechtlichen Aspekte aus, die Frage, sind wir die Herren der Schöpfung, Richter über Leben und Tod.

Nur ein kleines Zitat noch:
„ Ich werde – erzählt Asche – nie vergessen, wie ich meinen ersten Birkhahn schoss. "Die ..... gefallener Stern.“


Erwin Lauppert

 

Seite 8

Graz: Vegetarische Küche im Aufwind

eit Anfang dieses Jahres gibt es in Graz eine weitere vegetarisch-kulinarische Bereichung. Das Postgarage Cafe befindet sich direkt am Rösselmühlpark, der auch als Gastgarten genutzt wird und bei schönem Wetter ein wirkliches Highlight darstellt. Da nimmt man auch gerne mit Freunden, Kind und Hund Platz, ohne dass Stress aufkommt. Das Lokal ist modern und schlicht eingerichtet, dennoch hat es eine gemütliche Atmosphäre.
Wir baten die Besitzerin/Geschäftsführerin, Frau Lydia Bißmann zum Interview.

Ihr Lokal wurde erst dieses Jahr eröffnet. Seit wann gibt es das Postgarage Café genau, und wie sind Sie mit dem Anlaufen des Betriebes zufrieden?
Das Postgarage-Cafe hat am 9. Jänner 2012 eröffnet. In der Gastronomie braucht man natürlich eine gewisse Zeit, um sich zu etablieren. Aber bis jetzt sind wir zufrieden und für die Zukunft optimistisch.

Wieso haben Sie sich entschieden, ein vegetarisches Lokal zu eröffnen? Haben Sie eine persönliche Affinität zum Vegetarismus/Veganismus/Tierschutz/-rechten?
Ich persönlich esse aus ethischen Gründen kein Fleisch und keinen Fisch. Aber bei uns sind nicht alle Mitarbeiter Vegetarier. In einem vegetarischen Restaurant hat man ja den Vorteil, dass jeder (fast) bedenkenlos alles essen kann - Fleischesser wie Vegetarier. In anderen Lokalen ist das nicht so leicht. Menschen, die vegan leben, haben es natürlich immer noch schwieriger. In unserem Lokal bieten wir auch für Veganer ein ausreichendes Speisenangebot.

Was war Ihnen bei der Umsetzung Ihrer Lokalidee wichtig, was sind die Eckpfeiler Ihres Gastro-Konzeptes?
Das Wichtigste bei uns ist die Qualität unserer Speisen und Getränke! Wir kaufen fast zu 100 Prozent „Bio“ ein und achten auf saisonale und regionale Produkte. Unser Kaffee, Tribeka, wird in Graz geröstet und ist „direct-trade“, was viel besser als „fair-trade“ ist!

Bieten Sie etwas Spezielles, das Sie von den anderen vegetarischen Lokalen in Graz unterscheidet?
Wir haben zum Unterschied zu den meisten vegetarischen Restaurants keine Selbstbedienung. Der direkte Kontakt zum Gast ist mir auch wichtig. Außerdem haben wir, bedingt durch die Nähe zum Club, abends länger geöffnet. Außerdem kann man bei uns den ganzen Tag Frühstücken. Das wird von vielen Gästen sehr geschätzt und gut angenommen.

Welche Art von Speisen bieten Sie Ihren Gästen und welche Speisen erfreuen sich besonderer Beliebtheit?
Wir bieten Hausmannskost wie Eierschwammerlgulasch oder Knödel mit Ei, indische Küche wie verschiedenen Currys und mediterrane-levantinische Küche wie „Piemonteser Gnocchi mit Salbeibutter und Tomatensauce“. Es hängt davon ab, wer gerade kocht – jeder unserer Mitarbeiter hat andere Vorlieben und Stärken, was sich entsprechend in der Zubereitung und Vielfältigkeit der Speisen niederschlägt.
Außerdem bieten wir unseren Gästen auch die Möglichkeit, alle Speisen mitzunehmen. Da uns die Umwelt am Herzen liegt, bieten wir für unsere Take-Away-Schiene ein kompostierbares Geschirr aus Zuckerrohr an. So kann man unsere Speisen auch außerhalb unseres Lokales genießen, ohne durch zusätzlichen Verpackungsmüll unsere Umwelt zu belasten.

Sie unterscheiden in Ihrer Speisekarte zwischen vegetarischen und veganen Speisen. Beobachten Sie einen Trend, dass immer mehr Gäste auf Veganese Wert legen?
So weit ich weiß, ernähren sich in Österreich immer noch weniger als 1 Prozent aller Menschen vegan. Das ist nicht viel, aber ich bin davon überzeugt, dass es einen Trend in Richtung vegetarisch-veganer Ernährungs- und Lebensweise gibt. Diesem Trend entsprechend gibt es seit Kurzem ja auch in Graz ein neues, rein veganes Lokal.

Auf welchem Preisniveau befinden sich die Speisen in Ihrem Lokal?
Ein Tagesgericht mit Salat kostet bei uns 7,90. Teurere Zutaten wie Eierschwammerl /Herrenpilze kosten mehr. (Eierschwammerlgulasch mit Knödel kostet 9,20). Die Frühstücksvarianten liegen zwischen 4,90 und 7,90, ein Erdäpfelgulasch kostet 5,90.

Gibt es spezielle Angebote wie z.B. Ermäßigungen für Studierende, einen Stammkunden-Bonus oder dergleichen?
Unsere Gäste sind zu fast 80 % Stammkunden. Wenn wir bemerken, dass jemand öfter bei uns isst, bekommt er oder sie kleine Aufmerksamkeiten. Als Marketingform haben wir es bisher noch nicht angedacht.

Wie viele Gäste können Sie bewirten?
Gastgarten: 61, Gastraum: 52 Sitzplätze
Wenn man einmal in der Firma oder Zuhause feiern möchte, könnte man bei Ihnen auch ein Catering bestellen?
Ja, bei uns kann man Brötchen, Fingerfood und warmes Catering bestellen.

Wie sind Ihre Öffnungszeiten?
Von 9 Uhr bis zum Schluss.

Welche Gästeklientel sprechen Sie an? Kommen viele Vegetarier zu Ihnen oder einfach Menschen, die in der Umgebung arbeiten und gerne dann und wann vegetarisch essen?
Es kommen viele zu uns wegen der Lage oder weil ihre Freunde bei uns arbeiten. Wie gesagt, unser Konzept ist, dass JEDER willkommen ist.
Sie führen das Postgarage-Café ja nicht nur als Restaurant, sondern auch als Café und Bar. Neben den Speisen, sind also sicher auch Getränke bei Ihnen von Bedeutung. Gibt es da besondere Specials?
Wir haben Apfelsaft aus Demeter-Anbau, Weißwein aus der Südsteiermark und Murauer-Bier, das nachhaltig gebraut wird.
Lohnt es sich auch für Naschkatzen, bei Ihnen vorbei zu schauen?
Natürlich! Wir haben stets frischen Schokokuchen. Auch bei unseren Marillenknödeln und unseren Schokopalatschinken ist schon so mancher ins Schwärmen gekommen.
Sind Sie alleine für die Geschäftsführung verantwortlich oder haben Sie Partner?
Wir sind zu zweit. Mein Partner DI Günter Brodtrager ist übrigens kein Vegetarier
Wie viele Mitarbeiter sind bei Ihnen um das Wohl der Gäste bemüht?
Ü blicherweise sind es 12 Personen.

Auf Ihrer Homepage ist ein Foto mit zwei Hunden in Ihrem Lokal zu sehen. Wir nehmen an, dass es sich dabei um die „Haushunde“ handelt. Sind also Hunde als Begleitung in Ihrem Lokal auch willkommen?
Die beiden Hunde gehören meinem Partner. Bei uns sind Hunde herzlich willkommen!
Gibt es auch die Möglichkeit, das Postgarage-Café für private geschlossene Veranstaltungen zu mieten?
Prinzipiell kann man unsere Räumlichkeiten inklusive Personal mieten.

Was ist Ihre persönliche Lieblingsspeise/Ihr Lieblingsgetränk?
Ich esse bei uns am liebsten freitags, wo die mediterran-levantinische Variante gekocht wird! Dazu trinke ich am liebsten ein eiskaltes Soda, weil das so schön prickelt.

Vielen Dank für das Interview. Wir wünschen Ihnen noch viele zufriedene Gäste und viel Erfolg!


Postgarage Café – Café / Restaurant / Bar
Dreihackengasse 42, 8020 Graz
postgarage.at, Tel. : 0699/11 606 605
tgl. auch So ab 10 Uhr,
So-Mi: bis 22:00, Do-Sa bis 01 Uhr


Das vegetarische Restaurant Arche
In der Rechbauerstraße (gegenüber der Alten Technik) hat wieder geöffnet. Der neue junge Geschäftsführer, seit Jahren Vegetarier der veganen Richtung schreibt uns:
Unser neues Konzept hat besonders in unserer Küche positive Veränderung gebracht.
Mit täglich frisch gekochten Speisen, erreichen wir die höchstmögliche Qualität bei vegetarisch/veganen Köstlichkeiten. Wir achten speziell darauf, dass unsere Zutaten regional wie auch saisonal sind. Weiters gibt es bei uns nur Zusammenarbeiten mit handverlesenen Lieferanten. „Resch & Frisch“ beliefert uns mit frischem Gebäck, die Bäckerei Waldherr mit Torten und Kuchen, Pendl mit Bio-Fruchtsäften, Kardamint mit seinem Minz-Kardamint Saft und Veganversand beliefert uns mit unseren Spezialprodukten wie veganem Käse, Burger usw. ....
Unser Buffet bietet jeden Tag drei verschiedene Hauptspeisen mit drei Beilagen und Saucen, wie auch mit einer veganen Spezialität. Eine reichhaltige Suppe, ein Salatbuffet mit acht verschiedenen Salaten und Dressings, wie auch ein Tagesdessert.
Darüber hinaus haben wir unser Sortiment mit einem Take-Away Sektor erweitert. Der "Arche-Burger" das "Steirer-Sandwich" mit veganer Bratenfettn und anderen Sandwiches, gibt es jeden Tag frisch zum Mitnehmen. Dieses Angebot wird ab 14.30 Uhr mit einem Kuchenbuffet und Kaffeespezialitäten verfeinert.
An StudentInnen wird natürlich auch gedacht. Eine Preisvergünstigung, von 10 % ab 12:00 Uhr und 20% ab 14:00 Uhr, ist mit einem Ausweis erhältlich.
Wir sind von Mo-Fr von 11:00-18:00 Uhr und am Sa von 12:00-17:00 da. Weiters ist unser Restaurant auch gerne für Feierlichkeiten zu mieten.
Das Archeteam freut sich auf Ihr Kommen
Wiederhofer Markus Restaurantmanager
Arche, Rechbauerstr. 19, 8010 Graz
Tel.: 0676 84 24 17 20 0
Email: office@restaurant-arche.comVeggie Corner bringt´s - das Essen

Ein besonderes Zuckerl bringt der Grazer Veggie-Corner ins Grazer Stadtgebiet. Veganes Essen wird ab einem Bestellwert von ¤ 10.- gratis im gesamten Grazer Stadtgebiet zugestellt. Die Speisekarte lehnt sich an das klassische österreichische Würstelstandl an. Schnitzelburger, Döner, Hot Dog, Koteletteburger... werden angeboten - allerdings 100% pflanzlich und somit 100 % ohne Tierleid.
Bestellungen unter 0664 1515210 oder per E-Mail: admin@tie-re-in.at
Natürlich kann man den Veggie Corner auch im Grazer Citypark direkt besuchen. Bei der Bushaltestelle 35 - im Außenbereich, Zufahrt Karlauerplatz.
Montag bis Freitag von 11 bis 18 Uhr.


Und natürlich gibt es in Graz die alteingesessenen vegetarischen Selbstbedienungsrestaurants Ginko Ecke Klosterwiesg./Grazbachgasse, Mangolds, Ecke Griesgasse / Albrechtsgasse, und das neue Café(restaurant) Erde am Andreas- Hofer-Platz/Ecke Murkai und den Biostand am Hauptplatz noch immer.


Neu in Klagenfurt:
Delicious, Restaurant/Café, Gabelsbergerstr.14

Und vom Essen zur Mode:
Erster veganer Fashion-Store in Wien
Mitte August wurde der erste vegane Fashion-Store in Wien eröffnet. Adresse: muso koroni, 1080 Josefstädter Straße 33. Dieses Ladengeschäft führt Mode, vegane Schuhe, Geschenkartikel, Kosmetika.

Seite 12:

Wo gibt es die Vitamin B12-Zahnpasta?
Bekanntlich hat über Initiative des VEBU, um Vitamin B12-Mangel bei Veganern und anderen abzuhelfen, die Fa. Sante eine B12-Zahnpasta entwickelt:
Sante Dental med Zahncreme Vitamin B12. Die Zahncreme führen außer den weiter unten genannten Ketten u.a. folgende Geschäfte:
Wien: Fauna & Flora, 1030 Wien, Radetzkystr.21, Tel.01-713 0823-15, ((fauna-kosmetik.at
Steiermark:
Graz:
Bioladen Knospe, St.Peter-Hauptstraße 36 (gegenüber der Abzweigung Peterbergenstr. /Schimautz), Parkplätze im Hof)
Reformdrogerie Weinkopf, Südtiroler Platz 1 /Ecke Grieskai
Gleisdorf (Oststeiermark): Drogerie Heidi Schleiss, Hauptplatz 1
Linz: Parfümerie Sanfte Pflege –
R. Buchegger, Rathausgasse 2
Innsbruck: Biosupermarkt VITALIA, Langer Weg
außerdem denn’s Biomarkt-Filialen (Linz, Ried i.I., Wels, Salzburg, Wien (ausgenommen nur Landstraße), Perchtoldsdorf
weiters alle Reformhaus Martin-Filialen (Tirol, Salzburg, OÖ, Amstetten, Wien, Klagenfurt, Graz, Leoben)
reformhaus-martin.at, und die
Versandfirma Lebensweise Tel 02743-788 2 11, email: veganversand@aon.at, website www.veganversand-lebensweise.at


Süßlupinen
Wir danken einer Leserin den berechtigten Hinweis, dass in der Konsumenten-Information in der letzten anima-Nummer unter dem Stichwort „Fleisch-Imitate“ zwar Produkte aus Soja und Getreide, nicht aber aus der Süßlupine verzeichnet sind.

Anfang der 90er Jahre kam Lopino auf den Markt, Tofu aus Süßlupinensamen und wurde von Vegetariern bejubelt, vor allem weil es entgegen allen wissenschaftlichen Erfahrungen Vitamin B12 enthalten sollte. Der B12-Gehalt beruhte allerdings auf beim Produktionsprozess nicht eliminierte Verunreinigungen; nach Verbesserung der Herstellung gab es auch kein B12 mehr. Die Lupine geriet darauf etwas in den Hintergrund, was schade ist. Denn sie kann sich durchaus mit der Sojabohne messen, wenn sie sie nicht sogar übertrifft. Sie ist ungefähr ebenso eiweißreich, enthält nach Angabe alle essentiellen Aminosäuren, doch anders als Tofu einen nussähnlichen Geschmack.

Vor allem für Menschen mit Sojaallergie ist sie eine gute Alternative; außer, da Hülsenfrucht, bei allgemeiner Hülsenfruchtallergie. Es gibt sie als Tofu (Lopino), als Fleisch-Imitat in verschiedenen Gestalten und als Mehl; das auch dosiert dem Getreidemehl für Backwaren zugesetzt werden kann.
Leider findet man Lupinenprodukte nicht in allen Reformhäusern und Bio-Läden, geschweige denn Lebensmittelmärkten, vermutlich weil preislich eher etwas höher.

Der Name Süßlupine besagt übrigens nicht, dass sie als Zuckerersatz geeignet ist, sondern dass die sonst den Lupinen eigenen Bitter- und Giftstoffe weggezüchtet sind.

Verstecktes in Lebensmitteln
Die deutsche Verbraucherorganisation foodwatch //foofwatch.de hat ein Thema aufgegriffen, mit dem wir bei unserer Obrigkeit wie wiederholt berichtet bisher gescheitert sind: In Lebensmitteln nicht erwartete tierische Bestandteile. Die sind entweder mangels gesetzlicher Verpflichtung überhaupt nicht deklariert oder – manchmal unverständlich – im Kleinstgedruckten vor Entdeckung geschützt. Vermuten Sie im Tiefkühlrotkraut Schweinefett oder wissen Sie, was Sodium tallowate bedeutet. In der nächsten Nummer mehr dazu.
Eigelb und Arteriosklerose
Siehe unter „Splitter“ Seite 20

Seite 13:

Beschneiden, abschneiden, durchschneiden


Wenige Gerichtsurteile haben einen derartigen Nachhall, eine solche Aufregung im Blätterwald nach sich gezogen, wie das Urteil eines deutschen Gerichts, die rituelle Beschneidung als gesetzwidrig und strafbar einzustufen.
Das Thema wurde sehr kontrovers von allen Seiten beleuchtet, rechtlich, medizinisch psychologisch, aus religiöser Sicht usw. Die Debatte schwappte über, ergriff neue Themen, wie das Durchstechen der Ohrläppchen kleiner Mädchen. Gerade dass nicht auch die psychische Belastung von Säuglingen durch Weihwasser bei der Taufe in Streit gezogen wurde.

Es ist nicht Aufgabe einer Tierrechtszeitung sich in diese Debatte zu mengen. Uns fällt nur auf, dass es bei all den aufgeregten Gesprächen um althergebrachte religiöse Bräuche , ein an sich nahe liegendes Thema, dass noch vor einigen Jahren zu intensiven Auseinandersetzungen geführt hatte, unbeachtet blieb: die rituelle Schächtung. Auch hier handelt es sich um althergebrachtes für die Betroffenen sehr schmerzhaftes Religionsgut, Der einzige Unterschied, der Schmerz trifft Tiere, nicht Menschen.

Nun wissen wir, der Stellenwert von Tieren ist in unserer Gesellschaft gering. Doch andererseits ist auch die technische Gestaltung der Schächtung religionsintern gesehen von geringer Bedeutung gegenüber der Beschneidung. Diese betrifft für die Religionsgemeinschaft Essentlielles, ähnlich der Taufe im Christentum, die Einführung in die religiöse Gemeinschaft. Während es sich im anderen Fall nur um den rechten Weg bei der Umwandlung von Tieren in Nahrungsmittel handelt, Lebensmittel, die auch nach den religiösen Geboten niemand zu essen verpflichtet ist.

Im Laufe der Jahrhunderte, im Wandel der gesellschaftlichen Verhältnisse und Anschauungen haben die Religionsgemeinschaften viele ihrer in den heiligen Büchern vorgeschriebenen Gebote angepasst oder über Bord geworfen, z-B. das Gebot eine vergewaltigte Frau zu steinigen (Deuteronomion 22,23). Nicht einmal die ultraorthodoxesten Religionsanhänger denken daran, die Einhaltung dieser Norm zu fordern, in unseren Landen wenigstens.

Die moderne Wissenschaft hat Techniken entwickelt, die dem Sinn des Schächtens nicht zuwiderlaufen und dazu das religiöse Gebot, Tiere nicht zu quälen, erfüllen, etwa die Elektro-Kurzzeitbetäubung. Sie ermöglicht eine reversible Bewusstseinstrübung zu erzeugen, die das Tier kurzfristig ohnmächtig werden lässt, seine Lebendigkeit jedoch nicht beeinträchtigt. Etliche muslimische und jüdische Gemeinschaften bzw. Autoren haben dies als tragbare Lösung in Einklang mit den religösen Geboten anerkannt.

Gerade jetzt hat der Gesundheitsminister anlässlich der Einführung einer EU-Verordnung über das Schlachten mit einem Gesetzentwurf, der absichtlich oder unabsichtlich (siehe Seite 24) die rituelle Schächtung ohne Einschränkungen wieder erlaubt, die mit dem Kompromiss im Tierschutzgesetzes 2005 befriedeten Gemüter wieder in Wallung gebracht.

Da also durch die unglückliche ministerielle Vorgangsweise die Debatte wieder eröffnet ist, wäre es angebracht, zu überlegen, an Stelle der wenig praktikablen geltenden Regelung im Gespräch mit allen Betroffenen, Religionsgemeinschaften und Tierschutz eine bessere Lösung anzustreben. Als solche käme die Elektro-Kurzzeitbetäubung vor dem Schächtschnitt in Betracht.


Erwin Lauppert

 

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