anima - Nr.3/2006

Herbst 2006

 

Aus dem Inhalt:

Christine Beidl
Zum Welttierschutztag ........................... 3

Helmut F.Kaplan
Habermas, Moral und Recht .................... 4


Bücher ................................................. 5
M.Balluch, Die Kontinuität von Bewußtsein
M.Breitscheidel, Abgezockt und totgepflegt
Kochbücher: C. Schmidt, Brot und Brötchen


Voltigieren – Glas ................................ 7


Rocky .................................................. 8


Konsumenteninformation ....................... 9


Importverbot für Hunde- und Katzenfell . 12


Vegetarische Informationen .................. 13
EVU zur FAO-Konferenz
Omega 3 Fettsäuren .......................... 14


Erwin Lauppert
Alles Antisemiten? ............................... 15


Notizen............................................... 17


Wahlprogramme ................................. 18

Texte weiter unten:

Seite 1:


Kalb Nr.8816 – Tiertransporte ..................................................Lichtbild

Peter Rosegger erzählt:
Als ich eines Tages wieder einmal auf der Waldstraße ging gen Krieglach hinab, holte mich der Jungfuhrmann Blasius ein mit seinem flinken Rößlein. Da er sah, wie sehr weich und behutsam ich voranschritt der steinigen Straße halber, deren scharfe Splitter mich in die Barfüße stachen, so hielt der Blasius seinen Wagen an und sagte, ich dürfe aufsitzen.
„‚ Es sitzt ja schon wer im Wagen,“ sagte ich. „Der liegt“, antwortete er. Denn es war ein abgestochenes Kalb, das er zum Fleischhauer führte. Ein unterhaltsamer Fahrgast war das nicht, aber ich setzte mich zu ihm. Das Kalb schaute mich mit seinen feinen großen, pechschwarzen Augen an, als ich mich so zwischen seine vier ausgestreckten Beine hinschob.
„ Hat’s dich denn nit derbarmt, Blasius, weil du es abgestochen?“ „Gerad’ weil’s mich derbarmt hat, hab’ ich’s abgestochen“, sagte er. „Lebendigerweis’ auf dem Wagen zum Fleischhacker schleppen, oder gar mit einem Hund hetzen, und am End’ bleibt’s ihm doch nit erspart, nur daß es der Fleischhacker vielleicht viel dümmer macht. Da hab ich’s Messer lieber gleich selber hineingeschoben.“ –––
Ein einfacher analphabetischer Fuhr-mann hat es schon vor eineinhalb Jahrhunderten kapiert; unsere hochgebildeten Politiker wollen es heute noch nicht begreifen: Tiertransporte sind meist grausam. Wenn ein Tier (Forts. umseits)

Seite 2:

Liebe Leserinnen und Leser,
„ unsere hochgebildeten Politiker – lautet der Schluß des Textes vom Titelblatt – wollen es heute noch nicht begreifen: Viehtransporte sind meist grausam. Wenn ein Tier schon getötet werden muß, sollte es möglichst vor dem Transport gesche-hen.
Wann wird die langjährige Tierschutzforde-rung: ‚Tiertransporte nur bis zum nächstgelegenen Schlachthof. Überlandtransporte nur als Gefrierfleisch’ endlich erfüllt?“
Der Text ist nicht neu, das ist traurig. Wir haben ihn wortwörtlich abgeschrieben, aus einer anima vor zehn Jahren. Und auch damals schon war er ein älteres Plagiat. Sicher, es gibt seither einige kleine Verbesserungen im Transportwesen, doch im Kern hat sich trotz vielfacher Tierschutzbemühungen in all der Zeit nichts geändert. Dabei könnte jeder für sich das Problem auf einfache, elegante, kostensparende und dazu gesundheitsfördernde Weise lösen. Allein im deutschen Sprachraum haben es schon Millionen getan. Sie sind Vegetarier geworden und leben gesund und fröhlich.
Da sich aber die große Mehrheit wider alle Vernunft zu diesem simplen Schritt nicht und nicht entschließen kann, bleibt nur eines, in allen Bemühungen nicht erlahmen. Nicht gegenüber dem Gesetzgeber d.h. den politischen Parteien. Immer wieder bessere Transportvor-schriften und Transportkontrolle (die läßt mehr als zu wünschen übrig) fordern und – nicht zu vergessen – klare Produktkennzeichnung. Und dazu Verbündete suchen. Und natürlich, gerade jetzt aktuell, richtig wählen.
Dann das Konsumverhalten überdenken; wenn Fleischwarenkäufer, ob für sich oder ihre Hausgenossen, Mensch, Hund, Katze, auf die Herkunft achten, wäre schon etwas getan. (Achtung, das Prädikat ‚Österreichisch’ kann zu wenig sagen; vielleicht, daß der Schlachthof, in den holländische Schweine gekarrt wurden, in Österreich liegt).
Unser Cover-Girl – oder ist es ein Boy? die Darstellung ist gegen allen Medienbrauch zu wenig sexbetont – hat es noch gut getroffen. Es/r konnte wenigstens einen Sommer auf der Alm verbringen, unweit der letzten Ruhestätte der Schauspielerin Maria Schell. Sein weiteres Schicksal ist unbekannt. Als Einstellstier zur Mästung an die Kette gelegt? In einem Viehtransport nach Italien oder in den so entfernten Nahen Osten?
Besonderer Dank gilt da all jenen Aktivisten, die an der Front stehen, z.B. den Animal’s Angels der ehemaligen Pfarrerin Christa Blanke (D-79100 Freiburg, Rehlingstr. 16 A, www. animals-angels.de), die von Europa bis Australien auf den Straßen Märkten, Verladestatio-nen, bei Polizei und Viehindustriellen präsent sind.
Eine lange, bisher erfolglose Geschichte sind die Bemühungen um ein Importverbot für Hunde- und Katzenfell (siehe Seite 12). Erstaunlich ist hier die Gleichgültigkeit der Regierenden gegenüber ihrer Volksvertretung. Das EU-Parlament hatte anfangs 2004 das Verbot gefordert, die EU-Kommission und den zuständigen EU-Kommissar hat das nicht gerührt, der österreichische Nationalrat hat im Jänner in einer einstimmigen Entschließung, unsere Regierung aufgefordert ein österreichisches Verbot vorzubereiten. Unsere dafür zuständige Tierschutzministerin Rauch-Kallat scheint das nicht zu interessieren.
Die Tier“produzenten“ halten mit gutem oder besser gesagt mit schlechtem Grund ihre Produktionsstätten dem Publikum verschlossen. Die Verordnung unserer Ministerin sieht rechnerisch alle 50 Jahre eine Kontrolle vor. Tierquälerei kann so praktisch nur durch gesetzwidriges Eindringen aufgedeckt werden. Über harte Strafurteile gegen Aufdecker lesen Sie auf den Seiten 8 und 17.


Was hilft dagegen? Wohl nur eine KAMPAGNE: KAUFT NUR WAREN, DEREN ENTSTEHEN IHR FILMEN DÜRFT!
Liebe Leserinnen und Leser, wir wünschen Ihnen Mut und Ausdauer im Bemühen um Besserungen
und schöne Herbsttage
Ihre anima-Redaktion

Seite 3:

 

Zum Welttierschutztag
Christine Beidl


Unser von Kapitalismus und Erfolgsdenken dominiertes Zeitalter, das dem Menschen jegliche Maßlosigkeit in seinen Ansprüchen zugesteht, hat das Tier wie noch nie zuvor zur Sache, zum Produktionsmittel, zum Testinstrument degradiert. Daneben aber wächst auch die Intoleranz gegen jene Tiere, die dem Menschen keine Vorteile bringen, aber immer mit ihnen lebten und selbstverständlich geduldet wurden: Etwa die Tauben, Symbol des Friedens und der Zärtlichkeit, die man heute haßt und verfolgt, oder die Haustiere, die man, wenn sie unbequem werden, aussetzt oder sonstwie „entsorgt“. Wegwerftiere in einer Wegwerfgesellschaft, die, wenn sie noch Glück haben, im Tierheim landen und die Welt nicht mehr begreifen. Ganz zu schweigen von den „Ekeltieren“, die man mit grausamen Giftködern verfolgt, obwohl sie andererseits zu Millionen für das Wohl des Menschen“ in den Labors gefoltert werden.
Das Profitdenken zerstört nicht nur die Schöpfung Gottes, sondern auch unsere eigenen Seelen, es macht letztlich erbar-mungslos und unfähig zu Erkenntnis und Liebe. Es ging uns noch nie so gut, materiell betrachtet - und doch waren die Menschen noch nie so unzufrieden, war die Welt nie so kalt.
Es gibt immer mehr Menschen, die aus diesen Strukturen unserer heutigen Gesellschaft ausbrechen wollen. Vielleicht ist es gerade der „Poverello“, der große Arme, Franz von Assisi, der von vielen als das große Vorbild angesehen und sicher auch vielfach mißverstanden wird.


An seinem Todestag begehen wir den Welttierschutztag, denn Francesco war auch der große Freund der Tiere. Von ihm soll heute auch in unserer anima die Rede sein.
In seinem Vorwort zu den „Fioretti“, den Blümlein des Heiligen Franz, schreibt Rudolf G. Binding u.a.:
Nach Umbrien, in das uralte Herz Italiens, versetzt euch im Geiste, ihr, die ihr den rechten Duft, den rechten köstlichen Tau, den wahren göttlichen Sonnenglanz genießen wollt, der aus den Blümlein des heiligen Franziskus euch anglüht.


In jenem Lande aber ging der um, für den diese Blümlein erwuchsen und bewahrt wurden. Und sein Herz war der Spiegel und der Widerschein jenes freudigen tönenden Landes. Das Schöne war ihm Abglanz Gottes, und am Abglanz Gottes fand sein Herz sein Genüge und seine Freude. Die Blumen, die Vögel und alle Gestirne waren ihm seine Geschwister, und die Armut machte er zu seiner Braut. Denn er war so reich wie jegliche Kreatur vor ihrem Schöpfer und auch so demütig vor ihm.
Trunken vom Göttlichen war er bis zur Verzückung; in allem schaute er Gott. Und Gottes war er so voll, daß ihm alles rein war; daß er die Aussätzigen küßte, den Schmerz belächelte, die Demütigung zum inneren Triumph wandelte.


Und er sah Gott selbst auf Erden von Angesicht zu Angesicht.
So schritt er durch diese Welt, unbewußt das wundersame Wort erfüllend, das jener, dem er nachfolgte, auf dem Berge sprach: Selig sind, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.

Gedenken:
Vor einem Jahr, am 26.Oktober 2005, ist unsere langjährige Redakteurin im achtzigsten Lebensjahr von uns gegangen. Christine Beidl, die als Kind mit ihren acht Geschwistern am eigenen Leib erfahren mußte, was Not und Hunger heißt, hat nicht nur geschrieben. Ihre tätige Hilfe galt auch den Tieren in ihrem weiteren Umkreis, für die sie, selbst schon schwerkrank, aufopfernd sorgte. Diesen vor zehn Jahren verfaßten Beitrag bringen wir in dankbarem Gedenken.
Das anima Team

Seite 4:

Habermas, Moral und Recht
Helmut F. Kaplan


Eine Kernfrage der Tierrechtsbewegung ist die sogenannte „Gewaltfrage“. Dies unter anderem deshalb, weil sie die Zuspitzung bzw.

siehe www. Tierrechte-kaplan.org

 

Seite 5 und 6

Bücher

Martin Balluch
Die Kontinuität von Bewußtsein
Das naturwissenschaftliche Argument für Tierrechte ,Verlag Guthmann-Peterson 2005, 410 Seiten, kart., 30 EURO


Dr.Dr. Balluch unternimmt in seinem Buch den ehrgeizigen Versuch die Forderung nach Tierrechten aus einem naturwissenschaftlichen Fundament logisch zwingend abzuleiten. Auf den ersten Blick ein unmögliches Unterfangen, müsste doch dafür aus dem „Sein“ (also den naturwissenschaftlichen Fakten) auf ein „Sollen“ (also in diesem Fall Tierrechte) geschlossen werden, was allgemein als naturalistischer Fehlschluss bekannt ist und als unzulässig gilt. Der Autor findet für dieses Problem aber eine verblüffende Lösung und legt damit den innovativsten, erfrischendsten und stärksten Impuls zur Philosophie der Tierrechte aus dem deutschen Sprachraum, wenn nicht gar weltweit, auf den Tisch.
Naturwissenschaftliche Grundlage: Der größte Teil des Buches ist der naturwissenschaftlichen Diskussion des Phänomens Bewusstsein gewidmet. Die meisten Naturwissenschafter gehen derzeit von einer determinierten Welt aus. Die logische Konsequenz dieser Determiniertheit wäre, dass Tiere inklusive des Menschen als Biomaschinen zu betrachten wären, deren Handlungen - hätte man nur ausreichend technische Möglichkeiten - vollkommen vor-ausberechenbar wären. Der Autor argumen-tiert anhand einer Reihe wissenschaftlicher Indizien für das Vorhandensein einer indeterminierten Physik, die mittels sogenannter un-berechenbarer Mathematik beschrieben werden könnte. Eben jene indeterminierte Physik ermöglicht Phänomene die zwar nicht berechenbar aber naturwissenschaftlich erforschbar wären. Ein solches Phänomen wäre das Be-wusstsein, das autonome Entscheidungen ermöglicht. Auf diese Weise entstünde in einem naturwissenschaftlichen Weltbild Platz für einen freien Willen.


In der Folge widmet der Autor mehrere Kapitel der eingehenden Prüfung von Fragen wie „Was macht Bewusstsein aus?“ oder „Wie kann ich feststellen ob ein Lebewesen über Bewusstsein verfügt?“. Dafür werden Fakten und Argumente aus Mathematik, Logik, Physik, Evoluti-onstheorie, Neurobiologie, Ethologie, Soziologie und anderer wissenschaftlicher Disziplinen herangezogen. Der Autor kommt zu dem Ergebnis, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass neben dem Menschen zumindest auch alle anderen Wirbeltiere über ein Bewusstsein verfügen, und somit autonom handeln können.
Ethische Argumentation: In dem nun folgen-den verhältnismäßig kurz gehaltenen philosophischen Teil argumentiert der Autor für Grundrechte bewusster Lebewesen. Mit dem Bewusstsein kämen Werte in die Welt, da ein bewusstes Lebewesen als Grundlage seiner Entscheidungen bestimmten Handlungen gegenüber anderen den Vorzug gibt - also wertet. Als Grundlage für die Realisierung jeglichen Wollens müsse das Lebewesen - wenn ihm das auch nicht permanent bewusst ist - am Leben sein, sowie körperlich unversehrt und frei. Jedes bewusste Lebewesen hätte also sein Leben, seine Freiheit und Unversehrtheit als fundamental positive Werte verinnerlicht, wodurch diese als kategorische Werte identifiziert werden konnten.


Da eine allgemeingültige Ethik den Anspruch der Universalität (man könnte auch sagen Gerechtigkeit)– bei Kant ist es der kategorische Imperativ – erfüllen muss, müsste ich, wenn ich für mich erkenne, dass mein Leben, meine Unversehrtheit und meine Freiheit meine wichtigsten Güter wären und ich daher ein Recht auf diese für mich einfordere, selbiges auch für alle anderen Lebewesen fordern, auf die dieselben Voraussetzungen ebenfalls zuträfen. Der Autor kommt so zu dem Ergebnis, dass alle Lebewesen mit Bewusstsein ein Recht auf Autonomie, also ein Recht auf Leben, Unversehrtheit und Freiheit haben.
In einem letzten Teil lässt der Autor noch Stimmen für und gegen Tierrechte zu Wort kommen und diskutiert abschließend die praktischen Auswirkungen seiner Philosophie für die Gestaltung des eigenen Lebens und der Gesellschaft.
Stärken und Schwächen des Buches: Die Stärken und die Faszination dieses Buches liegen in seinem interdisziplinären Ansatz. Dem Autor, der mathematischer Physiker ist, gelingt es neue Impulse aus anderen Disziplinen innovativ in den philosophischen Diskurs einzubringen. Auf diese Weise entsteht neben den „Klassikern“ Singer und Regan eine eigenständige Tierethik, die die offensichtlichen Schwächen der klassischen Ansätze zu vermeiden weiß. So kommt der Autor in seiner Argu-mentation ohne die mehr als zweifelhafte Addition und Subtraktion des Leids und Glücks unterschiedlicher Individuen aus, die etwa die Grundlage der Singerschen Tierethik bilden. Ebenso wenig benötigt der Autor aber auch mehr oder weniger willkürliche Hilfskonstrukte, wie etwa einen „inhärenten Wert“, der bei Regan’s Tierethik eine zentrale Rolle spielt.


Das Buch „Die Kontinuität von Bewusstsein“ überzeugt durch seine stringente und direkte Argumentation. Dementsprechend steht auch nicht das Leid oder die Leidensfähigkeit im Zentrum der Rechtsbegründung, weil diese in der dargelegten Argumentationskette einen zusätzlichen Umweg darstellen würde. Die zentralen Elemente sind hier Bewusstsein, Wille und Entscheidungsfähigkeit, weshalb der Autor auch von einem „Recht auf Autonomie“ spricht. Schade ist, dass der ethische Teil im Vergleich zum naturwissenschaftlichen im Buch so kurz ausgefallen ist. Eine ausführlichere Darlegung der ethischen Argumentation wäre sicher wünschenswert.


Herausforderung für die Vernunft: Das Buch ist sicher keine Tierschutz-Einstiegs-lektüre. Um eine Person für das Leid und die Ungerechtigkeit die Tieren widerfährt zu sensibilisieren, gibt es sicher bessere Literatur, die das Thema emotional aufarbeitet und das aktuelle Problem, beispielsweise in der Intensivtierhaltung, konkret darstellt. Das vorliegende Werk ist allerdings eine intellektuelle Herausforderung, eine harte Nuss für die Vernunft. Der ursprüngliche Name lautete „Gefährliche Gedanken“ und darum handelt es sich hier auch tatsächlich. Den Ausführungen des Autors kann man sich nur schwer entziehen. Können der Argumentationskette nach den Regeln der Vernunft wirksame Gegenargumente entge-gengesetzt werden, oder müssen wir unsere Gesellschaft radikal umgestalten und Tieren einen vollkommen anderen Stellenwert einräumen?
H.B.


Markus Breitscheidel
Abgezockt und totgepflegt


Alltag in deutschen Pflegeheimen, Econ Verlag 2005, 240 Seiten, brosch., 16,95 EUR [D]


Alte pflegebedürftige Menschen haben manches gemeinsam mit überzähligen Tieren. Sie werden häufig abgeschoben und sind auf Gedeih und Verderben Fremden ausgeliefert. Die können sich der Arbeit aus ideeller Berufung widmen, das tun viele für Tiere mit bewundernswerter Aufopferung. Und natürlich auch für Menschen. Probleme und Mißstände erge-ben sich, wenn sie ihre Belastungsgrenzen nicht erkennen. Probleme in von Vereinen professionell geführten Heimen entstehen häufig, weil sie, da ja ähnlich einer Biwak-schachtel im Gebirge nur als vorübergehendes Notquartier gedacht, Tiere nicht zurückweisen können und so notorisch überfüllt sind. Oder wenn wie auch in Menschenheimen das Personal abstumpft (siehe die Lainzer Morde vor zwanzig Jahren). Doch was geschehen kann, wenn Heime aus Gewinnstreben geführt werden, davon handelt vorwiegend das vorliegende Buch; gerade wegen der plötzlich ausgebrochenen Pflegenotstandsdebatte besonders aktuell. Und wegen der Parallelen auch für Tierfreunde von Interesse.


„ Unlängst eine Leserin in einer Tageszeitung: Als ich zur Mittagszeit meine Mutter im Sonderkrankenhaus besuchte, bat mich die halb gelähmte Bettnachbarin, ich sollte sie zur Seite drehen, sie hielte es vor Schmerzen nicht mehr aus. Allein zu schwach dazu, bat ich eine Pflegerin um Hilfe. Die – arbeitsbelastet – bedauerte: Gewendet wird um drei.“

Das Zitat stand 1991 in der anima. So ganz überraschend kann der Pflegenotstand doch nicht sein.
E.L.


Claudia Schmidt
Brot und Brötchen – Vollwertige Backideen pala-verlag 2006, 160 S. Hardcov., 12,80 E(D)


Wohl jede Hausfrau hat schon einmal davon geträumt, selbst duftendes Brot aus dem eigenen Ofen zu ziehen. Mit Hilfe des Buches „Brot und Brötchen“, ein bisschen Zeit und Liebe wird es nun ganz bestimmt gelingen. Die Rezeptideen reichen vom würzigen Dinkelbrot, rustikalem Zwiebelbrot über Baguette, Pita, Ciabatta bis zu mexikanischen Tortillas.
Schritt für Schritt werden Zubereitung von Hefe- und Sauerteig sowie der Umgang mit Backferment beschrieben. Es werden auch die häufigsten Ursachen, warum Brot nicht aufgeht, krümelig wird, klebrig wird, zusammen fällt, die Brotkrume Hohlräume hat etc. genau erörtert. Aber auch nützliche Tipps, wie man Brot frisch halten und gut aufbewahren kann fehlen nicht. Claudia Schmidt lüftet weiters die Geheimnisse um optimale Temperatur und Luftfeuchtigkeit, richtige Knettechnik und Ruhezeit. Genaue Beschreibung der verschiedenen Getreidesorten, Ausmahlungsgrad und Mehltypen bereichern dieses Kochbuch zusätzlich.
Haben Sie erst einmal die Scheu, Brot selbst zu backen, verloren, wird Sie dieses Buch durch das ganze Jahr begleiten. Im Herbst wird es bei Ihnen vielleicht nach Kürbisbrot, in der Adventzeit nach fruchtigen Kletzen- oder Rosinen-Zimt-Brot duften.
Auch für Gäste ist es allemal etwas Besonderes, mit selbstgebackenen Brot und Brötchen verwöhnt zu werden. Probieren Sie es doch einfach aus!
Michaela Schaller

 

Seite 7:

Turnen auf dem Rücken der Pferde ?


“Voltigieren” ist akrobatisch-gymnastischer Leistungssport auf dem an einer Longe geführten galoppierenden Pferd, ausgeführt von ein bis mehreren Personen. Seit zwanzig Jahren gibt es Weltmeisterschaften, bei der letzten im September 2006 in Aachen errangen Österreicherinnen den 2. und den 3.Platz in der Einzelwertung, den 3. in der Gruppenwertung. Tierfreunde fragen sich, ist das gesund fürs Pferd, wenn ein oder paar Menschen auf ihm herumspringen etc.?


Unsere Leserin Frau Mag. Verena Cizek schrieb uns dazu schon vor einiger Zeit unter Bezugnahme auf Bilder in der Pferderevue Nr.12/05:
„ Pferde gehören sicher zu den vom Menschen am meisten und brutalst ausgebeuteten und mißbrauchten Lebewesen – trotz oder gerade wegen ungeheurer damit verbundener Geldmittel! Als besonders abstoßend finde ich das Voltigieren und Pferderennen.


Kinder haben meiner Erfahrung nach großes Interesse an Tieren und besonders an Pferden. Natürlicherweise steht Pflege und Fürsorge im Vordergrund; man will mit dem Tier gemeinsam schöne Stunden verbringen, Freundschaft schließen. Beim V. wird nun anstatt Gefühl und Einfühlungsvermögen für andere Lebewesen zu fördern... das genaue Gegenteil bewirkt: Die Jugendlichen werden gelehrt, Pferde als Sportgerät zu benutzen. Das Pferd muß mechanisch – durch entsprechende Ausrüstungs-gegenstände jeder Artikulation (auch Schmerzäußerung, Flucht) beraubt – im Kreis galoppieren. Die jungen Menschen werden ermuntert auf diesem zum Gerät manipulierten Tier artistisch herumzuhoppsen. Dafür gibt es Anerkennung und Belohnung – für die jungen Menschen! Warum läßt man für diese Betätigung nicht wirklich eine Maschine karussellartig im Kreis fahren. Damit wäre dem Sportbedürfnis und Selbstdarbietungsdrang der Akteure doch ebenso Genüge getan.


Nun zum Renngeschäft: Pferde“kinder“ werden im Alter von zwei Jahren über die Rennbahn gejagt. Psychisch traumatisiert werden auch die noch nicht fertig entwickelten Knochen lebenslang geschädigt. Lebenslang? Für viele Pferde, die ihren Besitzern nicht schnell genug liefen, endet die Saison im Schlachttiertransport. Wie kann man mit soviel Geld soviel Tierleid verursachen?“
Ewas anderes: Der Streit unter Tierfreunden – und rechtlern über die Vertretbarkeit, Tiere als Genossen (oder Sklaven?) zu halten überhaupt und insbes. auch bezüglich der Pferde geht seit langem. Wir brachten dazu vor einem Jahr u. a. einen Brief eines Pferdeliebhabers, der aus tierschützerischen Erwägungen vom Reiten gelassen hat und sich u.a. gegen das Kastrieren wendet. (Das übrigens für Katzen von den Tierschutzvereinen intensiv propagiert wird und dort großteils Rechtspflicht ist.)

Dazu gab es auch Gegenmeinungen.
Eine Leserin schrieb uns: „Männliche Tiere werden kastriert, damit sie in Gemeinschaft mit Stuten und Wallachen leben können. Zu bedauern sind allenfalls Hengste, wenn sie nicht sachgemäß gehalten werden! Oder will man eine freie Pferdeherde, damit noch mehr „überflüssiger“ Nachwuchs (z.B. Haflinger) auf die Reise in die Schlachthöfe geht?“


Mode und Sterben

Glasarchitektur und Vögel


Unser Rocky, den das besonders berührt – es geht ja um sein eigenes Fell – erzählt uns auf der nächsten Seite von der Modeerscheinung, selbst an Kinderkleidung Stückerln von Tierhaut zu hängen; natürlich nachdem man daraus das Blut ausgewaschen hat. Die Mode, sich mit Tierfellen zu drapieren, ist an sich nicht wirklich überraschend, Der Brauch stammt ja schon aus der Steinzeit. Und beim Ötzi machte er auch Sinn, der hatte halt nichts Friedlicheres. Ein wenig betrüblich ist es allerdings schon, daß die Pelzindustrie im Drange, den Umsatz zu stärken, jetzt auch nicht vor Kindern zurückschreckt.
Wir wollen hier jedoch von einer anderen nicht neuen Modeerscheinung sprechen, der Verwendung von immer mehr Glas in der Architektur, ob im Großen oder im Kleinen, für Lärmschutzwände, für Wintergärten etc. Dagegen wäre eigentlich nichts zu sagen, Glas ist wertneutral, man muß zu seiner Gewinnung niemanden in enge Käfige sperren, umbringen und auch nicht häuten.


Das Problem ist nur, das Vogelauge ist dafür nicht eingerichtet. Die Folge, geschätzte hunderte Millionen Vögel sterben alljährlich in Europa an den Glasflächen. Ein Zoologe in den USA schätzte 1990 die dortigen Todesfälle aufgrund einer Hochrechnung mit rund 100 Millionen bis 1 Milliarde ein. Die Unfälle werden kaum bemerkt, da Krähen, Ratten, Katzen die meist kleineren Singvögel rasch „entsorgen“.
Die seit langem verwendeten Greifvogel-Silhouetten haben sich als ziemlich wirkungslos erwiesen. In neueren Forschungen fand man bessere Methoden, am besten gleich beim Bau anzuwenden. Die Wiener Umweltanwaltschaft und BirdLife (Museumplatz 1/10/8, 1070 Wien, Tel.01-523 46 51, ww w.birdlife.at) haben sich des Themas angenommen und ein Informationsblatt herausgebracht. Ein ganz simpler Tip: Verzicht auf häufiges Fensterputzen.

 

Seite 8:

Rocky


Die kühle Jahreszeit rückt ja unaufhaltsam näher und so machte sich mein Frauchen heute mit mir auf den Weg um sich in den Geschäften nach einer neuen warmen Jacke umzusehen. Was ich bei diesem Einkaufsbummel
erlebte bzw. zu sehen bekam, hat mich zu-tiefst schockiert und traurig gemacht.
Trotz intensiver Bemühungen und Aufklärung seitens der Tierschutzvereine sind in zahlreichen Geschäften wieder viele Kleidungsstücke mit Pelz zu finden. Pelzkrägen, -kapuzen, Handschuhe, Taschen, Schuhe – überall wird ein Stückchen Pelz aufgenäht.


Was mich besonders erschüttert, ist, dass auch Kleidung für Kinder mit Pelzbesatz „verziert“ wird. Hoffentlich gibt es nicht viele Eltern, die diesen fürchterlichen „Modetrend“ mitmachen.
Denn wissen muss es inzwischen wohl schon jeder, unter welch grausamen Bedingungen Pelztiere auf Farmen dahinvegetieren und wie elend und qualvoll ihr Ende ist. Viele Felle, die für kitschigen Kleinkram wie Schlüsselanhänger, Kätzchenfiguren etc. oder für Pelzverbrä-mungen auf Kleidungsstücken verwendet werden, stammen übrigens oft von meines gleiches oder Katzen, die in China unter entsetzlichen Methoden getötet werden. Nicht selten werden diese Tiere nach einem qualvollen Leben noch lebend gehäutet.


Ich frage mich, wann endlich auch in Öster-reich ein Importverbot für Hunde- und Kat-zenfelle erlassen wird. Viele andere europäische Länder und Amerika haben bereits Importverbote. Unsere Bundesregierung konnte sich bis dato nicht dazu durchringen. Für mich unverständlich!
Mein Frauchen meinte, dass viele Menschen beim Kauf von pelzverbrämter Kleidung denken, dass es ja ohnedies nur ein kleines Stückchen Fell ist, ganz nach dem Motto: So schlimm kann das nicht sein. Doch das ist großer Unsinn. Auch für den kleinsten Pelzkragen hat ein Tier gelitten und ist ein Tier gestorben.
Alle großen Verbrechen in der Weltgeschichte funktionierten letztendlich, weil es viele kleine Mitläufer gab, die sich vor der persönlichen Verantwortung drückten. Und viele meinen: „Was kann ich alleine schon dagegen tun, es hilft ohnedies nichts, wenn ich dagegen bin.“
Doch es gibt eine Selbstverantwortung für den einzelnen! Und man hat mehr Macht als man denkt.
Mein Frauchen zum Beispiel hat in den jeweiligen Geschäften sofort bei der Geschäftsleitung gegen Pelzbekleidung protestiert und wird noch einige in ihrem Bekannten- und Verwandtenkreis ermuntern, dies zu tun. Die Konkurrenz in der Textilbranche ist heute groß und Beschwerden werden von der Geschäftsfüh-rung meist ernst genommen.
In diesem Zusammenhang muss ich Ihnen auch noch etwas Positives berichten.
Die Textilkette Peek & Cloppenburg verzichtet im gesamten Geschäftsjahr 2007 auf den Verkauf von Pelzen und Pelzbesatz. P&C war in den vergangenen Jahren stets Zielscheibe von Tierschützern, die Demonstrationen vor P&C-Häusern abhielten und Kunden über die Grauen in der Pelztierhaltung aufklärten. Ebenfalls Pelz aus dem Sortiment genommen haben C&A und Karstadt Quelle, Mango und Zara. Auch das US-Modehaus Polo Ralph Lauren gab Anfang Juni bekannt, ab diesem Herbst keine Pelze mehr in die Kollektion zu nehmen.
Bleibt zu hoffen, dass das Kaufverhalten der Kunden so ist, dass noch viele Geschäfte Pelze aus ihren Läden verbannen.


Tiermord für Mode und Eitelkeit muss endlich ein Ende haben. Helfen auch Sie durch Gespräche, Leserbriefe, Protestschreiben, Unterschriftenaktionen etc. mit, diesen Wahnsinn zu stoppen, bittet
Ihr Rocky

 

Finnland: 2.000 E Strafe für Pelztierfilmen


Im Herbst 2003 hatte DDr.Balluch, VgT Wien, grauenhafte Zustände in frei zugänglichen Pelztierfarmen in den hinteren Wäldern Finnlands heimlich gefilmt. Er wurde später von Pelzleuten in einem Supermarkt attackiert. Die um Hilfe gerufene Polizei schritt ein. Nicht gegen die Pelzer, gegen den Filmer. Das nach Österreich geschickte Filmmaterial wurde von der Polizei aus der Post konfisziert, Balluch angeklagt: wegen 4maliger Störung des öffentlichen Friedens auf und heimlichens Ausspionieren von Pelzfarmen, sowie Verletzung der Privatsphäre durch Fotoaufnahme eines Pelzfarmers (nicht erkennbar von weit hinten). Das Urteil Ende März 2006: Schuldspruch wegen 2mal. Friedensstörung und Ausspionierens und Verletzung der Privatsphäre. Strafe 480 EUR (Staatsanwalt wollte Gefängnis), 1000 EUR Schadenersatz an die Farmer, 375 EUR Gerichtskosten. (Quelle VgT).

 

Seite 12:

Importverbot für Hunde- und Katzenfell:

‘Tierschutzministerin’ Rauch - Kallat schweigt.


Das Thema ist den anima-Lesern seit langem bekannt. Wie grauslich Hunde- und Katzen namentlich in Ostasien gehalten und getötet werden, wie die Felle unter Falschbezeichnung im Westen an nichtsahnende Menschen verkauft werden, die langjährigen Tierschutzbemühungen, die in einigen Ländern, den USA und einigen EU-Staaten, Importverbote zu-stande brachten, die Aktivitäten des schottischen konservativen EU-Abgeordneten Struan Stevenson, die Ende 2003 zu einer Entschließung des EU-Parlaments an die EU-Kommission, ein europaweites Einfuhrverbot zu erlassen, geführt haben. Die Weigerung der Kommission, die die Sache an die Mitgliedsstaaten abschob. Die Bemühungen zahlreicher österreichischer Tierschutzorganisationen, die im Jänner 2006 zu einer einstimmigen Entschließung des Nationalrats an die Regierung führten:


“ Die zuständigen Mitglieder der Bundesregierung werden ersucht
ein nationales Importverbot von Hunde- und Katzenfellen nach rechtlicher Klärung auszuarbeiten und geeignete Umsetzungsschritte zu prüfen- und auf europäischer Ebene für die Schaffung eines internationalen Kennzeich-nungssystems von Fellen in verarbeiteten Kleidungsstücken einzutreten.”
Zuständig für die Ausarbeitung eines Importverbots von Hunde- und Katzenfell ist die Gesundheits- und Frauenministerin Frau Rauch-Kallat, in deren Aufgabenbereich auch der Tierschutz fällt. Und was hat die Ministerin in den acht Monaten seit der Nationalratsent-schließung getan? Sie schweigt, auf unsere Anfragen und auch – wenigstens bis Ende August – auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen. Der einstimmige Wunsch des Nationalrats scheint ihr wurscht zu sein. Und das Schicksal der asiatischen Katzen und Hunde und der hiesigen Konsumenten auch?


Lob ist dagegen dem Wirtschaftsminister Bartenstein zu zollen. Er tut zwar auch nichts, aber er läßt wenigstens antworten. Bartenstein wäre für die Kennzeichnungssache zuständig.
Der Inhalt des Antwortschreibens seines Ministeriums von Floskeln entkleidet: Ministerin Rauch-Kallat tut nichts und schiebt die Sache auf die EU. (Anmerkung: das beliebte Ping-Pong-Spiel). Die Europäische Kommission arbeite bereits an Maßnahmen hinsichtlich eines Importverbots für Hunde- und Katzenfelle.
Das ist an sich erfreulich, nur jeder weiß wie lange so etwas bei der EU dauert.


Bartenstein sollte sich laut Nationalratswunsch um EU-Kennzeichnungsvorschriften bemühen. Doch sein fragwürdige Schluß: Weil die EU sich endlich mit der Frage eines Importverbots befaßt, brauche es überhaupt keine Pelz- und Lederkennzeichnung. Mit den Worten des Ministeriums: „Im Fall der Erlassung einer derartigen gemeinschaftsrechtlichen Bestimmung (d.h. des Importverbots) wäre dann auch eine gemeinschaftsrechtliche Kennzeichnungsvorschrift hinfällig. Schrei-ben vom 18.8.2006).“
Daß der Konsument interessiert sein könnte, allgemein zu erfahren, aus was und von wo die Verbrämungen an den von ihm gekauften Kleidungsstücken sind, der Gedanke kommt dem Minister anscheinend nicht.


Ein Lichtblick. Unbestätigten Meldungen zufolge konnte Stevenson kürzlich in Gesprächen mit maßgeblichen chinesischen Persönlichkeiten einen Durchbruch erzielen. Die Chinesen beeindruckt vom vorgelegten Material hätten erklärt, diese Tierbehandlung sei auch nach chinesischem Recht unzulässig und abzustellen und würden ein europäisches Importverbot als Hilfe hiezu begrüßen.
Was bleibt uns Konsumenten zu tun? Weiterhin den Politkern lästig werden.


Bio –Tierfutter
Bio boomt. Handelsketten werben an vorderster Stelle in Massenblättern, Bio-Supermärkte schießen aus dem Boden. Die Umsatzzahlen steigen. Nur ein Sektor bleibt unten und verschwindet teilweise sogar aus den Supermarkt-Regalen: Bio-Hunde- und Katzenfutter.
Ü ber die Möglichkeiten, Hund und auch Katze vegetarisch zu ernähren, ist in der anima schon manches gestanden. Es ist ja auch ein bißchen unlogisch, der Tiere wegen auf Fleisch zu verzichten, doch für die eigenen Lieblinge Tiere umzubringen. Nur die Bereitschaft, diesen großen Schritt zu tun, ist nach unseren Wahrnehmungen auch bei eingefleischten (ein passendes Wort?) Vegetariern eher gering.
Da bietet sich ein kleiner Schritt in Richtung weniger Tierleid an: Biologisches, wenn auch nichtvegetarisches Futter. Das gibt es im Supermarkt als Feuchtfutter in Dosen oder Säckchen und als Trockenfutter. Verglichen mit den vielen höherpreisigen Tierfuttermarken (mit eher lächerlichem 4%Anteil an...) ist Bio sogar preiswert.

Seite 13:

Vegetarische Informationen

Vegetarische Gastronomie:
Wien
Bio Bar Antun Petrovic, 1010 Drahtg. 3 (zwischen Platz am Hof und Judenplatz), Restaurant, Tel.u.Fax 01/968 693 51, w ww.biobar.at
Reformhaus Buchmüller Imbiß, Neubaugasse 17 (U3), Tel. 523 72 97, w ww.buchmüller.at
Weltfriedens-Cafe 1070 Ulrichsplatz 4,Tel. 911 1841, , www.weltfriedens cafe. buddha.at
Reformhaus Regenbogen, Imbiß, 1090 Garnisong.12 (Ecke Fertelg.)
Graz: Ginko (vormals Gilma), Ecke Grazbachgasse/Klosterwiesg. Tel. 0316 /81 56 25, Mo-Fr 11.30-21, Sa bis 18
Linz: Sylvia Schauberger, Imbiß Domgasse 10, Tel. 0732/77 90 53
Schärding: Cafe-Restaurant Orangerie –Kurpark, 4780 Im Eichbüchl 7, T. o7712-29 6 75. ww w.orangerie-schaerding.at, (nicht nur veget.)
Land Salzburg: Vollwertpension Haus Leo, Rosemarie Kepplinger, Am Rauchenberg, Gumping 11, 5092 St.Martin bei Lofer Tel. 06588/7065, email:pension.leo@aon.at
Tirol, Reith bei Kitzbühel
Gesundheitshotel Florian (Florian Pointner), Bichlachweg 258 A-6370 Tel.: 05356 65242 Fax: 05356 65242-4, w ww.hotel-florian-at
Vorarlberg, Dornbirn
Kika-Restaurant im Möbelhaus, 6850 Ganahl Str.1 (nicht nur-veget. Speisen)

Literatur zur vegetarischen/veganen Ernährung
Ernährungsratschläge für Anhänger der Ernährungswissenschaft: Ein wissenschaftliches Standardwerk ist ‚Vegetarische Ernährung’, Claus Leitzmann und A. Hahn, Ulmer Verlag, 1996, EUR 18,90.
Informationen zur veganen Ernährung: Gill Langley Vegane Ernährung, Echo Verlag Göttingen 1999, 240 Seiten, ca.11 Euro(D). Das bisher umfassendste Werk zur veganen Ernährung, die „vegane Bibel“.
Neal Barnard, ISS DICH FIT,
rororo TB 1998, derzeit nicht im Buchhandel, bei der ÖVU erhältlich, ca.9,50 EUR + Versandkosten.
für stillende Mütter und Kleinkinder:siehe Leitzmann, Langley und: Irmela Erckenbrecht, Das vegetarische Baby - Gesunde Ernährung von Anfang an, pala-verlag, 192 Seiten, ca. 13 EUR .
Bei der ÖVU erhältlich:
Vegetarisches Gastronomie-Verzeichnis;
Folder des VEBU: + Für werdende Mütter und Babys; + Vegetarisch is(s)t cool, Ernährungs-Tipps für Teens; + Vege-tarisch gut drauf! Kinderernährung; + Sporternährung, bei der ÖVU erhältlich, ebenso die Folder + Topfit, steinalt, kerngesund (Studien mit Vegetariern) + Gesund ohne Fleisch + Vegetarische Alternativen zu Fleisch, Wurst und Fisch + Die vegetarische Woche (Speisenplan); Liste Kosmetika ohne Tierversuche.


Helmut F. Kaplan, Warum ich Vegetarier bin - Prominente erzählen, rororo-Taschenbuch 1995, 159 Seiten, 3 EUR + Versandkosten, bei der ÖVU

 

Vegetarische Partner-Zeitschriften im Ausland:
Natürlich vegetarisch
Vegetarier-Bund Deutschlands e.V. (VEBU), Blumenstr.3, D-30159 Hannover, Tel.0049/ 511-363 2050, Email info @vegetarierbund.de www .vegetarierbund.de.
Restexemplare früherer Jahrgänge soweit vorrätig für Österreich erhältlich bei der ÖVU,(Preis 1 EUR+ 1,5 EUR Versandkosten)
Vegi-Info, Vegi-Büro Schweiz, Bahnhofstr.52, CH-9315 Neukirch, Tel. 0041-71 477 33 77, Fax 477 33 78,svv@vegetarismus.ch, http://vegetarismus.ch
Regeneration, Zeitschrift für Menschlichkeit-Gesundheit-Lebensreform, Adr. Jacqes Greutert, Rigig.22, CH-6403 Küssnacht, Tel.+Fax 0041-41-850 5561, regeneration @freesurf.ch
Regenwurm, Zeitschrift für Bio- und Vegan-Interessierte, Infos über bio-vegane Landwirtschaft, BioVegaN, Johann-Strauß-Gasse 33/7, 1040 Wien, Tel. 0676-922 14 33, dialog
@biovegan.org, w ww.biovegan.org

Vegetarische Stammtische, Vegi-Treffs
Auskünfte: Graz: unter Tel. Nummern der ÖVU Wien:Erwin Lengauer, Tel. 0676 - 357 2 671
NÖ: Mag. Gabriele Smetana, Tel. 07413 / 20 706
Schärding, OÖ: Eva Kubai Tel. 07712-35704 u. Andrea Witzmann Tel. -29675

Informationen zur vegetarischen/veganen Ernährung bei der
Ö sterr. Vegetarier Union (ÖVU)
Postfach 1, A-8017 Graz
Tel. 0720-345 298 (fairytel), 0316-46 37 17 oder und 0676-347 6 346
oevu @vegetarier.at www .vegetarier.at
Mitglieder willkommen
Wir stehen Ihnen in der Regel täglich bis 22 Uhr für telefonische Auskünfte zur Verfügung.

Seite 14:

Offener Brief der
EUROPÄISCHE VEGETARIER UNION
an den Generalsekretär der UNO Kofi Annan


Sehr geehrter Herr Generalsekretär,


anlässlich einer WHO/FAO Konferenz in Rom verschickte die FAO eine Presseerklärung mit Datum vom 18. Mai 2006, in der festgestellt wurde, "dass die Ernährung in der EU sich immer mehr verschlechtert, dass der Anteil an Fetten, besonders gesättigten Fetten, Zucker und Cholesterin zu hoch ist" und damit zu der dramatischen Situation beiträgt, dass jedes Jahr mehr als 400.000 Kinder übergewichtig werden.
Zunehmendes Übergewicht bedroht die Europäer mit Herzkrankheiten, hohem Blutdruck, Schlaganfall, Diabetes, Atembeschwerden, Arthritis und verschiedenen Arten von Krebs.


Auch in den USA geriet die öffentliche Gesundheit im vergangenen Jahrzehnt massiv unter Druck durch die Zunahme von übergewichtigen Menschen.
Während einer Tagung in Brüssel vom 11. bis 12. Mai 2006 haben sich EU und USA zusammengetan und eine gemeinsame Strategie gegen Übergewicht entwickelt, das der Europa-Kommissar für Gesundheit und Verbraucherschutz Markos Kyprianu als die "größte gesundheitliche Herausforderung des 21. Jahrhunderts" bezeichnet. 1


Eine bewegungsarme Lebensweise spielt in dieser dramatischen Situation sicherlich auch eine Rolle, aber - und so erklärt es auch die FAO - die Ernährung ist eine der Hauptursachen.


Wenn sie so gefährlich sind, warum kaufen dann die Menschen diese Unmengen an fettreichen tierischen Produkten?
Die EU-Landwirtschaftspolitk, die alles massiv subventioniert, nur keine pflanzlichen Produkte, mag eine der Ursachen sein, wenn die Verbraucher eher cholesterinhaltige Lebensmittel kaufen als teureres Obst und Gemüse.
Die Situation in den USA ist ähnlich. Mark Muller, Direktor des Instituts für Landwirtschaft und Handel und sein Umwelt- und Landwirtschaftsprogramm2 sagt: "Wenn wir uns ernsthaft mit dem Übergewichtsproblem beschäftigen wollen, sollten wir Märkte schaffen, die gesunde Nahrungsmittelproduktion und -verbrauch fördern. Im Moment macht die Landwirtschaftspolitik gerade das Gegenteil."


Es wird von Tag zu Tag offensichtlicher, dass die Erforschung und Förderung von Alternativen zur traditionellen fleisch-zentrierten Ernährung längst überfällig ist, und deshalb begrüßen die unterzeichnenden Vegetarier-Verbände den Kampf der UN gegen das Übergewicht. Allerdings möchten wir die FAO/WHO-Experten dazu ermuntern, auch den nächsten Schritt zu tun, die Vorteile einer gesunden vegetarischen Ernährung3 zu untersuchen, die neben vielen anderen Vorzügen
gesättigte Fette vermeidet und durch Antioxidantien und Ballaststoffe ersetzt
Cholesterin reduziert, das man nur in tierischen Produkten findet
eine große Anzahl von Gefahren für die Gesundheit drastisch reduziert oder ganz ausschaltet
eine Gewichtsreduktion zur Folge haben kann (es ist erwiesen, dass Vegetarier schlanker sind als die durchschnittliche Bevölkerung)


Sehr geehrter Herr Generalsekretär, wir sind gerne bereit, alle Initiativen der Vereinten Nationen zu unterstützen, die zu einer Empfehlung für einen gesunden und verantwortungsbewussten vegetarischen Lebensstil führen, der den Menschen zu besserer Gesundheit verhilft und eine entscheidende Rolle dabei spielt, wenn es darum geht eine bessere Welt für alle zu schaffen.
Mit freundlichen Grüßen
Renato Pichler, Präsident, EVU, 22.5.2006
1,2,3: Quellen bei der Redaktion zu erfragen


Omega-3-Fettsäuren:
Gesundheitsvorteile in Frage gestellt


Eine neue Übersichts-Studie, welche 89 Studien über die gesundheitlichen Auswirkungen der Omega-3-Fettsäuren analysierte kommt zum Schluss, dass es keine stichhaltigen Beweise für einen gesundheitlichen Vorteil eines hohen Omega-3-Konsums gibt. Dies steht im krassen Widerspruch zu dem was die "Ernährungsexperten" in den vergangenen Jahren immer wieder behauptet haben: Omega-3 solle gut fürs Herzinfarkt oder gar gegen Krebs sein.
In der neuen Studie konnte nicht belegt werden, dass die Omega-3-Fettsäuren tatsächlich gegen Herzerkrankungen oder Krebs vorbeugend wirken. Damit bricht die Argumentationskette: Viel Fisch konsumieren weil diese viel Omega-3-Fettsäuren enthalten zusammen. Die Wissenschaftler weisen sogar darauf hin, dass zuviel Fischkonsum nach wie vor schädliche Auswirkungen hat z.B. wegen dem hohen Quecksilbergehalt. Es gibt sogar Hinweise darauf, dass Männer, welche viel Fischöl zu sich nehmen, eine erhöhte Anfälligkeit auf Herzattacken haben.
(Quelle SVV-mailing und ‚Risks and benefits of omega-3 fats for mortality, cardiovascular disease, and cancer’: systematic review, BMJ, 24.3.2006,http:// bmj.bmjjournals.com/ cgi/rapidpdf/bmj. 38755.36331.2Fv1.pdf)

 

Seiten 15 bis 17:

Alles Antisemiten?

Ende der 90er-Jahre legte der UNICEF-Beauftragte für den Irak sein Amt zurück mit der Begründung, das gegen das Land von der UNO verhängte Embargo habe nicht gebracht als den Tod einer halben Million Kinder (dieser Tage bezifferte ein deutscher Universitätsprofessor die Zahl schon mit über einer Million). Ebenso der hohe Uno-Beamte (UN Assistant Secretary-General) Denis Halliday: „Ich will kein Verwalter eines Programms sein, das man als Geno-zid definieren kann.“ Dieser auch an westliche Staatenlenker gerichtete Vorwurf 500.000fachen indirekten Massenmords war den meisten auch seriösen Presseerzeugnissen wenn überhaupt nur eine kleine Notiz wert.


Als vor kurzem Günter Grass, der nie ein Hehl daraus gemacht hatte, in seiner Jugend das NS-Regime positiv gesehen zu haben, seine Einberufung (als 17jähriger) in die Waffen-SS veröffentlichte, erhob sich geradezu ein Sturm im Blätterwald, Titelseite über Titelseite, langatmige Kommentare etc. Ohne daß die Blattmacher ob solcher Diskrepanz auch nur ein Anflug von Schamesröte überkommen hätte.
Bei solchen Absonderlichkeiten nimmt es nicht wunder, daß selbst in der Tierrechtsszene der eine oder die andere nicht an Mordgelüsten gegen Veganer Anstoß nimmt sondern an denen, die die seelischen Abgründe der Lüstlinge zu ergründen trachten.


So geriet auch unsere anima in die Fänge einer tierrechtsbewegten Antisemiten-Jägerin. Die hatte vor zwei Jahren auf dem Tierrechtskongreß in Wien in einem sehr langen Referat über Antisemitismus in Tierschutz- und Tierrechtskreisen zwei (Halb-)Sätze aus der anima als Beweis für Antisemitismus zitiert. Der eine stand in einer ‚Die Veganer vergasen?’ betitelten Replik zu einer Zeitungskolumne in der Zeitung DIE WELT (anima 1/2004). Wir hielten damals die Sache für zu paranoid und unbedeutend, um unser Leserpublikum damit zu belästigen. Da der Artikel aber später ins Internet gestellt wurde, dort unter den Stichworten anima und Antisemitismus in der EDV-Suchmaschine Google auch heute noch weit vorne steht und wir wiederholt darauf angesprochen wurden, schickt es sich, darauf einzugehen.


Die inkriminierte Replik befaßte sich mit einer WELT-Kolumnistin und Schriftstellerin, die mit warmer Sympathie von einem anderen namentlich nicht genannten Schriftsteller erzählte. Der würde gern empört über den Slogan ‚Für die Tiere ist jeden Tag Treblinka’ mit einem Maschi-nengewehr bewaffnet und mit den Worten „Für Tiere mag jeden Tag Treblinka sein, aber für euch ist heute My Lai.“ Veganer niedermetzeln. Mit dem Treblinka-Spruch ein Schlachthaus einem Vernichtungslager gleich zu setzen, sei – meinte die Zeitungsschreiberin – obszöne Dummheit.


Der viel kolportiere Slogan beruht übrigens auf einer Arbeit des jiddisch schreibenden Literatur-Nobelpreisträgers Isaac Bashevis Singer, der viele seiner Verwandten in NS-Mordlagern verloren hat. In der Kurzgeschichte, "The Letter Writer" erzählt er über einen Mann (dessen ganze Familie dem Holocaust zum Opfer gefallen war), der sich mit einer Maus befreundet. Im letzten Teil der Geschichte lautet eine Passage „In Bezug auf sie (die Tiere) sind alle Menschen Nazis; für die Tiere ist es ein ewiges Treblinka."


Wir pflegen uns in der anima im allgemeinen auf Tierschutzthemen zu beschränken. Die Widerwärtigkeiten, die Menschen Tieren antun sind unser Thema, nicht die Widerwärtigkeiten die Menschen Menschen antun. Das könnte man als kurzsichtig werten, denn all das Böse, das Menschen gegen Menschen üben, Kriege, Ausbeutung, Hunger wirkt ja unweigerlich auf Tiere zurück. Hungernden liegt Vegetarismus meist fern, sie greifen nach allem, was da kreucht und fleucht. (Nach dem Weltkrieg gab es in unseren Städten keine Tauben-‚Plage’). Menschen, die ums Überleben kämpfen, am Verhungern sind, denken kaum daran Tieren zu helfen. Ja, in der breiten Öffentlichkeit gilt es fast als obszön, sich in solchen Situationen auch um Tiere zu küm-mern.


Nur, ‚menschlich’ politische Sachen in der anima zu besprechen wäre nicht sinnvoll. Komplexe politische Themen bedürften, soll die Darstellung nicht in demagogischen Slogans entarten, ausführlicher Erörterung. Um nur ein paar Beispiele aus den lokalen Kriegen im (nunmehr) ehemaligen Jugoslawien, Ereignissen vor kurzer Zeit, in unserer unmittelbaren Nachbarschaft, zu neh-men. War Gospic kausal für Vukovar: wäre es nicht vernünftiger gewesen Smokovic wieder aufzubauen statt Gotovina zu jagen; ist letzterer Verbrecher oder, wie in Dalmatien plakatiert wird, Held; war Milosevic Verbrecher oder ein minder talentierter Abraham Lincoln; waren die westlichen Politiker, die (tatsächlich oder angeblich) zum Schutze der Kosovo-Albaner das Land bombardierten, selbstlose Helfer oder waren sie Massenmörder, denen es darum ging, Serbien für den westlichen Kapitalismus nieder- und freizubomben. Ich vermute, schon etliche der genannten Ortsnamen sind unseren Lesern nicht kroatische Siedlungen sondern spanische Dörfer, und erforderten ausführliche Erklärung. Dafür fehlt der Raum.


Doch schlimmer, über die beispielhaft angeführten widerstreitenden, von ernstzunehmenden Persönlichkeiten diskutierten Thesen erhöbe sich harter Streit bis zur – bildlich gesprochen – gegenseitiger Zerfleischung. Und gar, wenn wir statt des Balkans weltpolitische Themen anschnitten. Waren die Golfkriege demokratiepolitisch notwendige Maßnahmen oder waren hier Raub- und Massenmörder am Werk und auf welcher Seite; war der 11.9. ein verbrecherischer Mordanschlag oder ein verständlicher Gegenschlag in den seitens der USA und ihrer Verbündeten nicht minder brutal geführten Kriegen im Nahen Osten und an-derswo; sind wir oder die EU durch unsere Wirtschaftspolitik für Hunger und Elend in Afrika mitverantwortlich; oder weil es gerade aktuell ist: was die Gestaltung von Gefängnissen betrifft, ist es der Priklopil oder sind die, die Guantanamo ersonnen haben, die grauslicheren Typen.


Wir meiden daher derartige politische Themen nach Möglichkeit und gehen nur wenn wie beispielsweise in der Debatte um die Aktion ‚Der Holocaust auf deinem Teller’ unvermeidlich, darauf ein. Und selbst hier – im ebenfalls inkriminierten Beitrag ‚Tätervölker’ (anima 4/2003) – beschränkte ich mich, wertungsfrei die divergierenden Anschauungen aufzulisten.


Dennoch auch diese Vorsicht brachte keine Gnade. Auch daß ich mich anders als unsere (halb)jüdische Mitstreiterin Hertha Heger, die all ihre mütterlichen Verwandten in den Nazi-KZs verlor, gegen den Peta-KZ-Vergleich wandte, konnte unsere Antisemitismus-Jägerin nicht erweichen. Allein der Hinweis, daß es – auch unter jüdischen Autoren – nicht nur Zustimmung zu israelischer Kolonisationspolitik und zur Holocaustmonopolisierung gibt, wird als Sakrileg betrachtet.


All den Antisemitismus-Vorwürfen liegt ein eher einfaches Denkschema zugrunde. Der Blick ist auf ein geschichtliches Greuel fokussiert. Wer auch nur andeutungsweise das jüdische Leidensmonopol in Frage stellt und meint, auch andere Wesen könnten gleichermaßen von Leid betroffen sein, wer eine jüdische Tradition oder die Politik einer israelischen Regierung für diskussionswürdig erachtet, wird alsogleich mit der Antisemitismus-Keule erschlagen; selbst wenn wie beim Schächten nur eine kleine Minderheit unter den Bürgern mosaischen Glaubens aber viele Muslims betroffen sind. Alle anderen Werte, etwa die Vermeidung von Tierleid, treten dagegen – interessanterweise auch bei einer Tierrechtlerin – zurück.
Unsere Autorin konzentriert sich bei ihrer Antisemitensuche auf die Themen Schächten und Holocaust-Vergleich, allerdings – hier hat ihre religiöse Toleranz anscheinend Grenzen – nicht ohne einen kleinen Seitenhieb gegen eine Reli-gionsgemeinschaft, die die nicht minder altehrwürdigen Glaubensinhalte Reinkarnation und Karma pflegt.


Sie erörtert vorerst ausführlich, daß und wie sich die Nazis gegen das Schächten gewandt haben, zieht Vergleiche zwischen zur NS-Zeit und jetzt in der Tierschutzszene verwendeten Worten, so als ob weil „blond“ damals hoch im Kurs stand, heute alle blond gefärbten Frauen Neonazis wären. Der naheliegende Gedanke, Tierfreunde seien gegen das Schächten, nicht weil sie das Dritte Reich wieder errichten wollen, sondern weil ihnen Tierquälerei zuwider ist, bleibt unserer Referentin fern.


Sie polemisiert dann gegen die „Konstruktion eines Gegensatzes zwischen vermeintlicher Zivilisation und angeblicher Barbarei“ in der Argumentation von Schächtgegnern. Es läßt sich tatsächlich bezweifeln, ob der Ausdruck „zivilisiert“ für unsere Kultur angesichts von Auschwitz und Treblinka, Oradour, Nagasaki, Deir Jassin, My Lai, Srebrenica, den Ereignis-sen in Guatemala und El Salvador, im Irak und so fort nicht zu hoch gegriffen ist. Doch wie immer man es nennt, ob barbarisch, mittelalterlich, altehrwürdige Tradition oder religiöse Pflicht, das Hals-Aufschneiden – es handelt sich ja wie gesagt vor allem um ein muslimisches Problem, das Schamlippen-Abschneiden, das Umbringen verwestlichter Mädchen wird hierzulande auch die Gegnerschaft von Antinazis herausfordern.


U.a. wirft die Autorin dann noch den Schächtgegnern vor, sie würden antisemitisch mit „angeblichem jüdischen Einfluß auf Gesetzgebung und Medien“ argumentieren. Da können wir nicht mitreden. Es scheint uns zwar glaubhaft: Daß der erste Völkermord deutscher Machthaber im 20. Jahrhundert, eine Aktion von besonderer Grausamkeit, so völlig in Vergessenheit geraten ist, könnte tatsächlich im mangelnden Einfluß der Herero auf die internationalen Medien begründet sein. Ansonsten, wir überblicken nur unsere anima-Redaktion. Die ist allerdings, das müssen wir zugeben, ein bißchen jüdisch versippt. Nur leider, wir fürchten, der Einfluß unseres Blättchens mit einer Auflage von 1.200 Exemplaren auf die öffentliche Meinung ist zu vernachlässigen. Gelegentlich hören wir, die Lektüre der anima habe jemand bewogen, Vegetarier, manchmal sogar der strengen veganen Richtung zu werden. Das freut uns.
Doch daß in der westlichen Welt, abseits jeglichen Nazitums, Stimmen laut sind, die auf eine gewisse Skepsis gegenüber der Politik der israelische Regierung schließen lassen und Behauptungen im Umlauf sind, die unsere Autorin nicht hören will, ist sicher nicht Schuld der anima oder der Tierschutzpresse überhaupt. Es sind häufig jüdischen Quellen.


Nicht wir, Theodor Herzl hat gesagt: ‚Ergreift man gegen die Juden Partei, so hat dies beim eigenthümlichen Einfluss der Juden auf den Weltverkehr oft schwere wirtschaftliche Folgen.’ Nicht wir, Norman Finkelstein hat das Wort von der Holocaust-Industrie geprägt. Nicht wir haben behauptet, die israelische Landnahme in Palästina sei mit viel Tod, Vertreibung und entschädigungsloser Enteignung verbunden gewesen und erinnere an nazistischen Landnahme im Osten. Und ganz ohne anima wird in der Weltöffentlichkeit debattiert, ob der jüngste Libanonkrieg gerechte israelische Selbstverteidigung oder in seinen Ausma-ßen mörderisches Verbrechen ist. Und es sind auch nicht wir, die seitenlang über Schikanen israelischer Regierungsstellen gegen Jerusalemer Araber klagen, sondern es war Teddy Kolleg, der langjährige israelische Bürgermeister der Stadt. Und in der Schweizer jüdischen Wochenschrift Tachles las ich jüngst ähnliches.


Das mosaische Schächten – quantitativ von geringer Bedeutung – wirft Tierschutzfragen auf: die ließen sich in sachlicher Erörterung lösen oder entschärfen. Es oder KZ-Vergleiche zum Anlaß einer Antisemitismus-Debatte zu nehmen, wie es unsere Autorin tut, halten wir für eine Problemlösung wenig hilfreich.
Was uns betrifft, als Tierfreunde freuen wir uns, wenn Tiere gut behandelt werden, und sind traurig, wenn Menschen Tiere quälen.


Ein jüdischer KZ-Häftling, der überlebt hatte, weltbekannter Arzt und Psychologe, – landesüblicher Kleingeisterei wegen erst sehr spät Ehrenbürger der Stadt Wien geworden – schrieb in seinen KZ-Erinnerungen über Häftlinge und SS-Wächter:


Es gibt auf Erden zwei Menschenrassen, aber auch nur diese beiden. Die „Rasse“ der an-ständigen Menschen und die der unanständi-gen Menschen. Und beide „Rassen“ sind all-gemein verbreitet: In alle Gruppen dringen sie ein und sickern sie durch; keine Gruppe besteht ausschließlich aus anständigen und ausschließlich aus unanständigen Men-schen...
Erwin Lauppert

Notizen
England: 12 Jahre Gefängnis für Kampagne gegen Meerschweinchenzucht.
In anima 3/2005 hatten wir ausführlich über die Kampagne gegen die Meerschweinchenzucht New Church in England von 1999-2005 berichtet und über das Für und Wider zu solchen Aktionen geschrieben. Nachdem schon früher zahlreiche Strafurteile gegen konkrete Täter ergangen sind, wurden im Mai drei Aktivisten wegen Verschwörung zu einer Terrorkampagne zu je 12 Jahren Gefängnis verurteilt. Es wurden ihnen zwar keine konkreten Taten doch die Kampagnenführung angelastet.


USA: 6 Monate Gefängnis für Filmen in Legebatterie. Im Jahr 2004 hatte ein Aktivist in New York’s grösster Legebatterie mit 700.000 Hühnern, die im Besitz der Supermarktkette Wegmans ist, 3mal gefilmt, nachdem er durch ein Loch in der Mauer hineingeklettert war. Bei einem der Besuche nahm er auch 11 halbtote Legehühner mit. Der Film wurde im Sommer 2005 auf eine Webseite gesetzt. Die Anzeige durch Wegmans führte zu einem Gerichtsprozess vor Geschworenen, der zwar mit einem Freispruch in Sachen Diebstahl, aber mit einem Schuldspruch wegen krimineller Besitzstörung endete. Das Urteil: 6 Monate unbedingt Gefängnis, 1500 US-Dollar Strafe und 100 Stunden Sozialarbeit.


Über das finnische Strafurteil wegen Filmens von Pelztierfarmen siehe Seite 8.
Die Schlußfolgerung: Wenn die Veröffentlichung tierquälerischer „Produktions“methoden unter Strafe gestellt wird, bleibt den Konsumenten nur ein neuer Slogan:


Kauft nur Produkte, deren Herstellung man filmen darf.


Zu den Wahlprogrammen (S.18 u.19):
Grüne und SPÖ teilten uns mit, daß ihre Tierschutzprogramme bzw. -forderungen über die Kurzfassung in den Wahlprogrammen hinausgehen. Aus Platzgründen können wir die Details nicht bringen.



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