anima Nr.1/2012

Aus dem Inhalt

Religion und Tier ........................... 3

Vegetarisches im Handel ................ 5

Graz: neuer Veggi-Würstelstand

Vitamin B12 ..................................... 7

Vegetarische Informationen .......... 8

8 Stunden sind genug ..................... 9
EU-Parlament für 8-Stunden-
Limit für Langzeittransporte


Ges. f. humane Nutztierhaltung
Einkauf-Tipps ............................... 10

Der Tierschützer-Prozess ............. 11

Zu Prozesskosten und Haft

Stefan Zweig, aus der Legende

Die Augen des ewigen Bruders ... 12

Bücher ............................................ 14
TIERethik/ALTEX
Sigrid Steeb, Vegetarisch.Gesund.
Reiner Zube, Eiwelß – Ein Thriller
Vegetarian Visitor – England
Maria Karl, Soja
Torsten Mertz, Das Seitan-Kochbuch
Jutta Grebe, Veget. aus Omas Küche
Ulla Grall, Bohnen –Garten u. Küche Irm. Erckenbrecht, American Veggie
In den Nebeln der Vergangenhei.. 18

Warum Versuche an Menschen ..... 21

Offenlegung-Impressum ................. 21

Regenschirme und die Folgen ...... 22

Jagdstörungen

Muss ein Minister auf den Jägerball?

Halal geheim............................. 22

Konsumenten für dumm verkaufen?

Fotoscheu ....................................... 23

Filmen erlaubt?

Dürfen Verdeckte Ermittler Herzen brechen, Kinder machen? .......... 24

 

Seite 2:

Liebe Leserinnen und Leser,


die erste Seite unseres Blattes nimmt diesmal die Jugend ein, die ganz junge. Ein kleines Mädchen erzählt uns, warum es aus dem Familientrott heraus und Vegetarierin geworden ist. Kinder sind noch natürlich in ihrem Empfinden. Werden sie der Grausamkeit unseres Verhaltens gegenüber Tieren bewusst, sagen sie nein zum Fleisch. Leider kommt dann meist der Gegendruck der verständnislosen Familie und der Gesellschaft.


Von der Jugend weg Jahrzehnte zurück in die Vergangenheit führt uns ein Bericht über die Tierschutzaktivitäten im vorigen Jahrhundert. Damals haben sich viele mit besonderer Inbrunst gegen qualvolle Zustände gewandt, und heute? Je nach Naturell können wir trauern, wie wenig trotz allem erreicht wurde, oder uns freuen, dass doch manches besser geworden ist.
Zurück zur Gegenwart: Der enorme Werbeaufwand der Handelskette spar für ihre neuen Veggie-Artikel ist Ihnen sicher nicht verborgen geblieben. Es scheint, die Firmen-Maßgeblichen spüren, der Trend geht in Richtung Vegetarismus. Unsere Fachfrau fürs Essen hat unter die Lupe genommen, was da so allles auf dem Markt ist.


Endlich ist das Urteil im Tierschützerprozess auch schriftlich da. Dazu ein paar Gedanken zur oft großzügig verhängten Untersuchungshaft. Wie wirkt sie auf die Psyche der Betroffenen? Dazu ein Auszug aus der Legende Stefan Zweigs „Die Augen des ewigen Bruders“. Zweig, einst einer der erfolgreichsten Schriftsteller, vom Naziregime verboten, ist vor siebzig Jahren im Exil in Brasilien aus dem Leben geschieden.


Die anima kommt diesmal in der Osterwoche. Da schien uns auch das Thema Religion und Tier’ angemessen. Dazu einige zeitlose Texte, die vor langem in der Zeitschrift standen.
Nebenbei: vielleicht ist Ihnen die geänderte Schrift aufgefallen – sie soll leseleichter sein. Bitte schreiben Sie uns Ihre Meinung.


Liebe Leserinnen und Leser, wir wünschen Ihnen ein frohes Osterfest und schöne Frühlingstage!


Ihre anima-Redaktion

 


Aus dem Inhalt


Religion und Tier ........................... 3

Vegetarisches im Handel ................ 5

Graz: neuer Veggi-Würstelstand

Vitamin B12 ..................................... 7

Vegetarische Informationen .......... 8

8 Stunden sind genug ..................... 9
EU-Parlament für 8-Stunden-
Limit für Langzeittransporte


Ges. f. humane Nutztierhaltung
Einkauf-Tipps ............................... 10

Der Tierschützer-Prozess ............. 11

Zu Prozesskosten und Haft

Stefan Zweig, aus der Legende

Die Augen des ewigen Bruders ... 12

Bücher ............................................ 14
TIERethik/ALTEX
Sigrid Steeb, Vegetarisch.Gesund.
Reiner Zube, Eiwelß – Ein Thriller
Vegetarian Visitor – England
Maria Karl, Soja
Torsten Mertz, Das Seitan-Kochbuch
Jutta Grebe, Veget. aus Omas Küche
Ulla Grall, Bohnen –Garten u. Küche Irm. Erckenbrecht, American Veggie
In den Nebeln der Vergangenhei.. 18

Warum Versuche an Menschen ..... 21

Offenlegung-Impressum ................. 21

Regenschirme und die Folgen ...... 22

Jagdstörungen

Muss ein Minister auf den Jägerball?

Halal geheim............................. 22

Konsumenten für dumm verkaufen?

Fotoscheu ....................................... 23

Filmen erlaubt?

Dürfen Verdeckte Ermittler Herzen brechen, Kinder machen? .......... 24

 

 

Seite 3 -4:

Religion und Tier


Die Frühjahrsnummer 1990 der anima war des nahen Osterfestes gedenkend, dem Thema Religion und Tier gewidmet. Unsere damals führende Mitarbeiterin Univ.Prof. Herta Heger hatte dazu einiges zusammengestellt. Wir glauben, die Texte sind heute wie damals aktuell und bringen einige Aus-züge.

Zum ersten Beitrag schrieb Herta Heger:
Vor Jahren, aIs ich noch meine wöchentliche Tierschutz-Kolumne in der Südost-Tagespost zu betreuen hatte, bat ich einmal den großen Tlerfreund,
Siehe Papieraugabe
-.-.-.-
Die folgende Legende, die sich auch im Buch von Sina Walden „Endzeit für Tiere“ findet, stammt aus dem Islam:
Als der Mystiker Schibli gestorben war (im Jahr 996), sah ihn einer seiner Gefährten im Traum und fragte ihn, was Gott an ihm ge-tan habe. „'Gott hat mir einen Platz zu sei-nen Füßen gegeben“, antwortete er. Und er hat mich gefragt: Weißt du auch, warum ich mich deiner erbarmt habe? Ich glaubte, we-gen meiner frommen Werke, meines reinen Gottesdienstes, meiner Pi1gerfahrten, mei-nes Fastens und Betens.
Aber Gott sprach: Erinnerst du dich, wie du einmal in den Straßen von Bagdad warst und eine kleine Katze fandest? Sie war schwach vor Kälte und suchte in den Mauerlücken Schutz vor dem bitteren Frost. Da hast du sle zu dir genommen in Barmherzigkeit .und hast sie in deinen Pelz gesteckt, um sie vor der Kälte zu schützen. Für dein Erbarmen mit jener Katze habe ich mich deiner erbarmt.
(Chronik von Damaskus, 12.Jh.)
-.-.-.-

Und meine absolute Lieblingsgeschichte, schrieb Herta Heger, ist hinduistischen Ursprungs:

Ein Yogi saß am Ufer der Ganga und medi-tierte. Als er die Augen öffnete, sah er einen Skorpion, der ins Wasser gefallen war und verzweifelt um sein Leben kämpfte. Voll Erbarmen streckte der Yogi seine Hand ins Wasser und legte den Skorpion ans Ufer; der aber stach seinen Retter und es schmerzte ihn sehr.
Nach einer Weile, als er von neuem die Augen öffnete, sah der Yogi den Skorpion, der ein zweites Mal ins Wasser geglitten war und zu ertrinken drohte. Und wiederum ret-tete er das Tier, und das Tier stach so heftig, dass der Yogi aufschrie.
Als sich der Vorgang ein drittes Mal wie-derholte, konnte sich ein Bauer, der alles vom Wegrand her beobachtet hatte, nicht länger halten. Verwundert rief er: „Maharaj, warum hilfst du der elenden Kreatur immer wieder, wenn du als Dank nur schmerzhafte Stiche erntest?“ – „Wir beide folgen doch nur unserer Natur“, antwortete der Yogi. „Es liegt in der Natur des Skorpions zu ste-chen und in meiner, Barmherzigkeit zu üben.“

 

Seite 5 -7:

Vegetarisches im Handel

Siehe Papieraugabe

Seite 7;

Neu in Graz:
Veganer Würstelstand Veggie Corner
Würstel, Kotelett-Semmel, Döner oder Bur-ger – alles rein pflanzlich
Wo? Citypark, Lazaretgürtel 55, 8020
Zufahrt Ost, Bus-Linie 35
Wann? Montag 12 bis 18 Uhr
Dienstag bis Donnerstag 11 bis 18 Uhr
Freitag 11 bis 16 Uhr


Achtung, Vitamin B12-Mangel!
Eine interessante Studie läuft derzeit beim VEBU. Kann eine mit Vit.B12 angereicherte Zahnpasta ausreichende Versorgung gewährleisten? Ergebnisse liegen noch nicht vor, doch zeigte die Erstuntersuchung dass von den Teilnehmern 37% der Veganer und 8 % der L/O-Vegetarier unzureichend mit Vit.B12 versorgt sind. Mängel können zwar auch in fehlender Aufnahmefähigkeit be-gründet sein, doch ist mangelnde Zufuhr wahrscheinlicher.
Wegen der Gefahr dauernder Gesundheits-schäden wird daher namentlich Veganern dringend empfohlen, in angemessenen Ab-ständen ihren Vitamin B12 Status überprü-fen zu lassen.

Seite 8:

Siehe Papierausgabe

Seite 9:

8 Stunden sind genug
Ein Etappensieg gegen Tiertransporte – EU-Parlament für 8 Stunden-Begrenzung


Schon Jahrzehnte protestieren Tierfreunde gegen die unnötigen Langzeit-Tiertransporte Sie sind unnötig und werden nur des finan-ziellen Vorteils von Unternehmern geführt, und leider auch vieler Konsumenten, die das Fleisch noch billiger haben möchten und denen Tierleid gleichgültig ist. Allerdings sind Konsumenten häufig auch Opfer von Irreführung; heimische Herkunft wird vor-getäuscht – wir haben wiederholt berichtet.
In der anima Nr.2/1991(!) schreibt Christi-ne Beidl anlässlich einer Großdemonstration gegen „Schlachtvieh“-Transporte: Allein die Bezeichnung „Schlachtvieh“ für fühlende und verängstigte Geschöpfe sagt alles aus über das Unrecht, das man ihnen antut, und über die Gleichgütigkeit und Rohheit, mit der das geschieht.“.
Es ist hier nicht Raum genug, um alle Akti-onen, Erfolge und Misserfolge tierschützeri-schen Bemühens aufzuzählen.
Erinnert sei nur an die Karreann-Filme im deutschen Fernsehen über die unsäglichen Transportpraktiken, die die erstarrten Fron-ten auflockerten.
Erinnert sei an die Proteste gegen die Käl-berverschiffung auf den Kontinent, die in Großbritannien um 1995 zu einer Bürger-bewegung anschwollen – Tiertransporte gelangten nur unter stärkstem Polizeischutz in die Häfen – und den Opfertod der jungen Mutter Jill Phipps am 1.Februar 1995 in der englischen Hafenstadt Shoreham.
Tier-Todes-Transporte
Erinnert sei an die Aktion Tiertransportbe-gleitung – KFZ mit Schildern „Tier-Todes-Transporte – Europa erbarme dich! folgen den Lastern. „Rollender Pranger – Eine Pastorin aus Hessen (Anm. Christa Blanke) lässt Tiertransporter quer durch Deutschland verfolgen.“ titelte der „Spiegel“ 1996.
Aus diesen Anfängen ist der von Frau Blan-ke begründete und geführte Verein Animals’ Angels (Frankfurt a. Main – animals-angels.de) entstanden, der sich dank ihres Engagements zum anerkannten Ansprech-partner in Sachen Tiertransport entwickelt hat, Weit über Deutschland hinaus nimmt er sich der Transporttiere professionell an, leistet Aufklärungsarbeit, zeigt Missstände auf – erschüttende Erhebungsberichte über das Schicksal ausrangierter Milchkühe aber auch anderer Nutztiere, selbst norwegischer Rentiere – und sucht sie in Zusammenarbeit mit den Behörden abzustellen..
Eine Million Unterschriften
Eine der jüngsten Aktionen war die von Frau Blanke initiierte und von vielen anderen Organisationen unterstützte Kampagne „8hours“ – zeitliche Begrenzung der Lang-strecken-Tiertransporte auf acht Stunden. Über eine Million Bürger aus ganz Europa haben mit ihrer Unterschrift die Forderung an das EU-Parlament unterstützt.
395 EU-Parlamentarier stimmen zu
Auch die zweite schwierige Hürde wurde genommen. Innerhalb der gesetzlichen Frist konnten mit Unterstützung zahlreicher eu-ropäischer Tierschutzvereinigungen 395 EU-Parlamentarier, das ist die Mehrheit, bewogen werden, ihre Unterschrift unter eine nach dem EU-Reglement vorgesehene „Schriftliche Erklärung“ zu setzen, damit liegt ein Parlamentsbeschluss vor.
Die schwerste Hürde ist noch zu überwin-den. EU-Kommission und -Ministerrat.
Ü brigens jeder einzelne kann helfen. Etwa durch Briefe und Demarchen an heimische Politiker. Und durch sein Konsumverhalten:


GhN

Seite 10:

Info der Gesellschaft für humane Nutztierhaltung (GhN) T. 0720-346219 www.nutztierhaltung.org

Milch und Milchprodukte
Wenn Sie in Handelskettenläden einkaufen:
Wir empfehlen aus Tierschutzsicht für Milch und Milchprodukte die Marke t
Zurück zum Ursprung
erhältlich
in den Hofer-Filialen.
Die Ware ist nicht nur Bio, die Kuhhaltung muss darüber hinaus einen Wert von 24 Punkten nach dem Tiergerechtheits-Index erreichen und insbesondere Weidehaltung ist Pflicht. Ursprung-Milch ist Heumilch. Wer auf Milch nicht verzichten will, sollte daher, meinen wir, „Zurück zum Ursprung“ wählen. Es ist möglich, dass auch die eine oder andere Marke dieselben Haltungsbe-dingungen erfüllt, jedoch liegen uns nur von Zurück zum Ursprung eindeutige Erklärun-gen vor.
Allerdings, dies gilt generell für Milch, werden die Kälber bald nach der Geburt ih-ren Müttern weggenommen, die Mehrzahl der Kälber wird früher oder später ge-schlachtet. Daher ist jedenfalls Mäßigung beim Milchprodukte-Konsum angezeigt.

Eier – Es gilt der Satz:


Ei ? Besser kein’s,
aber wenn schon ein’s,
dann das Freilandei,
aber nur Bio mit dem Siegel
„tierschutzgeprüft“.


Besser kein’s, weil die Hennen nach etwa einem Jahr Eier legen geschlachtet und die männlichen Küken ein paar Tage nach der Geburt getötet werden.
Ob dem Siegel die Ergänzung „Testergebnis sehr gut“ beigefügt ist oder nicht, ist uner-heblich. Das Siegel „tierschutzgeprüft“ be-kommen nur Freilandeier mit dem Tester-gebnis „sehr gut“, d.i. mit einem Tierge-rechtheitswert von mindestens 28 Punkten..


Zur Schweinehaltung – Kastenstände
Wir hatten im Sommer über die Proteste der Volksanwaltschaft und des Tierschutzes gegen die Kastenstandshaltung von Sauen berichtet. Nach langen Verhandlungen und Aufsehen erregenden Protestaktionen des Vgt ist es Ende des Jahres zu einem Kom-promiss zwischen dem für Tierschutz zu-ständigen Minister Stöger und dem Land-wirtschaftsminister gekommen, der aber nur einen Teil der Forderungen erfüllt. Für we-sentliche Bestimmungen gilt eine über zwanzigjährige Übergangsfrist.

Da gibt es aus Tierschutzsicht nur eine Konsequenz: Kein Schweinefleisch kaufen!
Schweinhaltung war einst ökologisch sinn-voll: Weide in Eichenwälder und Fütterung von Speieabfällen, sozusagen die Biotonne. Weide gibt es praktisch nicht mehr, Abfall-fütterung ist verboten. Die Schweine be-kommen,das, was auch Menschen essen können Soja und Getreide (Mais). Es gibt ganz wenige Schweinebetriebe mit Frei-landhaltung. Wir nennen Ihnen auf Anfrage nach Möglichkeit Adressen


Für Konsumenten, die für sich oder Angehörige auf Fleisch nicht verzichten wollen, kommt aus Tierschutzsicht am ehestens Jungrind aus Mutterkuhhaltung in Frage (z.B. Styria beef).


TGI 28 oder 38?
Bessere Produkte, für die Tiere weniger lei-den müssen als jetzt, lassen sich schaffen. Zum Beispiel Eier mit dem Wert 38 statt 28 nach der Tiergerechtheitsskala (TGI). Auch wenn sie nur ein paar Prozent der Bevölke-rung kauften, hieße das besseres Leben für 200.000 Hennen oder mehr.
Nur, Besseres fällt nicht vom Himmel. Produzenten, Händler, Abnehmer gewinnen, ist harte Arbeit, aber möglich. Von allein kommt nichts. Wer will sich engagieren?

Seite 11:

Der Tierschützerprozess

Lang hat es gedauert, neun seit der mündlichen Urteilsverkündung (Freispruch in allen Punkten). Doch jetzt ist sie endlich gekommen, am 8.Februar, die schriftliche Urteilsausfertigung, die den Freispruch eingehend begründet, fast 400 Seiten lang, zwanzig davon sindder Interpretation der Strafestimmung ‚Kriminelle Organisation gewidmet. Der Standard zitiert den Verfassungsrechtler Bernd-Christian Funk: „Was da steht, ist dissertationsreif und von einer wissenschaftlichen Akribie, die Richterin Arleth in meiner Gunst stark steigen lässt - egal, wie ihre Prozessführung auch war.“

Genau (also richtig) und rasch, beides lässt sich schwer unter einen Hut bringen und ist seit eh und je Gegenstand juristischer Diskussion. Auch wenn so an die 200.000 Aktenseiten ein großes Pensum sind, sei doch die Frage erlaubt: ein bisserl weniger Akribie und dafür etwas geschwinder, wäre das dem rechtsstaatlichen Gedanken nicht dienlicher? Rekapitulieren wir: zuerst dreieinhalb Monate einsperren, dann eineinhalb Jahre weiter ermitteln, dann ein gutes Jahr Prozess (rund 100 Prozesstage mit Anwesenheitspflicht), dann fast ein Jahr warten bis zur Urteilsausfertigung, und jetzt noch ein Vierteljahr, bis anfangs Juli auf die Schlussfassung des Staatsanwalts warten: Berufung ja oder nein. Vier Jahre Nervenanspannung für die Beschuldigten, teilweise Existenzvernichtung, rund eineinhalb Jahre Arbeitsverhindeung, dazu jeder Angeklagte mit 100.000en ¤ Prozesskosten belastet. Das Wort Freispruch klingt da fast wie Hohn.


Dazu: Der Salzburger NR-Abgeordnete Mag. Maier und DDr. Martin Balluch haben eine Parlamentarische Petition eingebracht, in der sie insbes. vollständigen Kostenersatz bei Freispruch und Neuregelung betr. Ersatz von Kopierkosten fordern.

Apropos Kopierkosten 75.000 ¤ kostete einem Anwalt im Hypo-Alpe Adria-Prozess die Ablichtung aus dem Strafakt. 1,10 ¤ je Blatt, jetzt ermäßigt auf 60 Cent. Jeder Normalbürger würde dafür wegen Wuchers eingesperrt, nur die Justizministerin nicht.

Die Frist für Petitions-Unterstützungs-erklärungen ist zwar schon abgelaufen, doch jedem Bürger steht es frei, bei der Regierung, der Ministerin, den politischen Parteien, Abgeordneten und in Leserbriefen an die Medien zu protestieren.

Ü ber den Tierschützerprozess ließe sich noch viel sagen, nicht nur Laien, auch Rechtsgelehrte waren verwundert und befremdet. Bemerkenswert auch, dass der Staatsanwalt, dessen Anklage zu dünn befunden wurde, nach dem Urteil auf der Karriereleiter befördert wurde, während die Richterin nun auf einen Posten von eher minderem Ansehen geschoben(?) wurde.

Wir wollen heute nur einen Punkt herausgreifen, die Untersuchungshaft. Hätte die Oberstaatsanwaltschaft nicht die Freilassung verfügt – Gerüchte sprechen von einer Intervention der damaligen Justizministerin – wie lange hätten die Tierschützer wohl Gefängnisluft atmen müssen? Laien kommt manchmal der vielleicht falsche Gedanke, diese Haft werde mitunter als Folter-Ersatz eingesetzt, um Geständnisse zu erwirken, ohne Rücksicht auf die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen Folgen; und vor allem gleichgültig gegenüber den psychischen Auswirkungen auf den Betroffenen.


Stefan Zweig, einer der bedeutendsten österreichischen Schriftsteller in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts hat sich mit diesem Aspekt in etwas anderer Konstellation befasst, in der Legende „Die Augen des ewigen Bruders“. Seine Worte lassen den seelischen Druck, den Gefangene, ob Mensch oder auch Tier, erleiden, erahnen. Wir bringen den Text auf den nächsten Seiten.

Seten 12 und 13:

Die Augen des ewigen Bruders
Stefan Zweig (1881 – 1942)


Zum Verständnis des folgenden Auszugs: Virata, oberster Richter eines indischen Königs – ob des Vorwurfs eines wegen Mordes zu langer Kerkerhaft verurteilten Bergbewohners, diese Strafe sei unmenschlich; angemessen und menschlich wäre die Todesstrafe, in Zweifeln – begibt sich zur Probe selbst heimlich in den Kerker und entlässt den Gefangenen. (Virata zum Verurteilten:)


„ Nicht du kannst es wägen und nicht ich, doch bald werde ich erleuchtet sein. Geh nun hin, wie du geschworen, und tritt am Tage des gerundeten Monds vor den König, dass er mich löse: dann werde ich wissend sein um die Taten, die ich tue, und mein Wort für immer ohne Unrecht. Geh!“

Der Gefangene beugte sich und küsste die Erde Schwer fiel die Türe in das Dunkel, noch einmal sprang Licht von der Leuchte gegen die Wände, dann stürzte die Nacht über die Stunden.
Am nächsten Morgen wurde Virata, den niemand erkannte, auf das Feld vor die Stadt gefiihrt und dort gegeißelt. ... In der Zelle hingestreckt erwachte er wieder, und ihm war, als läge er mit dem Rücken über brennendem Feuer.

Im seine Stirn aber war Kühle, Duft von wilden Kräutern ... Leise öffnete er den Spalt der Lider und sah: die Frau des Pförtners stand neben ihm und wusch ihm sorgend die Stirne. und als er jetzt das Auge voll aufschlug zu ihr, strahlte der Stern des Mitleids ihm aus ihrem Blick entgegen. Und durch den Brand seines Leibes erkannte er den Sinn alles Leidens in der Gnade der Güte. Leise lächelte er auf zu ihr und spürte nicht mehr seine Qual.

Am zweiten Tage konnte er sich schon erheben und sein kaltes Geviert abtasten mit den Händen. Er fühlte, wie eine Welt neu wuchs mit jedem Schritt, den er tat, und am dritten Tag narbten die Wunden. Sinn und Kraft kehrten zurück. Nun saß er still und spürte die Stunden an den Tropfen nur, die niederfielen von der Wand und das große Schweigen teilten in viele kleine Zeiten, die still wuchsen zu Tag und Nacht, wie ein Leben aus tausenden von Tagen selbst wieder wächst zu Mannheit und Alter. Niemand sprach auf ihn ein, Dunkel stand starr in seinem Blut, aber von innen stieg nun bunt Erinnerung in leisem Quell, floss mählich zusammen in einen ruhenden Teich der Schau, darin sein ganzes Leben gespiegelt war. Was er verteilt erlebt, rann nun in eines, und kühle Klarheit ohne Wellenschlag hielt das gereinigte Bild in der Schwebe des Herzens. Nie war sein Sinn so rein gewesen wie in diesem Ge{iihl reglosen Schauens in gespiegelte Welt.

Mit jedem Tage nun ward Viratas Auge heller, aus dem Dunkel hoben sich die Dinge ihm entgegen und vertrauten seinem Spuren die Formen. Und auch innen ward alles heller in gelassener Schau: die lindere Lust der Betrachtung, wunschlos hinschwellend über den Schein eines Scheines, die Erinnerung, spielte mit den Formen der Verwandlung wie die Hände des Gefesselten mit den zerstreuten Kieseln der Tiefe. Selbst sich entschwunden, reglos gebannt, unkund der Formen eigenen Wesens im Dunkel, spürte er stärker des tausendförmigen Gottes Gewalt und sich selbst hinwandern durch die Gestalten, keiner anhängend, klar gelöst von der Knechtschaft des Willens, tot im Lebendigen und lebendig im Tode. . . Alle Angst der Vergängnis ging hin in sanfte Lust der Erlösung vom Leibe. Ihm war, als sänke er mit jeder Stunde tiefer ins Dunkel hinab, zu Stein und schwarzer Wurzel der Erde, und doch trächtig neuen Keims, Wurm vielleicht, dumpf wühlend in der Scholle oder Pflanze, aufstrebend mit stoßendem Schaft, oder Fels nur, kühl ruhend in seliger Unbewusstheit des Seins.

Achtzehn Nächte genoss Virata das göttliche Geheimnis hingegebenen Schauens, losgelöst von eigenem Willen und ledig des Stachels zum Leben. Seligkeit schien ihm, was er als Sühne getan, und schon fühlte er in sich Schuld und Verhängnis nur wie Traumbilder über dem ewigen Wachen des Wissens. In der neunzehnten Nacht aber fuhr er auf aus dem Schlaf: ein irdischer Gedanke hatte ihn angerührt. Wie glühende Nadel bohrte er sich ein in sein Hirn. Schreck schüttelte ihm grass seinen Leib, und die Finger zitterten an seiner Hand wie Blätter am Holze. Dies aber war der Gedanke des Schreckens: der Gefangene könnte untreu werden an seinem Schwur und ihn vergessen, und er müsse hier liegen bleiben tausend und tausend und tausend Tage, bis das Fleisch ihm von den Knochen fiele und die Zunge erstarrte im Schweigen. Noch einmal sprang der Wille zum Leben wie ein Panther auf in seinem Leibe und zerriss die Hülle: Zeit strömte ein in seine Seele und Angst und Hoffen, die Wirrnis des Menschen. Er konnte nicht mehr denken an den tausendförmigen Gott des ewigen Lebens, sondern nur an sich, seine Augen hungerten nach Licht, seine Beine, die sich scheuerten am harten Stein, wollten Weite, wollten Sprung und Lauf. An Weib und Söhne, an Haus und Habe, an die heiße Versuchung der Welt musste er denken, die mit Sinnen getrunken wird und gefühlt mit der wachen Wärme des Blutes.

Von diesem Tag des Erinnerns schwoll die Zeit, die bisher zu seinen Füßen stumm gelegen wie ein schwarzer, spiegelnder Teich, empor in sein Denken; wie ein Strom schoss sie her, aber immer wieder wider ihn. Er wollte, dass sie ihn mitreiße und hinschwemme wie einen springenden Balken zu der erstarrten Stunde der Befreiung. Aber gegen ihn strömte sie: mit ringendem Atem quälte er, ein verzweifelter Schwimmer, ihr Stunde um Stunde ab. Und ihm war, als zögerten mit einemmal die Tropfen des Wassers an der Wand im Falle, so weit schwoll die Spanne der Zeit zwischen ihnen. Er konnte nicht mehr länger verweilen auf seinem Lager. Der Gedanke, jener würde seiner vergessen und er müsse hier faulen im Keller des Schweigens, trieb ihn wie einen Kreisel zwischen den Wänden. Die Stille würgte ihn: er schrie die Steine an mit den Worten des Schimpfens und der Klage, er fluchte sich und den Göttern und dem Könige. Mit blutenden Nägeln krallte er am spottenden Felsen und rannte mit dem Schädel gegen die Türe, bis er sinnlos zu Boden fiel, um wachend wieder aufzuspringen und, eine rasende Ratte , auf und ab durch das Viereck zu rennen.

In diesen Tagen, vom achtzehnten der Abgeschiedenheit bis zum neuen Monde, durchlebte Virata Welten des Entsetzens. Ihn widerte Speise und Trank, denn Angst füllte seinen Leib. Keinen Gedanken mehr konnte er halten, nur seine Lippen zählten die Tropfen, die niederfielen, um die Zeit, die unendliche, zu zerteilen von einem Tag zum andern. Und ohne dass er es wusste, war das Haupt grau geworden über seinen hämmernden Schläfen.

Am dreißigsten Tag aber erhob sich ein Lärmen vor der Türe ... und vor dem Begrabenen stand der König. und ... sprach: „Ich habe von deiner Tat vernommen, die größer ist als eine, die je vernommen ward ... Tritt heraus, dass ... das Volk seligen Auges einen Gerechten schaue.“ ...

.„Du hast mich, König, einen gerechten genannt, ich aber weiß nun, dass jeder, der Recht spricht, unrecht tut und sich anfüllt mit Schuld. Noch sind Menschen in dieser Tiefe, die leiden durch mein Wort, und nun erst weiß ich um ihr Leiden und weiß: nichts darf mit nichts vergolten werden. Lass, König, jene frei und scheuche das Volk vor meinem Schritt, denn ich schäme mich seines Rühmens.

 

Seiten 14 - 17:

Bücher

TIERethik (früher ALTEXethik)
Zeitschrift zur Mensch-Tier-Beziehung
(Herbstausgabe) 200 Seiten, Format ca. A5.
Vertrieb: Weinmanng. 86, CH-8700 Kuessnacht ZH; Tel. ++41 44 380 0830; Fax +41-44-380 0832, email: subs @altex.ch; Privatabo (2 Ausgaben) 36 ¤ (Näheres siehe altex.ch und tierethik.net)
Die zweimal jährlich (Frühjahr und Herbst) publizierte Zeitschrift ist an Stelle von ALTEXethik getreten, des früheren deutschsprachigen Supplement zur englischspracchigen ALTEX, einer der 3R Idee (Tierexperimente replace, reduce, refine) verpflichteten wissenschaftliche Vierteljahresschrift. Besonders interessant sind wie bisher neben grundsätzlichen Artikeln zu wichtigen Themen regelmäßig die zahlreichen Buchbesprechungen.


Rainer Zube
Eiweiß – Ein Thriller
Schardt Verlag Oldemburg 2011, 263 S kart., Format ca. 20 x 14,5, 12,80 ¤(D), ISBN 978-3-89841-598-9

Einmal etwas anderes, ein Thriller

Unlängst beim Stöbern in Jahrzehnte alten animas stoße ich auf eine Notiz: In Kalifornien sei Abtreibung bis zur Geburt erlaubt, Ein so gewonnener lebensfähiger Säugling könne, Zustimmung der Mutter vorausgesetzt, für wissenschaftliche Zwecke (Tier- oder Menschenversuche? – er gilt nicht als Mensch) verwendet werden; Nach einem Jahr, wenn er zu laufen begänne, bringe man ihn um. Wahrheit oder ein Gräuelmärchen, das man eher in Auschwitz lokalisieren möchte?

Adererseits: Guantanamo liegt nicht in Polen. Als Mitte der 90er Jahre der für das Irak-Embargo zuständige stellvertretende UNO-Generalsekretär zurücktrat mit der Begründung, dieses habe nichts gebracht als den Tod einer halben Million Kinder, nahm es die (westliche) Weltöffentlichkeit gelassen; als eine auflagenstarke Zeitung wieder einmal mit positivem Unterton berichtete, amerikanische Flugzeuge hätten über einem aufständischen Stadtviertel 40 Tonnen Bomben abgeworfen, regte ich beim Chefredakteur an, er möge den interessierten Lesern auch die Zahl der dabei getöteten Kinder bekannt geben; er antwortete, er werde die Anregung seinem Ressortleiter für Außenpolitik weitergeben, das war es dann – übrigens, das Bombardement fand im Irak, nicht in Syrien statt


Zurück zum Thriller. Der spielt in einem Unternehmen in der dritten Welt. Dort wird menschenähnliches Vieh(?) gemästet und zu hochwertigem teuren Eiweiß für die Oberklasse verarbeitet. Ausgeburt eines kranken Hirns? An gentechnisch veränderten, menchenkompatiblen Schweinen als Ersatzteillager für Organverpflanzungen arbeitet man schon lange; Kinder werden gezeugt zwecks Organentnahme für kranke Geschwister. Der Autor lässt seine Genkombination aus Mensch, Schwein und anderem in zwei Jahren auf 130 kg schlachtreif mästen – abstrus; andererseits, Hühner erreichen jetzt schon in fünf Wochen ihr Schlachtgewicht, früher brauchte es ein Jahr; Bernhardiner und Pekineser haben denselben Urvater. Wurden Arbeiter im frühen Kapitalismus nicht fast wie Nutztiere behandelt? Ich blicke auf meine Schuhe: garantiert vegan, 19,90 ¤. Wie werden die Arbeiterinnen, die sie irgendwo in asie herstellen, gehalten? Im Schuhgeschäft wusste es keiner.

Wo gehen wir hin?
Wo stehen wir?

Parabel, Blick in die Zukunft, oder nur etwas abwegige Science Fiction? Der Autor, gelernter Philosoph, belässt es nicht beim für Romane üblichen Gemenge menschlicher Beziehungen, er flicht Philosophie, Ethik, Psychologie, Reflexionen über Massenmord, Intensivtierhaltung, Vegetarismus ins Gewebe. Das Buch ist mehr als ein Thriller. Es greift – so der Klappentext – die aktuelle Diskussion um die Ethik des Fleischkonsums auf. Neben eher ermüdenden Abschnitten – nicht jeden interessiert, mit wem alles die Heldin ins Bett steigt – gelingen dem Autor Passageh von erschütternder Eindringlichkeit.

Das Werk zwingt zum Denken und Bedenken : was haben wir aus unserer Welt bereits gemacht und was werden wir aus ihr noch machen.


Dr. med. Sigrid Steeb
Vegetarisch. Gesund. – Alles über vegetarische Ernährung mit vielen Rezepten
Schlütersche Verlagsges. Hannover 2011
188 S. kart., Format. 21 x15 cm, 19,95 ¤(D)
Univ.Prof. Claus Leitzmann, langjähriger führender Fachmann für vegetarische Vollwerternährung, schreibt in einem Geleitwort:

Frau Dr. Steeb hat die verschiedenen Anliegen und Aspekte der vegetarischen Ernährung systematisch dargestellt. Neben den theoretischen Grundlagen finden sich hilfreiche praktische Tipps zur Umsetzung der vegetarischen Ernährung mit einer Vielzahl von eigenen Rezepten. Die Darstellung ist schlüssig, immer sachlich und dadurch glaubwürdig. Die Lektüre kann ich allen Interessierten sehr empfehlen.“

Ein echter Ratgeber

Eine wertvolle Anleitung für alle, die sich dem Vegetarismus zuwenden wollen: Was sollen sie essen, welche Fehler vermeiden. Wissenschaftliche Erkenntnisse (lassen wir die Diskussion um Richtwerte an sich beiseite) für Laien leicht verständlich dargeboten. Viel Wissenswertes auch für Menschen, die bereits vegetarisch leben. Dazu ein reich bebilderter Rezeptteil mit Kalorien/Eiweiß/Fett/-Angabe zu jedem Rezept. Mit einem Wort ein echter Ratgeber.
E.L.


Englisch: Vegetarian Visitor – Where to stay and eat in Britain 2012 Edition
erhältlich bei Jon Carpenter Publishing, 2 Home Farm Cottage, Sandy Lane, St.Paul’s Cray, Kent BR5 3HZ, tel 01689 870 437, email: orders @ joncarpenter .co.uk, Preis 3 engl.Pfund + 1,50 Versand: Auf 112 Seiten A5 mehr als 400 Hotels etc. u. Gastbetriebe


Kochbücher

Maria Karl
SOJA
Einfach faszinierend-Faszinierend einfach
120 Seiten, 2. Auflage 2011, Eigenverlag Maria Karl, Bozenerstraße 7, 8200 Gleisdorf, maria-karl@gmx.at, ISBN 3-9501414-0-5
Vor über 30 Jahren begann in der Familie von Maria Karl die Umstellung auf fleischlose Ernährung. Mit der Versorgung ihrer Familie stand sie damit vor einer neuen Situation. Damit begann die Beschäftigung mit der Sojabohne, und langsam aber sicher wurde daraus eine Liebesbeziehung, die im vorliegenden Buch zum Ausdruck kommt.
Maria Karl erzählt uns, wie sie damit begann, selbst ein Feld zu bestellen, und mit großer Freude die erste Sojapflanze begrüßte. Schon im ersten Jahr durfte sie eine gute Ernte einfahren. Das vorliegende Buch will die Autorin nicht als neue Ernährungslehre sehen. Vielmehr liegt ihr daran, Menschen für den Anbau und den vielseitigen und einfachen Verwendungsmöglichkeiten der Sojabohne zu begeistern. Dieses Buch ist zweifellos ein Leitfaden für die Umsetzung in die Praxis. Beginnend mit dem Sojaanbau, der in unseren Breiten gut auch ohne Herbizide und Insektizide möglich ist, erfahren sie durch die langjährigen Erfahrungen von zwei Biobauern viel Interessantes.
Anhand von Bildern und genauen Beschreibungen können Sie die Herstellung von Sojamilch, Sojajoghurt, Sojamehl, Tofu und Räuchertofu ganz einfach nachvollziehen. Natürlich kommen auch die Rezepte nicht zu kurz und Sie bekommen Anleitungen für die Herstellung von Knabberkernen, pikanten Aufstrichen, Suppen, Mixgetränken mit Sojamilch, Hauptgerichten, Germteig aus Sojabohnenpüree, Süßem wie Waffelvariationen, Keks und Frühstücksmüsli.
Für alle, die sich intensiver mit der Sojabohne beschäftigen wollen, sei es mit dem Anbau im Garten oder die vermehrt Sojaprodukte in ihren Speiseplan aufnehmen wollen, ist dieses Buch ein überaus nützlicher Ratgeber.


Torsten Mertz
Das Seitan-Kochbuch
Gemüse ist mein Fleisch, Band 2
Verlag Parkstraße (80339 München, Parkstraße 20) 2011, 72 Seiten, Breitformat ca. 15 x 20,5 cm. 7,80 ¤(D), ISBN 978-3-941556-02-7
Nachdem sich Torsten Mertz in seinem ersten Band mit „Gemüse ist mein Fleisch – Vegetarisch grillen“ beschäftigt hat, zeigt er nun mit seinem Seitan-Kochbuch, dass sich fast alle traditionellen Fleischrezepte auch fleischfrei interpretieren lassen.
Seitan, ein verarbeitetes Weizen- oder Dinkeleiweiß, eignet sich hierfür hervorragend. Seitan ist vegan, wie auch die überwiegende Zahl der Rezepte in diesem Buch, wobei ein „Vegan-Zeichen“ rasch einen Hinweis darauf vermittelt. Seitan zeichnet sich durch einen hohen Eiweißgehalt aus, hat wenig Fett und so gut wie kein Cholesterin, was ihn auch für ernährungsbewusste Menschen äußerst attraktiv macht.
Torsten Mertz zeigt uns, wie vielfältig die Zubereitung von Seitan sein kann. Er eignet sich zum Braten, Grillen und Panieren ebenso wie zum Kochen. In seinem Geschmack, Aussehen und seiner Konsistenz ist er Tierfleisch so sehr ähnlich, dass manche sich schon zu sehr an Fleisch erinnert fühlen. Seitan gibt es heute nicht mehr nur in Bioläden, sondern schon fast in jedem Supermarkt. Wer keinen Aufwand scheut, kann ihn auch selbst sehr kostengünstig herstellen. Mit welchen Zutaten und wie hierbei vorzugehen ist, erfahren Sie in einem eigenen Kapitel.
Doch nun zum wichtigsten Teil – der Rezeptesammlung. Der erste Teil empfiehlt uns „Seitan europäisch. Da gibt es Klassiker wie Gulasch, Geschnetzeltes nach Jägerart, Schnitzel paniert, Szegediner Gulasch, Seitanhackbraten, gefüllte Paprika und noch viel mehr Köstliches.
Aber auch das Kapitel „Seitan Exotisch“ kann sich sehen lassen. Und schließlich noch das Kapitel „Seitan festlich“,zeigt, wie man ein Fondue, Falsche Ente á l´orange oder ein Seitan-Maronen-Ragout für besondere Anlässe zaubert.
Die Zubereitung der Speisen ist Schritt für Schritt verständlich beschrieben - meist noch mit einem Extratipp versehen.


Jutta Grewe
Vegetarisches aus Omas Küche
Lieblingsgericht aus Kindertagen neu entdeckt, Pala-verlag, Darmstadt, 2011, 174 S., Hardcover, 14 ¤(D)ISBN: 978-3-89566-294-2
Wer hat sie nicht, die Erinnerungen aus Kindheit und Jugend, als bestimmte Speisen ganz anders und viel besser als heute geschmeckt haben? Da war ein Bohneneintopf von der Großmutter ein wahres Festessen, einfache Bratkartoffeln bei der Tante eine Delikatesse und Mutters Apfelmus schmeckte einfach himmlisch. Genau in diese Welt entführt uns das ovo-lacto-vegetarische Kochbuch von Jutta Grewe, die uns als Einleitung in berührender Weise von ihren Kindheitserinnerungen erzählt. 1952 in den Diepholzer Moorniederungen auf einem entlegenen Bauernhof geboren, lernte sie noch eine Kultur kennen, die heute nicht mehr existiert. Das Leben war einfach und arbeitsreich. Die Beschaffung der Lebensmittel war Mittelpunkt der Arbeit. Ackerland bestellen, Obst einlagern, trocknen oder zu Saft, Gelee, Marmelade oder Kompott verarbeiten. Gemüse und Getreide richtig ernten, lagern, einschaben ..... Wildkräuter, Beeren und Pilze sammeln...
Die Rezepte in diesem Buch entstammen dieser (deutsch)-bäuerlichen, traditionellen Küche, die von der Autorin aus verschiedensteten Regionen zusammen getragen wurden. Bei manchen Rezepten hat sie sich die Freiheit genommen, das eine oder andere etwas abzuwandeln und an die moderne Vollwertküche anzupassen.
Im ersten Rezeptteil finden wir Suppen und Eintöpfe wie Rote-Rüben-Suppe, Erbsenpüreesuppe, Selleriesuppe, Linseneintopf auf niedersächsische Art und Sauerkrauteintopf. Da es im Sommer Obst im Überfluss gab, wurden auch Fruchtsuppen gekocht. Meist dienten sie als Vorspeisen. Da kam dann z. B. eine Holundersuppe mit Obst und Klößen auf den Tisch.
Bei den Salaten spielte natürlich die Verfügbarkeit eine Rolle. Im Sommer gab es frische Salate aus dem Garten, im Winter Eingelagertes und Eingelegtes. Kartoffelgerichte gab es seinerzeit täglich. Sie waren ein Hauptnahrungsmittel. Von gebackenen Kartoffelhälften über Dillkartoffeln bis hin zum Bauernfrühstück mit Kartoffeln und Eiern sorgten sie für wohltuende Sättigung.
Weitere Rezepte gibt es für Bratlinge und falsche Braten, salzige Puddings, Nudelgerichte, pikante Soßen, Brot und Nachspeisen.
Der umfangreichste Rezeptteil widmet sich Gemüsegerichten. Da gibt es Gurkengemüse, Kohlrouladen, Weißkohl mit Kümmel, Sauerkraut mit Äpfeln, Spinat uvm.
Ulla Grall
Bohnen – vom Garten in die Küche
Vielfalt erhalten und genießen
pala-verlag, Darmstadt, 2011m 216 Seiten, Hardcover, ISBN: 978-3-89566-298-0
Wenn Sie dieses Buch zur Hand nehmen, wird sie das erste Kapitel, das sich mit der Geschichte der Bohne befasst, sicher überraschen. Die Geschichte der Bohne ist nämlich eine unendlich lange. Die bisher ältesten Funde, datiert auf 6500 bis 6000 v. Chr., stammen aus der Ausgrabung einer steinzeitlichen Siedlung in der Nähe von Nazareth. Und ihre Reise ging um die ganze Welt, bis sie auch hierzulande einst zu einem der wichtigsten Grundnahrungsmittel wurde. Leider wurde sie mit dem steigenden Fleischkonsum auch wieder etwas aus unseren Kochtöpfen verdrängt. Ulla Grall, die selbst Saatgut verschiedener, überwiegend alter oder rarer Sorten pflanzt und vertreibt, hat sich ganz der Bohne und der Erhaltung ihrer Vielfalt verschrieben.
Diese Vielfalt zeigt sie uns, indem sie uns verschiedene Sorten von Buschbohnen, Kletterbohnen und Trockenbohnen genauer vorstellt und erläutert, wie wir sie am besten betreuen und wo sie sich bei uns im Garten am wohlsten fühlen. Für jene, die keinen eigenen Garten haben, verrät die Autorin, wie man z. B. Feuerbohnen als Sichtschutz auf dem Balkon problemlos im Blumenkasten pflanzt und nebenbei auch noch ernten kann.
Weiters erfahren wir, wie man Krankheiten und Schädlinge erkennen, vobeugen und bekämpfen kann; wie man Saatgut selbst gewinnen kann und es am besten lagert; wie Bohnen im allgemeinen aufbewahrt und konserviert werden oder wie man sie richtig zum Keimen bringt.
Mit über 80 Rezepten wird dann gezeigt, was man aus diesen vielfältigen Schmetterlingsblütlern alles zaubern kann. Die Rezepte sind ovo-lacto-vegetarisch, teilweise vegan, und die Zubereitung der Speisen wird Schritt für Schritt leicht verständlich erklärt. Die Rezeptauswahl beginnt mit Vorspeisen und kleinen Gerichten und führt über Salat, Suppen, Hauptgerichten und Beilagen zu Süßspeisen und Desserts.
Da fehlen Klassiker wie „Chili sin Carne“ ebenso wenig wie Bohnencremesuppe. Aber auch Exotisches wie „Bohnen auf indische Art“ und „mexikanische Bohnenpäckchen“ lassen Neugierde aufkommen. Zum Schluss lassen eine süße Bohnentorte oder Crépes mit Bohnenpaste, die man als Highlight flambieren kann, das Herz von Schleckermäulchen höher schlagen.
Wenn Sie die Bohne für Küche und Garten neu entdecken wollen, haben Sie mit diesem Buch alle Möglichkeiten dazu.
Guten Appetit beim Essen und
viel Spaß beim beim Gartln!
Ihre Michaela Schaller


Irmela Erckenbrecht
American Veggie
Vegetarische Streifzüge durch die USA, pala-verlag 2011, 200 Seiten, ca.21 x 14 cm, 14 ¤(D), ISBN 13-978-3895662973
Die als Autorin des pala-Verlags bekannte Verfasserin, selbst den USA familiär verbunden, gibt uns einen Einblick in die Besonderheiten der amerikanischen Küche, der vegetarisch abgewandelten, beeinflusst von der nationalen Vielfalt der Einwanderer, den so unterschiedlichen Landstrichen und auch der indianischen Ureinwohner. Das Buch besticht auch durch die den Rezepten vorgesetzten Erläuterungen über amerikanische Gepflogenheiten, Herkunft des Speisen etc.
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Büchereingang:


Vegetarischer Lokalführer Wien

3.Auflage, Holzbaum Verlag 2012, 50 Seiten, 9,95 ¤,| ISBN 978-3-9503097-0-6
shop@holzbaumverlag.at,


Marsili Cronberg
Wie ich verlernte, Tiere zu essen – Mit dem Comic "Happy without meat" von Linguini, Echo Verlag Göttingen 2011, 12 ¤(D), Taschenbuch 144 Seiten ca.21 x 13,5 cm

Antoinee Goetschel
Tiere klagen an
Scherz Verlag Frankfurt/M. April 2012, 256 Seiten, Hadcover, 19,99 ¤(D), 20,60 ¤(A)

Neues aus dem pala-verlag

Irmela Erckenbrecht
So schmeckt’s Kindern vegetarisch 200 Seiten, Hardcover, 14 ¤(D)

Peter Wohlleben
Bäume verstehen – Was uns Bäume erzählen – wie wir sie naturgemäß pflegen
200 Seiten, Hardcover,14 ¤(D)

Jutta Grimm
Vegetarisch grillen – Natürlich vollwertig genießen, überatbeitete Neuauflage, 155 Seiten, Hardcover, 9,90 ¤(D)

Heike Kügler-Anger
Vegan grillen – Köstliche Rezepte fürs Grillvergnügen, 195 Seiten, Hardcover, 14 ¤(D)

 

Seten 18 und 19:

In den Nebeln der Vergangenheit

Auf der Website „tierschutzprozess.at“ steht in der Rubrik „7-Minuten-Info zum Tierschutzprozess“ geschrieben:
„ Bis in die Mitte der 1990er Jahre begnügte sich der Tierschutz damit, bedürftigen Tieren in Tierheimen zu helfen oder Skandalgeschichten aufzudecken. Doch er gewann zusehends an Selbstvertrauen und führte schließlich schlagkräftige Kampagnen durch, mit denen handfeste gesetzliche Fortschritte erzielt werden konnten. Im Jahr 2005 wurde das damals weltbeste Tierschutzgesetz mit einem Verbot von Legebatterien und Pelzfarmen erreicht.“

Da auch manch andere Informationsschrift den Eindruck zu erwecken versucht, die Welt des Tierschutzes (soweit es nicht Hunde und Katzen betrifft) sei erst gegen die Jahrhundertwende entstanden, sei ein kurzen Blick in die offenbar hinter Nebelschwaden verborgene Vergangenheit gestattet. Die nicht ganz uninteressante Frage, woher der Nebel kommt, lassen wir hier beiseite.
Schon im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts und vor dem ersten Weltkrieg gab es eine breite Protestwelle gegen die Vivisektion, die zeitweise vor allem in England militante Züge annahm. Auch die Verbesserung der Schlachtpraxis war damals nicht wenigen Tierfreunden mehr oder minder erfolgreiches Anliegen. Bestärkt durch die weltberühmten Schriftsteller Leo Tolstoj und Bernard Shaw fand der Vegetarismus viele Anhänger, manche huldigten der viel später erst vegan genannten strengen Form. Es gab zahlreiche vegetarische Speiselokale.

Breiten Raum im tierschützerischen Bemühen nahm das Elend der Zugtiere ein.
Intensivtierhaltung war vorerst noch kein Thema, einfach weil sie damals bei uns kaum Bedeutung hatte. Erst von der Mitte des vergangenen Jahrhunderts an wurde sie rasch vorherrschend . Die Engländerin Ruth Harrison war die erste, die breitere Kreise über diesen Wandel der Viehwirtschaft, das Entstehen von Tierfabriken aufklärte. Ihr Buch „Animal Machines“ erschien 1964 (deutsch 1965). Organisierter Widerstand regte sich im deutschen Sprachraum anfangs der 70er Jahre. In der Schweiz gründete Lea Hürlimann 1972 die Konsumenten-Arbeits-Gruppe für tier- und umweltfreundliche Nutztierhaltung, kurz KAG, die das erste Marken-Freilandei in die Geschäfte brachte. In Deutschland waren es die Schwestern Bartling, die 1973 den Verein gegen tierquälerische Massentierhaltung (jetzt Provieh. Kiel), gründeten, der sich der Aufklärung der Bevölkerung und der Entwicklung von Alternativen widmet.
Das Thema fand bald Eingang in die Medien. Hervorzuheben ist Prof. Grzimek, zu seiner Zeit durch seine TV-Sendungen und Bücher (Serengeti darf nicht sterben) der bekannteste Zoologe Deutschlands; er prägte 1974 das Wort von den KZ-Hühnern und obsiegte vor Gericht gegenüber Eier-Industriellen, die ihm das verbieten wollten (Jüdischerseits gab es damals keinen Einwand gegen diese Bezeichnung).

Der australisch/amerikanische Ethiker Peter Singer, dessen Eltern 1938 aus Wien fliehen mussten, gab 1975 mit dem Buch „animal liberation“ (deutsch „Befreiung der Tiere“) den um die Tiere Besorgten philosophisches Rüstzeug gegen die Tierausbeutung in die Hand. Im deutschen Sprachgebiet war Gotthard M. Teutsch einer der ersten, die das Thema Tierschutz philosophisch beleuchteten. (Helmut F. Kaplan trat erst in den 90er Jahren hervor). „Der Streit um Fortschritte im Tierschutz hat sich, schreibt Teutsch 1987(!) in seinem „Lexikon der Tierschutzethik“ im Laufe der letzten zehn Jahre zu einem gesellschaftlichen Konflikt ausgeweitet, der weite Bevölkerungskreise berührt. ... Der Tierschutz ist nicht länger nur eine Sache der betreffenden Verbände, sondern zu einem öffentlichen Anliegen geworden, das in zunehmenden Maße auch die Parlamente beschäftigt.“ Das Verhältnis Mensch : Tier wurde zum Sachbuchthema. Sina Walden zählte mit dem 1984 erschienenen Buch „Endzeit für Tiere – ein Aufruf zu ihrer Befreiung“ mit zu den ersten, die im deutschen Sprachraum das Elend der Nutztiere und nicht nur dieser umfassend dokumentierte; zahlreiche andere folgten.


In Österreich fand der Nutztierschutz erst Mitte der 80er Jahre stärkeren Eingang ins Denken der etablierten Tierschutzvereine. Einzelne begannen sich (nur) für die Bodenhaltung von Legehennen einzusetzen. Der Gedanke an Freilandhaltung lag in Österreich fern. Es war der Initiative des Arbeitskreises Tierrechte der ÖVU, der im Wege der Gesellschaft für humane Nutztierhaltung im Verein mit dem Aktiven Tierschutzes Steiermark eine tierschutzmäßig hochwertige Freilandhaltung organisierte, zu verdanken, dass beginnend 1986/87 das Freilandei wieder in die Regale der Handelsketten-Filialen einzog; fast zeitgleich sorgte in Wien der von Veterinärstudenten gegründete Verein Kritische Tiermedizin für Freilandeier in Bioläden.
Viele engagierte Tierschützer, etwa Regine Dapra waren damals von einem anderen Thema erfüllt, der Verbesserung des Tierversuchswesens. Das Bemühen um ein neues Tierversuchsgesetz steigerte sich ast zu einer breiten Bewegung und führte zu einem neuen Tierversuchsgesetz Ende 1989.
Ein weiterer Schwerpunkt war in den 80er Jahren der Kampf gegen Pelze. Es gelang wenigstens partiell die Presse, etwa die Kronenzeitung einzubinden. Es schien damals, der Kampf gegen Pelz sei fast schon gewonnen. Nur wenige Frauen trauten sich noch in Pelz auf die Straße. Übrigens gab es schon damals „Tierbefreiungen“.
In die 80er Jahre fällt auch die Änderung des ABGB: „Tiere sind keine Sachen“ und, praktisch wichtiger als diese mehr oder minder nur moralische Bestimmung, die Änderung des Schadenersatzrechts: Heilkostenersatz für Heimtiere. Maßgeblichen Anteil an dieser Errungenschaft hatte die dynamische Grazer Tierschutzaktivistin Charlotte Probst mit ihrem 1987 gegründeten Bundesverein der Tierbefreier. Ebenso hatte sie am neuen Tierversuchsgesetz hohen Anteil. Sie veranstaltete u.a. die POT-Messen (Produkte ohne Tierqual), Webpelzmodenschauen, die ihr teure Gerichtsklagen von Pelzhändlern einbrachten – schon damals schlugen die, die ihre wirtschaftlichen Interessen gefährdet sahen, zurück. Das Hauptverdienst von Frau Probst ist der Tierschutzunterricht, den sie schuf und zugleich für die Ausbildung der Tierschutzlehrenden sorgte.

Man könnte die Aktivitäten und Erfolge (und auch Misserfolge) der 80er und der beginnenden 90er Jahre noch lange fortführen, nur noch ein paar Schlagworte: Intensivtierhaltungsverordnungen – Fallenverbot – Schließung der Grazer Nutriafarm – vielwöchiger Hungerstreik der Theologin Dolores Ozimic in der Wiener Innenstadt, um den ORF zu bewegen, die erschütternden Karremann-Filme zu zeigen (rege Anteilnahme der Wiener Zeitungen, doch eisernes Schweigen des ORF) – Karl Wlaschek verzichtet 1992 auf den Käfigeierverkauf in seinen Billa-Filialen – die großen Werbekampagnen des Herausgebers der Tageszeitung „täglich alles“ Kurt Falk für verbesserte Nutztierhaltung – Marilies Flemming Ministerin 1987 – bis 1991, die einzige aus der Ministerriege, deren Herz wirklich für die Tiere schlug – das Tierschutzvolksbegehren im März 1995, das auch nicht von heute auf morgen von Gerda Matias u.a. organisiert werden konnte – und manches mehr – die vielen nicht Genannten mögen verzeihen.

Mit einem Wort, ohne die Verdienste der Heutigen schmälern zu wollen, die Tierschutzwelt ist schon früher entstanden.

Erwin Lauppert

Seite 20 und 21:

Einst stand in der anima

Anlässlich des vorstehenden Rückblicks haben wir ein bisschen in alten Ausgaben der anima geblättert, hier ein paar Splitter:

Die anima Nr.3/1986 bringt in der Serie Tierrechtsmusik ein jiddisches Poem:


Dos Kelbl
Oifn forel (Wagen) ligt a kelbl,
ligt gebundn mit a schtrik,
hoich in himl flit a vojgl,
flit un drejt sich hin un ts’rk.
Locht der wind in korn,
lacht un lacht un lacht,
locht er op a tog,

a gantsn un a halbe nacht.
Donaj, donaj, ... donaj, daj .
Schrejt dos kelbl, sogt der pojer (Bauer),
wer sche hejst dich sajn a kalb?
Wolst gekent doch sajn a fojgl,
wolst gekent doch sajn a schwalb
Locht der wind ...
Bidne (arme) kelblech tut men bindn
und men schlept sej, un men schecht (schlachtet).
Wer’s hot fligl, flit arojf tsu (in die Höhe),
is bej kejnem nischt kejn knecht
Locht der wind ...
© Der Autor, der jüdisch-polnischc Schriftsteller Jtschak Katsenelson wurde vom Nazi-Regime ermordet.

Die anima ergänzte: Dieses Lied wurde von Katsenelson im Warschauer Ghetto geschrieben, unter dem Eindruck der Deportation seiner Familie ins Vernichtungslager. Auffallend, daß hier ein Opfer brutaler rassischer Diskriminierung von sich aus die Situation des Kalbes, das auf den Schlächter wartet, als Gleichnis für seine eigene Situation enpfindet! Denselben Vergleich zieht der jüdische Literaturnobelpreisträger Isaac Bashevis Singer, wenn er schreibt: „Für die Tiere ist jeden Tag Treblinka.“ Treblinka, das war ein KZ in der Nähe Warschaus – man denkt bei diesem Zitat unwillkürlich an den Begriff ,,Tier-KZ“, mit dem Bernhard Grzimak und Konrad Lorenz die „Haftbedingungen“ der Nutz- und Schlachttiere in der modernen Hassentierhaltung charakterisiert haben.


Die anima Nr. 2/1988 erinnert anlässlich der Wiederauflage seines Buches „Vom Grizzlybär zur Brillenschlange“ an Prof. Bernhard Grzimek und seinen Einsatz gegen die „KZ-Haltung“ von Nutztieren und gibt seine Aussage zur „Dunkelhaft für weißes Fleisch“, die qualvolle Haltung von Kälbern wieder. Sie zitiert seine Aussage zur Wortwahl „KZ“:

„ In den ersten Nachkriegsjahren habe ich viel mit Amerikanern zu tun gehabt. Obwohl ich selbst durch Zufall schon früh genau wusste, was in Auschwitz vorging, fiel es mir damals und fällt mir auch heute noch sehr schwer, Ausländer davon zu überzeugen, dass die Mehrheit des deutschen Volkes von den Qualen in den Konzentrationslagern kaum eine Ahnung hatte.
Natürlich wird man mich für gefühlsduselig und überspannt halten, wenn ich diese beiden Dinge zu vergleichen wage – trotzdem möchte ich Ihnen die erneute Entschuldigung der Ahnungslosigkeit nehmen, wenn Sie künftig ein Frühstücksei aufklopfen oder mittags Kalbsbraten essen.“

In der anima vom Dezember 1989 lesen wir, was der Hauspoet der Kronenzeitung Wolf Martin dort am 4.11.1989 wenn auch nur „in den Wind“ reimte:

Tierquälerei schmerzt dich unsäglich?
Und ißt doch deinen Braten täglich?
Fleisch zu essen ist im Grund
ja weder nötig noch gesund.
Doch liebt’s der Mensch sich zu ruinieren
samt seiner Umwelt und den Tieren.

 

Die anima Nr. 3/1988 – eine Sondernummer zum Jahr der internationalen Kampagne gegen die Qual der Pelztiere – gibt einen Bericht in der „Neuen AZ“ vom 21.März 1988 wieder:

Pelzgeschäfte in ganz Wien bepflastert
Eine spektakuläre Aktion setzten in der Nacht zum Sonntag – vor Beginn des Winterausverkaufs – 14 junge Leute, die keiner Organisation angehören. Sie befestigten bei sämtlichen Wiener Pelzgeschäften – insgesamt 188 an der Zahl – Plakate „Schluß mit dem Tiermord für Luxus“ und besprühten die Auslagenscheiben mit roter Farbe. Vier der Aktionisten wurden von der Polizei auf frischer Tat festgenommen und wegen Sachbeschädigung angezeigt. Ein Vorwurf, den sie zurückweisen: Wir verwendeten Plakate, die leicht abzulösen sind sprühten nur mit schnell abwaschbarer Farbe.
(Anm. der Red.: Eine solche Aktion dürfte werbewirksamer sein und bei den Menschen besser ankommen als Auslagenscheiben einschlagen und Buttersäure in Geschäfte versprühen.)

Wie sicher sind Studien?
(Eine Frage aus Anlass einer von Krankenhausärzten gefälschten Medikamentenstudie:) Warum führt man Studien an Menschen durch?
Der Rektor der Grazer Medizinischen Universität Josef Smolle: Weil es nie klar ist, ob Medikamente, die im Tier-Laborversuch gut wirken, auch beim Menschen ansprechen.

Kleine Zeitung Graz, 4.2.2012

 

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Bitte Adressen vervollständigen!

Liebe anima-Bezieher:

s passiert immer wieder, dass eine lange anstandslos zugestellte Zeitschrift plötzlich mit dem Vermerk „Adresse ungenügend“ zurückkommt, weil die Brieffachnummer fehlt und ein neuer Zusteller sich namentlich in Häusern/Stiegen mit zahlreichen Mietern nicht die Mühe macht, den Empfängernamen zu suchen. Er ist nicht dazu verpflichtet.
Bitte teilen Sie uns, um auch künftig die Zustellung zu sichern, die Brieffachnummer mit, wenn sie auf Ihrer anima-Adresse fehlt. (telefonisch, Fax, email oder Karte).

 

Seite 22:

Regenschirme und die Folgen

Dieser Tage hat der Steiermärkische Landtag – Jagdgesetzgebung ist in Österreich Sache der Bundesländer – dem Vorbild anderer Bundesländer folgend, eine Novelle zum Jagdgesetz beschlossen, die u.a. Vorschriften zum Schutz gegen den „Jagd-Stör-Tourismus“ enthält. Künftig darf das Jagdschutzpersonal bei Treib-, Drück- und Lappjagden alle Unbefugten wegweisen, von ihnen Ausweise verlangen oder Anzeigen erstatten. Die Polizei kann über die Bezirksbehörde angefordert werden.

Bei der Gelegenheit sollte einmal der tierschützerische Wert von Jagdstörungen evaluiert werden. Was kosten sie, was wird gewonnen.

10 oder 20 Tierschützer fahren 50 oder 100 km weit, sind 6 oder 12 Stunden unterwegs und erreichen, wenn sie Glück haben, mittels aufgespannter Regenschirme den Abbruch einer Jagd oder auch gar nichts. Die Jagd wird bald darauf wiederholt. Der propagandistisch Wert der Aktion ist nahe null, weil sie abseits der Öffentlichkeit stattfindet und bestenfalls in einer Bezirkszeitung erwähnt wird. 20 oder auch 100 Jagdstörungen bei 10- oder 20.000 Treibjagden können dem Jagdwesen nichts anhaben. Die Negativa: Jäger und Landbevölkerung sind erbost, es gibt keine Gesprächsbasis mehr, um gemeinsam mit verständigen Jägern üble Praktiken abzuschaffen, die Gesetze gegen die Tierschützer werden verschärft, Beobachten und Aufzeigen von Missständen ist nicht mehr möglich. Das einzige Positivum: Es ist a Gaudi und man ist in frischer Luft, wenigstens solange die grantig gewordenen Obrigkeit einen nicht einsperrt. Und das alles mit einem Aufwand von 100 Arbeitsstunden. Könnten die nicht besser genutzt werden?

Der andereWeg, den zB der Aktive Tierschutz Steiermark gegangen ist: Man sucht das Gespräch und erreicht das Verbot der Fallenjagd.


Halal geheim

Das Thema wurde schon mehrmals behandelt. Kurz rekapituliert: Es geht nicht darum, ob religiöse Gemeinschaften schächten dürfen. Es geht darum, ob Leuten, denen Schächten zuwider ist, Schächtfleisch unterjubelt werden darf. Denn es wird mehr geschächtet als notwendig und mancher Gemeinschaftsverpfleger gibt, um keine Scherereien mit Moslems zu haben, gleich nur Ware, die halal, also geschächtet ist, aus. Vor zwei Jahren hat deshalb das EU-Parlament mit 90%iger Mehrheit die Kennzeichnung von Schächtfleisch gefordert, doch der Eu-Ministerrat hat das abgelehnt.

Auch unser Tierschutzminister Stöger hat dagegen gestimmt. Vielleicht hat er gedacht: Nur keine Scherereien mit den Muslims, mit den eingeborenen Österreichern werde ich leichter fertig. Er hat sich dabei auf eine angebliche Fünf-Parteien-Einigung anlässlich der Erlassung des Tierschutzgesetzes 2005 ausgeredet, die aber komischer Weise nirgends zu finden ist.

Jetzt ist wieder etwas Bewegung in die Sache gekommen. Der französische Staatspräsident Sarkozy fordert neuerdings die Schächtfleisch-Kennzeichnung. Der Hintergrund: Wahlen kommen. Laut Le Pen konsumieren zehn Millionen Einwohner im Großraum Paris nur noch „islamisch korrektes“, also geschächtetes Fleisch. Reelle Schätzungen sprechen sehr unterschiedlich von rund 15 bis über 50 Prozent.


Muss ein Minister auf den Jägerball?
Er muss nicht, aber er kann. Tierfreunde lieben die Jagd nicht. Die Teilnahme am Jägerball in Wien ist darum so eine Art weltanschauliches Bekenntnis. Dieses Jahr nahmen laut Zeitungen teil: Umweltminister Berlakovich, Justizministerin Karl (beide V), Sozialminister Hundstorfer (S) sowie FPÖ-Chef Strache.

 

Seite 23

Fotoscheu

In den USA ist es bereits in etlichen Bundesstaaten bei strenger Strafe verboten, Tiere in fremden Ställen zu filmen. Das hat den Vorteil, dass sich die Behörden, die Gerichte, nicht mehr mit Anzeigen wegen tierquälerischer Nutztierhaltung plagen müssen. Starke Wirtschaftskräfte drängen sogar auf ein generelles Fotografierverbot in der Viehwirtschaft.

Wir hier in Österreich bleiben heute einmal beim Fotografieren von Menschen, demonstrierenden und amtshandelnden.

Der VgT hatte behauptet, beim Anti-Pelz Demomarsch am 3.12.2011 in Graz habe ein Polizeibeamter „ununterbrochen die TeilnehmerInnen ins Gesicht fotografiert“. Manche interpretieren derartige Maßnahmen, die geeignet sind, Menschen von der Teilnahme an Versammlungen abzuhalten, als faktische Einschränkung der verfassungsrechtlich gewährten Versammlungsfreiheit. Das Innenministerium hat uns dazu auf Anfrage mitgeteilt, die Polizei sehe sich bei Beschwerden an den Unabhängigen Verwaltungssenat immer wieder mit beigelegten fotografischen Aufnahmen konfrontiert, weshalb die Polizei ihrerseits zum Zwecke der Dokumentation der eigenen Amtshandlung als Beweismittel vor dem UVS Fotos mache.(Rechtsgrundlage: § 31 Sicherheitspolizeigesetz). Ein „ins Gesicht fotografieren“ wäre nicht beabsichtigt und auch nicht im Rahmen des behördlichen Auftrages gewesen. Da es zu keinen Ausschreitungen und Beschwerden gekommen ist, seien die Aufnahmen bereits gelöscht.

Erinnern Sie sich? In der letzten anima berichteten wir über die Eskalation eines Zusammentreffens von Polizei und Tierschützern nahe Graz: ein Tierschützer wollte einen Polizisten filmen, der versuchte das zu verhindern.

Auch dazu haben wir beim Innenministerium angefragt, und zwar, ob polizeiliche Amtshandlungen gefilmt werden dürfen. Die Antwort : Zu Ihrer Anfrage vom 6. Dez. 2011 im Zusammenhang mit der Rechtmäßigkeit einer technischen Aufzeichnung öffentlicher Amtshandlungen wird Ihnen mitgeteilt, dass dem nichts entgegensteht, solange dadurch die Amtshandlung nicht behindert wird. Falls dies erfolgt, könnten die im SPG angeführten Befugnisse (z.B Wegweisung des Störers nach § 38 SPG) gewandt werden.

Soweit die öffentlichrechtliche Seite. Und privatrechtlich? Es ist verständlich, dass Beamte bei ihnen von der Obrigkeit aufgetragenen, von Teilen der Bevölkerung missbilligten Amtshandlungen nicht gern an den Pranger gestellt werden möchten.
Da hatte der Verein Purple Sheep, der sich um Asylanten bemüht, die (versuchte) Abschiebung einer Familie mit einem schwer behinderten Mädchen filmisch dokumentiert und ins Internet gestelllt.
Zwei der beteiligten Polizisten klagen nun den Verein mit gewerkschaftlicher Unterstützung auf Unterlassung und dazu auf 23.000 ¤ Schadenersatz, weil die Bloßstellung es ihnen verwehre, zu „verdeckten Ermittlern“ zu avancieren. 23.000 ¤: eine für den Verein wirtschaftlich tödliche Summe.
Filmen an sich erlaubt ist eines, den Film der Öffentlichkeit zu präsentieren, ein anderes. Die Klage geht jedoch, wenn wir recht verstanden haben, weiter: Bereits das Filmen soll, da quasi Vorbereitungshandlung für die Veröffentlichung, verboten werden.

Das macht den Fall allgemein bedeutsam: „Es geht – sagt Purple Sheep – um uns alle, uns Bürger, die man bei der Dokumentation von Missständen versucht einzuschüchtern. Genau das ist der Punkt, gegen den wir uns alle wehren müssen, ob als einzelner, als NGO oder als Medienvertreter.“

E.L.

 

Seiite 24:

Dürfen verdeckte Ermittler Herzen brechen und Kinder machen?

Sie meinen, eine abwegige Frage – Sie irren. Lassen wir die beim VgT eingeschleuste als bettfreudig verunglimpfte Danielle Durand beiseite. Kürzlich wurde in britischen Medien berichtet, dort hätten auf Umweltaktivistinnen angesetzte verdeckte Ermittler zweien davon Kinder gemacht und wären dann verduftet.
Unsere Gesetze erlauben den Behörden be-deutsame Daten zu sammeln, durch Ge-heimpolizisten unter falscher Identität, z.B. als Putzfrau; oder auch als feuriger Liebha-ber? Darüber sagen die Gesetze nichts.

Natürlich muss die Regierung vor Terroris-ten schützen, die Bevölkerung und ein bis-serl auch sich selber; immerhin fiel ein (Landes-)Regierungsmitglied schon einem terroristischen Anschlag zum Opfer. Die Terrorismusgefahr wird ja nicht kleiner; wenigstens solange westliche Regierungen im Orient und anderswo tonnenweise Bom-ben auf die Leute schmeißen, gezielt und ungezielt töten, Menschen in Gefängnissen malträtieren, solange Bewohner aus ihren Häusern und ihrem Land vertrieben werden, und solange im eigenen Land die soziale Kluft immer größer wird und die so ge-nannten Eliten für die Sorgen ihrer Unter-tanen – mögen es eingebildete sein oder nicht – nur schöne Worte haben.

Bomben werfen ist halt keine Einbahnstraße. nicht jeder getretene Wurm krümmt sich nur, manchmal kommt ein Sprengkörper retour. Zurück zu den Geheimagenten. Sagen Sie nicht, was interessieren mich die; ich bin eine friedliche Natur, warum sollte man mich überwachen. Haben Sie einmal bei einem Tierschutzverein ein T-Shirt bestellt? Sie sagen, ich bestelle dort nichts, nicht einmal eine Kosmetikliste, ich lebe ganz allein, zurückgezogen und google so vor mich hin. Sehen Sie, auch da darf man Sie nach neuestem Gesetz jetzt überwachen. Wer eine Suchmaschine frequentiert, ist für den Geheimdienst ein offenes Buch, wenigstens für den amerikanischen. Passen Sie auf, wohin Sie klicken.


Wer zahlt die Alimente?

Also Achtung vor Putzfrauen und Liebha-bern. Was ist, wenn der Beamte zu feurig wird und dann ein Baby kommt? Wir haben die Frau Innen- und die Frau Justizministe-rin gefragt, darf das Amtsorgan bis ins Bett? Das Innenministerium hat uns empfohlen, die Rechtsanwaltskammer zu konsultieren – das löst das Problem auch nicht. Frau Pro-fessor Karl schweigt. Wir haben gefragt, wer zahlt die Alimente, und auf Solidarität mit Kind und Mutter von Frau zu Frau gehofft. Keine Antwort. Politik scheint fühlende Herzen zu versteinern.

Also, falls es für Sie in Frage kommt: Vor-sicht, wenn Sie sich ernstlich mit einem Mann einlassen. Möchte der gemeinsam mit Ihnen neues Leben erwecken, es hegen und pflegen? Oder als Beamter nur einen Akt erledigen, mal aus Fleisch und Blut und nicht aus Papier, und Sie dann ad acta legen? Prüfen Sie gut – aber wie geht das ohne selbst einen Detektiv zu engagieren wie der VgT? Die Ministerinnen lassen uns im Stich; wissen Sie, liebe Leserinnen und Leser, einen Rat?


E.L.

 

 

 

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