anima Nr.1/2002

Aus dem Inhalt:

Christine Beidl
Schwein gehabt..................3

Schweineprozeß....................5

Philosophie:
Susann Witt-Stahl
Ursula Wolf ....................... 6

Helmut Kaplan
Gutmenschen und schlechte Menschen .......................... 8

Erwin Lauppert
Vom Widerstreit der Religionen ................................... 9
Zum deutschen Schächturteil

Antischächt-Demonstration in Voralberg
Humanes Schlachten im Orient........................... 11

Peter Rosegger
Erbarmen ........................ 12

Konsumenteninformation ..... 14

Gelbe Seiten ..................... 15
EU-Chemie-Tierversuche
Unterschriftenliste Tiervers. 16

Grüne Seiten
Vegetarismus .................... 17

Maikäfer, flieg ......................... 19

Buchbesprechung - Diskussion zur Jagd
Ist Jagd noch zeitgemäß?, C.B. 20
Was möchte das Reh?, E.L. ..... 23

Pelz ........ 25

Bücher ............................ 26
Brokmann/ Pichler, Bishnois und Jains
Die Genossenschaft Eden,
Drewermann, Von Tieren und Menschen
Coetzee, Das Leben der Tiere
Leitzmann, Vegetarismus
Bieling, Vegane Rezepte
Vegetarian Visitor Britain

Tierrechte und Menschenrechte, C.B.
Gedenken ........................ 28
Astrid Lindgren
Hans Fischinger

Notizen ........................... 29

Impressum und Offenlegung .22
Frächterskandal und Tiertransporte ............ 31

 

Seite 20:

Ist Jagd noch zeitgemäß?
Christine Beidl

Buchbesprechung und Diskussion



Der Lust-Töter
Verlag Das Brennglas (Röttbacher Str. 61, D-97892 Kreuzwertheim), 2001, 32 Seiten A4, reich bebildert.


Die Broschüre befaßt sich ausführlich und kritisch mit den Methoden, Hintergründen, Auswüchsen und Mißbräuchen des sogenannten "edlen Waidwerks“.


Diese Kritik ist längst nicht mehr auf Tierschützer-Kreise beschränkt. Lt. Statistik sprechen sich heute etwa die Hälfte der Männer und zwei Drittel der Frauen gegen die Art und Weise, wie die Jagd heute ausgeübt wird, entschieden aus. Diese Umfrage in Deutschland dürfte in Österreich ähnliche Ergebnisse zeitigen. Auch in den Medien wird gerade das heutige Jagdverhalten immer mehr in Frage gestellt. Und dies gilt schon lange nicht mehr nur für das millionenfache Singvogelmorden in den romanischen Ländern sondern auch für die Methoden im eigenen Land.


In der Ausgabe 44/01 des renommierten "Spiegel" finden wir unter dem Titel "Da kommt das Blut zum Kochen"' und "Die deutschen Weidmänner geraten ins Kreuzfeuer" massive Kritik gegen den "Terror im Wald". Aufhänger ist die Geschichte des Heiligen Hubertus, dessen Bekehrung ins Gegenteil verkehrt wurde: Statt als Schützer des Wildes wurde er zum Patron der Jäger hochstilisiert; in beiden Kirchen finden anläßlich der berüchtigten "Hubertusmessen" Tierleichen-segnungen statt. Dazu seine Legende:
" Gräfin Floribana hatte ihren Gatten gewarnt: Ausgerechnet am Karfreitag mußte Hubert seiner Jagdleidenschaft frönen und mit der Meute durch die Ardennenwälder streifen. Schon war der kapitale Hirsch gestellt, da geschah das Wunder: Ein leuchtendes Kruzifix erschien im Geweih, das prächtige Tier mahnte seinen Verfol-ger: "Warum jagst du mich?" - Der ge-läuterte Wüstling, so will es die Legende, wurde zum Bischof und nach seinem Tod im Jahr 727 heilig gesprochen. Als ihren Schutzpatron feiert ihn alljährlich am 3.November ausgerechnet die Jägerschaft."


Es sind längst nicht mehr nur radikale jugendliche Tierschützer, Aktivisten, die durch das Umsägen von Hochsitzen oder lautstarke Störungen bei der Jagd ihrem Unmut Ausdruck verleihen. Auch Natur- und Umweltschutzverbände können die heutigen Methoden nicht mehr akzeptieren und seit neuestem rücken sogar Politiker auf den Plan, etwa die deutschen Minister Frau Künast und Trittin, die eine wesentliche Einschränkung der bisher dem Jagdrecht unterliegenden Beutetiere fordern. Aber auch unter den Jägern selbst gibt es Kritik an den heute aus kommerziellen Gründen üblichen Auswüchsen: Etwa daß Wildschweine, Hirsche, Rehe oder Vogelarten in Massen aufgepäppelt werden, um die Tötungslust der zahlreichen betuchten Hobbyjäger befriedigen zu können.
Am deutlichsten demaskiert sich der Ungeist aber in gewissen pervers-romantisierenden Passagen der Fachzeitschriften selbst (vom "Spiegel" zitiert):
„ Das Zusammenspiel von Hundelaut, Flintenknall und rollierenden Rotröcken stellt für im Pulverdampf ergraute Weidmänner einen Jungbrunnen dar und bringt auch das grüne Blut der jugendlichen Jäger zum Kochen."


Die ständigen Rechtfertigungsversuche der Jäger, das Wild zu hegen und die Natur zuschützen, werden durch solche Stil-blüten ihrer eigenen Fachzeitschrift ad absurdum geführt. Welch sadistischer Zynismus liegt nicht schon darin, sterbende, getroffene Füchse als rollierende Rotröcke zu bezeichnen! Oder man beachte die kaum verhalten Reaktionen dieser Weidmänner an der "Lust des Tötens."


Natürlich mögen nun einige sagen, nicht ganz zu unrecht, daß Wildtiere immer noch ein privilegierteres Leben führen im Vergleich zu den sogenannten Nutztieren: Sie führen ein einigermaßen freies und natürliches Dasein in Wald und Flur, paaren sich, ziehen Junge auf, während die letzteren in stinkenden Massenfabriken lebenslang dahin vegetieren, Hühner, Puten, Schweine und Rinder in Kettenhaltung, ihnen steht der qualvolle Transport oft über lange Strecken in den Schlachthof bevor, wo sie ein auswegloser Tod ohne die geringste Chance auf Ret-tung erwartet. Es ist immer noch ein Unterschied, durch Überfall ermordet oder in eine Hinrichtungszelle geschleppt zu werden. Außerdem sei die Anzahl der Schlachttiere unvergleichlich höher.


Dazu ist nur zu sagen, daß kein Verbrechen durch den Hinweis auf ein anderes Verbrechen gerechtfertigt werden kann, Diese typisch menschliche Denkweise ist auch die Ursache vieler Kriege ...
Durch die hohe Anzahl der Freizeit- und Hobbyjäger ist die Menge der jährlich dem "Jagdsport" zum Opfer fallenden Tiere trotzdem erschreckend. In der Broschüre "Der Lust-Töter" werden sie zahlenmäßig aufgelistet: Allein in Deutschland sind es, nach Angaben des Deutschen Jagdschutz-Verbandes, in der Jagdsaison 1999/2000 insgesamt 5,135.404 Tiere, die für die Befriedigung menschlicher Jagdlust sterben müssen, davon über eine Million Rehe.
Aber es ist nicht die Jagd allein, welche die Tiere bedroht. Durch die Technisierung und Industrialisierung der Landwirtschaft wird ihr Lebensraum immer beengter. Daher steht am Ende der Broschüre die Forderung: Gebt den Tieren die Wälder, Felder und Wiesen zurück! -
" Zerstörung von Biotopen, Zerschneidung und Verinselung von Biotopen und Tiergruppen, Rückgang von Lebensräumen, Umweltbelastungen, Störungen durch menschliche Anwesenheit, Bauwerke und Verkehr. "


Dazu im Detail: "Im Rahmen von Flurbereinigungen, aber auch der regulären Nutzung wurden Kleinstrukturen wie Hecken, Feldgehölze, Wegfraine, Kleingewässer, Hohlwege etc. beseitigt".
Die Flächennutzung in der Landwirtschaft ist geprägt vom Einsatz von Pestiziden, chemischen Düngemitteln sowie Düngung mit Mist und Gülle aus ganzjähriger Stall-haltung, was zum direkten Tod von Organismen fährt."
Durch den Einsatz der riesigen landwirtschaftlichen Maschinen geschieht es immer wieder, daß besonders Jungtiere, die nicht rechtzeitig flüchten konnten, regel-recht zerstückelt werden. -
Auch durch die Forstwirtschaft werden durch großflächige Kahlschlag-Monokulturen usw. immer mehr Lebensräume der Tiere vereinnahmt undzerstört.
Dazu kommen noch die zahlreichen Tiere, die dem Verkehr zum Opfer fallen.


Der Artikel schließt mit dem Aufruf:
" Unmittelbarer Handlungsbedarf besteht auch. für Landwirte und Waldbesitzer. Dazu gehört sowohl die Schaffung von Biotopen und ungestörten Schutzräumen, als auch die Hinwendung zu einer natürlichen, biologischen und friedlichen Bewirt-schaftung von Wäldern, Wiesen und Äckern."

Die schönsten Gipfelgespräche führen die Vögel im Walde.
(Karlheinz Deschner)


Da sich im Rahmen der Broschüre Prof. Mynarek ausführlich mit der Schuld des Christentums an unserer allgemeinen Einstellung zum Tier befaßt, und zwar nicht mit Unrecht, möchte ich hier einige historische Tatsachen und Beispiele anführen.
Wir wissen, daß im Urchristentum die Jagd, ebenso wie Kriegshandlungen und Gladiatorenspiele, verpönt waren; Menschen, die solchen Traditionen huldigten, wurden zur Taufe nicht zugelassen. Und noch im 8. Jahrhundert gab es ein Verbot für die Geistlichkeit, sich an dem aristo-kratischen Jagdvergnügen zu beteiligen.
Zwischen dem 10. und 13. Jahrhundert wurde die Jagd zum ausschließlichen Privileg des Adels. So grausam man dabei mit den Tieren umging, für die es keinerlei Schutzbestimmungen gab, so un-menschlich bestrafte man auch den "Jagdfrevel" und die Wilderei, etwa von armen Bauern, die ein Wild töteten, wenn ihnen während der Jagden die ganze, mühsam erarbeitete Ernte auf dem Feld zertrampelt wurde. Diese "Jagdfrevel" wurden durch unmenschliche Strafen oder gar mit dem Tod geahndet.
Auch Kirchenfürsten beteiligten sich eifrig an diesem der Aristokratie vorbehaltenen Vergnügen, zeigten aber auch ebensowenig Schonung und Mitleid für die Jagdfrevler. So ließ der Erzbischof von Salzburg 1537 einen Bauern wegen eines in dessen Kornfeld getöteten Hirsches in ein Hirschfell einnähen und lebendig von seinen Hunden zerfleischen.
Daß es auch heute noch nicht nur Geistliche, sondern sogar Bischöfe gibt, die die Jagd zu ihrem Hobby erkoren haben, kann uns als Christen natürlich nicht freuen.
Daß Kaiser Franz Josef, aber auch der hochgeschätzte und populäre Erzherzog Johann große Freunde des "edlen Weidwerks" waren, ist bekannt. Am ärgsten trieb es wohl der in Sarajewo ermordete Thronfolger Ferdinand, der seinerseits vielen Hunderten von Tieren während seines Lebens den Garaus machte.
Tendenzen zu einer Humanisierung der Jagdmethoden gab es schon früher. Um die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert kam es erstmalig zu einer Schonzeit des Wildes, während früher schwangere und säugende Tiere wahllos abgeknallt wurden. Allerdings galt diese Schonzeit übri-gens bis heute nicht für das sogenannte "Raubzeug", sondern nur für die zu kulinarischen Zwecken verwertbaren Tiere.
Unter den christlichen Gruppen waren es vor allem die Quäker und die Pietisten, die begannen, die Tiere in ihr Mitgefühl einzubeziehen und deren Drängen wohl auch gewisse Verbesserungen zu verdanken sind.
Es besteht kein Grund zu der Annahme, daß seinerzeit die Aristokraten mit ihren gehetzten, geängstigten Opfern mehr Mitgefühl hatten als ihre heutigen Nachfolger, Politiker und reiche Wirtschaftsbosse. Immer schon hat es der Mensch verstanden, seine Quälereien an hilflos ihm Ausgelieferten noch mit Hohn und Spott zu würzen, Da gab es - ich will nicht näher darauf eingehen - das "Wippen" gefangener Tiere bis zu deren Tod, wobei sich die Zuschauer fast zu Tode lachten über die unbeholfenen Bewegungen der verzweifelten Opfer, oder die sadistische "Katzenorgel". Aber was bewegt die Mitglieder der englischen Hocharistokratie, so fanatisch an den traditionellen Fuchsjagden festzuhalten? Ergötzt sie der Anblick einer neurotisierten Hundemeute so sehr, die einen bis zur totalen Erschöpfung gehetzten Fuchs lebendig zerfleischt?
Und wie ausgelassen-fröhlich geht es nicht auch in unseren Landen beim Leichenschmaus nach den Jagden zu, ganz abgesehen von den Zeremonien mit der "Strecke", dem Halali-Blasen und dem Schmücken der ermordeten Tiere mit grünen Zweigen, wie zum Hohn.


Christine Beidl

Seie 22:
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anima - Zeitschrift für Tierrechte: Impressum und Offenlegung
(Impressum siehe auch letzte Seite)
Medieninhaber: Österr.Vegetarier Union (ÖVU), Postfach 1, 8017 Graz, Tel.0316-463717. Vorsitzender der ÖVU: Dr.Erwin Lauppert, HR.i.R., Stellvertreterin Hertha Heger, em. Hochschulprof., Schriftführerin Christine Beidl. Herausgeber und Redaktion: Arbeitskreis Tierrechte der ÖVU/Christine Beidl, Hirteng. 13, 8020 Graz, Tel.0316-689151.
Grundlegende Richtung: Forum für die Anliegen der Tierrechte, Mobilisierung des Mitfühlens mit der am menschlichen Übermaß leidenden Kreatur, ob Maximalforderungen (Veganismus, Tierversuchsverbot), Lakto-ovo-Vegetarismus, oder minimal (artgerechte Nutztierhaltung, tierfreundlicheres Konsumverhalten).

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Seite 23:
Was möchte das Reh?

Noch ein paar Worte zur vorhin behandelten Broschüre „Der Lust-Töter“.
Die traditionelle tierschützerische Konvention gebietet es, einem Brauch mit besonderer Empörung entgegenzutreten, der Jagd. Es bedarf in diesem Blatt keiner Betonung, daß Tiere zu töten als Sport, um des Vergnügens willen abscheulich ist. Doch warum gilt nüchterne Überlegung, wie da das Los der Tiere verbessert werden kann, geradezu als Sakrileg? Als vor etlichen Jahren in der anima die Frage aufgeworfen wurde, ob die Übung, beim Jägerball mit Mörder-Plakaten Spalier zu stehen, nach zehnjährigem vergeblichen Mühen nicht durch sinnvollere Maßnahmen ersetzt werden sollte, waren wütende Leserbriefe die Folge. Da nimmt es nicht wunder, daß auch die vorhin besprochene Antijagdbroschüre in unserer Redaktion unterschiedlich beurteilt wird.


Ohne Zweifel „Der Lust-Töter“ ist graphisch und im Text professionell gemacht, psychologisch durchdacht, aufwendig gestaltet. Nur, die Argumente sind ungefähr dieselben, die schon seit hundert Jahren und mehr - ziemlich erfolglos - gegen die Jagd vorgebracht wurden (vgl. Farkas, Aus den Anfängen der Schlacht- und Jagdkritik, anima 1/1997), ausgenommen die nicht sehr plausible Bezugnahme auf die Nazis; an der Schießwut Franz Ferdinands kann man wirklich nicht Adolf Hitler die Schuld geben und wenn unsere Jäger vor hundert Jahren ihre Trophäen an die Wand nagelten, taten sie das sicher nicht dem späteren NS-Reichsjägermeister Hermann Göring zuliebe.
Die Broschüre ersetzt beträchtlichenteils Sachlichkeit durch Demagogie und wird so leider eine mindere Argumentationsgrundlage. Die Verwerflichkeit der Jagd als Vergnügen ist unbestritten, doch wird ein allein darauf bezogenes Antijagd-Plädoyer, wie es die Broschüre weitgehend ist, der Vielfalt der Beziehungen zwischen Mensch und wildem Tier nicht gerecht und bringt so wenig Nutzen.
Es gibt Tatsachen, die man nicht verschweigen soll.
Tatsache ist, daß ob 98, 96 oder 94 % der Bevölkerung, jedenfalls die ganz überwältigende Mehrheit keine Vegetarier sind, also Tiere direkt töten lassen, und damit, um in der Diktion der Broschüre zu sprechen, ebenfalls Lust-Töter sind, Schreibtisch- oder Supermarkt-Täter. Denn Fleisch zu essen, ist - das ist heute wissenschaftlicher Standard - nicht notwendig und dient genau genommen nur der menschlichen Gaumen-Lust. Und all die vielen Bauern, die in ihren meist kleinindustriellen Produktionsstätten Tiere mästen, sind Mittäter. Das auszusprechen, mag nicht opportun sein, vielleicht ist die Vehemenz des Kampfes gegen die Jagd unbewußt im Bemühen begründet, diese Tatsache zu verdecken.


Übrigens gilt dies, wenn auch in um vieles, vieles minderem Maße, für Lakto/ovo-Vegetarier, wenigstens soweit sie die Produkte nicht von Zweinutzungstieren beziehen oder von vor dem Tode geretteten Batteriehühnern; Zweinutzungsrinder sind in Österreich noch zahlreich, Zweinutzungshühner gibt es faktisch nicht mehr.


Und auch wenn auch in noch viel minderem Maße für die vegane Richtung des Vegetarismus: Ein großer Teil der Abschußforderungen kommt von den Bauern, auch die moderne landwirtschaftliche Produktionsweise ist teilweise tiertötend. In einigen Bereichen fallen eher mehr Wildtiere der Landwirtschaft zum Opfer als der Jagd.


Tatsache ist, wenigstens heutzutage und von Ausnahmen abgesehen:
Der Hauptfeind des Tieres als Art ist nicht der Jäger, es ist der zivilisierte Mensch. Es ist die Landnahme durch den Menschen, ob für seine notwendigen Bedürfnisse oder fürs Vergnügen. Die einzige von den 32 Seiten des Hefts, die sich diesem wesentlichsten Punkt widmet, hat Christine Beidl vorn fast vollständig wiedergegeben.


Umgekehrt haben bekanntlich viele Arten der Wildtiere das Feld nicht kampflos geräumt, im Gegenteil sie haben zivilisiertes Land zurückerobert, menschliche Landnahme hat manchen Arten überhaupt erst Lebensmöglichkeit gegeben. Die daraus entstehenden ernsten Interessenkonflikte klammert der „Lust-Töter“ aus. So kann man Probleme nicht lösen.


Ein Mißverständnis, das auch die Broschüre hochhält, belastet die Diskussion. Gefühlsmäßig mögen manche Nichtjäger die Natur eher mit paradiesischen Zuständen assoziieren; umso verständlicher ist die Empörung, wenn der Jäger in diese vermeintliche Welt des Friedens einbricht. Leider ist das Leben in der Natur kein Paradies sondern für die Tiere härtester Überlebenskampf, dem die meisten sehr rasch zum Opfer fallen, auch ganz ohne Jäger.


Die Jagdwirtschaft ist in den maßgebli-cheren Sparten heutzutage mit künstlich überhöhten Wildbeständen zu einer Form der Nutztierhaltung geworden, immerhin ziemlich zur artgerechtesten unter den Haltungsformen.


Der Vergleich zur Legehennenhaltung drängt sich auf. Natürlich ist auch die Freilandhaltung weit entfernt vom Ideal, Tötung der männlichen Küken sogleich nachdem Schlupf, der weiblichen Legehennen nach ca. eineinhalb Jahren (nach meist grauslichem Transport), häufig sehr schlechte Luft in den Ställen (oder schlafen Sie, verehrte Lese, Jahr und Tag über Ihren gesammelten Exkrementen?) Dennoch sie ist hundertmal besser als die Batteriehaltung. Wäre es sinnvoll, die Tierfreunde würden gegen die Freilandhaltung zu Felde ziehen? Dann bliebe uns die Batteriehaltung.


Ä hnlich hier. Wenn man auf die Jagd verzichtet, das wäre - lassen wir einmal den Komplex der sogenannten Schadtiere beiseite - möglich, denn Straßenverkehr, Landwirtschaft, wildernde Hunde und Katzen, Füchse, Witterungsunbill, Verhungern im Winter etc. könnten die Bestände meist auch ohne Jäger auf niedrigem Niveau konstant halten, dann gäbe es nur mehr Fleisch aus Massentierhaltung. Ein Erfolg?


Um nicht mißverstanden zu werden: Als Vegetarier freue ich mich weder über die Jagd als Nutztierhaltung und ich brauche auch nicht die Massentierhaltung. Und ich bin der letzte, der vermeidbare Grauslichkeiten in der heute praktizierten Jagdausübung beschönigen möchte. (Es gibt da eine lange Liste insbes. auch betr. Füchse und Kleinräuber, nur fehlt hier der Raum, sie im einzelnen abzuhandeln). Doch gerade wenn wir die abstellen möchten, bringt es nichts, die Jäger generell als Lust-Töter zu beschimpfen. Ein Jahrhundert vergeblicher Antijagdkampagnen zeigt es. Und es bringt auch nichts, wenn wie in der Broschüre, die von einer kleinen religiösen Gruppierung stammt, die „Kirche“ seitenlang angegriffen wird.


Wer als Schwacher den Tieren helfen will, muß in kleinen Schritten vorgehen, er darf sich nicht Feinde schaffen, er muß sich Bundesgenossen suchen, die gibt es auch in den Kirchen wie auch unter verständigen Jägern.


Und nochmals: Nicht die Jagd ist das tierschützerische Hauptproblem, die Massentierhaltung ist es, quantitativ und qualitativ.


Schließlich, wir Tierschützer sollten auch die Tiere fragen. Was dürfte dem Reh wohl lieber sein, gleich im nächsten Winter zu verhungern oder gefüttert und erst zwei Jahre später totgeschossen zu werden?


Erwin Lauppert


Österreichische Jagdstatistik
Jagdjahr 2000 bzw. 2000/2001: Bei den meisten Haar- und Federwildarten ist bei den Abschußzahlen ein Aufwärtstrend erkennbar. In 11.764 Jagdgebieten wurden ca. 353.000 Stück Schalenwild erlegt, davon 256.672 Stück Rehwild (Vorjahr 240.267, +7%), 43.498 St. Rotwild (40.792, +7%), 24.523 St. Gamswild (23.041, +6%), 24.822 St. Schwarzwild (23.526, +6%). Sonstiges Haarwild: 194.019 Hasen (181.595, +7%)., 57.929 Füchse (62.025, -7%), 36.366 Wiesel (26.656, +36%), 24.694 Marder.
Wildverluste: Mit 154.000 Stück haben sie etwa das Niveau des Vorjahres: 1.787 St. Rotwild (1.808), 65.390 St. Rehwild (63.851), 2.120 St. Gamswild (4.120, -48%).


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