Inhalt Nr.3/2011

.

Aus dem Inhalt:

Yvonne
Warum solltest du so früh sterben? ..... 3

Helmut F. Kaplan
Heiligkeit des Lebens .......................... 5

Vegetarische Restaurants in Wien
Yamm .................................................. 6

Nochmals: Schächtfleisch geheim ........ 8

Hanna Rheinz
Der Hund als Ente ................................ 9

Vegetarische Informationen .............. 12

Darf die Justiz kritisiert werden?
Richter scheuchen? ............................ 13

Bücher ............................................... 15
Hanna Rheinz, Zwischen Streichelzoo ud Schlachthof
Christoph Mackinger u. Birgit Pack, § 278a: Gemeint sind wir alle
Nina Messinger, Du sollst nicht töten!
Corinna Gericke, Was Sie schon immer über Tierversuche wissen wollten
ALTEXethik
Kinderbuch: Ruby Roth, Warum wir keine Tiere essen
Kochbücher:
Heike Kügler-Anger, Veganes fürs Fest
Abla Maalouf -Tarner, Vegane Köstlichkeite -libanesisch

Notizen .............................................. 19
Stalking? Demonstranten verurteilt
Sänger Morrisey und der Terror in Oslo
Tierrechtskongress 2011, 8.-11.Dezember
Ministerin Karl und das Verwaltungsmonster Lobbyistengesetz
1.000 Schweine verbrannt - gespaltene Tierliebe der Behörden
Streuen Sie Kühen gern Chili in die Augen?

Impressum ........................................ . 18

 

Liebe Leserinnen und Leser,

zum Welttierschutztag gedenken wir des großen Franziskus. Oben das Bild des Heiligen. Unsere vor acht Jahren verstorbene Mitarbeiterin Hertha Heger, Schauspielerin und Hochschul-professorin, seinerzeit Tierschutzko-lumnistin der Grazer Tageszeitung Tagespost, hat es von einem Glasfenster in Assisi abgelichtet. Vor dreißig Jahren hatte sie zu diesem Erinnerungstag in der Zeitung geschrieben:

Vielleicht wissen manche Tierfreunde nicht, warum der Welttierschutztag gerade am 4.Oktober ist. Es ist dies der Todestag des Schutzpatrons der Tiere, des hl. Franz von Assisi. ...
Der „Poverello“, wie ihn seine Landsleute noch heute zärtlich nennen, lebte in vorbildlich selbstloser Hingabe allem Schwachen, Kranken und Hilflosen gegenüber, ob es sich um Mitmen-schen handelte oder auch um Tiere, die er als Kinder desselben Schöpfers, also als Brüder und Schwestern, ansah. Es war für ihn eine Selbstverständlichkeit, das Jesus-Wort: „Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mat-thäus 25/40) auch auf die Geschöpfe auszudehnen. Thomas v. Celano, sein Zeitgenosse und erster Biograph, hat darauf ausdrücklich hingewiesen.

Deshalb ging Franziskus vorsichtig, um keinen Wurm zu zertreten, darum nährte er im Winter die Bienen mit Honig, darum sprach er mit den Vögeln, befreite die Fische aus dem Netz und kaufte mit seinem – notabene einzigen – Mantel die Lämmer frei, die ge-schlachtet werden sollten. Er war überzeugt, daß wir eine große kosmische Familie bilden, in der der Mensch, das Tier, das ganze All, sonne, Mond und Sterne – Luft, Wasser und Feuer brüderlich miteinander verbunden sind. Aus dieser Sicht entstand knapp vor seinem Tod der „Sonnengesang“ – eine Dichtung, die man wohl zu den unsterblichen Gesängen der Welt zählen kann.

Ich habe den Eindruck, daß wir uns langsam wieder ähnlichen Denkweisen nähern und kann mir für den Welttierschutztag nur wün-schen, daß dies auch den Tieren zum Heil gereichen möge.“
Hat Hertha Heger mit dieser Prophezeiung Recht behalten?

Ihre anima-Redaktion

Seie 3 und 4:

Yvonne, warum solltest du so früh sterben?


Nicht alle werden sie gesehen oder gelesen haben, die Geschichte von Yvonne, der entlaufenen Kuh, die Monate lang allen Einfangversuchen trotzte, in den Wäldern rund um Zangberg, einem kleinen Dorf im bayerischen Alpenvorland, etwa 40 km westlich von Braunau. Also zur Erinnerung und Information: Ein Mäster hatte die sechsjährige Kuh gekauft und wollte sie vor dem Schlachten noch ein bisschen anfüttern. Sie entkam ihm jedoch beim Umladen oder von der Weide, das war Ende Mai, und blieb verschwunden. Bis sie zwei Monate später beim Queren einer Landstraße fast mit einem Polizeiauto kollidierte. Das alarmierte die Behörde, das Landratsamt: Es sah Gefahr für Verkehrsteilnehmer und ordnete den Abschuss an, vergeblich.

a trat Michael Aufhauser, bekannt durch seine werbewirksame Tierschutzarbeit auf den Plan, erwirkte die Sistierung des Abschussauftrags und kaufte die Kuh. Auf einem seiner Gnadenhöfe sollte sie in Frieden alt werden. Doch dazu musste man erst einmal versuchen sie zu fangen, was mit großem Aufwand unter beträchtlichem Presseecho geschah: Flugzeug mit Wärmebildkamera , Kuhmedium, Lockvogel Stiersohn und Schwesterkuh, alles teuer aber umsonst. Gescheiter geworden, beschloss man zu warten, bis im Spätherbst im Wald das Essen knapp wird und der Hunger Yvonne zurükbringt. Doch auf einmal war sie da, anfangs September, auf einer Weide friedlich mit andren Rindern grasend. Jetzt musste man die sich heftig Wehrende nur noch auf einen Transporter zwingen und ab ging es zum Gnadenhof. Und wenn sie in zehn Jahren noch nicht gestorben ist, lebt sie immer noch dort, zufrieden unter anderen Kühen. (Genaueres ist auf der website von Gut Aiderbichl nachzulesen).

Soweit das Märchen, das Wirklichkeit wurde, von der armen Kuh, die zwar keinen Prinzen bekam, doch dem tragischen Schicksal entrann, von Hexen oder Hexerichen im Backofen gebraten und aufgefressen zu werden. Jetzt könnten wir das Geschichtenbuch zuklappen und uns übers Happy End freuen. Wäre da nicht zweierlei: Warum eigentlich sollte Yvonne mit sechs Jahren sterben und warum verbarg sie sich im Wald?

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Tiere ihrem Schlächter entspringen, nicht ungewöhnlich, dass Kühe ausbrechen, grasend meilenweit marschieren. Die Presse berichtet nur selten, etwa wenn eine Herde Bahngeleise blockiert. Ob wir das weltweite Echo, das Yvonne erregte, der sommerlichen Nachrichtenflaute oder genialer Öffentlichkeitsarbeit verdanken, ist strittig und auch unerheblich. Der Medienhype wie man auf neudeutsch sagt, um Yvonne hat jedenfalls ein Gutes, er lüftet ein bisschen den Schleier, der von den Verantwortlichen bewusst gewoben wird. Damit das traurige Schicksal der Tiere, die uns Menschen – von den paar Vegetariern der veganen Richtung abgesehen – nähren, verborgen bleibt.

Kühe durften einst zwölf, fünfzehn Jahre und länger leben. Weshalb sollte unsere Ausreißerin schon mit sechs Jahren sterben. Yvonne, so hatte sie Michael Aufhauser einer an Krebs sterbenskranken Gönnerin von Aiderbichl zum Trost genannt, heißt eigentlich Angie. Sie hatte es an sich mit ihrem Leben verhältnismäßig glücklich getroffen. Schon dass sie überhaupt einen Namen bekam, ist heute, wo Rinder meist nur Nummern sind, nicht mehr die Regel. Sie wurde als Kind einer Fleckvieh geboren, das ist ein bei unseren Bergbauern noch häufiges Zweinutzungsrind, keine auf Höchstleistung, 10.000, 20.000 Liter jährlich, in Richtung Qualzucht getrimmte Milchviehrasse, wie sie im Ausland und auch bei uns im Flachland bald vorherrschen. Und auch kein kaum mehr einem Rind ähnlicher Fleischberg, mit all den möglichen Leiden, die einseitige Hochzucht aufs Schnitzel mit sich bringt. Sie wuchs auf einem Hof in den Kärntner Bergen auf und hatte wieder Glück, sie wurde – wenn die spärlichen Informationen über ihr Vorleben richtig sind – dem Betriebszweig Mutterkuhhaltung zugeteilt. Milchkühen werden die Kinder regelmäßig kurz nach der Geburt weggenommen, ein tief schmerzender Schlag für jede Mutter auch wenn sie „nur“ eine Kuh ist. Die Milch ist für die Menschen bestimmt. Die Kälber bekommen statt dessen billigere so genannte Milchaustauscher.

Es ginge auch anders, Kalb und Mensch könnten sich die Milch teilen – früher war es einmal so, doch das wäre zu kompliziert und die Hygiene und überhaupt, wenn die Milch billiger als Coca Cola sein muss, geht es natürlich nicht.

Mutterkühe dagegen dürfen Mütter sein und ihre Kinder stillen, und sie dürfen in der Vegetationsperiode meist auf die Weide. So verbrachte auch Yvonne zwei Sommer auf der Alm. Dann allerdings musste sie sieben Monate lang bis ins Frühjahr als Milchkuh im Stall angekettet leben, ein im Winter geborenes Kälbchen wurde ihr rasch weggenommen. Als sie dann im späten Mai wieder losgebunden wurde, war die Enttäuschung groß – Rinder haben ein gutes Gedächtnis. Es ging nicht wie in den Vorjahren auf die Alm – sondern an einen Viehhändler, es folgte wiederholter Besitzerwechsel innerhalb von vier Tagen. Dem letzten, der sie schlachtreif mästen wollte, entfloh sie. Man kann schon sagen, meint Michael Aufhauser, dass sie ein Trauma erlebt hat in diesen sieben Monaten. Es lässt sich begreifen, dass sie genug hatte und ausbrach, dass sie die Menschen mied und sich mit aller Kraft wehrte, als sie wieder eingefangen wurde. Kühe sind sensible Wesen und tragen schwer an Kränkungen.

Ihr erster Besitzer sagte, er habe sie verkauft, weil sie so nervös gewesen sei und in Bedrängnis wahrscheinlich gefährlich würde. Das mag sein. Milchkühe werden allerdings heutzutage häufig schon nach fünf oder sechs Jahren geschlachtet, weil sie dann unrentabel geworden sind, sei es dass die Milchleistung zurückging, die Fruchtbarkeit nachließ, Krankheiten unter dem Leistungsdruck und artwidriger Kraftnahrung auftreten.

„ Unser Leben – lässt die Tierärztin Karin Ulich eine Kuh sprechen (siehe anima Nr.3/2008: Eine Milchkuh klagt an) dauert heutzutage im Durchschnitt nur noch vier bis fünf Jahre - von Natur aus wurden uns etwa 20 Lebensjahre zugedacht. Ich fühle mich wie eine Wegwerfkuh.“
Mag es Yvonne auch besser gegangen sein als vielen anderen Kühen: Es ist schön, dass immer mehr Menschen nicht nur den Fleisch- sondern auch den Milchkonsum überdenken.

E.L.

 

Info zur Mutterkuhhaltung:
Sie ist von der Haltung der faktischen Nutztiere Hirsch und Reh abgesehen heute ziemlich die artgerechteste „Nutztier“haltung. Die Kälber werden – meist – nicht von den Müttern getrennt und leben in der Vegetationsperiode – meist, nicht immer – auf Weiden und Almen. Geschlachtet werden sie – nach Maßgabe der Nachfrage – mit etwa acht bis zehn Monaten. Der Fleischverkauf erfolgt unter verschiedenen Marken, zB. Styria Beef.

Mutterkuhhaltung betreiben vor allem kleinere Nebenerwerbslandwirte in höheren Lagen, da sie nicht so arbeitsaufwendig ist und auch Grenzertragsflächen genutzt werden können. Allerdings ohne Subvention (Mutterkuhprämie) ist sie trotz der erheblich höheren Preise nur schwer rentabel zu führen und das Subventionskontingent ist beschränkt. Betriebszweck ist in der Regel die Fleisch-„Produktion“. Der Jungrinderanteil am Gesamt-Rindfleischaufkommen ist sehr gering. Die Bereitschaft der Fleischesser, ca. 97 Prozent der Bevölkerung, tierfreundlicher Erzeugtes zu wählen, ist nicht augeprägt.

Schattenseiten aus Tierschutzsicht, von der Tierhaltung für Schlachtzwecke abgesehen: Einerseits die häufig schwierige stressbelastete Verbringung der die Freiheit gewohnten Tiere in den Schlachthof – das war bei Yvonne zu sehen. Das Töten an Ort und Stelle ist aus angeblich hygienischen Gründen verboten; der „Fahrende Schlachthof“ wurde von der EU abgewürgt. Andererseits: Gibt es zu wenig Nachfrage, gehen die Tiere in die betrübiche „normale“ Rindermast.
Gesellschaft für humane Nutztierhaltung
www .nutztierhaltung.org


Seite: 5:

Heiligkeit des Lebens
Helmut F. Kaplan

Im „Zeit Magazin" (20, 2011) las ich Hans-Dietrich Genschers Aussage: „Jedes Menschenleben ist gleich wertvoll." Für jemanden, der im Philosophiestudium darauf gedrillt wurde, niemals unbegründete oder gar unbegründbare Behauptungen aufzustellen, ist das eine, je nach dem, äußerst schludrige oder äußerst kühne Redeweise. Nichtsdestotrotz entspricht sie exakt der gültigen Sprachregelung. Mehr noch: Wer diesen Satz nicht uneingeschränkt unterschreibt, begibt sich ins absolute gesellschaftliche Abseits.


Die ehemalige Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt, die vor ihrer politischen Tätigkeit als Sonderschullehrerin ... Fortsetzung siehe Papierausgabe der anima.


Helmut F. Kaplan, Philosoph und Autor, zählt zu den Pionieren der Tierrechtsbewegung. Das letzte seiner zahlreichen Bücher: Ich esse meine Freunde nicht, trafo Wissenschaftsverlag, Berlin 2009
Internet: tierrechte-kaplan.org

 

Seite 5 und 6:

Vegetarisch genießen - voll im Trend
Restaurant yamm! in Wien


Wien hat im Frühjahr dieses Jahres eine weitere vegetarisch-kulinarische Bereicherung erfahren. Das yamm! direkt an der wunderschönen Wiener Ringstraße zwischen Burgtheater und Schottentor gegenüber der Universität gelegen, bietet in einer modernen freundlichen Atmosphäre fleischfreie Küche unter dem Motto „Mir schmeckt das Leben!“
Unsere Mitarbeiterin Michaela Schaller bat die Geschäftsführerin, Frau Prok. Halla-Gudrun Mixa, zum Interview.

Ihr Haus wurde erst im Frühjahr d. J. eröffnet. Seit wann gibt es das yamm! genau, wie ist der Betrieb angelaufen und wie waren die ersten Reaktionen Ihrer Gäste?
Wir haben Mitte Mai dieses Jahres eröffnet und die Reaktionen unserer Gäste waren überaus positiv. Die Menschen sind sehr erfreut, dass wir ihnen die Möglichkeit bieten, sich auf hohen Niveau vegetarisch zu ernähren.

Welche Art von Speisen darf man sich im yamm! erwarten und sind bei den Gästen besonders beliebt?
Wir bieten eine vielfältige Speisenauswahl in Buffetform, so dass jeder nach seinen eigenen kulinarischen Vorlieben sein Wohlfühl-Menü zusammen stellen kann. Wir bieten internationale Küche ebenso wie Hausmannskost und regionale Spezialitäten. Wir versuchen nach Möglichkeit biologisch und regional einzukaufen. Kürbisschnitzel und mit Kichererbsen gefüllte Paprika sind momentan die großen Renner bei uns. Auch Exotisches wie unsere Reisbällchen mit scharfer Füllung und Roter-Rüben-Humus sind sehr beliebt.
Alle unsere Speisen können gerne auch mitgenommen werden, was von berufstätigen Menschen der Umgebung gerne angenommen wird. Für unsere Take-away-Gerichte bieten wir eine Schachtel, die ganz ohne Klebstoff aus einem Stück gefaltet wird. Dafür haben wir sogar schon einen Preis gewonnen. Sie sehen, wir versuchen auf allen Ebenen, die Umwelt so wenig wie möglich zu belasten.

Gibt es in Ihrem Gästeklientel viele konsequente Vegetarier?
Natürlich kommen Menschen, die sich rein vegetarisch ernähren gerne zu uns. Es war uns aber von Anfang an wichtig, dass wir nicht nur eine bestimmte Menschengruppe ansprechen, sondern wirklich für eine breite Masse eine gesunde, wohlschmeckende Speisenauswahl bieten.

Ist der Wunsch der Gäste von ovo-lacto-vegetarischen auf immer mehr vegane Speisen von Bedeutung?
Ja, es gibt immer mehr Menschen, die vegane Speisen nachfragen. Veganer fühlen sich bei uns sehr gut aufgehoben, weil wir eine breite Palette veganer Speisen anbieten und diese auch gekennzeichnet sind. Neben vegan, kennzeichnen wir auch laktosefrei, glutenfrei, leichte Kost und ‚schmeckt Kindern’.

Auf welchem Preisniveau liegt Ihr Restaurant?
Die Speisen werden bei uns gewogen und kosten 2,40 Euro per 100 g. Wir haben uns aus Gründen der Nachhaltigkeit für das Wiegen der Speisen entschieden, da so besser gewährleistet ist, dass die Gäste tatsächlich nur das auf die Teller nehmen, was sie wirklich wollen und dadurch sehr wenig Speisen weggeworfen werden.
Von 22.00-23.00 Uhr gibt es dann noch die „yamm! happy hour“ wo wir auf alle Speisen 25 % Ermäßigung geben.

Wie viele Gäste können Sie im yamm! bewirten und wie viele Mitarbeiter haben Sie beschäftigt?
Unser Lokal bietet 175 Sitzplätze, dazu noch in der schönen Jahreszeit 40 im Freien. Das Lokal ist reich gegliedert, es gibt gemütliche Ecken zum Plauschen, es gibt verschiedene Welten, eine Business-Welt, wo sich Geschäftsleute bei gemeinsamen Essen und Besprechungen wohl fühlen; sehr beliebt ist unsere Familienwelt mit angrenzender Kinder-Spielecke, sowie Wickelbereich mit Windeln, Flaschenwärmer etc., wir dürfen täglich viele Familien mit Kinder begrüßen. Selbstverständlich sind auch Hunde bei uns herzlich willkommen. Viele Stammgäste erkenne ich sogar zuerst am Hund.
Reservierungen sind selbstverständlich möglich und wir bieten Caterings in verschiedenen

Preisklassen. 40 Mitarbeiter bemühen sich um unsere Gäste.
Wie sind Ihre Öffnungszeiten?
Montag bis Freitag von 07.00-24.00 Uhr, Samstag von 09-24.00 Uhr und Sonn- und Feiertag von 09-22 Uhr


Was ist für die Gäste das Besondere an yamm!?
Wir bieten täglich ein umfangreiches Frühstücks- sowie Tages- und Abendbuffet, das von ehemaligen Haubenköchen geleitet wird. Großes Augenmerk wird auf gesunde, frische und biologische Speisen gelegt. Weiters bieten wir unseren Gästen Hochquellwasser zum selber Zapfen und kostenloses Wlan.
Unsere Getränkekarte bietet von frisch gepressten Säften, erlesenen Weinen bis hin zu Cocktails und Champagner für jeden Geschmack und Anlass etwas.
Wenn Gäste abends noch auf einen gepflegten Drink zu uns kommen, bieten wir neben unserer Buffetinsel auch noch eine Snackkarte mit Spezialitäten wie marokkanische Oliven mit knusprigen Cabattabrot oder Antipasti-Teller, die wir direkt aus der Küche servieren.
Gehört yamm! zu einer internationalen Gastronomiekette?
Das yamm! gehört zu keiner Gastronomiekette und ist das erste dieser Art. Unser Wien-Standort ist für uns auch so etwas wie ein Probelauf. Wenn es hier gut funktioniert ist an eine europaweite Expansion gedacht.


Wem gehört das yamm!, ist es eine Kapitalgesellschaft, deren Aufgabe es ist, den Teilhabern eine gute Verzinsung ihres Kapitals zu gewähren oder sind ideelle Gründe ausschlaggebend gewesen dieses Lokal vegetarisch zu führen?
Das yamm! ist eine GmbH, deren mehrheitliche Anteile im Besitz einer Familie sind. Die Motivation für die Familie, ein Restaurant wie das yamm! zu schaffen, hat durchaus ideelle Gründe. Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Tierschutz und Gesundheit sind dieser Familie ungemein wichtig, um auch nachkommenden Generationen eine lebenswerte gute Zukunft zu sichern. Aber natürlich darf man auch kaufmännisches Denken bei so einem Unternehmen nicht außer acht lassen, um langfristiger Erfolg zu gewährleistet.

Welchen Kundenkreis haben Sie vorwiegend? Touristen oder Menschen die in der Umgebung arbeiten ...?

Wir möchten, eine möglichst breite Masse ansprechen. Erfreulicherweise gelingt uns das auch. Wir haben viele Geschäftsleute der Umgebung die gerne bei uns essen, aber auch Familien, Studenten und zahlreiche Touristen aus der ganzen Welt.

Ist Ihr Betrieb als reines Speiselokal konzipiert oder soll es nebenbei auch eine Art Kaffeehausfunktion erfüllen?

Auf jeden Fall. Einfach auf Kaffee und Kuchen vorbei kommen, Ausspannen, Freunde treffen, all das bieten wir unseren Gästen in einer freundlichen, gepflegten Atmosphäre. Beliebt ist unser yamm!Brunch am Samstag und Sonntag.
Unsere Kaffeespezialitäten sind aus biologischen Anbau, fair gehandelt und natürlich auch laktosefrei erhältlich.

Wir haben auch eine eigene Konditorin in unserem Team, die in unserer Backstube köstliche Kuchen fabriziert. Auch bei den Kuchen bieten wir eine vegane, glutenfreie und laktosefreie Auswahl. Äußerst beliebt ist unser täglich frisch zubereiteter, handgezogener Apfelstrudel. Täglich ab 12 Uhr steht er ofenfrisch für Naschkatzen bereit.

Vielen Dank für das Interview. Wir wünschen Ihnen noch viele zufriedene Gäste und weiterhin viel Erfolg!

yamm! Restaurant/Lounge/Take away
Dr. Karl-Lueger-Ring 10, 1010 Wien
www.yamm.at

 

Seite Seite 8:

Zur Schächtfleisch-Kennzeichnung


In der Frühjahrsnummer hatten wir über einen Vorstoß des Europäischen Parlaments berichtet, Schächtfleisch im allgemeinen Handel als solches zu kennzeichnen. Der Hintergrund, es werden viel mehr Tiere ohne vorangegangene Betäubung geschlachtet, als es die Versorgung der Gläubigen erfordert. Der Überschuss geht größtenteils unerkannt in den Handel. Der EU-Ministerrat würgte die Parlamentsinitiative ab, die Initiatorin, eine deutsche CDU-Abgeordnete, wurde zurückgepfiffen und hat sich mit der Niederlage abgefunden. Wie der österreichische Vertreter im EU-Ministerrat Gesundheitsminister Stöger abgestimmt hatte, konnten wie Ihnen im Frühjahr noch nicht sagen, in der Zwischenzeit hat es uns das Ministerium mitgeteilt:

„ ... dass im Rahmen der parlamentarischen Beratungen zum österreichischen Tier-schutzgesetz (Anm.: im Jahr 2004) auch die von Ihnen aufgeworfene Frage hinsichtlich der Kennzeichnung von nach religiösen Riten geschlachtetem Fleisch eingehend erörtert wurde. Dabei kam man zu dem Ergebnis, keine diesbezügliche Kennzeichnung durchzuführen. Dieser Entscheidung wurde bei der Beschlussfassung des Gesetzes von allen fünf im Parlament vertretenen Parteien zugestimmt. Dieser Beschluss ist auch Grundlage der Entscheidungen des Bun-desministeriums für Gesundheit.“
Einfacher gesagt: Der Minister hat die Kennzeichnung abgelehnt.

Die anima hatte lange Jahr die Meinung vertreten, unter Bedachnahme auf histori-sches Geschehen sollten sich die Tierschützer aufs „christliche“ Schlachten konzentrieren, da gebe es genug an Grauslichem. Hier geht es jedoch, abgesehen davon dass es sich um ein muslimisches Thema handelt, nicht ums Schächten. Es ist eines, religiösen Gemeinschaften für sie Wesentliches nicht zu nehmen, ein anderes den Andersdenken-den, die ihrerseits aus ethischen also eben-falls religionsähnlichen, weltanschaulichen Gründen Schächtung ablehnen, Schächt-fleisch als Normalfleisch zu verkaufen und sie damit in ihren quasi religiösen Überzeu-gungen zu verletzen.


Wir wollten in den Parlamentsunterlagen nach den Motiven für das damalige „Ergebnis“ forschen, wurden nicht fündig und ha-ben uns daher an die Parlamentsparteien gewandt mit folgendem Erfolg:

Grüne (Dialogbüro): „Die Kennzeichnung war ... nicht Gegenstand der parlamentarischen Verhandlungen. Zur Kennzeichnung: Die Grünen fordern, dass sich die Konsu-mentInnen beim Kauf von Produkten an-hand der Kennzeichnung entscheiden kön-nen zwischen Lebensmitteln aus biologi-scher Landwirtschaft, konventionellen Pro-dukten mit bestimmten Umweltstandards und Nahrungsmitteln, die nur Mindestanfor-derungen erfüllen. Bei tierischen Produkten muss erkennbar sein, wie die Tiere gehalten, gefüttert und geschlachtet wurden.“

FPÖ (Tierschutzsprecher NR.Voss): „Leider habe ich bei der automatischen Suche in den Protokollen keinen Hinweis darüber gefunden, ob oder wann über die "Kennzeichnung" diskutiert wurde. Ich könnte ich mir aber vorstellen, dass man - um ein bundeseinheitliches Tierschutzgesetz zu ermöglichen - Zugeständnisse auch in diese Richtung gemacht hat.“ Er werde sich für die Kennzeichnung einsetzen.

Im übrigen erläuterten beide noch ihren Standpunkt zum Schächten und zur Frage, den Tierschutz in Verfassungsrang zu erhe-ben.

on SPÖ und OVP erhielten wir bislang leider keine Stellungnahmen.

Ministerielle und grüne Aussage stimmen also nicht überein. Es kann sein, das Thema wurde seinerzeit gar nicht behandelt, weil theoretisch dürfte ja gar kein überzähliges Fleisch anfallen; es kann sein, die Frage wurde – einer der vielen Kompromisse – fallen gelassen. Eine Quellensuche im Ministerium blieb erfolglos.

 

Zur Stellung des Tiers im Judentum gibt es viel Unwissen, falsche Vorstellungen und Missverständnisse. Wir danken Frau Dr. Rheinz, Gründerin der Initiative Jüdischer Tierschutz, dass sie uns den Abdruck eines zu einem konkreten Anlassfall geschriebenen Artikels, erschienen in der Jüdischen Zeitung, Berlin, August 2011, gestattet hat. (Siehe auch die Buchbesprechung S. 15)

Der Hund als Ente

Was alle Welt schon immer über den Juden als Tierquäler ahnte. – Keine Satire!
Hanna Rheinz

Daß Juden Tierquäler sind gehört nicht nur zum Weltbild eines jeden Antisemiten, son-dern auch vieler Tierschützer und Tier-rechtler. Von der jüdischen Öffentlichkeit wird dies totgeschwiegen. Die Devise: Keine schlafenden Hunde wecken (vulgo: Nicht noch mehr Feuer aufs Öl der Schächtgegner). Doch aus dem schlafenden Hund ist neuerdings ein gesteinigter Hund geworden. Ein Artikel mit der Schlagzeile “Rabbi-natsgericht verurteilt israelischen Hund zum Tod durch Steinigung” machte vor kurzem weltweit die Runde. Von seriösen Medien wie der BBC, dem Daily Telegraph und Time verbreitet, stieg er binnen kurzem auf Platz 1 der am häufigsten abgerufenen, weiter-verschickten und kommentierten Nachrich-ten. Obwohl der vermeintlich gesteinigte Hund sich inzwischen als Ente entpuppt hat, ist der Schaden gewaltig, denn alle interes-sieren sich für den “gesteinigten Hund” und niemand dafür, daß der Hund nur eine Ente war.

Nein, der schlimme Verdacht ist nicht aus der Welt geschafft. Beileibe nicht. Und ... Fortsetzung siege Papierausgabe oder www.Hanna-Rheinz.com

Dr. Hanna Rheinz, D-82362 Weilheim email HannaRheinz@aol.com,
Dr.phil Hanna Rheinz, Dipl.Pyschologin. M. A., ist Publizistin, Tierpsychologin und Malerin und arbeitet als Kulturredakteurin. Sie ist Vorsitzende des gemeinützigen Vereins „Trialog 4 Animals“, der sich für Tierschutz auch in Religionen einsetzt.
Ihr jüngstes Buch „Zwischen Streichelzoo und Schlachthof“ ist im Sommer 2011 er-schienen (Siehe Seite 15).
Der vorstehende Artkel ist in der August-Nummer der Jüdiscihen Zeitung, Berlin erschienen.


Seite 12:

Vegetarische Informationen

Österreichische Vegetarier Union (ÖVU)
Interessenvertretung für Vegetarierinnen und Vegetarier, lacto/ovo oder vegan
Rossegg 41, 8045 Graz, Tel. 0316-46 37 17 u. 0720-345 298 (fairytel)
vegetarier.at, vegetarisch.org, email: oevu @vegetarier.at
Informationen zum Vegetarismus, ob lakto/ovo oder vegan - Mitglieder willkommen
Wir stehen Ihnen meist täglich bis 22 Uhr für telefonische Auskünfte zur Verfügung.

40th IVU International Vegetarian Congress October 5-11, 2012 – San Francisco, USA
Näheres siehe www . ivu.org

Literatur:
Vegetarische Ernährung, ein wissenschaftliches Standardwerk der Ernährungswissenschaftler Claus Leitzmann und Markus Keller. Ulmer Verlag UTB, 2., erweiterte Aufl. 2010, 366 S., kart., ¤ 22,90 ¤/D
Vegetarismus - Grundlagen, Vorteile, Risiken, ebenfalls von Univ.Prof. Claus Leitzmann verfasst, Verlag C. H. Beck München, 3.Auflage 2009, Taschenbuch, 125 Seiten, 7,90 ¤(D)
Vegetarische Ernährung – Gesund und bewußt essen, eine praktische Anleitung der Ernährungswissenschaftler C. Leitzmann und A. Hahn; derzeit vergriffen, doch fallweise bei amazon.de.
Informationen zur veganen Ernährung:
Gill Langley Vegane Ernährung, Echo Verlag Göttingen 1999, 240 Seiten, ca.11 Euro(D). Das bisher umfassendste Werk zur veganen Ernährung, die „vegane Bibel“.
Neal Barnard, ISS DICH FIT, TB 1998, bei der ÖVU erhältlich (10 ¤ + Versandkosten)
Englisch: Stephen Walsh PhD
Plant Based Nutrition and Health

Bei der ÖVU erhältlich: Broschüre: So geht’s vegetarisch – jetzt einsteigen 2,50 EUR + Porto); weiters Info-Blätter (teilweise Folder des VEBU): Warum Vegetarier; Vegetarisches Gastronomie-Verzeichnis; Ve-getarisch gesund genießen; Vegetarismus und Sport; 12 Fragen zum Thema Fleisch; Veget. Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit; Ernährung im ersten Lebensjahr: Vegetarische Babys; Vegetarisch gut drauf! Kinderernährung; Cool statt grausam - Ernährungs-Tipps für Teens; 100% vegan; Vegetarisch & gesund im Alter; Die vegetar. Woche (Speisenplan); Pflanzliche Ernähr-ung; Ökolog.Folgen des Fleischkonsums


Vegetarische Stammtische, Vegi-Treffs
Auskünfte:
Graz: Tel. 0316-46 37 17
Wien: Erwin Lengauer, Tel. 0676 - 357 2 671
Michaela Damjanovic, email Tara777 @ gmx.at
Niederösterreich (West):
Mag. Gabriele Smetana, Tel. 0664/ 368 70 19
Oberösterreich:
Schärding: Cafe-Restaurant Orangerie, Eva Kubai Tel. 07712-35704
Scharnstein: Erich Lankmaier 0676- 3901119, lankmaier @ almtal.net

Vegetarische Partner-Zeitschriften im Ausland:
Natürlich vegetarisch
Vegetarier-Bund Deutschlands e.V. (VEBU), Blumenstr.3, D-30159 Hannover, Tel.0049/ 511-363 2050, Email info @vegetarierbund.de www .vegetarierbund.de.
Vegi-Info, Vegi-Büro Schweiz, Tel. 0041-71 477 33 77, neue Adresse: Niederfeldstrasse 92, CH-8408 Winterthur, Email: svv @vegetarismus.ch, vegetarimus.ch

Vegetarischer Lokalführer Wien
37 fleisch- und fischfreie Lokale im Test, Holzbaum-Verlag Wien 2011, 50 Seiten, brosch.,Kleinformat, ca. 15 x 10 cm,
Preis 9,95 ¤, ISBN 978-39503097-0-6

 

Seite 13 und 14

Richter scheuchen?

Der Kalauer ist schon wieder etwas abgestanden, die Medienempörung über einen Politiker, der gegen seine erstinstanzliche Verurteilung lautstark polemisiert, hat sich gelegt, die Grundfrage bleibt aktuell: Darf ein Richter kritisiert werden?

(Für Leser abseits der österreichischen Innenpolitik: Der Kärntner LandeshauptmannStellvertreter Scheuch war in erster Instanz wegen versuchter oder ersehnter Geschenkannahme für seine Partei, die Kärntner FPÖ, verurteilt worden, und bekämpfte diese Urteil publizistisch mit Vehemenz. Einem reichen Russen sollte für eine Millioneninvestition in Kärnten die österreichische Staatsbürgerschaft erwirkt werden und dabei sollte – so der Vorwurf – für die bemühte Partei auch ein bisserl was abfallen. Die politischen Parteien mit unserer Steuern zu finanzieren, ob sie etwas für uns tun oder nicht, ist unsere Pflicht. Das ist Gesetz, ordnungsgemäß beschlossen von den politischen Parteien. Der Gedanke, statt dessen sollte der eine Partei finanzieren, der von ihr etwas kriegt, mag auf den ersten Blick faszinierend sein, bedenkt man die Folge, ein ungeheurer Korruptionssumpf, schwindet die Faszination. Lassen wir das alles beiseite; weder die Parteienfinanzierung noch die Frage ob russische Millionen oder russische Sangeskunst die Verleihung der Staatsbürgerschaft rechtfertigen, ist Sache einer Tierrechtszeitung. Wohl aber die eingangs gestellte Frage.

Richter sprechen Recht, Recht nach den gültigen Gesetzen. Dass die Gesetzgebung in öffentlicher Diskussion steht, dass Gesetze geändert werden, ist selbstverständlich. Unser Parlament tut fast nichts anderes als Gesetze ändern, dazu ist es ja da. Manches war vor einem halben Jahrhundert verboten und ist heute erlaubt, ja wird sogar propagiert, manches ist heute verboten und war früher erlaubt. Das Recht folgt dem Zeitgeist. Die Gesetze auszulegen – kaum ein Gesetz kann zweifelsfrei formuliert werden – ist Aufgabe der Justiz. Entspricht die Auslegung nicht dem Willen des Gesetzgebers, kann er die Vorschrift in seinem Sinne deutlicher formulieren. Da bestreitet niemand. Heftig wird z.B derzeit über die Auslegung des aus dem Tierschützerprozess bekannten § 278a StGB, des so genannten Mafia-Paragraphen debattiert, viele fordern seine Änderung, doch Innen- und Justizminister wollen nicht.

Nun vom Recht zu den Richtern. Vorab, ich bin heilfroh, dass bei uns nicht Journalisten sondern unabhängige Richter urteilen. Gott sei Dank sind Richter unabhängig und können nicht willkürlich abgesetzt werden. Doch unfehlbar sind sie selbstverständlich nicht. Unsere Rechtsordnung geht sogar von der Fehlbarkeit der Richter und der Kritikwürdigkeit der Richtersprüche aus, sonst gäbe es keinen Instanzenzug. Auch Entscheidungen der höchsten Richter, des Obersten Gerichtshofs werden in der Literatur und Praxis kritisiert, von an der Sache unbeteiligten Juristen. Dass die von einem Urteil unmittelbar Betroffenen emotionell reagieren oder politische Gegner ihr Süppchen kochen ist menschlich und soll uns nicht bekümmern.

Bleiben wir sachlich. Die Justiz funktioniert im Großen und Ganzen. Dennoch ist von subjektiven Befindlichkeiten abgesehen manches ob im allgemeinen oder im Gebaren des einen oder anderen Richters kritikwürdig. Unabhängigkeit und Unabsetzbarkeit sind unabdingbar, doch sie haben auch eine Kehrseite. Sie können zu Überheblichkeit und zum Verlust angemessener Selbsteinschätzung führen. Der übliche Korpsgeist kommt dazu. Kritik an der Justiz als Gegengewicht muss so nicht nur erlaubt sein, sie ist sogar notwendige Bürgerpflicht. Wir können hier nicht alles aufzählen, was im Justizbereich diskussionswürdig ist, allein alle Vorschläge in juristischen Fachzeitschriften aufzulisten, würde Seiten um Seiten füllen. Im folgendem darum nur ein paar Streiflichter.

Den Tierschutzprozess möchten wir dabei nicht erörtern, ehe das schriftliche Urteil vorliegt; auch wenn er – so unparteiische führende Juristen – viel Anlass zu Kritik gab.

Vorerst ein paar Kleinigkeiten: Muss ein Richter Parteien, Zeugen anschreien, wenn sie nicht taub sind? Dient es der Wahrheitsfindung, wenn nicht der Anwalt, nur der Richter Fragen an Zeugen formulieren darf? (Sollte hier jemand ein déjà-vu-Erlebnis haben: ich spreche von Dubai).Nun rechtstaatlich und menschenrechtlich Gravierenderes.

Vorerst ein Punkt, der zwar primär die Gesetzgebung betrifft, aber doch auch die Rechtsauslegung durch Richter. Gerichtsverfahren kosten Geld, viel Geld. Ein verlorener Prozess – wie es bei Gericht ausgehen wird, lässt sich kaum sicher vorher sagen – kann wirtschaftlichen Ruin bedeuten. Die faktische Rechtslage: größere Prozesse können sich nur Reiche leisten (oder ganz Arme, wenn sie sehr klug sind, aber dann sind sie meist nicht arm). Ob man ein solches System als Rechtsstaat bezeichnen kann, sei dahin gestellt. In der Praxis heißt das: große Unternehmen können gegen Kleine, die sich nicht alles gefallen lassen wollen, gesetzlich legitimiert faktischen Terror üben; mittels zivilrechtlicher und teils auch

> Adolf Hitler brauchte Gestapo und KZ,
um die Meinungsfreiheit zu unterdrücken. Reicht heute die Geschäftsstörungsklage?
<


strafrechtlicher Klagen. Das betrifft insbesondere auch Tierschützer, die es wagen Missstände aufzuzeigen. Wir haben in der anima wiederholt berichtet: Tabakkonzern gegen Nichtraucher, Kürschnerinnung und Eierindustrie gegen Tierschützer, Pharmaunternehmen betr. Schimpansenversuche gegen wissenschaftlich Zeitung usw. usw. Ein Trost: Wer sich brav duckt und kuscht, bleibt verschont.

Der zweite Punkt, die Untersuchungshaft betrifft weniger das Gesetz aber voll die Richter – und uns alle. Sie hängt gleich einem Damoklesschwert über jedem, selbst wenn er sich nicht einmal aus seiner Wohnung herauswagt; mag er pensionierter Richter, pflegebedürftiger Greis im Altersheim sein, mag er einem altruistischen Verein ein paar Computer-Ezzes gegeben haben, ein paar mal einen Stammtisch linker oder rechter Prägung besucht oder dort wenn auch ungern fünf Euro gespendet haben.

Die 278er-Paragraphen-Serie und die Meinungsfreiheit beschränkende Gesetze erleichtern das provisorische Einsperren, aber sie sind dazu nicht notwendig. Es hängt manches von Protokoll-Formulierungen nach Erfolg strebender Sicherheitsorgane ab, das meiste aber vom agierenden Richter und Staatsanwalt, von deren Weltbild und vielleicht auch deren privater Werteordnung, in der vielleicht eine fremdländische Wasserleiche wenig wiegt, die abstruse Aussage Geistesgestörter viel; und insbesondere von der Fähigkeit der Entscheidenden, dort Wiederholungsgefahr zu erkennen, wo sie dem Normalbürger verborgen bleibt.

Noch ein Nebenaspekt. Vor Jahren hatte ein hoher Jugendrichter die Vergewaltigung Jugendlicher durch Mitgefangene im Gefängnis aufgezeigt. Offiziell wird das heruntergespielt.

Interessant: Die veröffentlichte Meinung polemisiert intensiv gegen die Keuschheitspflicht, die Geistliche nach mehrjähriger Überlegung freiwillig auf sich genommen haben. Gegen die Untersuchungs- und anderen Häftlingen auferlegte Zwangsenthaltsamkeit mit Vergewaltigungs-folgen hört man keine Proteste. Legte man die Rechtsauslegung des Internationalen Strafgerichtshofs zugrunde, wäre ein Richter, der von der großen Vergewaltigungsgefahr wissend, einen Menschen ins Gefängnis schickt, als Mittäter strafbar.

Man kann hier natürlich einwenden, Untersuchungshaft sei nicht so schlimm, sie dauere (außer manchmal beim Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag) keine Ewigkeit, schlimmer sei es, wenn beispielsweise lautstarkes wenn auch rüpelhaftes Aufbegehren für Väterrechte faktisch mit lebenslänglichem Freiheitsentzug geahndet werde.

Das mag schon sein, man soll aber die Auswirkungen der Untersuchungshaft auf die Betroffenen nicht unterschätzen, sie kann einen Menschen wirtschaftlich vernichten aber auch psychisch. Ob das die Entscheidenden immer bedenken?
Wie schon gesagt, Gott sei Dank, dass es unabhängige Richter gibt, doch Kritik allein dem Gerichtsapparat zu überlassen, wäre zu wenig.

Was die Tierschützer betrifft, warten sie schon seit viereinhalb Monate seit Urteilsverkündung und fünfeinhalb Monate seit Abschluss des Verfahrens auf die schriftliche Ausfertigung des Urteils. Dreieinhalb Jahre nach den abrupten Festnahmen haben die Betroffenen noch immer keine Gewissheit, ob der Staatsanwalt berufen wird. Das kann man ohne subjektive Schuldzuweisung als rechtsstaatlich bedenklich und fast als psychische Folter werten.

Erwin Lauppert

Seite 15 bis 18:

Bücher

Hanna Rheinz
Zwischen Streichelzoo und Schlachthof: Über das ambivalente Verhältnis zwischen Mensch und Tier, Kösel-Verlag 2011, 17,99 ¤ (D) - 18,50 ¤(A 240 Seiten, Format 21,4 x 13,6 cm,), ISBN-13: 978-3-466-30901-6

Ein besonderes Buch. Die Beziehungen der Menschen zu und gegen die Tiere sind vielfältig, all die Nutzungsarten: Tiere als Gefährten, als Helfer, als Sportobjekte, als Jagdobjekte, Medizinobjekte, als Fleisch, Milch- und Eierfabriken, .. Trauriges und Fröhliches, Schreckliches und Schönes ... Viele Mosaiksteine setzen sich zu einem Bild zusammen, das Helles und Dunkles vereint.

ie Autorin nimmt sich der einzelnen Steine an, prüft und wägt sie mit scharfen Verstand, mit liebevollem Verständnis, sie beschreibt Beziehungen, Zustände, gute und erschreckliche, umfassend informativ ohne schulmeisterlich belehrend zu wirken, sachlich und so besonders zu Herzen gehend, mitunter emotionell, mitunter satirisch, erzählt unterhaltsam Erlebnisse, eigene aus ihrem Zusammenleben mit Tieren und die anderer; beurteilt psychologisch, charakterisiert Menschen in und aus den Tieren.

> Werdet einander zu Engeln <

Doch das Buch ist nicht nur vordergründig, Hanna Rheinz schreibt mit dem Herzen, beseelt aus jüdischer Mystik, der Kabbala, fügt sie die Steine zum Mosaik, entwirft sie eine Vision: Werdet einander zu Engeln, zu guten Tieren.

Nicht jeder Leser wird in allem mit der Autorin übereinstimmen. Ich greife nur ihre Beurteilung Albert Schweitzers heraus. Sie hatte ihn schon in jungen Jahren aus dem Kreis ihrer Heiligen gestoßen:

chweitzer habe 1919 in Straßburg von der Kirchenkanzel predigend, Anweisungen gegeben, wie junge Kätzchen mit dem Hammer zu erschlagen seien. Ich glaube man muss das im Zusammenhang sehen. Gerade hatten Deutsche und Franzosen einander vier Jahre lang millionenfach erschlagen, Hunger und Not herrschten, heutige Übung vorzuschagen, hätte nur Spott geerntet.

eit jeher war es in Mitteleuropa und vermutlich auch anderswo Brauch die jungen Katzen zu ersäufen, eine grausame Methode doch üblich. Ein Hammerschlag ist im Vergleich Gnade.

Schweitzer hat wohl nichts anderes getan als unsere Autorin, als sie verdienstvoll – da sie Töten nicht verhindern kann – an ihre Kultusgemeinde appellierte, die Elektroschockbetäubung zuzulassen.

Theodor Storm ‚Von Katzen’:
...sechs Maikätzchen, alle weiß mit schwarzen Schwänzchen.
Fürwahr, es war ein zierlich Wochenbettchen!
Die Köchin aber, Köchinnen sind grausam,
Und Menschlichkeit wächst nicht in einer Küche -
Die wollte von den sechsen fünf ertränken,
Fünf weiße, schwarzgeschwänzte Maienkätzchen
Ermorden wollte dies verruchte Weib. ...

...

Christoph Mackinger und Birgit Pack (Hg)
§ 278a: Gemeint sind wir alle – Der Prozess gegen die Tierbefreiungsbewegung und seine Hintergründe, mandelbaum verlag Wien 2011, Preis 16,90 ¤, 408 S., brosch.,19 x 12 cm, ISBN, 978-3-85476-600-1

Die Herausgeber aus dem Kreis der in der linken-anarchistischen Welt beheimaten BAT (Basisgruppe Tierrechte) haben hier den Tierschützerprozess (M. war Angeklagter) aufgearbeitet; Eine Materialensammlung reich als Fundgrube zu Details zu Tierschutzprozess und Polizeierhebungen, zur Geschichte gewaltnaher Aktionen im In-und Ausland und den folgenden legistischen und judiziellen Reaktionen.

Beeindruckend die Berichte über die psychischen Folgen brutaler Polizeigewalt und der Untersuchungshaft.

Erschreckend das Ausmaß des heimlichen Eindringens der Staatsgewalt ins Privateste. Du sitzt am Computer, schreibst einen flüchtigen Gedanken nieder und löscht ihn sogleich; zu spät – Tastenanschlag für Anschlag hat die Polizei mitgelesen und versucht dir daraus einen Strick zu drehen.

> Gedankenpolizei in Österreich <

Befremdlich die ideologischen Scheuklappen. (Nebenbei: die Mitherausgeberin Pack, Historikerin mit dem Schwerpunkt Nationalsozialismus und Antisemitismus /Diplomarbeit zum Thema Tierschutz und Antisemitismus konnte mit Scharfsinn begnadet auch unsere anima als antisemitisches Blättchen entlarven.) Einst waren die Gedanken frei, das ist vorbei. Es kann jeden treffen. Es wäre nahe liegend, alle potentiellen Opfer setzten sich gemeinsam zur Wehr.

och leider: Die BAT kämpft für Randgruppen und gegen überschießende staatliche Gewalt. Doch Väterrechtler – schließt sie von ihren Solidaritäts-Veranstaltungen aus. Menschen, die sich entschieden für das Elternrecht ihre Kinder sehen zu dürfen, einsetzen und deshalb ebenfalls ansatzweise als Terroristen verfolgt wurden, zählen anscheinend zu keiner schützenswerten Randgruppe. Es wundert nicht, wenn das Bemühen um Bewahrung der Grund- und Freiheitsrechte wenig Erfolg hat.

Betrüblich das Fehlen nachdenklicher Worte zur Sinnhaftigkeit mancher gewalttätiger Aktionen, wie sie wer immer auch der Täter gewesen sein mag vor allem im Ausland, doch auch im Inland vorgekommen sind. Nützen oder schaden sie den Tieren?

Die anima hat abseits aller Theorie aus der Sicht praktischer Tierschutzarbeit immer den Standpunkt vertreten: „Der Glaube, eine kleine gewaltbereite Gruppe ohne Rückhalt in der großen Mehrheit der Bevölkerung könne gegenüber Kapital und Staat siegen, ist realitätsfremd. Unter den gegebenen Verhältnissen schadet Gewalt dem Tierschutz nur. Wer - zwar emotionell verständlich - auf Gewalt setzt, läuft Gefahr, letztlich nur eines zu erreichen, den Polizeistaat.“

 

Nina Messinger
Du sollst nicht töten! Plädoyer für eine gewaltfreie Ernährung, Smaragd Verlag D-57614 Woldert(Ww) 2011, Preis 17,80 ¤(D), 272 S., brosch., ca. 21 x 14,5 cm, ISBN 978-3-941363-47-2

Der Zugang zum Vegetarismus ist unterschiedlich. Die einen folgen Verstand und Philosophie, andere Herz und Glauben welcher religiösen Prägung auch immer, ob konventionell, ob Esoterik. Zu letzteren zählt die Autorin. Es stünde besser auf dieser Welt, würden die Menschen dem religiösen Liebesgebot folgen. Jeder Mensch trägt den Wunsch nach Frieden in sich, aber wie soll es Frieden geben, sagt die Verfasserin einleitend, wenn wir täglich den Mord an unseren Mitgeschöpfen, den Tieren zustimmen und all das damit verbundene Leid mit ihrem Fleisch in uns hineinessen?“

> Sei du selbst die Veränderung,
die du dir wünscht für diese Welt!
Mahatma Gandhi <

Sie trägt all die üblichen Argumente für Pflanzennahrung zusammen, Gesundheit, Tierschutz- sie schildert eindrucksvoll das Los der Nutztiere, Umweltschutz, Resourcenver-schwendung. Nur tut sie da im Überschwang der Begeisterung etwas zu viel. Leider kostet auch die Pflanzenerzeugung Tierleben und nicht wenig – vegan ist nur Annäherung an das Ideal, nicht die Vollendung, Früchte werden häufig nicht reif geerntet, Schimpansen (nicht explizit erwähnt) lieben – leider Fleisch; alles kein Grund Tierisches zu essen, nur man könnte es sagen. Weiter nicht schlimm.


Gefährlich wird es, wenn die Verfasserin entgegen den wissenschaftlichen Erkenntnissen schreibt, Vitamin B12 finde man genau so (wie in Fleisch) in pflanzlicher Nahrung. Das mindert das viele Positive im Buch; hervorzuheben sind die zahlreichen Interviews, Statements von Menschen, die der pflanzlichen Ernährung aufgeschlossen sind, sie praktizieren, auch Menschen aus dem katholischen Bereich; erschütternd das Interview mit einem früheren Schlächter.


Corina Gericke
Was Sie schon immer über Tierversuche wissen wollten - Ein Blick hinter die Kulissen,
komplett aktualisierte und überarbeitete 2. Auflage, Echo-Verlag Göttingen 2011, 9,80 ¤(D). brosch., 128 Seiten, ca. 20 x 12 cm, ISBN 978-3-926914-53-8

Die Autorin, Tierärztin und wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Ärzte gegen Tierversuche e.V., entschiedene Gegnerin der Tierversuche hat die Argumente wider diese Tiernutzung in 80 Fragen und klare Antworten gegliedert, eine wertvolle Diskussions- und Argumentationshilfe. Allerdings, wer stichhältig Beweis führen will, muss auch die Argumente der Gegner kennen. Die fehlen.

Die Begründung, die Tierversuchlobby sei ohnedies übermächtig, man wolle ihr kein Forum geben, ist da wenig hilfreich.

Der zweite Einwand, die entschiedene Ablehnung des 3 R-Konzepts (Replacement/Ersatz – Reduction/Reduzierung – Refinement/Verfeinerung, Milderung) scheint mir kritikwürdig. Auf Mögliches eines in absehbarer Zeit unerreichbaren Ziels willen verzichten?

Die Debatte dreht sich – von kleinen Erfolgen abgesehen – immer im Kreise, die Tierversuchsgegner klagen – das Gros der einschlägigen Wissenschaftler schert es nicht, sie machen weiter. Gegen Tierleid sind sie unempfindlich, ja selbst brutale Menschenexperimente renommierter Wissenschaftler dringen gelegentlich an die Öffentlichkeit (Worin unterscheiden die sich vom Dr. Mengele?).

Die leider früh verstorbene außergewöhnliche Tierschützerin Amy Liszt hatte vor langem vorgeschlagen, wir Tierversuchsgegner sollten uns statt unermüdlich aussichtslos gegen feste Mauern anzurennen, uns auf die Verbesserung der Haltungsbedingungen für Versuchstiere konzentrieren und unter dem Slogan „Mehr Licht in die Labors“ zehn Gebote für die Haltung der Versuchstiere aufgestellt (Wir haben sie vor Jahren wiederholt wiedergegeben).


Wäre es nicht vernünftiger, alle Energie vorerst auf ein erreichbares Ziel zu richten, auf die Verwirklichung der Forderung „Licht in die Labors“ und die Erfüllung der zehn Gebote. Mit anderen Worten, nicht auf die Abschaffung der Versuche sondern vorerst auf humane Haltungsbedingungen zu drängen?

> Licht in die Labors <

Dann haben wir nicht die große Mehrheits der Menschen gegen uns (Anders lautende Meinungsumfragen sind, wenn es darauf ankommt, nicht viel wert). Gegen bessere Hal-tungsbedingungen und „Licht in die Labors“ lässt sich – mag es auch wissenschaftliche Nebenbei, je teurer die Versuchstierhaltung wird, umso eher bequemt sich die Wissen-schaft zu Alternativmethoden.

Erwin Lauppert

ALTEXethik
Erscheint einmal jährlich im Dezember in deutscher Sprache. Vertrieb: Weinmanng. 86, CH-8700 Kuessnacht ZH; Tel. ++41 44 380 0830; Fax +41-44-380 0832, email: subs @altex.ch; Abopreis 15 ¤

ALTEX ist eine der 3R Idee (Tierexperimente replace, reduce, refine) verpflichtete wissenschaftliche Vierteljahresschrift in englisch. Zusätzlich erscheint jeweils zum Jahresende eine fünfte Ausgabe in deutscher Sprache, die auch für sich allein bezogen werden kann (Preis bisher 15 ¤). Besonders interessant in der Ethik-Ausgabe sind neben grundsätzlichen Artikeln zu wichtigen Themen regelmäßig die zahlreichen Buchbesprechungen.


Kinderbuch

Ruby Roth
Warum wir keine Tiere essen – Ein Buch über Veganer, Vegetarier und alles Lebendige
Echo Verlag Göttingen 2010 (amerikanische Originalausgabe 2009 „That’s Why We Don’t Eat Animals – A Book About Vegans, Vegetarians and All Living Things), Preis 14,90 ¤(D), geb. 48 Seiten, reich illustriert, Format 28 x23 cm, ISBN 978-3-926914-51-4

Ein Kinderbuch – ein Bilderbuch - ein als Kinderbuch getarntes Erwachsenenbuch? Schon die Bilder zu ergründen – Roby Roth ist vor allem Malerin – macht es wert, das Buch zu kaufen. Eingebettet in die Malerei sind kurze Texte in einfachen Worten, ein Sachbuch zu Nutztierhaltung und Umweltzerstörung (nur eine kleine Abweichung: Mastschweine werden bei uns nicht mehr in Einzelhaft gehalten).

Jane Goodall, die weltbekannte Schimpansenforscherin schreibt:„Ein großartiges und wichtiges Buch. Die bezaubernden Illustrationen von Roth verdeutlichen, dass die so genannten Nutztiere die gleichen Gefühle haben wie unsere Haustierer. Es wird Kinder – und ihre Eltern – zum Nachdenken anregen. Aber es wird keine Albträume auslösen, sondern eher Respekt und Mitgefühl für alle Lebewesen, deren Wohl in unseren Händen liegt.“

Erwin Lauppert


Kochbücher

Heike Kügler-Anger
Veganes fürs Fest
Weihnachtliche Rezepte aus aller Welt
pala-verlag, Darmstadt 2011 Preis 9,90 ¤(D),
160 Seiten, Hardcover, ca. 17 x 12 cm,
ISBN: 978-3-89566-295-9


Das Weihnachtsfest ist immer wieder ein Anlass, wo man für sich und seine Lieben etwas Besonderes auf den Tisch zaubern möchte. Die Autorin von „Venganes fürs Fest“ möchte mit diesem Kochbuch eine persönliche Weihnachtskerze anzünden und zeigen, dass es möglich ist, dass Weihnachten eine Freude für Mensch und Tier sein kann. Und - dass man köstliche Gerichte zubereiten kann, die eine Botschaft in sich haben. Gerechtigkeit für Mensch, Tier und unseren Planeten, damit auch unsere Kindeskinder noch eine wunderbare Weihnachtszeit erleben können.

Die Zutaten für die Speisen sind in jedem gut sortierten Supermarkt oder Bioladen erhältlich und was den Geschmack der Gerichte betrifft, werden sicher auch Nichtveganer keine kulinarische Enttäuschung erleben. Es gibt viele traditionelle Speisen, aber auch so manches pfiffig Neues und Exotisches. Zu vielen Rezepten gibt es noch praktische, interessante Extratipps und darüber hinaus ist das Kochbuch mit stimmungsvollen, weihnachtlichen Bildern liebevoll illustriert.
Doch beginnen wir erst mal mit den Vorspeisen und Salaten, die jedes Festmahl einleiten. Da gibt es Linsenkaviar mit Knoblauchbaguette, Dattelhäppchen und Chicoréesalat mit Birnen, Trauben und Nüssen.

Suppen machen glücklich – sie wärmen nicht nur den Körper, sonder auch die Seele. Schon gar, wenn es draußen kalt ist, stürmt und schneit. Da ist eine Rosenkohlcremesuppe mit karamellisierten Walnüssen oder eine Zwiebelsuppe mit Blätterteighaube genau das richtige.
Nachdem der erste Hunger mit ein paar Appetithäppchen oder einer Suppe gestillt ist, kommt der Höhepunkt eines Mahls: Der Hauptgang. Und hier bietet dieses Kochbuch vom tranditionellen Braten, über Raclette oder Fondue bis hin zu exotischen Köstlichkeiten eine große Auswahl. Vom sahnigen Pilzrahmragout mit Semmelknödel, bis hin zu exotischen Kürbiscurry mit Kokosmilch, ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Zu guter Letzt ist ein süßer Abschluss bei einem Festmahl unerlässlich. Und wenn es keinen Platz mehr für gefüllte Feigen auf algerische Art oder Schoko-Mandel-Parfait gibt, dann muss es zumindest noch ein cremiger Rum-Flip oder ein weihnachtlicher Latte macchiato sein.
Ein Weihnachtskochbuch für Genießer, die bereit sind, neue Wege der Festtagsküche zu probieren.


Abla Maalouf-Tarner
Vegane Köstlichkeiten – libanesisch
pala-verlag, Darmstadt 2011 (überarbeitete Neuauflage), Preis 14 ¤(D), 160 Seiten, Hardcover, ca. 21 x 14 cm, 978-3-89566-284-3

Sind Sie aufgeschlossen für orientalische Rezepte und neugierig auf ganz neue Geschmackserlebnisse? Dann werden die über 100 Originalrezepte der fleischlosen libanesischen Küche, die im Libanon einen hervorragenden Ruf und viele Anhänger hat, Sie sicher begeistern.

raditionell werden im Libanon fleischfreie Gerichte ganz ohne tierische Zutaten – also vegan – zubereitet.

Die Autorin, selbst Libanesin, bereichert das Kochbuch mit einer Einführung über Traditionen in der libanesischen Küche, Speisesitten und Tipps zur Menüzusammenstellung. In der „kleinen Warenkunde“ werden wir mit den typisch libanesischen Zutaten wie Burghul, Kichererbsen und Okraschoten, sowie den häufig verwendeten Gewürzen Kardamon, Kreuzkümmel, Rosenwasser etc. vertraut gemacht.

Die Rezeptesammlung beginnt mit einer Auswahl von Suppen, von denen einige, wie z.B. die Bohnensuppe oder Linsensuppe mit Brot durchaus auch als Hauptgericht gereicht werden können. Es folgen sehr schmackhafte Saucen, in denen reichlich Knoblauch, Koriander und Thymian steckt. Die Saucen können problemlos Tage im Kühlschrank aufbewahrt werden und passen gut zu Spaghetti, gebratenem Gemüse oder können als Dip zu Falafel und frisch gebackenen Brot serviert werden. So hat man schnell etwas aufzutischen, wenn überraschend Gäste auf ein Glas Wein vorbei schauen.
Weiter geht es mit einer sehr großen Auswahl von Salaten. Auch wenn deren Namen wie Nudelsalat, Möhrensalat oder Bauernsalt nicht exotisch klingen, so werden sie doch oft ganz anders gewürzt als in unseren Breiten üblich. Kartoffelsalat wird z. B. schmackhaft mit viel Petersilie, Minze, Knoblauch und roter Zwiebel verfeinert.

Dann folgen Vorspeisen, die im Libanon Mezza genannt werden und die Vielfalt der libanesischen Küche zeigen. Mit viel Liebe und Fantasie entstehen zahlreiche unterschiedliche Rezepte. Viele, kleine, tiefe Teller füllen jede Festtafel. Da gibt es gefüllte Weinblätter, Kicherbsenmus, Kartoffeltaschen, gegrille Auberginen und vor allem Tabboule. Auch eingelegte Oliven, geröstete Nüsse, Brot und eine Schüssel rohes, geschnittenes Gemüse gehören immer zu den Vorspeisen.
Beilagen bestehen aus Kartoffeln, gebratnes oder püriertes Gemüse, Reise und Spezialitäten aus Hülsenfrüchten.Als Hauptgerichte werden Gemüse-, Reis- oder Burghulgerichte wie z. B. Auberginen-Reis-Topf oder Bohnen-Tomaten-Topf. Wer noch immer Platz im Magen hat, darf sich die beliebten Süßspeisen zum glanzvollen Abschluss einer guten Mahlzeit nicht entgehen lassen. Reispudding, gefüllte Datteln, Quittenplätzchen und dazu ein arabischer Kaffee....

Schon beim Schmökern in diesem Kochbuch kommt man zur Überlegung, ob das Schlaraffenland nicht im Libanon ist.

Guten Appetit wünscht
Michaela Schaller


Büchereingang:

Alexander Nabben
Tofu vegan
Köstlich kochen und backen mit Tofu
pala-verlag, Darmstadt, 2011, Preis 14 ¤(D),180 Seiten, Hardcover, 21 x 14 cm

Marsili Cronberg
Wie ich verlernte, Tiere zu essen – Mit dem Comic "Happy without meat" von Linguini'
Echo Verlag Göttingen 2011, 12 ¤(D), Taschenbuch 144 Seiten ca.21 x 13,5 cm

Birgit Klaus
Tier zuliebe – Vegetarisch leben – eine Kostprobe
Diederichs Verlag München 2011, 192 Seiten, 21,4 x 13,2 cm 14,99 ¤(D), 15,50 ¤(A)

 

Impressum
anima – Zeitschrift für Tierrechte, erscheint vierteljährlich, Medieninhaber und Verwaltung: Österreichische. Vegetarier Union (ÖVU), Herausgeber und Redaktion: Arbeitskreis Tierrechte der ÖVU (Leiter Erwin Lauppert), alle 8045 Graz, Rossegg 41, Tel. 0316-463717 und 0720 –349 056 (fairytel)
email: anima @vegetarier.at,
website: vegetarier.at und vegetarisch.org
ZVR-Zahl 90713 6740, DVR 0955 906.
Beiträge geben, soweit nicht ausdrücklich vermerkt, lediglich die Meinung der Verfasser, nicht die der ÖVU wieder. Nachdruck nur mit schriftlicher Zustimmung. Fotos, wenn nicht bezeichnet: ÖVU, Druck: Druckwerk 8020 Graz

 

Seite 19:

Notizen

Stalking? Demonstranten verurteilt
Der St. Pöltner Bischof Küng kritisierte das Urteil eines Grazer Gerichts. Vier Abtreibungsgegner, die vor der Praxis eines Gynäkologen demonstriert hatten, wurden wegen Stalkings verurteilt. Küng: Es müsse auch in Zukunft erlaubt sein mit großem Respekt vor der Person einer Frau aufmerksam zu machen, was Abtreibung bedeutet.
Die Presse, Wien 25.7.2011


Sänger Morrisey und der Terror in Oslo
Im Juli sorgte der britische Sänger für einen Eklat, als er bei einem Konzert in Warschau den Song Meat Is Murder mit der Bemerkung ansagte, das Massaker in Norwegen sei nichts im Vergleich zu dem, was bei McDonald’s und Kentucky Fried Chicken tagtäglich passiere.
Morrissey erläuterte seine Aussage wie folgt: Der Kommentar auf der Bühne kann ich so erklären – Millionen von Existenzen werden jeden Tag routinemäßig abgeschlachtet, um McDonalds und KFCruelty Profit zu bringen, aber da diese Morde legal sind, sollen wir ihnen gleichgültig gegenüberstehen und wagen es noch nicht mal, sie in Frage zu stellen. Wenn ihr zu Recht von den Morden in Norwegen erschüttert seid, dann sollte der Mord JEDES Lebewesen euch natürlicherweise schockieren. Ihr könnt das Leid von Tieren nicht ignorieren, nur weil Tiere nicht ‘wie wir’ sind.

“Vegetarisches Restaurant sucht:
Würden Sie gerne mit Liebe und Engagement in einem vegetarisch geführten Restaurant arbeiten?
Wenn Sie diese Frage mit "Ja" beantworten können, Erfahrung in der Gastronomie haben und Ihnen ein wertschätzender freundlicher Kundenumgang nicht schwer fällt, würden wir Sie gerne kennenlernen.
Ihr Arbeitsplatz ist ein freundlich und stilvoll eingerichtetes Nichtraucherlokal im Grazer Innenstadtbereich, wo sich für Sie viele Entfaltungsmöglichkeiten bieten.
Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung mit Angabe zum frühest möglichen Eintrittstermin per Email an: jammernegg@archenoah.at


Tierrechtskongress 2011
8. bis 11.Dezember im Don Bosco Haus,
St. Veitgasse 25, 1130 Wien
Vorträge, Arbeitskreise, Diskussionen, Ausstellungen, Filme und vieles mehr
Näheres zu Programm und Kostenbeiträgen: website: Tierrechtskongress 2011 oder beim Veranstalter: Verein gegen Tierfabriken (VgT), 1140 Wien, Waidhausenstraße 13/1, Tel.: 01/929-14-980

Aus dem vorläufigen Programm:
Hauptvorträge:
Tierschutz-Avantgarden und Tierfreundschaften in der Geschichte (Univ.Prof. Gabriela Kompatscher)
Wertewandel im Artenschutz (Nicolas Entrup, WDCS-Intern.Wal- u. Delphinchutz-Gesells.)
Uns gehört die Welt – Macht und Machenschaften der Multis (Klaus Werner Lobo, Autor)
Tierschutzprozess und Hexenprozess
(Univ.Prof. Max Siller)
Kurzvorträge(Auswahl):
Don't work harder, but smarter. Effektive Tierrechtsarbeit – Die Käfigfrei-Kampagne in Deutschland– Gott der Tiere? – Underdogs – Hunde als Medienmonster und Familienschreck? – Anteil der Tierhaltung am Klimawandel – Tierrechte und Repression in der polit. Kunst – Schlüssel zur Motivation im Tierschutz – Unser täglich Gift/ Schadstoffbelastung veganer Ernährung – Vitamin D, Vitamin B12 und Omega 3 –Tierrechte: Autonomie der zentrale ethische Wert – Buchpräsentation “Tierschützer. Staatsfeind.” – Wolf und Mensch – Konfliktpotential und Lösungsansätze – Der ökologische Fußabdruck von Ernährung und Tierrechtsarbeit – Vegetarische/vegane Ernährung von Hunden: ein Widerspruch in sich? –– Vegan für die Masse: Eine Kampagne des VEBU als Erfolgsbeispiel – Donnerstag ist Veggietag: in Österreich; u.a.

------

Danke unseren Leserinnen und Lesern
für Beiträge und Spenden
Für die anima gibt es keine feste Abo-Gebühr, nur Kostenbeiträge nach Ihrem Ermessen. Allerdings: die Druckkosten steigen, das Porto ebenso, nur unsere Personalkosten nicht, weil wir haben keine. Dennoch, unser Defizit nimmt zu. Wir freuen uns daher über finanzielle Beiträge ebenso wie über textliche.

 

Seite 20:

Ministerin Karl und das Verwaltungsmonster Lobbyistengesetz

In der letzten Nummer hatten wir über den unter Justizministerin Karl verfassten Entwurf eines Lobbying-Interessenvertretungs-Transparenz-Gesetzes berichtet. Der vernünftige Vorsatz, aus gegebenem Anlass kriminellem Lobbying gegenzusteuern, weitete sich im Ministerium zu einem wahren Verwaltungsmonster aus, völlig abseits aller Beteuerungen die Verwaltung zu vereinfachen.
Nach dem Entwurftext müssten sich zehntausende Angestellte von Unternehmen und gemeinnützigen Vereinen um teures Geld als Lobbyisten registrieren lassen, auch wenn sie nur einmal im Jahr in einer Sachfrage mit der Obrigkeit für fünf Minuten Verbindung aufnehmen.

Wnn ein Angestellter eines Transportunternehmers im Auftrag des Chefs den Bürgermeister anruft, er möge doch endlich an der Gartentür des Kindergartens die Kindersicherung anbringen, muß er nach den Intentionen der Ministerin vorher 450 Euro zahlen, und die Sekretärin vom Wellensittichzüchter-Verband, wenn sie zur Tierhaltungsverordnung dem zuständigen Beamtern etwas sagen will, 90 Euro.

Ob das Ministerium auf die Proteste gegen dieses Verwaltungs-Kasperltheater eingegangen ist, wissen wir noch nicht. Der endgültige Ministerialentwurf kommt erst in den Ministerrat, voraussichtlich Ende September oder Anfang Oktober.


1.000 Schweine verbrannt –gespaltene Tierliebe der Behörden
Immer wieder kommt es zu Brandkatstrophen in Massenställen, z.B. 2010 in der Steiermark über 100.000 Hennen elendiglich verbrannt, jetzt 1.000 Schweine in NÖ.
Einst waren katastrophale Feuer häufig. Immer wieder brannte ein Dorf, eine halbe Stadt ab. Das kommt heute kaum mehr vor, einfach weil die Bau- und Gewerbebehörden brandsicheres Bauen verlangen, Feuermauern usw. Wann wird endlich ausreichender Brandschutz für Massenställe vorgeschrieben?
Wenn irgendwer hundert Schweine auslässt, reitet der Staatsanwalt heran und erhebt Anklage: ein paar der Tiere haben einander gekratzt. Was tut der Staatsanwalt, wenn 100.000 mangels ausreichenden Schutzes qualvoll umkommen?

Streuen Sie Kühen gern Chili in die Augen?
Schuhe werden meist in Asien erzeugt. Den alten Kühen dort, deren Haut zu Leder und zu Ihren Schuhen wird, geht es häufig miserabel, auf dem letzten oft wochenlangen Weg zur Schlachtung wird ihnen nicht selten Chili in die Augen gestreut, zur Aufmunterung der Erschöpften. Mag die AMA auch von Mineralstoffen im Fleisch schwärmen, in den Schuhen brauchen Sie die zu Ihrer Gesundheit sicher nicht. Ledererzeugung ist übrigens alles andere als umweltfreundlich. Bis eine Haut zu Leder wird, braucht es viel Chemie.
Kaufen Sie Schuhe aus Kunststoff, es gibt sie sehr kostengünstig in Billig-Schuhgeschäften und atmungsaktiv im Vegan-Versandhandel.


–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
anima Nr. 3/2011

anima, Rossegg 41, 8045 Graz

urück zur anima - Zurück zur ÖVU-Homepage