Inhalt Nr.4/2011

 

Aus dem Inhalt

Christine Beidl
Weihnachten und die Tiere ............ 3

Erwin Lauppert
Tierrechtskongress – Impressionen 5

VEBU
Ernährungsratschläge ..................... 9

Vegetarische Informationen .......... 11

Tian, das neue Nobelrestaurant in Wien
An der Himmelpforte ..................... 12

Ges. f. humane Nutztierhaltung
25 Jahre Freilandei in Österreich ... 13

In den Fängen von Polizei und Justiz
Tierschützer. Staatsfeind .............. 17
Zum neuen Buch von DDr. Balluch

Bücher .......................................... 19

Helmut F. Kaplan, Leichenschmaus
Martin Balluch, Tierschützer. Staatsfeind
Birgit Klaus, Tier zuliebe
Michael Pollan, Das Omnivoren-Dilemma
Michael Pollan, 64 Gundregeln ESSEN
Alexander Nabben, Tofu vegan
Marsili Cronberg, Wie ich verlernte, Tiere zu essen
Neues aus dem pala-verlag

Die Katze in der Weihnachtskrippe 22

Notizen – Impressum ..................... 23

Kilian Dreißig - Sebastian Zösch
Die Körner-Metzgerei .................... 22

Wie wird aus einer Mücke ein Elefant?
Jäger, Polizei und Tierrechtler ........... 24

 

Seite 1:


Ich werde auf dieser Welt
nur einmal wandern.
Wenn ich etwas Gutes tun
oder einem menschlichen Wesen
oder stummen Tier
etwas Liebes erwiesen kann,
sollte es gleich geschehen.

John Galsworthy
1867-1933
Literatur-Nobelpreis 1932

Seite 2:

Liebe Leserinnen und Leser,

das Jahr neigt sich dem Ende zu, Zeit zurückzublicken. Das hervorstechendste Ereignis war zweifellos das glückliche Ende des Tierschützerzprozesses, Freispruch für alle. Glücklich? Nicht ganz das richtige Wort bei Anwaltskosten von hunderttausenden Euro. Österreich ein Rechtsstaat? Und acht Monate nach Prozessende noch keine schriftliche Urteilsausfertigung? Da dürfen wir die Justiz eigentlich gar nicht mehr kritisieren. Unsere Aufgabe ist es ja für die Tiere einzutreten. Sind Schnecken etwa keine Tiere?


Zum Positiven: zwei neue vegetarische Restaurants in Wien, ein sehr nobles und ein großes – Yamm – für ein breiteres Publikum, dazu in Graz zu den zwei alteingesessenen noch ein drittes, und alle finden ihre Gäste. Das freut natürlich die Vegetarier- und Tierrechtszeitung, Vegetarismus ist ja der beste Tierschutz. Ein Wermutstropfen; wie steht es in den anderen Landeshauptstädten? Wer über-nimmt dort die Initiative?


Zu dieser Nummer: Breiteren Raum nimmt der Bericht über den Tierrechts-kongress ein, dazu Gedanken zu Balluchs Erlebnisbericht aus dem Gefängnis: ein geschichtlicher Rückblick zum Freilandei – Verbesserungen in der Tierhaltung, die viele honorieren, helfen den Tieren mehr als der Übertritt leider nur weniger zum Veganismus.


Zwei Texte haben wir aus alten anima-Ausgaben herausgekramt. Dass Humor vielleicht die bessere Waffe ist, um unsere Sache voran zu treiben, zeigt das Gedicht von der Körner-Metzgerei. Mit der letzen Seite kommen wir zur Frage, bringt Kon-frontation mit Jägern mehr als sachliches Gespräch? Der Chef des größten steirischen Tierschutzvereins Heribert Oster hat die Jäger nicht beschimpft, er hat sich mit ihnen zusammengesetzt und ein Fallenverbot erreicht. Darüber nachzu-denken lohnt sich.


Friedliche Feiertage, ein gutes neues Jahr!
Ihre anima-Redaktion

 

Seite 3:

Weihnachten und die Tiere
Überlieferung - Sagen - Volksbräuche

Christine Beidl


"Ihr wart dabei - und seid vergessen" klagt schon Ernst Wiechert und erinnert an die Tatsache, daß Tiere die ersten Geschöpfe waren, die das Jesuskind auf dieser Erde begrüßt haben. "Sie wickelte es in Windeln und legte es in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war."
Nach alter Überlieferung waren es Rind und Esel, die zwar im Lukas-Evangelium nicht erwähnt werden, wohl aber in zahlreichen apogryphen Schriften und Legenden rings um die Geburt. Einige von, ihnen hat Selma Lagerlöf in ihren "Christuslegenden" literarisch verarbeitet.
Nur wenig bekannt ist, daß an einer Stelle auch eine Katze erwähnt wird, die unter der Krippe ein Nest mit ihren Jungen hatte. (Seltsamerweise kommt die Katze - das vergötterte Tier der Ägypter - weder im Alten noch im Neuen Testament vor.)
Ihr seid vergessen! Diese Klage ist angesichts der Einstellung vieler Theologen zu unseren Tiergeschwistern nur allzu berechtigt, das war aber nicht immer so. Es widerspricht auch allem, was Jesus über die Barmherzigkeit, die gerade den Ärmsten gilt und keine Grenzen zieht, sagte, seinen Gleichnissen vom Guten Hirten, der seine Tiere liebt, und daß er, ehe er seine Botschaft den Menschen verkündete, zu den Tieren in die Wüste ging. Aber auch seine letzten Worte galten Menschen UND Tieren "Geht hin in. alle Welt und verkündet das Evangelium ALLER Kreatur."


Ganz vergessen waren ja die Tiere gerade beim gläubigen Volk nie, und vor allem um die Christnacht ranken sich geheimnisvolle Sagen und Bräuche. So war es üblich, in der Heiligen Nacht mit Weihrauch durch alle Räume zu ziehen und auch die Tiere im Stall zu segnen. Meist bekamen sie an diesem Tag auch besonderes Futter, geweihtes Brot usw. Weit verbreitet war der Glaube, daß die Tiere in der Heiligen Nacht mit menschlicher Stimme reden, wohl auch künftige Ereignisse auf dem Hof, etwa Todesfälle, voraussagen. Sicher ging es auch um das Gedeihen der Tiere und der Ernte im kommenden Jahr, aber daneben spielte wohl auch der Respekt vor den Tieren eine Rolle oder das Bedürfnis, ihnen wenigstens einmal im Jahr dankbar zu sein.
Der Ursprung dieser Bräuche liegt oft weit zurück. Wenn man in der Heiligen Nacht Hafer vor die Türe streute für das Gespann von Knecht Ruprecht, so war dies wohl ursprünglich für Wotans Pferd ge-dacht, der später zum Wilden Jäger wurde und mit seinem Gespann durch die Lüfte zog. In dieser Zeit der langen, dunklen Nächte wurde die Hoffnung auf die Wiederkehr des Lichts gefeiert, was später auf die Gestalt des neugeborenen Gottes-kindes übertragen wurde.
Verpönt war es auch stets, in den Heiligen Nächten auf die Jagd zu gehen, in vielen Sagen folgten hier die strengsten Strafen für den Frevler. Auch die wilden Tiere sollten teilhaben am Weihnachtsfrieden, zu diesem hochheiligen Fest durften sie nicht gehetzt und getötet werden.
Aber gerade die Zeit der Rauhnächte, der dunklen Nächte zwischen dem 24. Dezember und dem 6.Jänner, waren auch die Zeit der Kobolde, der Berggeister und Alben, aller unerlösten Naturwesen. Die alten keltischen und germanischen Götter, durch den Christengott gestürzt und ins Gespenster-reich verbannt, standen noch einmal auf: Die Percht, Wotan mit seiner Wilden Jagd, begleitet von ihren einstmals heiligen Tieren: Der Rabe, der Wolf, die Eule...
Die Naturwesen, die Berge, Gewässer, Wälder beseelten, lebten noch lange im Volk weiter, bis in die neuere Zeit: Das Stille Volk der keltischen Iren, Feen, Nixen und Trolle, und es gab geheime Plätze, Opfersteine und heilige Quellen, in denen sich das Unheimliche mit dem Märchenhaften verband, Undine, die sich nach einer unsterblichen Seele sehnt, wie in Andersen's wundersamen Märchen von der kleinen Seejungfrau. Es war die ganze unerlöste Natur mit ihrer Tierwelt, die gerade zu Weihnachten eine Stimme bekam - das Seufzen und Klagen der Schöpfung, von der auch Paulus spricht, und die ebenfalls teilhaben soll an der Erlösung der Kinder Gottes.
Vielleicht drückt dies auch eine Sage aus, von der Ebermut Rudolph in seinem Buch "Vertrieben aus Eden" berichtet. Auf welche Erlebnisse gehen solche Berichte zurück, wie "Die Pferdemette auf dem Höfler"?


" Auf dem Heimweg von einem "Engelamt" (Weihnachtsmette) in Stötten kommt ein nächtlicher Wanderer über den Höfler: Da prangte mit einen Mal der vordem dunkle Wald in gleißendem Licht: An einem wunderschönen Altar feierte ein Priester die heilige Messe ... Hunderte von Pferden umstanden in weitem Rund den Altar und alle hatten sie eine Wunde am Hals ... Der Bauer traute seinen Augen nicht: Mit der tödlichen Wunde hätten doch die Tiere sogleich umfallen müssen. Aber im Gegenteil, die geschundene Kreatur vereinigte sich im winterlichen Wald zu einem wundersamen Lobpreis des neugeborenen Heilands. Ganz benommen kehrte der Zeuge dieser merkwürdigen Pferdemette heim. Dann aber eilte er noch in derselben Nacht zu den Nachbarn und Freunden, um ihnen dieses Christnachtswunder zu erzählen. Und wie die Leute auf diese Nachricht hin vom Seehof herüber und vom Auerberg herab auf den Höfler eilten, da war von Priester, Altar und den Messbesuchern nichts mehr zu sehen. Nur im Schnee bemerkten sie zahlreiche Blutspuren und die Abdrücke vieler Pferdehufe."
Der Autor fragt sich, ob es sich bei der Halswunde der Pferde vielleicht um eine Erinnerung an vorchristliche Pferdeopfer handle, oder nur um eine Manifestation des der Kreatur vom Menschen zugefügten Leides. Was ist der Ursprung solcher Visionen, deren es zahlreiche in der Überlieferung, des Volkes gibt? Rudolph meint abschließend: „Es muß wohl dem Empfinden der frommen Menschen jener Gegend entsprochen haben, wenn sie auch die vom Menschen gepeinigte Kreatur vereint sehen wollte zum Preise des göttlichen Kindes, das sich damit - wir verharren noch immer streng im Rahmen des durch die Sage wohl Gemeinten - auch als Erlöser der außermenschlichen Kreatur erweist."


Weihnachten und die Tiere! Wer denkt noch an sie, wenn sie sich in den Regalen der Großkaufhäuser zu Bergen türmen, die Leichen der Puten, der Gänse und Enten aus Massentierhaltung, berieselt vom ständigen Klang der Weihnachtslieder, die zum Kauf animieren sollen, "Stille Nacht" zu Reklamezwecken mißbraucht? Das Weihnachtsgeschäft blüht, die Engel der Hirten und der Stern von Bethlehem müssen herhalten, um die Kassen zu füllen. Das Geburtsfest des heimatlosen Kindes im Stall ist zu einer Orgie des Luxus und der Schlemmerei geworden ... Weihnachtsmänner auf den Straßen heizen den Kommerz an ... und ich sah als Christkinder verkleidete Girlies, die zum Vergnügen der anwesenden Herren Striptease machten ...
In unserer Spaßgesellschaft hört man die leisen Stimmen der Tiere und der Engel in der Christnacht nicht mehr. Aber vielleicht gibt es doch einige, die sie hören, weil sie gelernt haben, mitten im Lärm die Stille zu hören.


Friede auf Erden allen Tieren und allen Menschen, die guten Willens sind!


(aus anima 4/2001)


Wir müssen zu einer anderen, weiseren, vielleicht mystischeren Auffassung von Tieren kommen. Denn das Tier darf nicht am Menschen gemessen werden. Die Tiere sind nicht die Geschwister des Menschen, sie sind ihm auch nicht untergeordnet. Die Tiere sind andere Völker, die mit uns im Netz des Lebens und der Zeit gefangen sind, sie sind Mitgefangene im Zyklus von Wunder und Wehen der Geburt
Henry B ston

Seite 5 - 8:

Impressionen vom Tierrechtskongress


Nach 2002, 2004 und 2008 gab es vom 8. bis 11. Dezember 2011 zum vierten Mal in Wien den Tierrechtskongress. Wie immer mustergültig veranstaltet vom Verein gegen Tierfabriken, wie 2008 im ansprechenden Don Boso Haus, einer Jugendbildungstätte der römisch-katholischen Ordensgemeinschaft der Salesianer, im Westen der Stadt, abseits des Verkehrstrubels.
Auf der Kongresswebsite lesen wir zur Veranstaltung:


Wir wollen uns einerseits mit dem unglaublichen Ausmaß der Repression auseinandersetzen, aber andererseits auch mit den seit 2008 anstehenden Tierschutzproblemen und mit zukünftigen Entwicklungen. ... Es liegt an den TrägerInnen der Tierrechtsbewegung, die Repression in positive Energie für die Sache umzuwandeln. Jetzt heißt es die Ärmel hochzukrempeln und zwar die Vergangenheit zu analysieren, um aus ihr zu lernen, aber vor allem die Zukunft ins Auge zu fassen und voller Motivation neue Projekte in Angriff zu nehmen.
In der Praxis gab es ein weit gespanntes Programm an Vorträgen und Arbeitgruppen. In der letzten anima-Nummer in der Vorschau zum Kongress ist ein Großteil aufgelistet.

Es ging vom Altertum bis in die Zukunft – über Empathie gegenüber Tieren im Mittelalter sprach beispielsweise Univ.Prof. Gabriela Kompatscher-Gufler aus Innsbruck (Vielleicht errinnern Sie sich an die Besprechung ihres Buches Tiere als Freunde im Mittelalter in der anima Nr. 1/2010); der Bogen reichte von der Mensch-Tierbeziehung im allgemeinen bis zur Hundeernährung und –erziehung; Christentum, meditatives Eingehen auf Tiere, die Rechtsstellung von Menschenaffen, Ernährung wurden behandelt; breiten Raum nahm das Thema Propagierung der veganen Lebensweise ein und natürlich kam auch die Repression gegen Tierrechtler nicht zu kurz.


Die ist mit dem Tierschützerprozess ja nicht zu Ende. Die Repression, die Unterdrückung geht ja weiter. Anfangs Dezember gab es nahe Graz wieder einen Fall: körperliche Repression im wörtlichen Sinn. Über eine halbe Stunde saß ein Polizist auf einem am Asphalt liegenden Tierrechtler, wenn man dem Bericht des als Sessel Dienenden Glauben schenken darf (siehe letzte Seite). Eine originelle Polizeimaßnahme, die dem Vernehmen nach im Sicherheitspolizeigesetz gar nicht vorgesehen sein soll. Es geschieht wohl manches in der Welt, was in den Gesetzen so nicht steht. Übrigens, die Korruptionsstaatsanwaltschaft hat es abgelehnt, die Anzeigen von Angeklagten gegen ermittelnde Polizeiorgane wegen behaupteter falscher Zeugenaussage und Amtsmissbrauch weiter zu verfolgen.
Tierschützerprozess
und mittelalterliche Hexenprozesse
Wussten Sie, liebe Leserinnen und Leser, dass vor genau dreihundert vierzig Jahren, am 11.Dezember 1671 eine als Hexe verurteilte Kräuterin verbrannt wurde? Wo? In Wiener Neustadt. Ich erwähne das zur Ehrenrettung des Wiener Neustädter Gerichts, an dem so viele herummäkeln. Das Tierschützer-Urteil ist da doch ein nicht zu leugnender kultureller Fortschritt. Sagen Sie nicht, Hexen – das ist doch ferne Vergangenheit. Gerade jetzt lese ich in der Zeitung: In Saudi-Arabien wurde gestern eine Frau als Hexe hingerichtet. Zwar wird in Österreich derzeit niemand mehr persönlich hingerichtet, doch seine wirtschaftliche Existenz wird – ob Schuld- oder Freispruch – vernichtet.


Die Geschichte von der armen Kräuterin, die in Wiener Neustadt am Scheiterhaufen brannte, erzählte Univ.Prof. Dr. Siller aus Innsbruck in seinem Vortrag „Tierschutzprozess und Hexenprozess“. Er verglich hier jenen satirisch und doch ernst mit einem großen Hexenprozess in Innsbruck vor fünfhundert Jahren und zeigte erstaunliche Parallelen in den Methoden auf. Es war nebenbei einer der wenigen Hexenprozesse, die nicht mit Verurteilung endeten. Wie es damals den Beschuldigten wirtschaftlich erging, blieb unerörtert. Einen Unterschied gab es noch. Damals ging es schneller, ganz ohne Elektronik. Heute: Beginn der engeren Erhebungen 2007, über ein Jahr Prozess, mündliches Urteil anfangs Mai 2011, schriftliches Urteil hört man erst ein Jahr nach Ende des Beweisverfahrens, im März 2012 – ein eigenartiger Rechtsstaat.


Etwas wurde auf dem Kongress, wenn ich nichts überhört habe, allerdings nicht näher reflektiert und das ist schade.
In Österreich kommt es jährlich zu rund 600.000 Straftaten, darunter zu zahllosen schwerwiegenden gegen Leib und Leben, zu zehntausenden Einbrüchen in Wohnungen und Geschäfte, die die Betroffenen in Angst und Schrecken versetzen, zu hunderten Toten auf den Straßen, darunter Dutzende Kinder.
Was ist der Grund, warum nicht wenige in der Bevölkerung gerade Veganer – ohne genau zu wissen, was das ist – mit Terroristen assoziieren?
Warum kommt es gerade gegen Tierschützer zu einem millionenschweren und personalintensiven Einsatz? Wegen angenommener so um die 220 Delikte, im Verhältnis zu den aufgezählten Straftaten fast nur Lappalien.


Im Grazer Universitätsviertel kommt es fast allnächtlich zu Krawallen und Randalen betrunkener Studenten oder Leuten, die sich für solche halten. Da erklärt sich die Polizei außer Stande für Schutz und Ordnung zu sorgen. Erst dieser Tage hat eine angesehene Geschäftsfrau, nebenbei bemerkt ÖVP-Nationalrats-Abgeordnete, ihr renommiertes Restaurant geschlossen, nicht nur aber auch mit der Begründung, sie sei es leid, immer wieder zerschlagene Fensterscheiben ersetzen und Gespiebenes vor dem Haus aufwaschen lassen zu müssen.

Was ist der Grund, warum nicht wenige in der Bevölkerung gerade Veganer – ohne genau zu wissen, was das ist – mit Terroristen assoziieren? Ein Thema über das sich nachzudenken lohnte.


Lassen wir das Töten beiseite, konzentrieren wir unsere Bemühungen auf das Erreichbare: Leiden mindern; das ist schwer genug?
Aus den zahlreichen Kongressbeiträgen seiner Thesen halber hervorzuheben ist der Vortrag des britischen Univ.Professors Dr. Robert Garner, Universität Leicester, der stark vereinfacht sagte: Die Bevölkerung ist offensichtlich nicht bereit, aufs Töten von Tieren zum Nutzen der Menschen zu verzichten. Wohl aber besteht Widerwille, Tiere leiden zu lassen. Konzentrieren wir unsere Bemühungen also auf das Erreichbare, das Leiden zu mindern; das ist schwer genug. Die These blieb nicht unwidersprochen.


Ein Merkmal von Tierrechtsveranstaltungen ist häufig der abolitionistische Grundton, die Verweigerung pragmatischer Zugeständnisse.
Das erinnert ein bisschen an den Ausspruch des trotzenden Knaben: Recht geschieht meinem Vater, dass ich mir die Hände abfriere, was kauft er mir keine Handschuhe. – Recht geschieht es den Menschen, dass wir Tiere leiden, was werden sie keine Veganer.
Typisch ist der Streit Veganer – Lakto/ovo-Vegetarier. In Österreich sterben grob geschätzt jährlich rund hundert Millionen Warmblütler direkt und indirekt für menschliche Nahrungszwecke:


Recht geschieht es den Menschen, dass wir Tiere leiden, was werden sie keine Veganer?
fürs Fleisch rund 70 Millionen Masthühner und sonstiges Mastgeflügel und rund zehn Millionen Vierfüßler, darunter fast sechs Millionen Schweine; zehn Millionen auf ab im Legehennenbereich und rund zehn Millionen direkt und indirekt im Rahmen der Produktion von Pflanzen für Ernährungszwecke, also auch für die Veganer. Für die Milchgewinnung (Milchkühe und Kälber) stirbt dagegen nur eine halbe Million, also nicht einmal ein Prozent.
Direkt vom Fleisch zur rein pflanzlichen Ernährung oder über den Lakto/ovo-Vegetarismus?

Es ist schon schwierig genug, Menschen zum Lakto-Vegetarismus zu bekehren, sie zur veganen Form des Vegetarismus zu bringen, ist fünf- bis zehnmal schwerer; die statistischen Zahlen zeigen es. Vor die Wahl gestellt sagen viele: Wenn auch Lakto-Vegetarismus Mord ist, bleibe ich gleich beim Fleisch. Das mag betrüben, doch wäre es erwägenswert, das ins werbetechnische Kalkül zu ziehen. Ist es sinnvoll für 1 Prozent mehr auf 89 Prozent zu verzichten?


Dem Blick starr auf das utopische Fernziel, die vegane Welt gerichtet entgeht das Nahe. Da sind die vielen Millionen Tiere, die heute und auch Morgen und Überübermorgen leiden.
Können wir wenigstens einem Teil von ihnen schon heute helfen. Prof. Garner meinte, wir sollten uns auf Leidminderung konzentrieren, da fänden wir zwar nicht bei allen, doch bei vielen Menschen offene Türen, d.h. sie wären bereit für tiergerechter Erzeugtes mehr zu zahlen.
Ein Beispiel ist das Freilandei. Wir hatten es vor einem Vierteljahrhundert aus dieser Erwägung von Graz aus auf den Weg gebracht, es war zugegeben schwierig (siehe den Bericht an anderer Stelle des Blattes), aber es wurde damit Abermillion Hennen das Leben um vieles leichter gemacht; Veganismus-Propaganda allein hätte wenn es hoch kommt einem Prozent von ihnen den Käfig erspart. Diese Methode ließe sich ausweiten auf Kühe, auf Schweine, und auch für Freilandhennen


Wie lässt sich Konsumentenmacht organisatorisch bündeln, dass sie Unternehmer in die gewünschte Richtung drängt?
könnte man eine Produktionslinie mit höherem Tiergerechtheitswert aufbauen. Es gibt diverse Ansätze, doch fehlt der geschlossene Einsatz des Tierschutzes. Dieser Themenkreis fehlte wie gesagt im Kongressprogramm.


Es gab Vorträge über richtiges Kaufverhalten, das war wichtig. Nur, was hilft es, wenn ein Prozent der Bevölkerung achtsam kauft? Die Frage, wie lässt sich Konsumentenmacht organisatorisch bündeln, dass sie Unternehmer in die gewünschte Richtung drängt, wurde nicht thematisiert.


VeggieDay und vegetarische Alternativen in Betriebsausspeisungen und Restaurants sind wertvoll und wichtig, doch rein vegetarische(vegane) Restaurants meine ich sind das nicht minder. Die Frage wie können wir die vegetarische Gastronomie voran treiben, schiene mir auch erörterungswert.


In die Richtung pragmatischen Handelns gingen vor allem die Beiträge des Geschäftsführers des Vegetarierbundes Deutschland (VEBU) Sebastian Zösch. Da wäre einmal die von Belgien (und auch Amerika) ausgehende vom VEBU intensiv aufgegriffene und auch in Österreich von Felix Hnat propagierte nicht ganz unumstrittene Veggietag-Idee (Donnerstag ist Veggietag) und die deutsche Kampagne für ein vegetarisches Menü in der
„ Don’t work harder but smarter!
Effektive Tierrechtsarbeit.
Gemeinschaftsverpflegung, im besondern aber sein Vortrag „Don’t work harder but smarter – Effektive Tierrechtsarbeit.“
Es sind nur wenige, die sich für Tierrechte einsetzen, ihre Mittel sind beschränkt. Umso wichtiger ist es das Wenige so einzusetzen, dass für die Tiere möglicht viel dabei herauskommt.

Wenn z.B. 20 Tierschützer eine Treibjagd besuchen: Sie sind acht Stunden unterwegs, abseits einer breiten Öffentlichkeit, 20 mal 8 macht 160 Stunden, das ist auf eine Person gerechnet ein Arbeitsmonat. Und was kommt dabei heraus? Für die Tiere im Endergebnis meist nichts, für die Tierrechtler ein paar blaue Flecken. Ließe sich die Zeit nicht besser nutzen fürs Tierwohl?

Jahr für Jahr steht eine Häuflein (20 oder 60 Leute) beim Wiener Jägerball, einem gesellschaftlichen Großereignis Spalier und ruft „Mörder“. Hat es was geholfen? Als wir einmal in der anima – lang, lang ist es her – die Frage stellten: Wenn zwanzig Jahre Jägerball-Demonstration nichts gebracht haben, wäre es nicht an der Zeit, etwas anderes zu probieren?, ernteten wir wütende Leserbriefe.


In der Debatte zu den Ausführungen Zösch’s brachte allerdings ein führender Tierrechtler ein triftiges Gegenargument: Es mag sein, dass die Anti-Jägerball-Demonstration den Tieren nichts bringt, aber sie bringt den Demonstranten etwas: im Alltag ob der vielen Leids frustriert, können sie einmal den herzlosen Oberen, dem Vizekanzler und seinen Ministern ihre Meinung entgegen schreien. Das laute Mörder-Rufen erleichtert die Seele, gibt emotionelle Befriedigung. „Das möchten wir nicht missen.“


Nun, jeder Militär weiß, emotionale Truppenbetreuung ist wichtig. Das gilt auch für die „Tierschutztruppe“. Nach harter und meist wenig erregender monotoner Tierschutzarbeit sich einmal wenigstens stimmlich seinen Frust hinausschreien können, tut gut. Allerdings gibt es da ein Problem. Aktivisten klagen: Es ist relativ leicht, Junge für Jagdstörungen und Schreidemonstrationen zu gewinnen, viel schwieriger aber, sie zu als langweilig empfundener eintöniger solider und doch notwendiger Tierschutzarbeit zu bewegen. Unsere Gesellschaftsordnung gibt wenig legitime Möglichkeit sich auszuschreien, außer am Fußballplatz, doch dort kostet der Eintritt. Da besteht die Gefahr dass


„ Mörder“ rufen, ja oder nein?


die „Truppenbetreuungsveranstaltung“ für manche nicht Belohnung für harte Arbeit bleibt, sondern Hauptzweck wird. Und dann wird die Frage akut, wie wirkt sie aufs Image, auf die Öffentlichkeit. Brüllende Jugendliche in größerer Zahl wirken nun einmal Furcht erregend. Warum wohl denkt manch einer in der Bevölkerung beim Wort ‚Veganer’ an Terroristen?


Soweit ein paar Eindrücke und Gedanken zu den Vortragsthemen. Zum Schluss noch ein bisschen Statistik. Es gab hochkarätige Vortragende, u.a. fünf Universitätsprofessoren, weitere Vortragende kamen u.a. aus Deutschland, Tschechien, Kroatien und England. Gegen 250, ganz überwiegend junge Menschen waren als ständige Kongressteilnehmer registriert, nicht wenige aus Deutschland und der Schweiz. Zu den ständigen Teilnehmern kamen noch viele, die nur einzelne Veranstaltungen besuchten. Die Säle waren manchmal überfüllt. Die vegane Verpflegung war, bedenkt man dass die Küche an sich eher Fleischesser gewohnt ist, sehr gut.
Verfassungsschutzagentin am Werk?
Nur ein veganer Kuchen fiel negativ aus dem Rahmen; fast beschlich einen der Verdacht: War hier eine verdeckte Agentin am Werk, die Veganes diskriminieren will? Schließlich darf nach jüngst novelliertem Gesetz das Bundesamt für Verfassungsschutz fast alles gegen jeden, zwar nicht theoretisch doch praktisch, ohne richterliche Genehmigung; Wanzen über und unter dem Bett und sogar, ob aus Elektronik oder aus Fleisch mitten drin.
Von der Bagatelle abgesehen, es war eine gelungene und wertvolle Veranstaltung, Dank dem VgT, seinem Obmann DDr. Balluch und allen seinen Helfern und vor allem Helferinnen, und dem Don Bosco Haus mit seiner Crew.


Erwin Lauppert

Seite 8:
Steinerne Herzen bleiben Stein


Vor zwanzig Jahren meinten wir, der Kampf gegen Pelz sei gewonnen, intensive Antipelzagitation hätte gewirkt. Kaum eine Frau ging noch im Pelz auf die Straße. Den Makel, herzlos zu sein, wollte sie nicht tragen und von Kindern angestänkert werden auch nicht. Haben wir uns getäuscht? Die Schaufenster-Beilage der Wiener Presse vom 17.Dezember bringt unter dem Titel ‚Fellstudie’ Pelz in allen Formen.

Seite 9 - 10:

Gesundheit

Siehe apierausgabe

Seite 11:

Österreichische Vegetarier Union (ÖVU)

Interessenvertretung für Vegetarierinnen und Vegetarier, lacto/ovo oder vegan

Rossegg 41, 8045 Graz, Tel. 0316-46 37 17 u. 0720-345 298 (fairytel)
vegetarier.at, vegetarisch.org, email: oevu @vegetarier.at
Informationen zum Vegetarismus, ob lakto/ovo oder vegan - Mitglieder willkommen
Wir stehen Ihnen meist täglich bis 22 Uhr für telefonische Auskünfte zur Verfügung.


40th IVU International Vegetarian Congress October 5-11, 2012
San Francisco, USA Näheres siehe www . ivu.org


MeatOut Fr 16.– So 18.März 2012: Aktionstage fürs fleischfreie Essen

Literatur:
Vegetarische Ernährung

ein wissenschaftliches Standardwerk der Ernährungswissenschaftler Claus Leitzmann und Markus Keller. Ulmer Verlag UTB, 2., erweiterte Aufl. 2010, 366 S., kart., ¤ 22,90 ¤/D
Vegetarismus - Grundlagen, Vorteile, Risiken, ebenfalls von Univ.Prof. Claus Leitzmann verfasst, Verlag C. H. Beck München, 3.Auflage 2009, Taschenbuch, 125 Seiten, 7,90 ¤(D)
Vegetarische Ernährung – Gesund und bewußt essen, eine praktische Anleitung der Ernährungswissenschaftler C. Leitzmann und A. Hahn; derzeit vergriffen, doch fallweise bei amazon.de.


Informationen zur veganen Ernährung:
Gill Langley Vegane Ernährung, Echo Verlag Göttingen 1999, 240 Seiten, ca.11 Euro(D). Das bisher umfassendste Werk zur veganen Ernährung, die „vegane Bibel“.
Neal Barnard, ISS DICH FIT, TB 1998, bei der ÖVU erhältlich (10 ¤ + Versandkosten)
Englisch: Stephen Walsh PhD
Plant Based Nutrition and Health


Bei der ÖVU erhältlich: Broschüre: So geht’s vegetarisch – jetzt einsteigen 2,50 EUR + Porto); weiters Info-Blätter (teilweise Folder des VEBU): Warum Vegetarier; Vegetarisches Gastronomie-Verzeichnis; Ve-getarisch gesund genießen; Vegetarismus und Sport; 12 Fragen zum Thema Fleisch; Veget. Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit; Ernährung im ersten Lebensjahr: Vegetarische Babys; Vegetarisch gut drauf! Kinderernährung; Cool statt grausam - Ernährungs-Tipps für Teens; 100% vegan; Vegetarisch & gesund im Alter; Die vegetar. Woche (Speisenplan); Pflanzliche Ernähr-ung; Ökolog.Folgen des Fleischkonsums


Vegetarische Stammtische, Vegi-Treffs
Auskünfte:
Graz: Tel. 0316-46 37 17
Wien
1) Erwin Lengauer, Tel.0676-357 2 671
2) email Tara777 @ gmx.at
Niederösterreich (West):
Mag. Gabriele Smetana, Tel. 0664/ 368 70 19
Oberösterreich:
Schärding: Cafe-Restaurant Orangerie, Eva Kubai Tel. 07712-35704
Scharnstein: Erich Lankmaier 0676- 3901119, lankmaier @ almtal.net

Vegetarische Partner-Zeitschriften im Ausland:
Natürlich vegetarisch
Vegetarier-Bund Deutschlands e.V. (VEBU), Glatzer Straße 5, D-10247 Berlin, Tel.0049/ 30-200 50 799, Email info@vebu.de www . vebu.de
Vegi-Info, Vegi-Büro Schweiz, Tel. 0041-71 477 33 77, neue Adresse: Niederfeldstrasse 92, CH-8408 Winterthur, Email: svv @vegetarismus.ch, vegetarimus.ch

 

Österreichische Vegetarier Union
Einladung zur Generalversammlung
(Nur für Mitglieder)
Donnerstag, 29.Jänner 2012, 16 Uhr
in 8045 Graz, Rossegg 41
Tagesordnung: Rechenschaftsbericht und Rechnungsabschluß, Mitgliedsbeitrag und Voranschlag, Wahlen in den Vorstand und der Rechnungsprüfer, Satzungsänderung, Allfälliges
Erwin Lauppert Vors

Seite 12:

An der Himmelpforte
Tian – das erste vegetarische Restaurant der gehobenen Klasse in Wien


Tian, ein chinesisches Wort mit vielfältiger Bedeutung, wird philosophisch/literarisch meist mit ‚Himmel’ übersetzt. Sei dem wie immer das neue Wiener Tian befindet sich in der Innenstadtsteht an der Ecke Himmel-pfortgasse /Seilerstätte günstig gelegen genau gegenüber dem (Musicaltheater) Ronacher.


Weltstadt-Flair: Wien bekommt eine neue Hochglanzmagazin-taugliche vegetarische Adresse jubelte eine Journalistin in der Schaufenster-Beilage der Wiener Presse.
Das Tian im Herzen Wiens ist ein beson-derer Ort, welcher die Harmonie aus Ar-chitektur, Atmosphäre, Lebensfreude und vor allem gesunder, vegetarischer Küche auf besondere Weise widerspiegelt. Unser Leitgedanke ist gelebte Realität informiert uns die Tian-website tian-vienna.com.


Die Meinungen der von uns Befragten waren geteilt. Leute, deren Sinn mehr von volkstümlicher Gasthaukultur geprägt ist, finden es eher ungemütlich. Andere, die ein bisschen in der Welt herumgekommen sind, schwärmen von elegantem Ambiente und erlesenem Stil. Für Leute, denen es aufs Gesehenwerden ankommt wohl richtig. Exklusivität garantiert auch das beschränkte Platzangebot.


Zu den Fakten: In einem vornehmen Gründerzeitbau situiert, im Erdgeschoss Eingangsbereich/Lounge mit etwa 20 Plätzen, mehr für Kleinimbisse; ein länglicher Speisesaal mit an beiden Längsseiten (Fensterfront und Innenwand) gereihten je etwa 10 Tischchen, ein Sessel an der Wand der andere gegenüber, zusammen etwa 45 Sitzplätze (auf der website zu sehen). Im Keller – er war zur Zeit unserer Besichtigung noch in Arbeit – die Bar auch für den Nachtbetrieb und Gesell-schaftsräume. Gesamtfläche einschließlich Küche rund 750 m2, alles gediegen-nobel hergestellt, die Kosten bleiben Geheimnis, billig war es nicht.


Initiator des neuen Lokals ist der mit dem Superfund wohlhabend gewordene Christian Halper; seine offizielle Philosophie: Ich bin reich geworden und möchte den Menschen ewas zurückgeben (und natürlich auch verdienen); der Betrieb ist als Pilotprojekt gedacht, bei Gelingen Aus-weitung in andere Weltstädte vorgesehen.


Das Preisniveau ist natürlich nichts für gewöhnliche Sterbliche, für Nobelrestaurants aber nicht überzogen. Menü 38 ¤ (es gibt auch eine Hauptspeise um 11 bzw 13 ¤). Die Tian-website verzichtet nobel auf Preisangaben. Die Speisenkarte steht derzeit (noch?) unter dem Motto ‚In der Beschränkung zeigt sich der Meister’, d.h. in der Rubrik Hauptspeisen stehen vier zur Auswahl. Alles ist vegetarisch (wenn-gleich dies im Hintergrund bleibt), teils lakto/ovo, teils – unter strikter Meidung der Bezeichnung, man sagt rein pflanzlich – vegan.


Alles in allem eine erfreuliche Bereiche-rung der vegetarischen Gastronomie, nicht nur für Vegetarier, die es sich leisten können,. Für Normalverbraucher für besondere Anlässe; auch hat es etwas Gutes, einen Fleischesser einladen zu können ohne befürchten zu müssen: Er könnte durch Kadaverwahl die Atmo-sphäre vergiften. Vor allem aber: Die Mehrzahl der Menschen strebt nun einmal den Oberen oder was sie dafür hält, nach. Gehen die in ein vegetarisches Lokal, werden es ihnen die Unteren nachmachen. Alles in allem, ein Gewinn für alle Vegetarier und ein weiterer Schritt zur Minderung von Tierleid.


Noch die Öffnungszeiten: Café-Restaurant Montag bis Samstag 8 – 24 Uhr, Sonn- und Feiertage 10 – 17 Ur. Reservierung Tel. (01)- 890 4665.
Die Adresse: (Tian Betriebs GmbH) Seilerstätte 16, 1010 Wien
E.L.

 

Seiten 13 - 15:

Gesellschaft für humane Nuttierhaltung:

25 Jahre Freilandei


Also, der Titel ist grundfalsch. Das Freilandei als Konsumartikel ist natürlich viel älter, hunderte oder tausende Jahre. Die Hühner liefen frei herum auf den Bauernhöfen. Aber dann so vor einem halben Jahrhundert war es weg, das Freilandei, wenigstens aus den Regalen der Lebensmittelgeschäfte. Wie kam es dazu?


Wir Menschen haben Beine, mit denen gingen wir einst und gehen heute noch. Das Huhn hat auch Beine, damit lief es wie schon gesagt auch einmal. Bis von den USA her die Rationalisierer kamen und fragten: wozu Beine, wozu Flügel, wozu Federn? Kostet alles nur Futter. Einen Eierstock braucht das Huhn, zum Eierlegen, das genügt. Ansätze, den Hühnern die Federn wegzuzüchten, gibt es Die Beine ließen sich leider oder besser Gott sei Dank nicht wegrationalisieren, doch dafür der Raum rundherum, das kam fast aufs selbe heraus: die Käfigbatterie war geboren.


Wie das Huhn wieder heraus und das Freilandei wieder in die Regale der Supermärkte kam, bei uns in Österreich vor 25 Jahren, möchten wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, erzählen.
Es brauchte ziemlich lang, bis das Publikum, das noch die idyllischen Bilder von Bauernhöfen alter Prägung vor Augen hatte, den Wandel zur Käfigbatterie realisierte. Bahn brechend war die Engländerin Ruth Harrison, die 1964 das Buch Animals Machines herausbrachte und damit einer breiteren Öffentlichkeit die Augen über die Zustände in der „Tierproduktion“ öffnete. Langsam entstand eine Protestbewegung. Der durchs Fernsehen und Bücher (Serengiti darf nicht sterben) bekannt gewordene Zoologe Professor Bernhard Grzimek prägte in den 70er Jahren den Begriff „KZ-Hühner“. Prominente KZ-Überlebende stimmten ihm zu: eine treffende Bezeichnung. Auch der Zentralrat der Juden hatte nichts dagegen. Die einzigen die protestierten, waren die Geflügelbarone, die Käfigbetreiber. Die zogen vor Gericht; doch sie verloren.


In den 80er Jahren fanden langsam Bodenhaltungseier in die Lebensmittelmärkte. Bodenhaltungsbetriebe (Bodenhaltung ist reine Stallhaltung ohne Auslauf) waren großteils von Tierschutzseite initiiert, spielten aber mengenmäßig eine geringe Rolle. Im Ausland entstanden zögernd auch einige Freilandhaltungen, größere mit Hennenzahlen über 1000; in der Schweiz organisierte die KAG, die 1972 gegründete„Konsumenten-Arbeits-Gruppe für tier- und umweltfreundliche Nutztierhaltung“ vorbildlich kleine Freilandhaltungen für den Markt.
Nur in Österreich tat sich bezüglich Freilandhaltung mehr oder weniger nichts, von wenigen Bauern abgesehen, die nach alter Tradition aus Kleinherden, meist nicht über 100 Tiere, Eier ab Hof verkauften

.
Die offizielle Meinung in Handel und Bauernkammer und bei den Käfigei-Produzenten: Freilandei? Eine weltfremde Utopie, das rentiert sich nie.
Auch wir Tierschutz-Aktivisten in Graz setzten daher zuerst auf Bodenhaltung. Das Landwirtschaftsministerium hatte einem Großproduzenten einen Bodenhaltungsstall subventioniert. Unsere jungen Mitarbeiterinnen heulten, wenn sie dort hineinschauten, so traurig schaute es drinnen aus. Es ist ja tatsächlich zum Weinen: 12 Hennen in einem Neubau-WC üblicher Größe, oder sogar 40 wenn man Regale einbaut; in einem Zimmer 4 mal 4 m 112 Hennen, mit eingebauten Etagen über 400; oder üblicher, in einer niedrigen Halle von 30 mal 15 m über 3.000 oder mit Etagen (Voliere) über 12.000, alles ohne jeglichen Auslauf (Zahlen nach heute erlaubten Grenzwerten).


Dazu eine Bemerkung:
Es ist leider so, dass die Eier-„Produktion“ unter den heutigen Produktionsbedingungen den sofortigen Tod der männlichen Küken bedeutet; sie werden wenige Tage nach dem Schlüpfen umgebracht. Auch die weiblichen Hühner leben nicht lang, sie müssen ca 11 bis 15 Monate als sogenannte Legehennen – es sind auf höchste Legeleistung gezüchtete Hybridrassen – Eier legen, unermüdlich Eier legen, mehr als 300 im Jahr. Dann sind sie unrentabel – das Futter kostet mehr als das Ei Geld bringt. Sie werden in Kisten gestopft, meist händisch im Akkord, in Großbetrieben auch schon mittels einer Art Staubsauger, d.h. Hühnersauger. Man kann sich vorstellen, dass da Verletzungen häufig sind. Nach qualvollem Transport Schlachtung. Die Kadaver kommen teils noch als Suppenhühner in die Geschäfte, teils werden sie zur Tierfutter verarbeitet.
Das alles ist ziemlich allgemein bekannt, ändert aber nicht, dass mehr als 99 % der Bevölkerung bislang auf Eier nicht verzichten will. Der Einsatz für vegan-vegetarische Lebensweise, für Eiverzicht ist wertvoll, doch: Gesetzt den Fall einer sagt: Ich vergase keine Juden und auch sonst niemanden.


Ich vergase niemanden!
Reicht das?


Der Ausspruch ist ethisch und politisch korrekt, nur haben Sie nicht auch das Gefühl, da fehlt etwas? Ich esse keine Eier; ist das genug? Der Verzicht Einzelner (es sind in England nach 67 Jahren Vegane Gesellschaft fünf Promille der Bevölkerung, bei uns 2 Promille), so wichtig er ist, er ändert das Los der großen Masse der Legehennen nicht, wenigstens nicht in absehbarer Zeit.
Natürlich überlegten auch wir, sollen wir unsere Kräfte auf Eiverzicht konzentrieren? Doch wir verwarfen das. Es ging nicht darum, mühsam eine kleine Elitegruppe zu sammeln, die Hühner brauchten Hilfe.


Da wird natürlich die Frage bedeutsam, welches Leben bieten wir den Legehennen während ihres kurzen Erdendaseins, wenn wir schon ihr tragisches Ende nicht verhindern können.
1986 lief die Subvention für den Bodenhaltungsstall aus und der Produzent schloss ihn als unrentabel. Da sagten wir, versuchen wir es doch mit der Freilandhaltung. Sich für eine Haltungsform, die zum Weinen ist, einzusetzen, wäre doch nicht das Richtige.
Unsere Modellvorstellung war – mehr oder minder von der Schweizer KAG abgeschaut und wissenschaftlichem Rat folgend – tierschutzmäßig hochwertige Hennenhaltung bloß als Zubrot für den Landwirt, je Bauer zwei bis vier Kleinherden von je knapp 100 Hühnern – so viele Artgenossinnen kann sich eine Henne ungefähr merken; das hilft interne Kämpfe vermeiden. Auch ist in dieser Größenordnung noch echte Weidehaltung möglich und auch das unvermeidliche Ende lässt sich weniger quälerisch gestalten.


Damals pflegten die Bauernfunktionäre zu jammern, wir haben nur die Urproduktion; die trägt nichts ein. An der Veredelung verdienen die anderen.


Darauf fußend schwebte uns vor: Der Tierschutz, in diesem Fall der Aktive Tierschutz Steiermark, ein Verein mit einer auflagenstarken Monatsschrift – sein Obmann Heribert Oster begeisterte sich für das Projekt – macht Konsumentenwerbung, die Landwirtschaftskammer organisiert Produktion und Vertrieb.


Blauäugig dachten wir, die Kammerleute würden freudig zugreifen; endlich könnten die Bauern selbst veredeln und daran verdienen. Das war falsch gedacht, es gab in der Kammer wohl einige Sympathisanten. Doch die Maßgeblichen lehnten ab, die Abwehrhaltung der der Käfigproduzenten war zu groß. Unser Versuch, den zuständigen Landesrat zu gewinnen, im Rahmen einer der vielen Landwirtschaftsschulen einen kleinen Lehr- und Musterstall einzurichten – zur Orientierung, wir wollten die Bauern nicht ins kalte Wasser springen lassen – schlug fehl. Auch risikofreudige Landwirte fanden wir vorerst nicht. Da kam uns die Katastrophe von Tschernobyl zu Hilfe. Plötzlich stand doch ein kleiner Bauer da und bat um Hilfe, aus Strahlenangst wollte niemand seine Freilandeier kaufen. Gemeinsam beschlossen wir nach einer kurzen Wartefrist zu testen: Wie reagieren die städtischen Konsumenten. Ein Lebensmittelmarkt, ein Zwei-Kassen-Betrieb dessen Kunde ich war, erklärte sich bereit mitzumachen und im Herbst 1986 – vor 25 Jahren – gab es die ersten Freilandpackungen im Regal; eher dilettantisch mit „Von Hühnern, die die Sonne sehen dürfen“ bedruckt. Und siehe ohne besondere Werbung erzielte das doch erheblich teurere Ei einen Marktanteil von 15 bis 20 Prozent.


Das gab uns Mut, es in etwas größerem Rahmen zu beginnen, mangels Unterstützung der Bauernkammer alles mit eigener Kraft. Wir konnten – gegen Sperrfeuer der Bauernkammer - Bauern gewinnen und – wesentlicher Baustein – dank des Engagements des Aktiven Tierschutzes Stmk auch zwei Lebensmittelketten, Julius Meinl und Konsum.


Allerdings, die ganze Organisation, die Infrastruktur mussten die Tierschutzaktivisten bewältigen, mit der bald zu diesem Zweck gegründete „Gesellschaft für humane Nutztierhaltung“. Es war viel und harte Arbeit.


Auch die Kontrolle, unverzichtbarer Bestandteil, fiel dem Tierschutz zu. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, beteiligten sich Bauern nicht aus Tierliebe sondern verständlich um Geld zu verdienen, lieber mehr als weniger. Eine Methode, etwas mehr zu verdienen: Mehr Hühner in den Stall als erlaubt. Eine wissenschaftliche Untersuchung in Schweizer Bodenhaltungen ergab bei einer zulässigen Bestandsdichte von 7 Hennen je m2 (bei uns waren nur 5 erlaubt) 8,2. Kein Witz: Kommt der Kontrollor auf den Hof: Sie haben frisch eingestallt? Wie viele denn? Brav sagt die Großmutter „500“, so viele durfte sie. Ruft ihr Enkerl, der fünfjährige Franzi dazwischen: Na, Omi, 600 waren’s.“


Ebenfalls 1987 begann in Wien eine Gruppe, die von Veterinärmedizin-Studenten gegründete KT – Kritische Tiermedizin mit einem Freilandeier-Projekt. Anders als wir, aber gleich der KAG ließen sie nur Greisler und Bioläden beliefern, da sie diese gegen die immer größer werdenden Handelsketten schützen wollten.


Wir dagegen meinten – Greislersterben hin oder her – wir müssen dorthin gehen wo das Gros der Konsumenten einkauft, in die Lebensmittelmärkte. Das erwies sich als der richtige Weg. Unser Projekt – die Freilandeier kamen unter der Bezeichnung „Das Freilandei – NATURlich von der Sonnenwiese“ in die Regale, war erfolgreich. Bald begannen andere es zu kopieren, selbst die Bauernkammer.


Ein Ziel blieb mangels Kammerunterstützung unerreicht, die Selbständigkeit der meist kleinbäuerlichen Hennenhalter zu wahren und sie zu einer schlagkräftigen Genossenschaft zu vereinigen. Aus deren Kreis trat der Sehr-Großbauer Anton Hubmann hervor und schwang sich mit viel unternehmerischem Geschick mit der Eigenmarke „Toni`s Freilandeier“ zum führenden Großhändler empor. Die Kleinen wurden zu Zulieferern degradiert


Damit war allerdings das ursprüngliche Konzept, tatsächliche artgerechte Weidehaltung für alle Hühner in Kleingruppen, nicht mehr zu halten. Der Großhändler fand Tierschutzvereine, die es billiger gaben und der Erhöhung der Hennenzahl je m2 zustimmten; Hühnerhaltung wurde teils zum bäuerlichen Haupterwerb mit Beständen von 2000, 3000 und mehr. Bei solchen Größen kommt, wenn auch manch Positives eingeführt wurde, häufig nur mehr ein Teil der Hühner ins Freie und die Tötung wird problematischer.
Verwirrt wurden Konsumenten auch, weil einige Tierschutzvereine weiter für die fragwürdige Bodenhaltung warben und ein großer seine etwas bessere Bodenhaltung seiner Freilandhaltung gleichsetzte.


Schließlich wollten die großen Batteriehalter den Verlust von Marktanteilen nicht hinnehmen und erreichten bei der EU die Legitimierung quasi-industrieller Produktion, eine EU-Regel, die das Wort „Freiland“ zur Farce machte.
Diesfalls dank Hubmann konnte in Österreich für einen Teil der Freilandeier zwar nicht der von uns angestrebte Tierschutzstandard gehalten werden, aber doch ein relativ hoher. Das Kontrollsiegel TiERSCHUTZGEPRÜFT garantiert es.

Darum:
Ei ? Besser kein’s, doch wenn schon ein’s
dann das Freilandei

doch nur Bio und mit dem Siegel „TIERSCHUTZGEPRÜFT“


Erwin Lauppert

 

Seite 16 - 17:

In den Fängen von Polizei und Justiz
Zum neuen Buch von DDr.Balluch: Tierschützer. Staatsfeind


Ältere erinnern sich vielleicht noch an die Karl-Schranz-Affäre. Der, mehrfacher Ski-Weltmeister wurde 1972 von der Olympiade in Japan ausgeschlossen; er hätte das damals noch geltende Amateur-Statut verletzt. Der ORF-Chef entfachte darauf unterstützt von Chefredakteuren einiger Zeitungen eine beispiellose Propaganda-Kampagne gegen das Internationale Olympische Komitee.

Hunderttausend Menschen umjubelten Schranz bei seiner Rückkehr. Geholfen hat es nichts außer: dem österreichischen Vertreter im IOC wurden die Fenster eingeschlagen, sein Sohn in der Schule verprügelt. Tragen der ORF-Generalintendant und die Chefre-dakteure dafür die Verantwortung? Ist, wer Missstände aufzeigt, tatsächliche oder vermeintliche, für alle möglichen Folgen verantwortlich?


‚ Kein Mensch lässt absolut vermissen / so meinen Denker, das Gewissen / Nur gibt’s enorme Differenzen / bezüglich der Erregungsgrenzen’ dichtete einer vor hundert Jahren. Bei den meisten ist es robust gebaut, ob in der breiten Masse oder bei den Politikern. Ich entsinne mich noch der völligen Gleichgültigkeit unserer Regie-rung und auch großer Zeitungen, als Mitte der 90er Jahre der für das damalige Irak-Embargo zuständige stellvertretende UNO-Generalsekretär und der UNICEF-Beauftragte dazu, mit der Begründung zurücktraten, das Embargo – Österreich war ja auch dafür – nichts gebracht, als den Tod einer halben Million Kinder. Dabei sind 500.000 Kinder ja nicht gar so wenig. Vor einigen Jahren berichtete eine große Zeitung, 40 Tonnen Bomben seien von westlichen Verbänden über einem Stadtteil Bagdads abgeworfen worden. Meine Bitte, uns doch auch zu informieren, wie viele Kinder dabei draufgegangen sind, blieb ohne Gehör.


Doch nicht jeder hat so eine dicke Haut; manch Heißblütiger empört sich spontan, ein anderer wehrt dem Unrecht mit Bedacht, Georg Elser zum Beispiel. Es wird nie zu verhindern sein, dass Kinder und Jugendliche mit gesetzwidrigen Mitteln gegen Tierquälerei protestieren. Sind deshalb alle, die Tierquälerei aufzeigen, strafbar? Den ORF-Intendanten und seine Chefredakteure hat die Staatsanwalt-schaft jedenfalls nicht belangt.


Vor etwa zwei Jahren haben in Deutsch-land ein paar Pensionisten aus besserem Haus ihren Finanzberater, der sie um ihr Vermögen gebracht hat gekidnappt. Sie wurden später verurteilt. Interessant waren dazu die Leserkommentare in den Zeitungen. In der Bild-Zeitung zeigten fast alle mit den verbrecherischen Kidnappern Sympathie, in der konservativen FAZ etwa die Hälfte. Ist, wer Sympathie zeigt, mitschuldig?
Die anima hat sich notgedrungen in den letzten Jahren immer wieder mit Polizei, Justiz und Strafrecht (§278a) und ihren Mängeln befasst, zuletzt in der Herbstnummer (Richter scheuchen?), und auch ihre Bedenken gegen die eine oder andere Vorgangsweise von Tierrechtlern depo-niert, so dass wir unsere Leser gern mit weiterem verschonen wollten.


Ganz können wir es nicht, denn jetzt hat Martin Balluch, der Hauptangeklagte im Tierschutzprozess, seine Erlebnisse zu Papier gebracht, ein Buch, wert gelesen zu werden.
In der vorigen Nummer berichteten wir über eine Prozessaufarbeitung aus der zweiten im Tierschutzprozess angeklagten Organisation, der BAT: § 278a: Gemeint sind wir alle.
Balluchs Werk trägt den Titel ‚Tierschützer. Staatsfeind – In den Fängen von Polizei und Justiz.’ Ein sehr persönliches Dokument. Es gibt nicht nur eine Chronologie der äußeren Ereignisse von der Polizeiaktion am 21.Mai 2008 bis zum erstinstanzlichen Freispruch. Balluch schildert lebendig das eigene Erleben, erzählt, wie der nüchterne juristische Sachverhalt, die Amtshandlungen von Polizei und Justiz und ihren Leuten, auf den Betroffenen, das Opfer, wirkt. Welche Auswirkungen sie auf Seele und Körper haben. Hinter den nüchternen Paragraphen erscheint der Mensch.


Liest man die gesetzlichen Bestimmungen über die Untersuchungshaft und vergleicht sie mit dem Erlebnisbericht des Autors, fällt eine bemerkenswerte Diskrepanz auf. Fast als wäre man auf einem anderen Stern.


Ein kleines Zitat: Ich war seit vielen Wo-chen keinen Schritt mehr im Freien. Auf der Krankenstation des Gefängnisses ...ist kein Hofgang vorgesehen ...Ich muss an Rosa Luxemburg und ihren Bericht aus der Gefängniszelle denken. Tauben. Die einzigen freien Wesen, zu denen ich laufend Kontakt habe. Gerade sitzen sie wieder oben auf meinem Fenstergitter und gurren. Mein Gitter sei deshalb so engmaschig (... gerade ein Orangenkern passt noch durch ...), weil die Insassen sonst mit den Tauben Freundschaft schließen und sie füttern würden, und das würde die Zellen verdrecken. ..... Der letzte direkte Kontakt zu freien Wesen ist so gekappt ....


Es gibt in den Gefängnissen zweifellos zwingende Notwendigkeiten, die den Gefangenen das Leben schwer machen. Immerhin werden die Haftanstalten vorwiegend von rauen Gesellen bevölkert. Doch muss den Häftlingen namentlich den Un-tersuchungshäftlingen – für die gilt ja die Unschuldsvermutung – das Leben darüber hinaus schwer gemacht werden? Oder ist es heimliches Ziel der Justiz, Gefangene zu schikanieren, damit sie geständnis-freudig werden, so eine Art Ersatzfolter; die echte wurde ja leider schon im 18. Jahrhundert abgeschafft?


Das Gesetz sag mindestens, die Praxis macht daraus höchstens und gibt, – die Norm lässt meist Ausnahmen zu – den Gefangenen noch weniger als das rechtlich Mindeste. Ein Beispiel: Nichtraucher sind von Rauchern getrennt zu verwahren, allerdings nur ‚nach Möglichkeit’. Prompt findet sich Balluch mit einem Kettenraucher zusammen. Gab es in der Haftanstalt wirklich keine andere Möglichkeit?


Das Gesetz ist eines – die Menschen, die es anwenden, ein anderes. Es gibt Bequemlichkeit, Überheblichkeit, Hass ...
Die Strafgefangenen sind mit Ruhe, Ernst und Festigkeit, gerecht sowie unter Ach-tung ihres Ehrgefühls und der Menschen-würde zu behandeln. Sie sind mit „Sie” und, wenn ein einzelner Strafgefangener mit seinem Familiennamen angesprochen wird, mit „Herr” oder „Frau” und mit die-sem Namen anzureden. So das Gesetz. Glaubt man Balluch, hat sich das noch nicht so richtig herumgesprochen.


Außer der eingehenden Darstellung von Verhaftung und Untersuchungshaft enthält das Buch noch ausführliche Schilderungen über den Prozessverlauf. Einzelne Passagen könnten da eher ermüden, andere sind wieder besonders aufschlussreich. Etwa die konsequente Verfolgung einer Verwaltungsrichterin, die einmal Jagdsaboteure mangels an Beweisen freigesprochen hatte; die Argumentation, Schweine freilassen sei Tierquälerei; die Groteske um den Schriftsachverständigen ... . Belebt wird das Ganze durch eingeschobene eingehende Berichte über Tier-recherchen, Aktionen des zivilen Ungehorsams etc. aus der Vorhaftzeit.


Harte und ernste Worte findet Balluch im Nachwort gegen die Übung, Terroranschläge zum Vorwand immer stärkerer Aushöhlung der bürgerlichen Freiheiten zu nehmen, und gegen die sanktionslose Gesetzesmissachtung durch Polizeiorgane. Er listet die – erfolglosen – Anzeigen gegen Polizei und Staatsanwaltschaft auf. Das Buch endet mit einer Reihe von Re-formvorschlägen für die Justiz und auch für die Haft; manche würden fast nichts kosten.
Ihren Zweck erfüllt hätte die Arbeit, wenn sie tatsächlich Anstoß für Reformen gäbe.


Eine Anmerkung sei noch gestattet. Nicht nur Polizeigewalt schränkt Freiheit ein, auch exzessive Ausnützung bürgerlicher Freiheiten und Akte zivilen Ungehorsams können als Belastung empfunden werden und zu Gegenmaßnahmen führen, nicht nur gegen Einzelne, auch allgemein.


E.L.

 

Seiten 18 - 19:

Bücher

Helmut F. Kaplan
Leichenschmaus – Ethische Gründe für eine vegetarische Ernährung
Verlag Books on Demand 2011, Preis 15,90 (D), 268 Seiten, TB brosch., ca.19 x 12 cm, 13-978-3844872644
Ergänzte Neuauflage des 1993 erstmals erschienenen, inzwischen ins Französische und Japanische übersetzten Werkes. Es gilt als eines der wichtigsten Tierrechtsbücher. Eine unfassende Darstellung der ethischen Gründe für den Fleischverzicht.

Martin Balluch
Tierschützer. Staatsfeind
In den Fängen von Polizei und Justiz
Promedia Verlag Wien 2011, Preis 15,90 ¤, 271 Seiten, brosch., ca. 21 x 14,5 cm, ISBN 13-978-3853713310
Siehe die vorhergehenden Seiten 16 und 17


Birgit Klaus
Tier zuliebe – Vegetarisch leben – eine Kostprobe, Diederichs Verlag München 2011, 192 Seiten, 21,4 x 13,2 cm 14,99 ¤(D), 15,50 ¤(A)
Ja, die Serie: langjährige Fleischesser wagen das vegetarische Experiment und erzählen, wie es ihnen dabei geht, ist nicht zu Ende. Ein paar Monate, nachdem Karen Duve auf den Vegetarier-Trip gegangen ist, versuchte es auch unsere Autorin und blieb dabei. Birgit Klaus ist Fernseh-Moderatorin (Planet Wissen WDR/SWR). Vier Jahrzehnte dem Fleisch zu getan, wagte sie den Sprung, vorerst der Umwelt und dann immer mehr den Tieren zuliebe. Während Duve vorübergehend auch in die vegane Welt eintauchte, ging es Klaus sachter an und bleibt vorerst im Lakto/Ovo-Bereich. Jene schürft mehr in die Tiefe, diese interviewt nach Moderatorenart zu Sachthemen gern Fachleute.
Ihr Hauptthema, das sie in leichtem journalistischen Stil behandelt, sind die Probleme, die eine moderne voll im Berufsleben stehende Frau im sozialen Kontakt mit einer Welt von Fleischessern meistern muss. Menschen, die lange in einem vegetarischen Umfeld leben, vergessen gern, dass das nicht so einfach ist. Daran erinnert zu werden, tut gut. Das erleichtert uns den Umgang mit Menschen, denen wir die vegetarische Lebensweise nahe bringen wollen.


Einen Aspekt der Abkehr von Fleisch hebt die Autorin noch hervor: Die vegetarische Lebensweise hat nicht nur ihrer Gesundheit und ihrem Wohlbefinden gut getan, der konsequente Verzicht auf Fleisch und damit die Auseinandersetzung, was wirklich wichtig ist im


„ Die Auseinandersetzung mit ethischen Fragen brachte für mich eine Abkehr vom ewigen „haben“ und „nicht loslassen wollen“ – von der Gier, die uns alle antreibt.“


Leben, hat auch ihre Lebenseinsstellung verändert. „Weniger ist mehr“ – die neue Lebensdevise. „Nicht nur ein Teil, mein ganzes Leben sieht anders aus. Ich bin bewusster mit mir und anderen.“


Michael Pollan
Das Omnivoren-Dilemma – Wie sich die Industrie der Lebensmittel bemächtigte und warum Essen so kompliziert wurde
Goldmann Arkana-Verlag München 2011
(amerikanische Originalausgabe 2006 „The Omnivore’s Dilemma“), Preis 14,99 ¤(D), 607 Seiten, brosch., ca.20,5 x 13,5 cm


Woher kommt das Essen auf unserem Tisch? Bücher, die das ergründen wollen, sind „in“. Safran Foer, Tiere essen, und Karen Duve, Anständig essen haben wir bereits im Herbst 2010 und im Frühjahr vorgestellt. Pollan war früher dran, seine Arbeit ist in Amerika schon 2006/7 erschienen, bis ins deutsche Sprachgebiet brauchte es dann eine Weile. Foer und Duve widmen sich vor allem der Vegetaris-mus-Frage. Pollan legt die Sache breiter an. Bei ihm spielt die Fleischerzeugung zwar auch die Hauptrolle, doch bringt er ein umfassenderes Bild der (amerikanischen) Nahrungsproduktion, auf über 600 Seiten. Eine etwas gestrafftere Darstellung hätte es den Lesern leichter gemacht, wenngleich der Autor meist durchaus spannend zu schreiben versteht.


Einleitend setzt sich Pollan mit den Essge-wohnheiten seiner Landsleute auseinander.


Es bräuchte nur ein Gesetz, dass die Blechwände aller CAFOs (Rinderpferche) und die Betonwände der Schlachthäuser durch Glaswände ersetzt werden müssen. S 467


Er gliedert sein Werk dann in drei Hauptkapitel. Die industrielle Nahrungsproduktion auf dem Wege von der Maispflanze bis zum Steak bzw. ins Fastfood-Restaurant. Dem gegenüber gestellt die alte oder auch neue mehr oder minder „biologische“ Nahrungsgewinnung. Und schließlich als dritten Teil das Experiment, alles was zu einer Mahlzeit auf den Tisch kommt, mit eigener Hand zu gewinnen, selbst zu schlachten, zu jagen, zu sammeln. Er anerkennt zwar den moralischen Wert fleischfreien Essens, findet sich aber Gründe, es nicht zu tun.


Wenn ich etwas übers Jagen und Fleischessen gelernt habe, dann dies, dass es noch schmutziger ist als der Moralist denkt. S 508


Pollan hält auf seiner Reise durch die US-Nahrungswelt an zahlreichen Stationen und gibt jeweils, das ist die Stärke des Buches, interessante Einblicke in die Entstehung unseres Essens. Um nur ewas herauszugreifen:
Bio auf Abwegen – Die Anpassung der Bio-Richtlinien an die Erfordernisse der industriellen Massenproduktion. Ein paar tausend Milchkühe in überdachten Pferchen in der Wüste: Haben Sie sich Bio so vorgestellt? – Schikanierung Kleiner durch für Großbetriebe gedachte Vorschriften ...


Michael Pollan
64 Gundregeln ESSEN
Essen Sie nichts, was Ihre Großmutter nicht als Essen erkannt hätte
Goldmann Verlag München 2011 (Originalausgabe „Food Rules“ USA 2009), Preis 7,99 ¤(D),TB 160 Seiten, 18 x 12,4 cm


Essen Sie Lebens-Mittel. Nicht zu viel.
Und vorwiegend Pflanzen.


Das ist die Quintessenz seiner Ernährungs-ratschläge. Wenn Pollan die Großmutter (siehe den Untertitel seines Büchleins) ins Spiel bringt, dann meint er eher nicht die „Wiener Küche“ aus Großmutters oder besser Urgroßmutters Zeiten. Seine Ernährungstipps erinnern stark an das, was der Pionier moderner Vollwerternährung Bircher-Benner schon vor mehr als hundert Jahren predigte und später Kollath und Bruker ausbauten. Pollan ist kein Vegetarier, auch wenn er bemerkt: „Vegetarier sind auffallend gesünder und leben länger.“ Doch er plädiert den Fleischkonsum stark zu reduzieren.
Er schreibt leicht fasslich, bringt Merksätze mit kurzer Begründung und abseits von allem chemischen Firlefanz, der den Leser überfordert. Er hat das amerikanische Publikum, seine Verhältnisse und Ernährungsgewohnheiten vor Augen, seine Ratschläge sind aber nicht minder uns von Nutzen.


Alexander Nabben
Tofu vegan
Köstlich kochen und backen mit Tofu
pala-verlag, Darmstadt, 2011, Preis 14 ¤(D), 180 Seiten, Hardcover, 21 x 14 cm,
ISBN: 978-3-89566-283-6


Tofu – hergestellt aus Sojabohnen - ist in der ostasiatischen Küche schon über 2000 Jahre fest verankert. Nun ist er auch in unseren Breiten immer beliebter, zumal seine unvergleichliche Vielseitigkeit unschlagbar ist. Alexander Nabben führt uns mit seinem Kochbuch mit über 200 veganen Rezepten in die gesunde vielfältige Tofuküche ein. Ob würzig oder süß – Tofu kann jede Geschmackrichtung annehmen. Tofu ist die ideale Bereicherung für eine gesunde, vollwertige Ernährung. Wertvolles Eiweiß, wenig Fett und Kalorien, kein Cholesterin und Purin, wichtige Vitamine und Mineralstoffe, leichte Verdaulichkeit und besonders die einfache Zubereitung machen Tofu zu einem tollen Lebensmittel. Wir erfahren in diesem Buch auch Interessantes über die Kulturgeschichte und den Anbau der Sojabohnen.


Im Kapitel „Warenkunde“ lernen wir die unterschiedlichen Sorten von Tofu kennen und erfahren, welche Palette an essfertigen Produkten es gibt, die aus der Sojabohne hergestellt werden. Bevor es mit den Rezepten losgeht, gibt es noch einige Tipps zu nützlichen Gerätschaften, Tricks und Nützliches für die Sojaküche, und erfährt, wie man Sojamilch selbst herstellen kann. Rezepte von Shakes wie Kiwi-Mandel-Shake, Mokka-Shake oder Haselnuss-Shake verführen zum sofortigen Ausprobieren. Wollen Sie auch den Tofu selbst herstellen, werden Sie selbstverständlich auch in dieses „Geheimnis „ eingeweiht.


Aber dann geht es los: Mit Rohkost und Salate, Dressing, Saucen, Suppen, Hauptgerichte, Aufläufe, Pasteten, Bratlinge, Aufstriche, Partysnacks, Kuchen und Gebäck, Desserts und süße Leckereien und zu guter Letzt auch noch Eiscreme.
Durch die breite Palette von Rezepten wird dieses Kochbuch wohl jeder Geschmacksrichtung gerecht und mit den Kochanleitungen finden sich sicher auch weniger routinierte Köche und Köchinnen zurecht.


Büchereingang


Marsili Cronberg
Wie ich verlernte, Tiere zu essen – Mit dem Comic "Happy without meat" von Linguini, Echo Verlag Göttingen 2011, 12 ¤(D), Taschenbuch 144 Seiten ca.21 x 13,5 cm


Rainer Zube
Eiweiß, Schardt Verlag 2011, 12,80 ¤, 263 S.


Neues aus dem pala-verlag:
Ulla Grall, Bohnen – vom Garten in die Küche


Jutta Grewe
Vegetarisches aus Omas Küche
Lieblingsgerichte aus Kindertagen neu ent-deckt, 14 ¤(D), 180 Seiten


Irmela Erckenbrecht
American Veggie – Vegetarische Streifzüge durch die USA 14 ¤, 200 Seiten

Seite 20:

Siehe Papierausgabe

Seite 21:

Notizen

Antibiotika in der Hähnchenmast
Eine im November veröffentlichte Studie aus Nordrhein-Westfalen zum Antibiotika-Verbrauch in derHähnchenmast offenbart, – schreibt der Pressedienst der deutschen Grünen – dass die Probleme in den Tierhaltungsanlagen noch erschütternder sind als zunächst angenommen. Fast alle Tiere wurden mit antimikrobiellen Substanzen behandelt (96,4 Prozent). 53 Prozent der Tiere wurden nur 1-2 Tage mit Antibiotika behandelt. Das ist ein Verstoß gegen die Zulassungsbedingungen von Antibiotika und ein klarer Hinweis darauf, dass die Mittel zur Wachstumsförderung eingesetzt werden. Die Studie belegt, dass permanente Antibiotika-Gabe die Grundbedingung in enger industrieller Tierhaltung ist.


Die Keksfirma Bahlsen-Leibniz schrieb uns auf Anfrage: Die Umstellung von Eiern aus Käfighaltung auf Eier aus Bodenhaltung hat bei Bahlsen bereits vor einigen Jahren begonnen und wurde für alle Produkte aus den inländischen Werken in diesem Jahr abgeschlossen. Unsere Frage, warum nicht auf Freilandware umgestellt wurde und ob Bahlsen-Leibniz auch vegane Produkte führt, blieb bisher unbeantwortet.


Die Fa. Granovita vertreibt ovo/lakto-vegetarische Feinkost, u.a. „Vegetarische Würstchen“, alles in der Regel mit hohem Eiweißanteil. Die aufgedruckte Nährwerttabelle unterscheidet nicht zwischen pflanzlichem und tierischem Eiweiß. Für Konsumenten, die zwar nicht ganz auf Ei verzichten, doch ihren Ei-Konsum einschränken wollen, ist der Hühnerei-Anteil von Interesse. Die Fa. hat uns auf unsere Anfrage eine Antwort in Aussicht gestellt, doch fehle ihr noch eine bestimmte Rückmeldung.


Lobbyistengesetz
In den Vornummern hatten wir darauf hinge-wiesen, dass die an sich vernünftige Regelung des Lobbywesens im Ministerialentwurf des Gesetzes zu einem wahren Verwaltungsmonster aufgebläht wurde. Im nach Abschluss des Begutachtungsverfahrens erstellten Entwurf wurden die ärgsten Auswüchse ausgebügelt.


Frankreich– Anschlag gegen Vegetarier
In Frankreich wurde der Vegetarismus in allen öffentlichen und privaten Schulen durch eine staatliche Anordnung vom 2. Oktober 2011 verbannt. Alle Angebote in Schulkantinen müssen nun tierische Produkte enthalten, und eine bestimmte Mindestzahl für Mahlzeiten mit Fleisch und Fisch ist vorgeschrieben.
Normalerweise ist es Schülern nicht möglich, mittags zu Hause zu essen, und das Mitbringen von Verpflegung in die Schulen ist nicht erlaubt. Damit werden sechs Millionen Schulkinder nun zum Fleischverzehr gezwungen.
Nach einem im vergangenen Jahr vom französischen Parlament verabschiedeten Gesetz sollen bald ähnliche Vorschriften für Kindergärten, Krankenhäuser, Gefängnisse und Altersheime erlassen werden. Damit wird der Vegetarismus für einen großen Teil der Bevölkerung praktisch verbannt.
Angeblich sollen diese Maßnahmen die Qualität der Schulverpflegung verbessern. Die französischen Gesundheitsbehörden halten, im Gegensatz zu den meisten Experten in der Welt, eine ausgewogene Ernährung ohne tierische Produkte für unmöglich.


Danke unseren Leserinnen und
Lesern für Beiträge und Spenden

Für die anima gibt es keine feste Abo-Gebühr, nur Kostenbeiträge nach Ihrem Ermessen. Allerdings: die Druckkosten steigen, das Porto ebenso, nur unsere Personalkosten nicht, weil wir haben keine. Dennoch, unser Defizit nimmt zu. Wir freuen uns daher über finanzielle Beiträge ebenso wie über textliche.
Unser Konto: Volksbank Graz-Bruck BLZ 44770, Kto. 858 064. (IBAN AT84 4477 0000 0085 8064, BIC: VBOEATWWGRA)

Impressum
anima – Zeitschrift für Tierrechte, erscheint vierteljährlich, Medieninhaber und Verwaltung: Österreichische. Vegetarier Union (ÖVU), Herausgeber und Redaktion: Arbeitskreis Tierrechte der ÖVU (Leitung Erwin Lauppert), alle 8045 Graz, Rossegg 41, Tel. 0316-463717 und 0720 –349 056 (fairytel)
email: anima @vegetarier.at,
website: vegetarier.at und vegetarisch.org
ZVR-Zahl 90713 6740, DVR 0955 906.
Beiträge geben, soweit nicht ausdrücklich vermerkt, lediglich die Meinung der Verfasser, nicht die der ÖVU wieder. Nachdruck nur mit schriftlicher Zustimmung. Fotos, wenn nicht bezeichnet: ÖVU, Druck: Druckwerk 8020 Graz

Seite 22 -23:

SiehePapierausgabe

Seite 24:

Wie wird aus einer Mücke ein Elefant?


Zum Schluss noch ein Rätsel. Menschen, denen es Freude macht, Schwächere zu töten, sind nicht allen sympathisch. Jäger z.B. mag nicht jeder, teils seiner jagenden Hausgenossen, der Katzen und Hunde wegen, teils aus ethischem Prinzip, und nennt ihn Lustmörder. Alles kein Rätsel.
Nehmen wir eine Dekontaminierungsspezialistin in einem Defäkalisationsinstitut. Da kommt einer, verfolgt und filmt sie auf Schritt und Tritt und fühlt plötzlich einen Klosettbesen im Gesicht. Auch kein Rätsel, die Reaktion der Dame, die überhebliche von Standesdünkel Aufgeblasene e vielleicht als Putzfrau abqualifizieren, ist vorhersehbar.


Gesetzt den Fall, da wird einer von Fleischeslust übermannt, ein weibliches Wesen erbarmt sich seiner, nachdem sie ihn eine Weile warten ließ, und gerade als die willige Helferin ... senkt jemand in heiligem Zorn einen gespannten Regenschirm zwischen die beiden und die Schinkensemmel, das Objekt fleischlicher Begierte fällt zu Boden. Natürlich, das ist ja klar, muss ehe die Schinkensemmel entsteht, erst eine Schweinemutter in ein enges Gefängnis, den umstrittenen Kastenstand gesperrt werden, lang sehr lang, dann muss eines ihrer Kinder umgebracht werden (ein Lustmord?) usw. Die blauen Flecken des Schirmträgers dann draußen vor dem Supermarkt sind auch vorhersehbar, also auch kein Rätsel.


Zugegeben, der Fall ist konstruiert. Nicht konstruiert ist, dass Tierschützer, meist Jugendliche im Zorn, ob heilig oder nicht,manchmal Regenschirme vor schießbereite Jagdgewehre halten. Dass sie dabei so wenige blaue Flecken davontragen, ist fast ein Rätsel; gelten Jäger doch als rau.


Unlängst folgt ein Tierschützer nahe Graz einer Jagdgesellschaft und filmt. Er telefoniert der Polizei, es würde verbotswidrig zu nahe an Häusern gejagt; Tierschützer sind gern auf Wacht, weil bei Treibjagden manchmal zahme Fasane ausgesetzt werden. Fast ein Rätsel: Weshalb schießt wer auf zahmes Getier? Der Verfolger filmt die Jäger beim Jausnen, es gibt nur etwas Wortgeplänkel, doch diesmal rufen die Jäger die Polizei, vielleicht fürchten sie eine Regenschirmattacke. Als zwei Polizisten heranfahren, stehen der Tierschützer und sein Begleiter abseits der Jäger auf einem menschenleeren Gemeindeweg. Jetzt gehen die Aussagen auseinander. Die Polizei sagt, der Filmer habe einen Polizisten, als der das Filmen unterbinden wollte, geschlagen. Es ist natürlich denkmöglich, dass ein schmächtiger Mann, in der einen Hand eine teure Kamera, mit der anderen auf einen kräftígen Polizisten einschlägt. Urteilen Sie selbst. Jener behauptet, der Beamte habe ihn von hinten zu Boden geschlagen und sich als er auf dem Asphalt lag, eine halbe Stunde auf ihn gesetzt. Zum Schluss waren sechs Polizeiautos mit rund zehn Beamten da. Und ein Rettungswagen; der Tierschützer blutete und hatte eine Beule am Kopf.


So, jetzt sind wir endlich bei unserem Rätsel: Zwei Polizisten und zwei Tierschützer begegnen einander in der Einschicht. Wie wird daraus eine Haupt- und Staatsaktion?

Zurück zur anima - Zurück zur ÖVU-Homepage